AMG Critical Materials N.V. (AMG) hat im zweiten Quartal 2026 ein deutlich verbessertes Ergebnis erzielt und den Ausblick für das Gesamtjahr angehoben. Das bereinigte EBITDA stieg auf 92 Mio. US-Dollar und lag damit 30 Prozent über dem Vorjahreswert von 71 Mio. US-Dollar. Positiv wirkten sich die höheren Lithiumpreise sowie planmäßig ins zweite Quartal verschobene Lithiumlieferungen aus.
Zum 30. Juni 2026 verfügte AMG über eine starke Liquidität von 508 Mio. US-Dollar. Noch nicht enthalten sind dabei die Erlöse aus der jüngsten Kreditfinanzierung sowie dem Verkauf von Graphit Kropfmühl, wodurch sich der Kassenbestand um mehr als 100 Mio. US-Dollar weiter erhöhte.
Prognose für 2026 angehoben
Trotz der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten hebt AMG seine Prognose für das bereinigte EBITDA 2026 auf 230 bis 250 Mio. US-Dollar an. Gleichzeitig weist das Unternehmen darauf hin, dass das dritte Quartal voraussichtlich unter dem außergewöhnlich starken zweiten Quartal liegen wird, da dieses von einmaligen positiven Mengeneffekten profitierte.
CEO Dr. Heinz Schimmelbusch zeigte sich dennoch optimistisch. Die umfangreichen Investitionen der vergangenen Jahre sowie die Verbesserung des Lithium-Marktes würden das zukünftige Ertrags- und Cashflow-Potenzial des Konzerns zunehmend sichtbar machen.
Zinnwald-Übernahme stärkt Lithiumgeschäft
Ein bedeutender strategischer Schritt war die Übernahme von Zinnwald Lithium, einem der größten Lithiumvorkommen Europas. Die Transaktion wurde am 27. Juli 2026 abgeschlossen. AMG übernimmt die bislang nicht gehaltenen rund 71 Prozent der Anteile für rund 56 Mio. US-Dollar, finanziert jeweils zur Hälfte in bar und über neue Aktien.
Das Unternehmen sieht erhebliches Potenzial, das Projekt durch seine Erfahrung im Bergbau, in der Raffination und Zertifizierung kritischer Rohstoffe effizienter und kostengünstiger zu entwickeln sowie gleichzeitig die Umweltbilanz zu verbessern.
Bitterfeld fährt Produktion weiter hoch
Auch die Lithiumhydroxid-Raffinerie in Bitterfeld entwickelt sich planmäßig. Die Anlage produziert inzwischen kontinuierlich Lithiumhydroxid in Batteriequalität und konnte im zweiten Quartal bereits bedeutende Verkaufsmengen ausliefern. Im zweiten Halbjahr soll die Produktion schrittweise auf die volle Kapazität hochgefahren werden.
Darüber hinaus plant AMG am Standort Bitterfeld den Bau einer neuen Anlage zur Umwandlung von recyceltem Lithiumcarbonat in Lithiumhydroxid mit einer Jahreskapazität von 5.000 Tonnen. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 50 Mio. US-Dollar, wobei 20 Prozent der Kosten durch Fördermittel des Bundeswirtschaftsministeriums unterstützt werden.
Vanadiumgeschäft entwickelt sich stark
Im Vanadiumgeschäft eröffnete AMG im Juni eine neue Chrommetall-Produktion im US-Bundesstaat Pennsylvania. Die Anlage verfügt über eine Jahreskapazität von bis zu 6.500 Tonnen und stärkt insbesondere die Versorgung der Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungsindustrie mit einem in den USA als kritisch eingestuften Rohstoff.
Zudem wurde AMG Vanadium bereits zum zweiten Mal in Folge vom Branchenmagazin Metals & Mining Review als „Spent Catalyst Recycling Company of the Year“ ausgezeichnet.
Auch das gemeinsam mit Advanced Circular Materials Company entwickelte Vanadium-Recyclingprojekt in Saudi-Arabien verläuft trotz regionaler Spannungen leicht vor Plan. Ende Juni war das Projekt zu mehr als 37 Prozent fertiggestellt und hatte bereits über 500.000 Arbeitsstunden ohne meldepflichtigen Arbeitsunfall erreicht.
Engineering und Verkauf von Graphit Kropfmühl
Die Engineering-Sparte profitierte von einem weiterhin hohen Auftragsbestand von 391 Mio. US-Dollar.
Zudem wurde der bereits 2025 angekündigte Verkauf der Tochtergesellschaft Graphit Kropfmühl GmbH an Asbury Advanced Materials erfolgreich abgeschlossen. AMG erzielte daraus einen Mittelzufluss von insgesamt 64 Mio. US-Dollar.
Gewinn und Liquidität legen kräftig zu
Der Bruttogewinn stieg im zweiten Quartal um 36 Prozent auf 125 Mio. US-Dollar. Haupttreiber waren die starke Entwicklung der Geschäftsbereiche Vanadium und Lithium.
Das den Aktionären zurechenbare Konzernergebnis erhöhte sich auf 28 Mio. US-Dollar und lag damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahresquartal. Zusätzlich profitierte das Ergebnis von einer positiven Neubewertung der Lithiumvorräte.
Zur Finanzierung weiterer Wachstumsprojekte führte AMG im April eine Kapitalerhöhung durch. Die neuen Aktien wurden zu 34 Euro je Aktie platziert und brachten dem Unternehmen mehr als 108 Mio. Euro ein. Die Mittel fließen unter anderem in den Ausbau der Lithium- und Vanadium-Recyclingaktivitäten sowie in weitere Wachstumsprojekte.
Darüber hinaus refinanzierte AMG erfolgreich seine Kreditlinien. Neben einer neuen revolvierenden Kreditfazilität wurde ein siebenjähriges Darlehen über 500 Mio. US-Dollar aufgenommen. Aufgrund der hohen Investorennachfrage konnte der Zinsaufschlag reduziert werden.
Zwischendividende angekündigt
AMG wird für das laufende Geschäftsjahr eine Zwischendividende von 0,20 Euro je Aktie ausschütten. Die Auszahlung ist für das dritte Quartal 2026 vorgesehen.














