All for One vor dem Verkauf: VINCI bietet 67,50 Euro – operativ steckt der SAP-Spezialist tief im Umbau

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All for One Group steht vor einem tiefgreifenden Einschnitt. Während das operative Geschäft unter der schwachen Konjunktur, Projektverschiebungen und hohen Restrukturierungskosten leidet, hat VINCI Energies ein freiwilliges Übernahmeangebot für den SAP-Dienstleister angekündigt.

Der Angebotspreis von 67,50 Euro je Aktie entspricht einem Aufschlag von mehr als 95 Prozent auf den letzten unbeeinflussten Schlusskurs. Damit rückt für Anleger weniger die schwache Neunmonatsbilanz als vielmehr die Frage in den Mittelpunkt, ob das Übernahmeangebot erfolgreich abgeschlossen wird und die All-for-One-Aktie anschließend von der Börse verschwinden könnte.

Umsatz stagniert trotz apsolut-Übernahme

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 erzielte All for One einen Konzernumsatz von 379,6 Millionen Euro. Damit lagen die Erlöse nahezu exakt auf dem Vorjahresniveau von 380,4 Millionen Euro.

Das ist insofern enttäuschend, als die seit März 2026 vollkonsolidierte apsolut Group bereits rund 14,2 Millionen Euro zum Umsatz beitrug. Ohne diesen Zukauf wäre das organische Geschäft entsprechend deutlicher geschrumpft.

Die anhaltend schwache Konjunktur im deutschsprachigen Raum führte bei vielen Kunden zu verschobenen oder zeitlich gestreckten IT-Projekten. Besonders das Beratungsgeschäft litt unter einer geringeren Auslastung. Die Consulting-Umsätze legten aufgrund der Übernahme zwar um 2 Prozent zu, gleichzeitig gingen die Erlöse aus Software und Support jedoch um 8 Prozent zurück.

Positiv entwickelte sich das Cloud-Geschäft. Die Cloud- und Serviceerlöse stiegen um 4 Prozent auf 115,6 Millionen Euro. Die wiederkehrenden Umsätze erreichten 201 Millionen Euro und machten inzwischen 53 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Damit wird das Geschäftsmodell zwar planbarer, die Wachstumsdynamik reicht aktuell aber nicht aus, um die Schwäche im klassischen Lizenz- und Beratungsgeschäft auszugleichen.

Precision-Programm reißt tiefes Loch ins Ergebnis

Besonders deutlich zeigt sich die Belastung auf der Ergebnisseite. Das EBIT vor M&A-Effekten brach von plus 17,5 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 9,3 Millionen Euro ein.

Die entsprechende Marge fiel von plus 4,6 Prozent auf minus 2,4 Prozent.

Hauptgrund waren hohe Sonderaufwendungen für das im Mai beschlossene Restrukturierungsprogramm „Precision“. Insgesamt beliefen sich die Einmaleffekte auf rund 20,2 Millionen Euro. Davon entfielen allein 17,8 Millionen Euro auf Personalmaßnahmen.

Weitere Belastungen entstanden durch Integrationskosten, Reorganisationsmaßnahmen, den Rechtsformwechsel und Wertberichtigungen auf Forderungen.

Bereinigt um diese Sondereffekte erzielte All for One ein EBIT vor M&A-Effekten von 10,9 Millionen Euro. Die bereinigte Marge lag damit bei 2,9 Prozent.

Das zeigt: Das operative Kerngeschäft ist nicht völlig eingebrochen, die Profitabilität liegt jedoch auch ohne Sonderkosten deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Deutschland wird zur größten Baustelle

Besonders schwach entwickelte sich der wichtigste Markt Deutschland. Der Segmentumsatz sank um 3 Prozent auf 300,6 Millionen Euro.

Noch drastischer fiel die Ergebnisentwicklung aus. Nach einem Segmentergebnis von 20,5 Millionen Euro im Vorjahr verbuchte All for One nun einen Verlust von 3,6 Millionen Euro. Die Segmentmarge fiel von 6,6 Prozent auf minus 1,2 Prozent.

Ursachen waren geringere Lizenzverkäufe, niedrigere Provisionserlöse und eine schwächere Auslastung im Consulting.

Besser entwickelte sich das Geschäft im übrigen Europa. Dort stieg der Umsatz um 9 Prozent auf 96,7 Millionen Euro. Das Segmentergebnis sank allerdings von 5,1 auf 3,4 Millionen Euro.

Das volumenmäßig noch kleine Segment Übrige Welt wuchs auch durch die apsolut-Übernahme auf 12,9 Millionen Euro Umsatz. Mit einer Marge von 9,5 Prozent war es zugleich das profitabelste Segment der Gruppe.

Die Zahlen zeigen deutlich, dass All for One international Fortschritte macht, die Schwäche im deutschen Kerngeschäft derzeit aber nicht kompensieren kann.

Verschuldung steigt deutlich

Die Übernahme der apsolut Group und das negative Ergebnis haben auch Spuren in der Bilanz hinterlassen.

Die Nettoverschuldung erhöhte sich von 43,0 Millionen Euro zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres auf 104,6 Millionen Euro. Gleichzeitig sank das Eigenkapital um 23 Prozent auf 84,6 Millionen Euro.

Die Eigenkapitalquote fiel dadurch von 33 auf nur noch 22 Prozent.

Neben der Akquisition belasteten die Dividendenausschüttung, der Rückkauf eigener Aktien und das negative Periodenergebnis die Kapitalbasis.

Der operative Cashflow ging von 11,6 Millionen Euro auf 2,8 Millionen Euro zurück. Neben dem schwächeren Ergebnis wirkte sich eine zusätzliche Kapitalbindung im Working Capital negativ aus.

Mit einem Finanzmittelfonds von 61,8 Millionen Euro verfügt All for One zwar weiterhin über Liquidität. Die deutlich gestiegene Verschuldung erhöht jedoch den Druck, die Profitabilität und den Cashflow rasch zu verbessern.

Übernahmeangebot mit fast 100 Prozent Prämie

Nach dem Ende des Berichtszeitraums rückten die operativen Zahlen allerdings schlagartig in den Hintergrund.

VINCI Energies kündigte über eine Erwerbsgesellschaft ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für All for One an. Geboten werden 67,50 Euro je Aktie.

Der Angebotspreis entspricht einem Aufschlag von 95,5 Prozent auf den Schlusskurs vom 15. Juli 2026. Gegenüber dem volumengewichteten Durchschnittskurs der vorherigen drei Monate beträgt die Prämie sogar 104,9 Prozent.

Vorstand und Aufsichtsrat begrüßen und unterstützen das Angebot grundsätzlich. Eine abschließende Empfehlung soll allerdings erst nach Prüfung der vollständigen Angebotsunterlage erfolgen.

Der Zusammenschluss steht unter üblichen Bedingungen, darunter fusionskontrollrechtliche Freigaben und eine Mindestannahmeschwelle von 75 Prozent.

Nach einem erfolgreichen Abschluss könnte zudem ein Delisting der All-for-One-Aktie geprüft werden. Für Anleger bedeutet das: Wer investiert bleibt, muss sich darauf einstellen, dass die Aktie möglicherweise künftig nicht mehr im regulierten Markt gehandelt wird.

VINCI will Internationalisierung beschleunigen

Strategisch ergibt die Übernahme durchaus Sinn. All for One verfügt über eine starke Position bei SAP-, Cloud- und Transformationslösungen für den Mittelstand. VINCI Energies und die IKT-Marke Axians bringen eine breite europäische Kundenbasis sowie zusätzliche Kompetenzen in Infrastruktur, Künstlicher Intelligenz und Cybersecurity ein.

Gemeinsam könnten beide Unternehmen umfassendere End-to-End-Lösungen anbieten und die Internationalisierung von All for One deutlich beschleunigen.

Laut Vereinbarung soll All for One zunächst eigenständig bleiben. Auch der Hauptsitz in Filderstadt soll erhalten werden. Ein Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag ist bis Anfang 2029 ausgeschlossen.

Damit versucht VINCI offenbar, Kunden und Mitarbeiter von der Kontinuität des Geschäftsmodells zu überzeugen.

Prognose massiv gekappt

Operativ bleibt der Ausblick dennoch ernüchternd. All for One erwartet für das Geschäftsjahr 2025/26 weiterhin einen Umsatz zwischen 500 und 530 Millionen Euro.

Beim Ergebnis wurde die Prognose jedoch bereits im Mai drastisch reduziert. Statt eines EBIT vor M&A-Effekten zwischen 27,5 und 34,5 Millionen Euro erwartet das Unternehmen nun nur noch einen Wert von 0 Euro mit einer Schwankungsbreite von plus oder minus 5 Millionen Euro.

Die Einmalaufwendungen für das Precision-Programm sollen bei bis zu 20 Millionen Euro liegen.

Ab Herbst 2026 will All for One das jährliche Kostenniveau um rund 20 Millionen Euro senken. Unter stabilen Marktbedingungen soll dies in den kommenden Geschäftsjahren zu deutlich höheren Margen führen.

Das Programm umfasst unter anderem Personalmaßnahmen, eine stärkere Nutzung von Near- und Offshore-Standorten, den Umbau der Vertriebsorganisation sowie zusätzliche Investitionen in Künstliche Intelligenz.

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