Albis Leasing zu unrecht im Schatten der Grenke! Vorstand Sascha Lerchl spricht über Wachstum, KI, einen Aktienkurs, der hinter dem Operativen zurückblieb. Und mehr.

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Die ALBIS Leasing AG ist ein führender Leasingpartner für den deutschen Mittelstand und seit über 35 Jahren erfolgreich am Leasingmarkt tätig. Das Unternehmen unterstützt Kleinst- und Kleinunternehmer sowie Mittelständler bei der Finanzierung ihrer Geschäftsvorhaben. So können Kunden der ALBIS ihre geschäftliche Zukunft sichern, wettbewerbsfähig bleiben und durch Anschaffungen ihren eigenen Kunden State-of-the-art-Produkte und -Services bieten.

Albis Leasing – ein eher ruhiger Vertreter am Kapitalmarkt. Operative Stärke, erfolgreiche Antworten auf Zinswende und Refinanzierungsumfeld – Pfunde mit denen man wuchern kann. Mehr erfahren über die Albis Leasing, dass war der Grund mit dem Vorstand und Sprecher des Vorstands, Herrn Sascha Lerchl, über „seine“ Albis Leasing zu reden. Dabei kam heraus: Spannende Einblicke in eine Wachstumsstory, die bisher an der Börse noch nicht die ihr zustehende Würdigung findet. Noch nicht? Was man tun will, um das zu ändern – auch darüber spricht Lerchl. Und über KI – wie man sie bereits einsetzt, und was noch alles kommen könnte. Oder kann? Spannende Einblicke – von einem Unternehmer.

nwm: Denkt man an börsennotierte Leasinggesellschaften fällt einem auf Anhieb die Grenke Leasing ein. Und danach ist für die meisten schon Funkstille. Was unterscheidet die ALBIS Leasing von dem Big Player? Warum könnte sich für den Anleger ein Blick auf die ALBIS Leasing lohnen?

S. Lerchl: Die Grenke war aus bekannten Gründen in den letzten Jahren medial sehr präsent. Während Grenke international tätig ist, fokussiert sich die ALBIS Leasing auf den deutschen Leasingmarkt. Hier sind wir seit mittlerweile über 35 Jahren sehr erfolgreich tätig. Dabei unterstützen wir Kleinst- und Kleinunternehmer sowie Mittelständler bei der Realisierung ihres unternehmerischen Erfolgs und finanzieren ihre Geschäftsvorhaben. Unser Fokus liegt auf dem margenstarken Small Ticket-Geschäft mit einem durchschnittlichen Objektwert von rund 6.000 €. Zur Einordnung, die durchschnittliche Ticketgröße bei der Grenke lag im Geschäftsjahr 2023 bei knapp 9.000 €, also höher als bei uns.

Mit dieser strategischen Ausrichtung verzeichnen wir eine sehr positive Geschäftsentwicklung. Aus meiner Sicht ist die Leasing-Branche insgesamt ein spannender Wachstumsmarkt in Deutschland, der uns aktuell noch mehr als ausreichend Potenzial bietet. Im Gegensatz zur vielen unserer Wettbewerber haben wir es etwas leichter, da wir keine Bank in unserer Gruppe haben. Die Steuerung einer solchen ist regulatorisch etwas komplexer als ausschließlich Objektfinanzierung über ein einfaches Leasingprodukt.

nwm:  Welche Zielgruppen avisieren Sie?

S. Lerchl: Wir unterstützen deutschlandweit Kleinst- und Kleinunternehmer sowie Mittelständler bei ihrem unternehmerischen Erfolg durch die Finanzierung ihrer Geschäftsvorhaben. Das sind alleine in Deutschland ca. 4 Millionen Unternehmen. Von denen nutzen heute erst ca. 30.000 Kunden unsere Finanzierungsprodukte. Dabei richten sich unsere Angebote an Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen. Unser Leasingportfolio reicht von Gastronomiebedarf und Kassensysteme bis hin zu Werkstattausrüstung, Lagerlogistik sowie Sport- und Freizeitgeräte. Um möglichst vielen Unternehmern aus dem Mittelstand eine einfache Nutzung und Zugang zu unseren Leasing- und Finanzierungsangeboten zu ermöglichen, arbeiten wir mit circa 1.100 Händlern in ganz Deutschland – darunter namhafte Kooperationspartner – zusammen. Sie stehen damit im Fokus unserer Geschäftsaktivitäten.

nwm: Was sind die Vorteile eher kleine Ticketgrössen anzustreben?

S. Lerchl: Die zentralen Gründe für die Konzentration auf das kleinteilige Finanzierungsgeschäft mit einem durchschnittlichen Objektwert von rund 6.000 € sind neben den höheren Margen auch ein geringeres Risiko im Portfolio aufgrund einer erhöhten Granularität und Diversifizierung. Weiterhin sind im standardisierten Mengengeschäft die Prozesse einfacher zu steuern und schneller zu digitalisieren. Durch das hohe Automatisierungspotenzial lassen sich erhebliche Skaleneffekte realisieren. Mit ihrem Schwerpunkt auf das Small Ticket-Geschäft ist die ALBIS ertragsstärker, robuster und konjunkturunabhängiger. Zudem ist der Wettbewerb im kleinteiligen Finanzierungsgeschäft insgesamt geringer, da vor allem Banken ihren Fokus meist auf größere Tickets legen.

nwm: Im letzten Geschäftsjahr konnten Sie eine positive Entwicklung zeigen? Wird sich das so in 2024 fortsetzen? Wo lauern Risiken?

S. Lerchl: Wir gehen fest davon aus, dass sich die sehr positive Geschäftsentwicklung des vergangenen Jahres auch im Jahr 2024 weiter fortsetzen wird. Das haben wir in den ersten Monaten des laufenden Jahres bereits durch das Neugeschäftswachstum gegenüber dem Vorjahr um +30 % bei steigender Marge bewiesen.

So planen wir für das Jahr 2024 mit einem stabilen Neugeschäft in Höhe von 87,5 Mio. € bis 97,5 Mio. € bei einer gleichzeitigen, weiteren Steigerung unserer Neugeschäftsmarge. Damit wollen wir an die gute Entwicklung unseres profitablen Wachstums im Jahr 2023 anknüpfen. Insgesamt wird die ALBIS dadurch auch 2024 in der Lage sein, wieder eine attraktive Dividende auszuzahlen. Risiken lauern im Leasinggeschäft zunächst in höheren Unternehmensinsolvenzen als in den letzten Jahren. Hier sehen wir uns aber gut vorbereitet und aufgrund der hohen Granularität unseres Portfolios haben wir keine Sorgen vor einer temporären Rezession. Die Zahlen, die wir aktuell sehen, bewegen sich im Rahmen der Planung.

In der weiteren Geschäftsentwicklung sehen wir zu einem gewissen Grad eine mögliche Zurückhaltung von Unternehmen bei Investitionsvorhaben aufgrund der herausfordernden makroökonomischen Lage. Gleichzeitig besteht hier auch eine Chance, da die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe es Unternehmen aktuell erschwert, in neue Ausrüstung und Technologien zu investieren und damit Innovation voranzutreiben. Zusätzlich bietet eine schwierigere wirtschaftliche Lage immer die Chance, dass Großinvestitionen zu Gunsten kleinerer Investitionen verschoben werden.

nwm: Wie abhängig sind Sie eigentlich von der Fokussierung auf EDEKA-Kaufleute? Wie entwickelt sich die Zusammenarbeit?

S. Lerchl: ALBIS ist in drei Geschäftssegmenten tätig und fokussiert sich dabei auf ihr margenstarkes Kerngeschäft „Händler / Hersteller“. Innerhalb dieser Struktur stellt das Segment „EDEKA-Kaufleute“ eines der drei Segmente dar. Hier ist die Abhängigkeit überschaubar. Gleichwohl sind wir stolz, für eine solch bedeutende Lebensmittelhandelsgruppe das Leasinggeschäft übernehmen zu dürfen. Erfreulich ist, dass wir im Jahr 2023 das Neugeschäft im Segment EDEKA-Kaufleute stabil fortführen konnten und die Marge gesteigert haben. Insgesamt bleibt unsere strategische Ausrichtung darauf fokussiert, profitables Wachstum in allen unseren Segmenten zu erzielen und die bestehenden Partnerschaften weiter zu stärken.

nwm: Refinanzierungsmöglichkeiten und -erschwernisse prägten in letzter Zeit die Diskussion. Die Immobilienbranche litt besonders unter der Zinsentwicklung und der Zurückhaltung am Kapitalmarkt. Wie sieht es bei ALBIS Leasing aus? Grenzen des Wachstums durch Refinanzierungsmöglichkeiten?

S. Lerchl: Auch wir haben natürlich die Zinsentwicklung am Kapitalmarkt zu spüren bekommen. Die ALBIS nutzt verschiedene Finanzierungsquellen und hat mehrere Refinanzierungspartner, mit denen auch langfristige und revolvierende Kreditlinien vereinbart wurden. Im Jahr 2023 ist es der ALBIS Leasing Gruppe trotz der gestiegenen Zinsaufwendungen gelungen, langfristige Refinanzierungslinien zu attraktiven Konditionen für zukünftiges profitables Wachstum zu vereinbaren. Somit sehen wir uns in diesem Bereich auch unter herausfordernden Marktbedingungen gut aufgestellt. Die Leasing-Branche und damit auch die ALBIS haben von den hohen Zinsen und der Verknappung von Liquidität übrigens auch profitiert. Die Zurückhaltung der klassischen Banken sorgt wieder für eine gesteigerte Attraktivität von alternativen Finanzierungsformen wie eben dem Leasing. Zusätzlich darf Liquidität wieder etwas kosten und alle suchen danach. Das war vor 2 Jahren noch ganz anders.

Zusammenfassend hat die ALBIS auch durch eine schnelle, frühe und intelligente Reaktion auf die Entwicklung im Jahr 2022 in Summe profitiert.

nwm: Wo sehen Sie Ihre Wachstumsfelder? Wie viel Wachstum verträgt Ihre Struktur? Was ist geplant?

S. Lerchl: Unser wichtigstes Wachstumsfeld sehen wir in unserem Händler- und Herstellersegment. Dort wird das Leasinggeschäft als Absatzfinanzierung mit den Händlern und Herstellern als zentrale Vertriebspartner betrieben. Im Händler- und Herstellersegment wird in den nächsten Jahren aus heutiger Sicht ein jährliches Wachstum von bis zu 10 % möglich sein. Zugleich können wir in diesem Segment vergleichsweise hohe Margen erzielen. Weiteres Wachstum sehen wir auch in den Branchen, die von der allgemeinen Lage gerade profitieren wie z.B. in der Sicherheitstechnik.

nwm: Sind Sie mit Ihren Geschäftsbereichen und Branchen zufrieden oder könnte “noch was dazukommen”?

S. Lerchl: Wir sind mit unseren Geschäftsbereichen und mit der Branchenvielfalt in unserem Leasingportfolio sehr zufrieden. Insbesondere durch die Granularität und Diversifizierung in unserem Portfolio ist unser Geschäft sehr robust. Dennoch arbeiten wir kontinuierlich daran, unser Produkt- und Leistungsangebot für unsere Kunden und Kooperationspartner weiter zu optimieren.  Für uns ist es wichtig, breit über die bestehenden Branchen im Geschäft mit den Gewerbe- und Geschäftskunden in Deutschland zu wachsen.

nwm: Inwieweit wird das Thema KI zukünftig Ihr Geschäft beeinflussen?

S. Lerchl: Künstliche Intelligenz ist bereits ein wichtiger Faktor in der Wertschöpfungskette der Unternehmen und wird sicher weiter an Bedeutung gewinnen. Für uns als ALBIS ist es deshalb wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Daher gilt es, eine KI-Strategie entlang der Unternehmensstrategie der ALBIS zu entwickeln. Diese Strategie wird dann in konkrete Kern-Anwendungsfälle (Use Cases) im Unternehmen übersetzt. Kurzfristig heißt es bei uns aber, auszuprobieren und mögliche Vorbehalte und Hemmungen abzubauen. Ich selbst nutze KI regelmäßig, vielleicht auch bei der Beantwortung Ihrer Interviewfragen. (augenzwinkernd) Nein, natürlich nicht. Ich kann jedem empfehlen, es selbst auszuprobieren, und ich bin überzeugt, in 5 Jahren nutzt jeder täglich aktiv KI beim Schreiben einer E-Mail, beim Programmieren, beim Erstellen eines Reports etc. Ich denke daher nicht immer an die komplizierten Use Cases eher an die viel simpleren Aufgaben, die wir alle täglich mehrfach erledigen dürfen.

Daneben setzen wir in der ALBIS seit Ende Mai künstliche Intelligenz bzw. eine Art selbstlernendes System dazu ein, unseren Posteingang zu steuern, den Partnern den Eingang der Unterlagen zu bestätigen und die Bearbeitung der Leasingverträge dadurch schneller, einfacher und effizienter zu gestalten. Ich bin mir sicher, wir haben noch zahlreiche Anwendungsfälle, die uns helfen, mit KI besser zu werden.

nwm: Die ALBIS Leasing Aktie spiegelt nicht unbedingt die positive Entwicklung des operativen Geschäfts wider. Haben Sie Ideen, woran es liegen könnte?

S. Lerchl: Grundsätzlich gibt es sicherlich viele Faktoren, die laufend auf unseren Aktienkurs einwirken – sowohl aus dem externen Umfeld heraus als auch resultierend aus unserer Geschäftsentwicklung. Somit kann ich im Hinblick auf die Gründe, warum unsere Aktie in den vergangenen Monaten nicht stärker gestiegen ist, auch nur Vermutungen anstellen. Insgesamt agieren Investoren aus meiner Sicht im Bereich Nebenwerte seit einiger Zeit ziemlich zögerlich und zurückhaltend. Mir scheint, dass es für Small Caps im aktuellen Umfeld generell schwieriger ist und länger dauert, bei Anlegern Vertrauen und Zuversicht aufzubauen, als für größere Unternehmen.

Wir sind zumindest ja auch nicht der einzige Nebenwert, dessen positive Geschäftsentwicklung aus der jüngeren Vergangenheit sich bisher noch nicht entsprechend in der Aktienperformance widerspiegelt. Wahrscheinlich ist hier noch Geduld gefragt. In jedem Fall werden wir uns darauf konzentrieren, weiterhin operativ abzuliefern und unsere Versprechen einzuhalten. Für mich ist jedenfalls klar, dass die ALBIS eine gute Investition ist. Der Leasingmarkt wächst, wir fokussieren uns auf das profitable Wachstum und zahlen eine attraktive Dividende.

nwm: Wie sieht die Aktionärsstruktur des Unternehmens aus? Halten Sie selber Aktien? Wie stehen die Hauptaktionäre zu ihrem Engagement? Änderungen möglich?

S. Lerchl: Unsere Großaktionäre Rolf Hauschildt und Christoph Zitzmann halten in Summe etwas mehr als die Hälfte unserer ausstehenden Aktien: Herr Hauschildt hält 27,6 %, Herr Zitzmann 25,0 % aller Aktien. Hinzu kommt noch Joachim Schmitt, der 6,5 % unserer Aktien hält. Die restlichen 40,9 % sind Teil des Freefloats. Ich selbst halte derzeit 25.000 Aktien, mein Vorstandskollege Andreas Arndt 12.800 Stück. Daneben hält auch unser Aufsichtsratsvorsitzende Christoph Franz Buchbender insgesamt 35.000 Aktien. Änderungen an unserer Aktionärsstruktur sind mir nicht bekannt. Wir schätzen den regelmäßigen Austausch mit unseren aktuellen Aktionären sehr und sind überzeugt, dass er einen positiven Einfluss auf die Weiterentwicklung unseres Unternehmens hat. Auch daher haben wir uns zu einer Hauptversammlung in Präsenz entschieden. Die klare Mehrheit unserer Aktionäre unterstützt den eingeschlagenen Kurs, steht somit auch hinter unserer Strategie für die künftige Unternehmensentwicklung.

nwm: Könnte das Thema Übernahme – ob aktiv oder passiv – relevant werden?

S. Lerchl: Aus unserer Sicht ist die ALBIS mit ihrer strategischen Ausrichtung derzeit sehr gut aufgestellt und verfügt mit dem Händler- und Herstellersegment über ein Geschäftsfeld mit vielversprechenden organischen Wachstumsperspektiven. Dennoch möchten wir die ALBIS natürlich kontinuierlich weiterentwickeln und halten uns alle Optionen für zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten offen. Unsere langfristige Wachstumsstrategie basiert dabei perspektivisch auf drei Säulen, d. h. neben organischem Wachstum nutzen wir Wachstumschancen im Kerngeschäft auch über strategische Kooperationen. Weiterhin prüfen wir die Option, durch anorganisches Wachstum zusätzliche Wachstumspotenziale zu realisieren.

nwm: Für 2023 planen Sie eine Dividendenausschüttung. Mit einer durchaus beachtlichen Dividendenrendite sollte der Aktienkurs nach unten etwas abgefedert sein. Wie werden sich die Dividendenzahlungen in Zukunft entwickeln? Planen Sie eine feste Ausschüttungsquote?

S. Lerchl: Genau, für 2023 planen wir eine Gesamtdividende von 0,08 € je Aktie auszuzahlen. Diese wird sich aus einer Basisdividende in Höhe von 0,05 € je Aktie und einer Bonusdividende in Höhe von 0,03 € je Aktie zusammensetzen. Auf Basis des Jahresendkurses 2023 beträgt die Dividendenrendite damit 4,0 %. Der Vorschlag steht im Einklang mit der Dividendenpolitik der ALBIS, die seit dem abgelaufenen Geschäftsjahr grundsätzlich anstrebt, jährlich eine Basisdividende von 0,05 € je Aktie auszuschütten. Durch eine Bonusdividende sollen die Aktionäre darüber hinaus an der guten Ergebnislage und der positiven Geschäftsentwicklung der ALBIS partizipieren. Unser erklärtes langfristiges Ambitionsniveau ist es, eine Dividende von 0,08 € bis 0,10 € je Aktie auszuschütten.

Sollten wir im Vorstand Opportunitäten erkennen, die eine (höhere) Thesaurierung sinnvoll machen, z. B. bei größeren Investitionen oder perspektivisch bei anorganischem Wachstum, dann schlagen wir der Hauptversammlung eine niedrigere Ausschüttung vor.

nwm: Welche Möglichkeiten hat das Management überhaupt, auf den Kurs der Aktie eines Unternehmens einzuwirken – Ihrer Meinung nach?

S. Lerchl: Die Aktienkursentwicklung hängt immer zu einem gewissen Teil von externen Faktoren ab, die das Management eines Unternehmens nur bedingt beeinflussen kann. Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass das Management durch eine erfolgreiche operative und strategische Weiterentwicklung des Unternehmens ein attraktives Umfeld für den Kauf einer Aktie schaffen kann. Eine transparente Kommunikation mit Aktionären und das Einhalten von Versprechen an den Kapitalmarkt schafft darüber hinaus Vertrauen und erhöht die Glaubwürdigkeit. Dies ist auch die Strategie der ALBIS bei der Kommunikation mit bestehenden und potenziellen Investoren. Zuletzt ist es uns gelungen – beispielsweise durch die zuvor erwähnte Dividendenausschüttung für das Geschäftsjahr 2023 – einige positive Signale an den Kapitalmarkt zu senden. Entsprechend bin ich zuversichtlich, dass sich unsere gute Arbeit perspektivisch auch in einer positiveren Entwicklung unseres Aktienkurses widerspiegeln wird.

nwm: Sind die Vorstandsvergütungen auch mit Incentives versehen bei Erreichen bestimmter Zielkennziffern? Falls ja, welche? Werden Sie auch “mit Aktien” bezahlt?

S. Lerchl: Die Vorstandsvergütungen bei der ALBIS teilen sich zwischen einer variablen und fixen Vergütung auf. Die variable Vergütung ist zum wesentlichen Teil an bestimmte Zielkennziffern gebunden. Zu den finanziellen und nicht-finanziellen Kennziffern gehören das IFRS-Konzernergebnis vor Steuern, die Cost Income Ratio, das Neugeschäftsvolumen und ausgewählte ESG-Ziele. Die variable Vergütung wird über mehrere Perioden unter anderem auf Basis des Ergebnisses vor Steuern ausgezahlt oder bei schlechten Ergebnissen verfällt diese. Die variablen Vergütungsbeträge sind nicht aktienbasiert. Im letzten Jahr habe ich die Gelegenheit genutzt, einen übersteigenden Teil meiner variablen Netto-Bezüge durch den Kauf von Aktien in das Unternehmen zu investieren.

Somit habe ich aus mehreren Gründen ein persönliches Interesse, dass das Unternehmen langfristig erfolgreich ist.

nwm: Was sind die grössten Risiken für die ALBIS Leasing für die Zukunft?

S. Lerchl: Grundsätzlich sehen wir uns mit unserem Geschäftsmodell gut aufgestellt für die Zukunft – insbesondere mit unserer strategischen Ausrichtung auf das Small Ticket-Geschäft und dem damit verbundenen geringeren Risiko im Portfolio aufgrund einer erhöhten Granularität und Diversifizierung. Wenn wir auf Risiken schauen, die von außen auf uns einwirken, sind hier im Wesentlichen der Fachkräftemangel und makroökonomische Entwicklungen zu nennen. Ersterem begegnen wir mit unserem fokussierten Geschäftsmodell, das eine konsequente Verschlankung, Digitalisierung und – wo möglich – Automatisierung der Prozesse vorsieht. Makroökonomische Rahmenbedingungen wie bspw. Inflation und Zinsentwicklung beobachten wir engmaschig und leiten Handlungsbedarfe ab. Sofern erforderlich, können wir hier sehr schnell auf Marktveränderungen reagieren. Ein mögliches Risiko könnte auf Seiten der Refinanzierung bestehen, hier sind wir jedoch mit teilweise langfristigen Linien gut aufgestellt und haben im vergangenen Jahr eine attraktive Refinanzierung vereinbart.

nwm: Und wo sehen Sie die grössten Chancen?

S. Lerchl: Die größten Chancen sehen wir darin, entlang der Marktentwicklungen und der gesellschaftlichen Entwicklungen unseren strategischen Pfad konsequent weiterzuverfolgen.

nwm: Was heißt das konkret?

S. Lerchl: Die Leasing-Branche ist ein Wachstumsmarkt und prädestiniert dafür, den Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft in Deutschland aktiv mitzugestalten und einen großen Teil der erforderlichen Investitionen in moderne, energieeffiziente und umweltfreundlichere Technologien im Mittelstand zu realisieren. Durch den Fokus auf das Small Ticket-Geschäft ist das Geschäftsmodell der ALBIS konjunkturunabhängiger und rezessionsfester bei sehr guten Margen. Das hohe Automatisierungspotenzial ermöglicht es, Skaleneffekte zu erzielen. Mit einer optimierten Kostenbasis und einem kontinuierlichen Wachstum im margenstarken Kerngeschäft ist die ALBIS ideal aufgestellt, um von den Marktentwicklungen zu profitieren und ein nachhaltiges und profitables Wachstum zu erzielen. Gleichzeitig arbeitet die ALBIS kontinuierlich daran, ihr Leistungsangebot zukünftig noch einfacher, schneller, digitaler und kundenzentrierter für ihre Partner und Kunden zu gestalten.

nwm: Wo sehen Sie die ALBIS Leasing in 5 Jahren?

S. Lerchl: „Wir wollen der beliebteste Finanzierungspartner in Deutschland sein“, so unsere Vision. Mit Blick auf den Fortschritt bei der Umsetzung unserer strategischen Agenda und das Erreichen unserer Ziele, glaube ich fest an unsere Vision – ob in 5 Jahren oder auch etwas früher oder später. Operativ wird die ALBIS in 5 Jahren zum einen weiter gewachsen sein und zum anderen die Effizienz und Profitabilität weiter erhöht haben. Auch werden wir dann ein verbessertes Produkt- und Leistungsangebot zur Verfügung stellen können und auf eine beständige und attraktive Dividendenzahlung für unsere Aktionäre zurückblicken. Ich bin mir sicher, dass wir mit der ALBIS in den nächsten Jahren ein nachhaltiges und profitables Wachstum erzielen werden.

nwm: Und sich persönlich?

S. Lerchl: Im Kreise meines großartigen Teams, mit dem ich täglich die ALBIS Leasing AG weiterentwickeln darf.

nwm: Herr Lerchl, vielen Dank für das Gespräch!
Sascha Lerchl | Vorstand und Sprecher der ALBIS Leasing AG

Sascha Lerchl ist seit September 2021 Vorstand und Sprecher des Vorstands der ALBIS Leasing AG. Er hat einen starken Finance-Background und verantwortete im Laufe seiner Karriere bei verschiedenen Banken und Finanzdienstleistern unterschiedliche Bereiche, u. a. Controlling, Produktmanagement und Vertrieb, bis hin zum Top-Management. Daneben besitzt Sascha Lerchl Expertise bei M&A-Transaktionen und Transformationsprozessen. Bei der ALBIS ist Sascha Lerchl zuständig für das Ressort Strategie & Steuerung.

Firmendarstellung:

Die ALBIS Leasing AG ist ein führender Leasingpartner für den deutschen Mittelstand und seit über 35 Jahren erfolgreich am Leasingmarkt tätig. Das Unternehmen unterstützt Kleinst- und Kleinunternehmer sowie Mittelständler bei der Finanzierung ihrer Geschäftsvorhaben. So können Kunden der ALBIS ihre geschäftliche Zukunft sichern, wettbewerbsfähig bleiben und durch Anschaffungen ihren eigenen Kunden State-of-the-art-Produkte und -Services bieten. Der strategische Fokus der ALBIS liegt auf dem margenstarken Small Ticket-Geschäft. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Hamburg und beschäftigt rund 105 Mitarbeiter. Weiterführende Informationen zur ALBIS befinden sich hier: www.albis-leasing.de.

Aktien KW 26 mit halbwegs versöhnlichem Ende – nächste Woche mehr möglich? News: Deutz. Nvidia. Branicks Group. Deutsche Konsum REIT. DEFAMA. ElringKlinger. The Platform Group. Evotec. Manz. Nordex.
Mutares Aktie mit Aufholpotential? 700 Mio EUR Umsatz zusätzlich, in Schweden. Jahresziele scheinen langsam konservativ, sehr konservativ.

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