2G Energy hat sich das vierte Quartal 2025 als echter Auftragsturbo erwiesen. Besonders in Deutschland dreht sich die Stimmung spürbar: Der Auftragseingang legte hier um 145 % auf 22,4 Mio. Euro zu – nach mageren 9,1 Mio. Euro im Vorjahresquartal.
Treiber sind klare politische Signale: Das Biomassepaket bringt attraktive Fördermechanismen, schneller laufende Genehmigungen und eine stärkere Priorisierung flexibler, regelbarer Leistung. Anders gesagt: Biogas- und KWK-Anlagen werden von der Politik wieder als das gesehen, was sie technisch sind – flexible Stütze der Erneuerbaren, nicht als Randthema.
Für Betreiber und Investoren bedeutet das mehr Planungssicherheit und bessere Wirtschaftlichkeit – für 2G einen gut gefüllten Auftragsblock.
Europa zieht an – und die Kläranlagen werden zum Wachstumsfeld
Auch im übrigen Europa zeigt sich, dass die Investitionsbereitschaft in flexible Kraft-Wärme-Kopplung wieder zunimmt. Ohne Ukraine stieg der Auftragseingang in Europa auf 11,7 Mio. Euro, ein Plus von 160 % gegenüber 4,5 Mio. Euro im Vorjahr.
Bemerkenswert: Das Segment Kläranlagen trägt mit 2,2 Mio. Euro spürbar zum Wachstum bei. Für 2G ist das mehr als eine Nische – hier treffen steigende Umweltauflagen, Energieeffizienz und Eigenstromerzeugung aufeinander. Kläranlagen können ihr eigenes Klärgas nutzen, mit KWK-Anlagen Strom und Wärme erzeugen und sich teilweise vom Strommarkt abkoppeln. Genau in diesem Schnittfeld ist 2G seit Jahren gut positioniert – nun kommen die Projekte verstärkt in die Bücher.
Hinzu kommen weitere Projekte in Europa, während größere Aufträge für die Ukraine zwar wieder vorhanden sind, aber im Quartal nicht an das außergewöhnlich hohe Vorjahresvolumen heranreichen. Das Unternehmen bleibt damit breit diversifiziert – politische und operative Risiken im ukrainischen Markt werden bewusst separat betrachtet.
USA: Robust trotz IRA-Auslaufen – und Rechenzentren als potenzieller Gamechanger
Spannend ist der Blick nach Nordamerika. Trotz des Auslaufens von Steueranreizen im Rahmen des Inflation Reduction Act (IRA) blieb der Auftragseingang mit 15,5 Mio. Euro praktisch auf Vorjahresniveau (16,1 Mio. Euro). Das zeigt: Die Nachfrage nach dezentralen KWK-Lösungen hängt längst nicht mehr nur an Förderprogrammen.
Zwei Punkte stechen heraus:
-
Mit einem neuen Demand-Response-Produkt zielt 2G darauf, seine Anlagen besser in Strommärkte und Netzdienstleistungen einzubinden – ein lukrativer Hebel im US-Markt.
-
Der anhaltende Zubau von Rechenzentren sorgt für einen strukturellen Nachfrageüberhang nach zuverlässiger, oft inselbetriebsfähiger Energieversorgung. 2G ist in „einer ganzen Reihe“ weit fortgeschrittener Projekte involviert und erwartet im ersten Halbjahr 2026 mehrere Großaufträge, deren Auslieferung sich über mehrere Jahre strecken soll.
Für Anleger bedeutet das: Hinter der nüchternen Zahl von 15,5 Mio. Euro im Q4 steckt deutlich mehr Dynamik, als der reine Quartalsvergleich vermuten lässt. Wenn die Data-Center-Projekte tatsächlich in Aufträge umschlagen, kann das den Nordamerika-Anteil im Auftragseingang spürbar nach oben ziehen.
Auftragsmix, ERP-Schluckauf und klare 2026-Guidance
Rechnet man die Ukraine heraus, summiert sich der Auftragseingang im Q4 2025 auf 54,2 Mio. Euro, nach 34,8 Mio. Euro im Vorjahr – ein Plus von 56 %. Die regionale Verteilung hat sich spürbar verschoben:
-
Deutschland kommt nun auf 41 % (zuvor 26 %),
-
das übrige Europa auf 22 % (zuvor 13 %),
-
Nordamerika auf 29 % (zuvor 46 %),
-
der Rest der Welt auf 8 % (zuvor 14 %).
Die stärkere Gewichtung Europas und Deutschlands ist in Anbetracht der politischen Energiewende-Signale logisch – und reduziert gleichzeitig die Abhängigkeit von einem einzigen Markt.
Operativ hatte 2G zuletzt mit der Einführung eines neuen ERP-Systems zu kämpfen, die spürbare Reibungsverluste in Abläufen verursachte. Der technische Rollout ist nun abgeschlossen; jetzt geht es darum, Effizienzpotenziale zu heben – insbesondere im margenträchtigen Servicegeschäft. Gelingt das, könnte die neue Systemlandschaft künftig eher Rückenwind als Gegenwind liefern.
Der Vorstand bleibt jedenfalls selbstbewusst und bestätigt die Prognose für 2026:
-
Umsatz: 440 bis 490 Mio. Euro
-
EBIT-Marge: 9,0 bis 11,0 %
In die Zielspanne eingepreist sind bereits:
-
positive Effekte aus dem Biomassepaket,
-
die sich konkretisierenden Rahmenbedingungen für deutsche Gasreservekraftwerke,
-
geplante Steigerungen bei Wärmepumpen,
-
sowie erste Großprojekte im neuen Geschäftsbereich Data Center.
12-GW-Reservekraft in Deutschland: Politischer Rückenwind für 2G
Ein Punkt mit mittelfristig hoher Relevanz: Die EU hat den Weg für Ausschreibungen von 12 GW steuerbarer Leistung in Deutschland freigemacht.
-
10 GW davon müssen mindestens 10 Stunden am Stück Strom liefern können – ein klarer Vorteil für gasbasierte, flexible Kraftwerke.
-
Die Anlagen sollen bis 2031 ans Netz gehen und später auf Wasserstoff oder andere emissionsarme Technologien umgestellt werden.
2G betont, dass die eigenen Lösungen die technischen Anforderungen – insbesondere in Bezug auf Wasserstofffähigkeit und Verfügbarkeit – bereits heute erfüllen. Für das Unternehmen eröffnet das ein zusätzliches strukturelles Nachfragefeld im Heimatmarkt: Reservekraftwerke, die nicht als Dauerläufer, sondern als Flexibilitätsanker für ein erneuerbares Energiesystem dienen.
Der Vorstand gibt sich entsprechend optimistisch, die positive Geschäftsentwicklung ab 2027 fortsetzen zu können – auch wenn für diese Jahre noch keine offiziellen Ziele kommuniziert wurden.
Fazit: 2G Energy wird vom Nischenanbieter zum strukturellen Profiteur der Energiewende
Die Zahlen aus dem vierten Quartal sind mehr als ein kurzer Auftragsblitz:
-
Biogas und KWK erleben politisch wie wirtschaftlich ein Comeback,
-
Europa wird wieder stärker,
-
Nordamerika bleibt robust und könnte mit Data-Center-Aufträgen die nächste Wachstumswelle lostreten,
-
in Deutschland sichern Reservekraftwerks-Pläne und Biomassepaket zusätzlichen Rückenwind.
2G Energy bleibt damit ein klassischer Energiewende-Nebenwert: stark in der Nische, technologisch gut positioniert und mit einem Geschäftsmodell, das direkt von der Notwendigkeit flexibler, dezentraler Leistung profitiert.
Wer auf planbares Wachstum in einer zunehmend volatilen Energie- und Stromwelt setzt, wird an der 2G Energy Aktie kaum vorbeikommen – vorausgesetzt, ERP-Nachbeben und Projektumsetzung bleiben im Griff.














