123fahrschule SE sieht sich am Beginn einer neuen Wachstumsphase. Mit dem jüngsten Kabinettsbeschluss zur Reform der Fahrschulausbildung rückt ein Szenario näher, auf das das Unternehmen nach eigenen Angaben seit Jahren hinarbeitet.
Sollte die Reform wie geplant zum 1. Januar 2027 in Kraft treten, könnten digitale Anbieter erstmals erhebliche Wettbewerbsvorteile gegenüber klassischen Fahrschulen erhalten. Genau darauf hat 123fahrschule sein Geschäftsmodell ausgerichtet.
Fahrschulreform öffnet den Markt
Der wohl wichtigste Punkt der Reform:
Die bisherige Präsenzpflicht für den Theorieunterricht soll entfallen.
Zudem werden Fahrsimulatoren künftig offiziell für Pflichtbestandteile der Ausbildung anerkannt.
Damit werden zentrale Elemente der Fahrschulausbildung erstmals vollständig digitalisierbar.
Für traditionelle Fahrschulen bedeutet dies einen tiefgreifenden Wandel.
Für 123fahrschule dagegen könnte die Reform zum entscheidenden Wachstumstreiber werden.
Denn das Unternehmen hat bereits:
- digitale Lernplattformen aufgebaut
- Fahrsimulatoren integriert
- eigene Fahrlehrerausbildung etabliert
- digitale Verwaltungsprozesse entwickelt
3-Milliarden-Euro-Markt vor Konsolidierung
Der deutsche Fahrschulmarkt umfasst nach Unternehmensangaben rund 3 Milliarden Euro jährlich.
Gleichzeitig besteht die Branche überwiegend aus kleinen Einzelbetrieben.
Mehr als 90 % der rund 9.700 Fahrschulen verfügen bislang über keine umfassende Digitalstrategie.
Genau hier sieht das Management die Chance.
Die gesetzliche Öffnung könnte erstmals eine flächendeckende Konsolidierung durch digitale Plattformanbieter ermöglichen.
Marktanteil soll sich versechsfachen
Aktuell hält 123fahrschule nach eigenen Angaben rund 1,5 % Marktanteil.
Bis 2029 soll dieser Wert auf etwa 10 % steigen.
Die Strategie basiert auf mehreren Säulen:
- Expansion in die 30 größten Städte Deutschlands
- digitale Theorieausbildung
- Plattformmodell mit Partnerfahrschulen
- Freelancer-Netzwerk für Fahrlehrer
- Simulatorgeschäft über die Foerst GmbH
- Fahrlehrerausbildung über die FahrerWerk GmbH
Diese vertikale Integration ist im deutschen Markt bislang nahezu einzigartig.
Umsatz könnte sich mehr als verdreifachen
Besonders ambitioniert fallen die mittelfristigen Ziele aus.
Für 2026 erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 26 und 29 Millionen Euro bei einem EBITDA von 1,5 bis 2,5 Millionen Euro.
Ab 2027 soll die nächste Wachstumsstufe beginnen.
Der Vorstand rechnet für:
- 2027 mit rund 35 Mio. Euro Umsatz
- 2029 mit bis zu 90 Mio. Euro Umsatz
Gleichzeitig wird für 2029 eine EBITDA-Marge von rund 26 % angenommen.
Das würde einem EBITDA von etwa 23 Millionen Euro entsprechen.
Plattformmodell könnte zum eigentlichen Werttreiber werden
Besonders interessant erscheint das geplante Netzwerkmodell.
Bis 2029 soll ein Verbund von:
- über 650 Standorten
- rund 1.200 Fahrlehrern
entstehen.
Dabei sollen nicht nur eigene Standorte betrieben werden.
Auch selbstständige Fahrlehrer und Partnerfahrschulen sollen über die Plattform eingebunden werden.
Für 123fahrschule hätte dies einen entscheidenden Vorteil:
Zusätzliche Umsätze könnten weitgehend ohne eigene Investitionen in Fahrzeuge oder Standorte entstehen.
Nach dem Führerschein beginnt das nächste Geschäft
Noch spannender könnte die nächste Ausbaustufe werden.
Mit der geplanten Plattform 123preisvergleich.de möchte das Unternehmen künftig auch nach bestandener Führerscheinprüfung Geld verdienen.
Geplant sind unter anderem:
- Kfz-Versicherungen
- Fahrzeugfinanzierungen
- Mobilitätsdienstleistungen
- weitere Provisionsmodelle
Bemerkenswert:
Diese zusätzlichen Geschäftsfelder sind laut Unternehmen in den aktuellen Wachstumsannahmen bis 2029 noch gar nicht enthalten.
Transformation läuft bereits
Während viele Investoren auf die Reform im Jahr 2027 blicken, läuft die operative Umstellung bereits heute.
Das Unternehmen hat:
- rund die Hälfte der Mietverträge gekündigt
- Theorieunterricht auf E-Learning umgestellt
- die Fahrzeugflotte optimiert
- Verwaltungsprozesse digitalisiert
Dadurch soll die Kostenbasis deutlich sinken und die Skalierbarkeit steigen.
Einer der spannendsten Digitalisierungs-Cases im Bildungsmarkt?
Die Investmentstory von 123fahrschule basiert inzwischen auf deutlich mehr als dem klassischen Fahrschulgeschäft.
Mit der Kombination aus:
- regulatorischem Rückenwind
- Digitalisierung
- Plattformmodell
- Simulatorgeschäft
- Mobilitätsdienstleistungen
entsteht ein Geschäftsmodell, das sich fundamental von traditionellen Fahrschulen unterscheidet.
Ob die ambitionierten Wachstumsziele erreicht werden, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Sollte die Reform wie geplant umgesetzt werden, könnte 2027 tatsächlich zum Wendepunkt für die gesamte Branche werden.















