Vossloh AG startet mit einer außergewöhnlich starken Auftragslage in die zweite Jahreshälfte 2026. Der Auftragseingang erreichte im ersten Halbjahr einen neuen Rekordwert und der Auftragsbestand überschritt erstmals die Marke von 1,1 Milliarden Euro. Damit bestätigt sich die anhaltend hohe Investitionsbereitschaft im internationalen Bahninfrastrukturmarkt.
Operativ entwickelte sich das Geschäft ebenfalls positiv: Umsatz und EBITDA legten deutlich zu. Das EBIT und der Nettogewinn wurden jedoch durch akquisitionsbedingte Bilanzierungseffekte sowie temporäre Belastungen bei Logistik- und Beschaffungskosten gedämpft. Trotz einer jüngst angepassten Jahresprognose blickt das Management optimistisch auf die kommenden Jahre.
Rekordaufträge sichern Wachstum weit über 2026 hinaus
Mit einem Auftragseingang von 828,5 Mio. Euro übertraf Vossloh den Vorjahreswert von 623,7 Mio. Euro deutlich und erzielte den höchsten Halbjahreswert der Unternehmensgeschichte. Auch im zweiten Quartal beschleunigte sich die Dynamik weiter: Die Neuaufträge stiegen um 32,8 Prozent auf 408,3 Mio. Euro.
Besonders aussagekräftig ist die Book-to-Bill-Ratio von 1,17. Da der Auftragseingang erneut über dem Umsatz lag, wächst der Auftragsbestand kontinuierlich weiter und erreichte zum 30. Juni mit 1,14 Mrd. Euro ebenfalls einen historischen Höchststand.
Für Investoren bedeutet dies eine hohe Visibilität für die kommenden Quartale und Jahre.
Umsatz wächst kräftig dank Sateba-Übernahme
Der Konzernumsatz erhöhte sich im ersten Halbjahr um 21,9 Prozent auf 710,1 Mio. Euro. Wesentlichen Anteil daran hatte die erstmalige Einbeziehung von VTT Europa (Sateba), die Vossloh Anfang des Jahres übernommen hatte.
Auch das EBITDA profitierte von der Akquisition und stieg auf 80,9 Mio. Euro, nachdem im Vorjahr 74,2 Mio. Euro erzielt worden waren.
Die EBITDA-Marge ging allerdings leicht auf 11,4 Prozent zurück. Ursächlich hierfür waren vor allem geringere Ergebnisbeiträge im Geschäftsbereich Customized Modules, der unter einem ungünstigeren Projektmix sowie gestiegenen Logistikkosten litt.
EBIT durch Sondereffekte belastet
Das operative Ergebnis auf EBIT-Ebene entwickelte sich schwächer als Umsatz und EBITDA vermuten lassen.
Mit 32,4 Mio. Euro blieb das EBIT unter dem Vorjahreswert von 44,9 Mio. Euro. Hauptursache waren sogenannte Purchase-Price-Allocation-Effekte (PPA) aus der Sateba-Übernahme in Höhe von 9,1 Mio. Euro, die das Ergebnis rein bilanziell belasteten.
Hinzu kamen temporär höhere Beschaffungs- und Logistikkosten, die 2026 noch nicht vollständig an Kunden weitergegeben werden können.
Das Konzernergebnis sank dadurch auf 13,5 Mio. Euro, während das Ergebnis je Aktie von 1,50 Euro auf 0,15 Euro zurückging.
Core Components entwickelt sich zum Wachstumsmotor
Besonders stark präsentierte sich der Geschäftsbereich Core Components, der maßgeblich von der Integration von Sateba profitierte.
Der Auftragseingang stieg um 63,5 Prozent auf 423,1 Mio. Euro, während der Umsatz um mehr als 60 Prozent auf 348,5 Mio. Euro zulegte. Das EBIT verbesserte sich trotz der PPA-Belastungen auf 27,2 Mio. Euro.
Für zusätzliche Impulse sorgten mehrere internationale Großaufträge, darunter Lieferungen für neue Hochgeschwindigkeitsstrecken in der chinesischen Provinz Shandong sowie den ersten Bauabschnitt der California High-Speed Rail in den USA.
Diese Projekte unterstreichen die starke internationale Position von Vossloh im weltweiten Ausbau moderner Schieneninfrastruktur.
Unterschiedliche Entwicklung in den übrigen Geschäftsbereichen
Während Customized Modules beim Umsatz das hohe Vorjahresniveau halten konnte, belasteten ein ungünstiger Projektmix und gestiegene Logistikkosten die Profitabilität deutlich. Das EBIT sank dort von 32,0 Mio. Euro auf 17,5 Mio. Euro.
Im Bereich Lifecycle Solutions entwickelte sich vor allem der Auftragseingang stabil. Positiv hervorzuheben sind eine steigende Nachfrage in Deutschland und China sowie ein deutlich höherer Auftragsbestand. Umsatz und Ergebnis lagen jedoch aufgrund eines schwächeren Auftragsmixes noch unter Vorjahr.
Das Management erwartet hier insbesondere im zweiten Halbjahr eine spürbare Belebung.
Nettofinanzschuld soll im zweiten Halbjahr deutlich sinken
Durch die Finanzierung der Sateba-Übernahme erhöhte sich die Nettofinanzschuld auf 590,2 Mio. Euro. Gleichzeitig blieb die Eigenkapitalquote mit 40,1 Prozent auf einem komfortablen Niveau.
Saisonal bedingt fiel der Free Cashflow im ersten Halbjahr mit -68,6 Mio. Euro negativ aus. Für die zweite Jahreshälfte erwartet Vossloh jedoch einen deutlich positiven Mittelzufluss und rechnet mit einem spürbaren Abbau der Nettofinanzschuld.
Positiv entwickelte sich zudem die Working-Capital-Intensität, die auf 14,6 Prozent sank und damit den niedrigsten Wert in der Unternehmensgeschichte erreichte.
Prognose angepasst – langfristiger Ausblick bleibt positiv
Bereits Mitte Juli hatte Vossloh seine Prognose für 2026 angepasst. Hintergrund sind verschobene Auslieferungen einzelner Infrastrukturprojekte, geringere Abrufe aus bestehenden Rahmenverträgen sowie temporär höhere Beschaffungs- und Logistikkosten.
Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern nun einen Umsatz zwischen 1,51 und 1,61 Mrd. Euro, ein EBITDA von 195 bis 210 Mio. Euro sowie ein EBIT zwischen 100 und 110 Mio. Euro.
Trotz dieser Anpassung zeigt sich der Vorstand für die Zeit ab 2027 unverändert optimistisch. Die aktuellen Belastungen werden überwiegend als temporär eingeschätzt. Angesichts der Rekordauftragslage, der erfolgreichen Integration von Sateba und der weltweit hohen Investitionen in den Ausbau der Schieneninfrastruktur sieht Vossloh weiterhin gute Chancen für ein deutliches organisches Wachstum und eine spürbare Verbesserung der Profitabilität in den kommenden Jahren.













