The Platform Group greift im Pharmamarkt an: Milliardendeal mit AEP macht Apotheken zum Kernbusiness

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The Platform Group schaltet im Pharmageschäft einen Gang hoch: Der Plattform-Spezialist übernimmt 100 % der AEP GmbH aus Alzenau – eine der größten B2B-Großhandelsplattformen für Apotheken in Deutschland. Verkäufer sind mehrere Gesellschafter, bisheriger Mehrheitsgesellschafter war mit 51,52 % die Österreichische Post AG.

Die Transaktion steht noch unter Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt und weiterer Closing-Bedingungen, der Vollzug wird im zweiten Quartal 2026 erwartet. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Strategisch ist der Schritt klar: TPG entwickelt sich vom breit aufgestellten Nischen-Plattformanbieter hin zu einem Gewicht im europäischen Pharmamarkt – mit direktem Zugang zu Tausenden Apotheken und einem massiven Umsatzsprung.

AEP: Milliardenumsatz, modernes Zentrallager, etablierte Marktgröße

AEP ist als B2B-Plattform fest im deutschen Pharmahandel verankert:

  • rund 1 Mrd. Euro Umsatz,

  • mehrere Tausend Apotheken als Kunden,

  • etwa 250 Mitarbeiter

  • und ein Zentrallager in Alzenau, das zu den modernsten Pharmalogistikzentren Europas zählt.

Damit kauft TPG keinen Sanierungsfall, sondern einen profitablen Player mit relevanter Marktstellung. CEO Dr. Heike Brockmann betont, man wolle Apotheken vor Ort weiterhin langfristig als Partner stärken – TPG bringe nun zusätzliche Reichweite und Wachstumsimpulse.

Für TPG-CEO Dr. Dominik Benner ist der Deal der logische nächste Schritt: Seit 2021 ist das Unternehmen bereits im Pharmabereich aktiv und nach eigenen Angaben mit über 39.800 Apotheken in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz verbunden, davon 16.500 in Deutschland. Mit AEP steigt TPG nun eine Stufe höher in der Wertschöpfungskette – vom reinen Plattformbetreiber zum Komplettanbieter für Apotheken.

Eigene Pharmagruppe mit über 1,1 Mrd. Euro Umsatz: TPG zieht ein neues Segment hoch

Im Rahmen der Strategie „Pharma Platform“, die TPG bereits im Oktober 2025 vorgestellt hat, wird der Bereich künftig als eigener Geschäftsbereich unter dem Label „Pharma & Service Goods“ geführt.

Unter dem Dach der neuen Pharmagruppe sollen gebündelt werden:

  • AEP,

  • ApoNow,

  • apothekia,

  • die Plattform Doc.Green

– plus weitere geplante Übernahmen im Jahr 2026.

Finanzchef Bjoern Minnier beziffert die neue Einheit klar:

  • Umsatzvolumen künftig über 1,1 Mrd. Euro,

  • EBITDA deutlich über 25 Mio. Euro,

  • rund 320 Mitarbeiter innerhalb der Pharmagruppe.

Damit entsteht innerhalb von TPG quasi ein Pharma-Konzern im Konzern – mit eigener Führung, eigener Struktur und einer klaren Mission: eine digitale Plattformlösung, die lokale Apotheken mit internationalen Herstellern verbindet.

The Platform Group Prognose-Booster: GMV, Umsatz und EBITDA springen auf neues Niveau

Mit AEP im Verbund dreht TPG auch an der Guidance-Schraube für 2026. Unter der Annahme eines Closings im zweiten Quartal 2026 und pro-forma gerechnet ergibt sich ein deutlich größeres Bild:

  • Das GMV (Bruttowarenvolumen) soll 2026 auf 3,0 Mrd. Euro steigen (bisherige Planung: 1,7 Mrd. Euro).

  • Der Umsatz würde sich auf 2,0 Mrd. Euro verdoppeln (bisher: 1,0 Mrd. Euro).

  • Das EBITDA läge pro-forma bei 90–100 Mio. Euro (bisher: 70–80 Mio. Euro).

  • Die Partnerzahl soll auf über 25.000 wachsen (bisherige Prognose: 18.000).

Die jetzt genannten Werte sind ausdrücklich pro-forma – zur Vergleichbarkeit unter Einbezug von AEP. Die tatsächlichen IST-Zahlen will TPG nach Vollzug der Übernahme separat veröffentlichen. Klar ist aber bereits: Skalierung und Margenhebel im Pharmasegment werden zum wichtigen Treiber der gesamten Konzernstory.

Kartellamt, Finanzierung, Leverage: Wie TPG den Sprung absichert

Weil TPG bereits im Pharmabereich aktiv ist, braucht der Deal die Zustimmung des Bundeskartellamts. Die Anmeldung umfasst sowohl die Übernahme von AEP als auch die Bündelung der bisherigen TPG-Pharmaaktivitäten. Die Freigabe wird im zweiten Quartal 2026 erwartet.

Interessanter Nebenaspekt: Um den Wettbewerbshütern nicht zu viel Angriffsfläche zu bieten, verzichtet TPG auf eine zuvor angekündigte Akquisition – die Contracta GmbH in Österreich. Contracta und AEP seien in identischen Leistungsbereichen aktiv, erklärt TPG, daher wolle man mögliche Vorgaben und Auflagen vermeiden.

Die Finanzierung der Übernahme stützt sich auf einen Mix aus Eigenmitteln, Eigenkapital und Fremdkapital. Bereits beschlossen sind zwei Kapitalerhöhungen unter Ausschluss des Bezugsrechts über insgesamt 2 Mio. Aktien mit langfristigen Investoren, die 9,8 Mio. Euro in die Kasse bringen sollen. Die Eintragung im Handelsregister ist bis Februar 2026 geplant.

Wichtig für Anleger: TPG hält an seiner konservativen Verschuldungsstrategie fest und peilt für 2025 und 2026 weiterhin einen Leverage von 1,5 bis 2,3 (Netto-Finanzverschuldung / bereinigtes EBITDA, ohne Leasing) an. Die AEP-Übernahme soll sich innerhalb dieses Korridors bewegen – gleichzeitig wird ein weiter steigender operativer Cashflow erwartet.

The Platform Group: Einordnung für Anleger: Plattform-Case wird zum Pharma-Case

Mit AEP bringt TPG seine Plattformstory in eine neue Dimension:

  • Industrie-Logik: Pharma-Großhandel mit Milliardenumsatz und Apothekenanbindung trifft auf die digitale Plattform-DNA von TPG.

  • Skaleneffekte: Hohe Volumina, etablierte Logistik, wiederkehrende Kunden – ein ideales Umfeld, um Margen über Technologie, Prozessoptimierung und Cross-Selling zu heben.

  • Strategische Klarheit: Eine klar abgegrenzte Pharmagruppe mit eigener Führung schafft Transparenz und erleichtert perspektivisch auch jede Art von Kapitalmarkt-Story – von Segmentkennzahlen bis hin zu möglichen Spin-off-Fantasien irgendwann in der Zukunft.

Natürlich bleibt die Umsetzung anspruchsvoll:

  • Integration,

  • IT- und Prozessharmonisierung,

  • regulatorische Anforderungen im Pharmabereich,

  • und die erfolgreiche Positionierung als Partner der „Apotheke vor Ort“ entscheiden darüber, ob der Deal den erhofften Mehrwert bringt.

Doch mit AEP, ApoNow, apothekia und Doc.Green formiert TPG nun eine kritische Masse, die aus einem spannenden Nebenwert eine ernstzunehmende Pharmaplattform-Größe machen kann. Der CEO bringt es auf den Punkt:

„Die Bündelung unserer Aktivitäten im Pharmabereich in einem eigenständigen Geschäftsbereich ist ein konsequenter strategischer Schritt.“

Für Anleger heißt das: Wer TPG bisher als breit gestreute Plattformholding gesehen hat, muss das Bild um eine starke pharmazeutische Säule ergänzen – mit Milliarden-GMV, soliden EBITDA-Beiträgen und spürbarer Skalierungsfantasie.

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