Siltronic: KI-Boom stützt Geschäft – Abschreibungen drücken EBIT in die roten Zahlen

Post Views : 46

Siltronic hat ihre Jahresziele 2025 nach vorläufigen Zahlen erreicht – aber der Weg dahin war steinig. Der Umsatz ging um 4,7 % auf 1.347 Mio. Euro zurück, wie es der Vorstand zuvor als „mittleren einstelligen Rückgang“ angekündigt hatte. Operativ ist das Bild jedoch differenzierter: Die verkaufte Waferfläche lag über Vorjahr, vor allem dank anziehender Nachfrage nach 300-mm-Produkten in den Endmärkten – Stichwort KI-Boom in Rechenzentren und High-End-Chips.

Gleichzeitig wirkten mehrere Bremsklötze: Die Schließung der SD-Linie für kleinere Waferdurchmesser in Burghausen, schwächere Preise außerhalb langfristiger Verträge, hohe Lagerbestände bei 200-mm-Wafern sowie ein schwächerer US-Dollar im Jahresverlauf. Unter dem Strich blieb damit ein Umsatzminus – aber eines, das im Rahmen der eigenen Zielsetzung liegt und ohne Sondereffekte operativ nahe am Vorjahr gelegen hätte.

EBITDA solide, EBIT im Minus – Singapur-Fabrik zeigt sich in den Zahlen

Ergebnisseitig zeigt sich die Zyklik des Geschäfts klar: Das EBITDA sank von 363,8 Mio. Euro auf 317 Mio. Euro, die EBITDA-Marge fiel von 25,8 % auf 23,5 %. Damit liegt Siltronic aber immer noch im avisierten Korridor von 22 bis 24 % – für einen Zykliker in dieser Marktphase ein respektabler Wert.

Deutlich härter trifft Anleger der Blick auf das EBIT: Die Abschreibungen schossen von 238,5 Mio. auf 343 Mio. Euro nach oben. Haupttreiber ist der Start der Abschreibungen auf wesentliche Teile der neuen Wafer-Fabrik in Singapur ab August 2025. In der Folge rutschte das EBIT auf -26 Mio. Euro (Vorjahr: +125,2 Mio. Euro), die EBIT-Marge drehte von 8,9 % auf -2,0 %.

Für Anleger ist wichtig: Das Minus resultiert nicht aus einem operativen Einbruch, sondern aus der Kombination aus höherem Abschreibungsniveau und belastenden Preis- und Mixeffekten. Die Investitionen in Singapur sind klassisches „Capex vor Umsatz“ – die Kapazität steht, die volle Ergebniswirkung der neuen Fabrik wird aber erst in den kommenden Jahren sichtbar, wenn die Auslastung steigt.

Q4 als Ausreißer nach oben – Vorzieheffekte verzerren den Blick

Das vierte Quartal 2025 liest sich auf den ersten Blick wie ein Befreiungsschlag: Der Umsatz sprang auf 372 Mio. Euro nach 300,3 Mio. Euro im schwachen dritten Quartal. Auch das EBITDA legte auf 86 Mio. Euro zu, die EBITDA-Marge kletterte auf 23,3 % (Q3: 21,9 %).

Doch Anleger sollten diese Dynamik nicht überinterpretieren. Siltronic selbst verweist klar auf Lieferverschiebungen aus Q3 und sogar von Anfang 2026 in das vierte Quartal 2025. Solche Vorzieheffekte sind im zyklischen Halbleitergeschäft nichts Ungewöhnliches – sie machen Q4 optisch stark, belasten aber das Folgequartal.

Positiv: Der Netto-Cashflow drehte im Schlussquartal deutlich auf +102 Mio. Euro nach -30,6 Mio. Euro in Q3. Neben dem besseren operativen Cashflow spielten auch zeitlich verzögerte Investitionszahlungen und Investitionszuschüsse eine Rolle. Für Anleger ist das ein Signal, dass der Cash-Burn der intensiven Investitionsphase abnimmt – auch wenn die Nettofinanzverschuldung mit 837 Mio. Euro (Vorjahr: 733,5 Mio. Euro) weiter spürbar ist.

300 mm profitiert von KI – 200 mm bleibt Problemzone

Strategisch bleibt Siltronic auf Kurs: Die Nachfrage nach 300-mm-Wafern zieht wieder an, vor allem getrieben von KI-Anwendungen, High-Performance-Computing und moderner Logikfertigung. Das ist genau der Bereich, in dem die neuen Kapazitäten am stärksten wirken werden. Hier trifft die Gesellschaft auf strukturellen Rückenwind.

Anders sieht es im 200-mm-Segment aus: Hier drücken weiterhin erhöhte Lagerbestände der Kunden, und der Preisdruck außerhalb der langfristigen Lieferverträge dürfte 2026 anhalten. Zusammen mit der nun voll durchschlagenden SD-Linien-Schließung und den Vorzieheffekten aus Q4 2025 wird das erste Halbjahr 2026 damit voraussichtlich alles andere als einfach.

Siltronic bleibt deshalb vorsichtig: Die Prognose für 2026 wurde noch nicht veröffentlicht; zunächst sollen die Belastungsfaktoren voll durchgerechnet werden. Klar ist aber: Der Fokus liegt auf weiteren Kostensenkungen, striktem Cash-Management und disziplinierten Investitionen, ohne die strategische Position als einer der führenden High-Tech-Waferanbieter zu gefährden.

Was bedeutet das für Anleger?

Für Aktionäre zeichnet sich folgendes Bild:

Siltronic ist klar im Zyklustal unterwegs, erfüllt aber die eigenen 2025er-Ziele bei Umsatz und EBITDA-Marge und zeigt, dass das Geschäftsmodell auch in einem schwierigen Umfeld solide Cashflows generieren kann – sobald das Investitionsniveau wieder normalisiert.

Die Kehrseite:

  • Das EBIT-Minus und die steigende Verschuldung sind nicht zu übersehen.

  • 2026 startet mit Gegenwind durch Preisdruck, 200-mm-Schwäche und Vorzieheffekte.

  • Die neue Fabrik in Singapur belastet noch über Abschreibungen, bevor sie Ertragstreiber wird.

Für langfristig orientierte Anleger im Halbleiter-Zyklus könnte Siltronic damit in die Kategorie „Turnaround mit Rückenwind“ fallen: Wer an anhaltendes Wachstum bei KI, Cloud und Elektro-/Automobilanwendungen glaubt, sieht in den 300-mm-Kapazitäten und der Kostenarbeit einen Hebel für die Zeit nach der Talsohle. Kurzfristig bleibt die Aktie jedoch klar abhängig von der Frage, wie hart 2026 tatsächlich wird und wie schnell sich insbesondere das 200-mm-Geschäft stabilisiert.

Share : 

Interviews

Wochenrückblick

Trendthemen

Anzeige

Nachrichten SDAX

Anzeige

Related Post

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner