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Die VW-Abgas-Affäre hat nicht nur Spuren beim Wolfsburger Automobilhersteller selbst hinterlassen, sondern auch bei den im SDAX notierten deutschen Zulieferern Bertrandt, Grammer, SHW und Stabilus.

Am stärksten traf es die Bertrandt AG (ISIN: DE0005232805) und die Grammer AG (ISIN: DE0005895403), die beide in den Tagen nach Bekanntwerden der Manipulation von Abgaswerten seitens VW mehr als 14% ihres Börsenwerts verloren haben. Auch die SHW AG (ISIN: DE000A1JBPV9) musste zwischenzeitlich ein Minus von über 12% hinnehmen. Am wenigsten bekam die Stabilus S.A. (ISIN: LU1066226637) mit einem temporären Verlust von rund 6% ab.


Deutsche Automobilindustrie nachhaltig beschädigt?

Eine heiß diskutierte Frage, die in diesen Tagen vielerorts die Medien, Experten und Börsianer beschäftigt, ist die, ob der Skandal um die Abgas-Affäre von VW sich nur kurzfristig negativ oder eben auch nachhaltig auf die Automobilindustrie in Deutschland auswirken wird.

Klarheit herrscht hier nicht. Die Meinungen gehen in dieser Frage durchaus auseinander. Während die einen sogar das Aushängeschild „Made in Germany“ zukünftig beschädigt sehen, gehen andere von einem Intermezzo aus, das ohne größere Folgen für die deutsche Automobilbranche bleiben wird.

Sicher ist aber, dass VW noch längere Zeit mit den Auswirkungen der Dieselgate-Affäre zu tun haben wird. So hieß es aus Wolfsburg jetzt, dass die vor einigen Tagen zurückgestellten 6,5 Mrd. EUR lediglich für die technischen Lösungen des Problems und für Serviceleistungen gedacht sind. Auf VW kommen allerdings voraussichtlich noch hohe Strafzahlungen und mögliche Schadenersatzklagen zu. Das bedeutet, dass der Konzern wahrscheinlich weitaus höhere Sondereffekte einplanen muss. Nicht abzuschätzen sind vor allem die Konsequenzen aus dem Imageverlust.

Die Branche der deutschen Zulieferer hat sich jedenfalls in den Tagen nach dem Skandal mehr oder weniger deutlich in unruhigem Fahrwasser befunden. Zumal dem einen oder anderen Zulieferer bereits der rückläufige Automobilabsatz auf dem chinesischen Markt sowie das schlechte Geschäft in Russland und Brasilien Bauchschmerzen bereitet haben.


Grammer und Bertrandt interessante Rebound-Kandidaten

Die Unsicherheit, welche die deutschen Automobilhersteller erfasst hat, ist an der Börse teilweise auch auf die deutschen Zulieferer im SDAX übergesprungen. So verlor Grammer seit Bekanntwerden der VW-Affäre  rund 14,47%.

Dabei hatte der Hersteller von Komponenten und Systemen für die PKW-Innenausstattung und von Fahrer- und Passagiersitze für Nutzfahrzeuge Anfang September endlich einmal wieder eine gute Nachricht zu verkünden. So hatte man vom weltweit größten Baumaschinenhersteller den größten Sitzauftrag in der Unternehmensgeschichte erhalten. Die Aktie stieg daraufhin binnen sieben Tage um 14,29% auf 23,35 EUR.

Es war für Grammer nur ein kurzer Lichtblick. 2015 bleibt somit erst einmal für den Konzern und seine Aktionäre alles in allem in schlechter Erinnerung. Denn bereits seit April dieses Jahres musste die Aktie bis in den August hinein einen kräftigen Kursrückgang von 37,86 EUR auf 19,81 EUR hinnehmen. Ein Minus von 47,68%. Grund dafür waren die Eintrübungen des Nutzfahrzeugmarkts in China und Brasilien.   

Ähnlich übel erwischte es in 2015 Bertrandt. Der Entwicklungsdienstleister musste von März bis August einen Kurssturz von 138,05 EUR auf 93,50 EUR verkraften, was einem prozentualen Rückgang von 32,27% entspricht. Nach kurzer Erholung bis auf 105,55 EUR folgte dann der nächste Nackenschlag, ausgelöst durch die Abgas-Affäre von VW. Hier ging es in der Spitze bis auf 87,89 EUR runter.

Doch trotz der noch nicht in Gänze absehbaren Folgen des VW-Skandals kann man Grammer und Bertrandt derzeit als attraktiv bewertet einstufen. So sieht die Mehrzahl der Analysten das Kursziel für Grammer in einer Range von 28 EUR bis 30 EUR. Vom aktuellen Kurs bei 19,50 EUR aus gesehen, ist das ein Up-Potenzial von etwa 43-53%.

Für Bertrandt wird das Kursziel seitens Analysten zwischen 130 EUR und 145 EUR gesehen. Ausgehend vom aktuellen Kurs bei 88,88 EUR beträgt das Up-Potenzial beim Zulieferer aus Ehningen demnach 46-63%.


Stablius und SHW auch mit Erholungspotenzial

Während die Konkurrenz von Grammer und Bertrandt im Zuge der Abgas-Affäre eine ordentliche Breitseite an der Börse abbekommen hat, kamen die beiden anderen Zulieferer aus dem SDAX, Stabilus und SHW, wie eingangs erwähnt bisher mit ein paar leichten Kratzern davon.

Stabilus verlor seit dem 17. September in der Spitze 6,16%, befindet sich aber seit zwei Tagen bereits wieder in einer deutlichen Gegenbewegung. Aktuell notiert die Aktie mit 32,35 EUR gar über dem Kurs von vor zwei Wochen, als der VW-Skandal publik wurde. Hauck & Aufhäuser hatte die Aktie am 22. September zum Kauf empfohlen und ein Kursziel von 36 EUR ausgegeben. Damit besteht vom heutigen Kurs aus gesehen ein Up-Potenzial von rund 11%.

Die Aktie der SHW verlor in letzten 13 Tagen in der Spitze 12,53% und notiert aktuell bei 21 EUR. Das Bankhaus Lampe stufte die Aktie zuletzt auf „Halten“ mit einem Kursziel von 24 EUR ein. Auch Kepler Cheuvreux senkte das Kursziel von 40 EUR auf 31 EUR, beließ aber die Empfehlung auf „Buy“. Demnach besteht für die Aktie der SHW vom aktuellen Kurs aus betrachtet ein Up-Potenzial von rund 14-47% 

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Das Nebenwerte Magazin richtet seinen Fokus auf die Welt der deutschen Nebenwerte und hat sich zum Ziel gesetzt, Mid-Caps und Small-Caps aus Deutschland mehr in den Blickpunkt zu rücken.

Noch immer stehen deutsche Nebenwerte weitestgehend im Schatten der sogenannten 30 Blue Chips aus dem DAX, dem deutschen Leitindex. Doch so mancher Wert aus dem DAX kam ja einst aus der zweiten und dritten Reihe und war somit selbst einmal ein Mid-cap oder Small-Cap. SDAX, TECDAX und MDAX sind daher sozusagen die Wiege des DAX.

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