
Mutares Aktie allein nach den Bewertungskennziffern betrachtet, wäre „hot“. Aber es muss doch Gründe für die Zurückhaltung der Anleger geben. Natürlich man denkt an die Gotham Attacke, BaFin-Biulanzprüfung, aber letztendlich sind diese Geschichten ohne Schaden für das Unternehmen gelöst worden.
Dann gab es im Vorjahr noch den Traumexit bei STEYR Motors und bereits mehrere Exits dieses Jahr plus einen Exit „in der Mache“ bei MAGIRUS, der durchaus grosses Potential bieten könnte. Heute gab’s einen Exit im automotive-Sektor, Beweis, das Mutares auch in der kritisch betrachteten Branche Werte heben kann. Und aufgrund der günstigen „Einkaufspreise“ wohl weiterhin ein spannender Sektor für die Münchener. Also woran liegt es, das die Aktie der Mutares relativ günstig erscheint? Liegt’s an den anlegerfeindlichen Verhaltensweisen eines ehemals börsnenotierten und grösseren Carve-Out Spezialisten – der Aurelius – die auf das Carve-Out Geschäft als Börsenstory austrahlen?
Weltraum, Zeitenwende oder Übernahmen – warum OHB Rheinmetall und BB Biotech einen zweiten Blick wert sein könnten.
ATOSS Aktie vor Rebound.
Der Reihe nach: Der geplante Verkauf von Walor Precision Turning an Reed Capital passt zur aktuellen Marschroute von Mutares. Die Münchener treiben den Umbau ihres Automobilportfolios konsequent voran. An der Börse beliebt es aber, wie bereits gesagt, widersprüchlich: Operativ liefert das Beteiligungshaus starke Zahlen und hohe Ausschüttungen, doch viele Anleger scheuen weiterhin die Aktie.
Mutares – Hohe Rendite, niedrige Bewertung. In Stein gemeisselt?
Für Dividendenjäger führt im SDAX derzeit kaum ein Weg an Mutares vorbei. Nach dem Beschluss der Hauptversammlung im Juli 2026 fließen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2,00 Euro je Aktie. Beim aktuellen Kursniveau um die 27,60 Euro bringt das eine beachtliche Rendite von 7,4 bis 8,0 Prozent. Und das Kuriose dabei eine fundamental extrem niedrige Aktienbewertung. Der Markt traut den Gewinnen offenbar nicht recht über den Weg und verlangt einen massiven Risikoabschlag.
| Kennzahl | Aktueller Wert / Prognose |
| KGV (2026e) | 2,97 – 7,1 |
| KUV | 0,1 |
| KBV | 1,0 |
| Marktkapitalisierung | ca. 572 Mio. Euro |
| Kursziel (Analysten) | 45 – 49 Euro |
Analysten von Sphene Capital oder Warburg Research sehen hier deutliches Aufholpotenzial und halten Kurse bis zu 49 ,40 Euro für realistisch. Die breite Spanne beim erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis resultiert aus stark schwankenden Gewinnschätzungen. Mutares selbst kalkuliert für 2026 mit einem Holding-Überschuss zwischen 165 und 200 Millionen Euro.
Mutares liefert! Laufend.
So zeigt die hohe Taktung bei den Deals beeindruckend. Auf der Transaktionsseite herrscht 2026 Hochbetrieb. Schon im ersten Quartal standen sechs Exits in den Büchern, weitere folgten zügig. So brachte der Verkauf der restlichen 46,3 Prozent an der Terranor Group im Mai rund 50 Millionen Euro brutto ein – die Rendite lag dabei weit über den eigenen Zielen. Auch Conexus, Kalzip, inTime und Relobus wurden bereits früh im Jahr abgegeben, bevor jetzt im Juli der Verkauf des sanierten Zulieferers Walor (55 Mio. Euro Umsatz) folgte. Und der nächste große Hebel könnte Magirus sein. Bei 336 Millionen Euro Umsatz und gut 880 Millionen Euro im Auftragsbuch wird derzeit ausgelotet, ob sich ein strategischer Verkauf oder ein Börsengang mehr rechnet.
Die Basis für diese Exits legte das Geschäftsjahr 2025. Der Konzernumsatz kletterte auf 6,5 Milliarden Euro (Vorjahr: 5,3 Mrd. Euro), während das EBITDA von 117 auf 675 Millionen Euro sprang. Diese Gewinnzahl ist allerdings stark von Erträgen aus günstigen Zukäufen (Bargain Purchases) sowie lukrativen Verkäufen verzerrt – allen voran der Exit bei STEYR Motors, der über 170 Millionen Euro einbrachte. Dass die laufenden Sanierungen im Portfolio weiterhin Geld kosten, zeigt das adjustierte EBITDA, das mit -31,2 Millionen Euro im Minus blieb.
Mutares ist nicht alles Sonne…
Trotz der starken operativen Entwicklung wird die Aktie weiterhin von alten Themen ausgebremst. Der Angriff des Leerverkäufers Gotham City Research im September 2024 wirkt nach. Mutares reagierte damals zwar schnell mit ausführlichen Stellungnahmen und Insiderkäufen, doch die Skepsis der Investoren verflog nie ganz. Dazu kam im Juli 2025 eine Untersuchung der BaFin. Dabei ging es um mögliche Fehler im Jahresabschluss 2023. Auch wenn nur Anhang- und Prognoseangaben im Fokus standen und die testierten Kernkennzahlen unangetastet blieben: Allein das Eingreifen der Aufsicht hat für zusätzliche Zurückhaltung gesorgt.
Trendthema Carboninfrastruktur? Teil 1: CO2-Reduktion bis 2050 in der EU und anderen Staaten – wo sind die Gewinner zu finden. Gibt es bereits Pureplayer?
Trendthema Carboninfrastruktur? Teil 2: Zertifikate und fehlende Pureplayer. Siemens Energy oder Linde beispielsweise tanzen auf zu vielen Hochzeiten, also was man braucht…
Entsprechend halten sich Short-Seller weiterhin bei Mutares auf und stockten ihre Positionen Ende 2025 teilweise sogar wieder leicht auf. Wobei im Bundesanzeiger (Stand 27.07.2026) sich nur Tages Capital LLP mit aktuell 0,61% Leerverkaufspositonen findet. Zu beachten ist, das man hier nur Positionen findet, die die Meldegrenze von 0,5% erreichen – der grosse Eisberg der Positionen, die gerade nciht meldepflichtig sind, bleibt schwer fassbar. Sollte bei Muatres aber durchaus eine relevante grössenordnung erreichen.
Umbau gegen die Autokrise. Automotive als Wertbremser?
Die Automobilzulieferung ist traditionell das wichtigste Standbein der Münchener. Das bringt im aktuellen Branchenumfeld Probleme mit sich, drückt auf die Bewertungen der Tochterfirmen und hat unter anderem den Börsengang der Zulieferer-Holding Amaneos verzögert. Das Management steuert hier aktiv gegen und baut die Bereiche Energy & Technology sowie Chemicals & Materials aus. Die Übernahme der Kunststoffsparte von SABIC (ca. 2 Mrd. Euro Umsatz) war die bislang größte Transaktion der Firmengeschichte.
Parallel treibt Mutares die Expansion in den USA und China voran. Neue Büros und erste Zukäufe vor Ort sollen den Zugang zu den weltweit größten Private-Equity-Märkten öffnen. Der Plan ist ambitioniert: Neben geopolitischen Risiken steigen vor allem die Anforderungen an das Management, das diese globale und immer komplexere Struktur operativ beherrschen muss.
Mutares Aktie – was für Mutige?
Mutares bleibt ein Investment für risikotolerante Anleger. Die Kombination aus extrem hoher Dividende und einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnissen findet sich im SDAX kein zweites Mal. Die Deal-Pipeline ist gut gefüllt und die Exit-Erlöse fließen. Der Markt rechnet aber offensichtlich weiterhin mit Rückschlägen, sei es durch das schwierige Automobilumfeld oder noch nicht verdaute Unsicherheiten aus der Vergangenheit. Die kommenden großen Verkäufe, insbesondere bei Magirus oder NEM Energy, werden beweisen müssen, ob das Geschäftsmodell stark genug ist, um die anhaltende Skepsis der Investoren endgültig aufzulösen.
WERBUNG: Wie in Gold/Silber oder Platin anlegen, wenn man nur kleines Geld hat? Und wenn man mit kleinem Geld lieber direkt in Gold investieren will? Oder in der Normalisierung des Gold/Silber-Ratios Chancen sieht – und das ohne Umsatzsteuer auf Silber zu zahlen? GOLD-/SILBER-SPARPLAN starten (beim Erstplatzierten von „BESTE Dienstleister. 1. Platz Goldsparpläne“ vom HANDELSBLATT).












