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Die Commerzbank AG (ISIN: DE000CBK1001) schafft jetzt doch die notwendigen 90% an der comdirect - Petrus Advisers verkauft zu einem "ungenannten" Preis Aktienpaket an die Commerzbank.

Zur Erinnerung vorab nochmal: Die Commerzbank bot den Aktionären der comdirect 11,44 Euro je Aktie in bar. Dies entsprach einer Prämie von 25 Prozent auf den Xetra-Schlusskurs der comdirect-Aktie vom 19. September 2019, dem Tag vor Veröffentlichung der Ad-hoc-Mitteilung zum Strategieentwurf "Commerzbank 5.0". Die Angebotsfrist für das Erwerbsangebot lief bis zum 6. Dezember 2019 und stand unter der Vollzugsbedingung einer Mindestannahmequote von 90 Prozent (einschließlich der von der Commerzbank bereits gehaltenen comdirect-Aktien in Höhe von 82,63%).

Bei Kursen weit über dem Angebotspreis scheiterte die Commerzbank mit ihrem Angebot - die Squeeze-Out-Schwelle von 90% schien nicht erreichbar, man stellte sich auf die länger dauernde, klageerleichternde und leichter zu blockierende Verschmelzung der Comdirect auf die Commerzbank ein. Dass hätte bedeutet, dass nach Zustimmung der Hauptversammlungen beider Unternehmen die comdirect-Aktionäre für ihre Anteile Commerzbank-Aktien erhalten hätten. Das Umtauschverhältnis wäre auf Basis von Gutachten zum Wert der comdirect und der Commerzbank bestimmt worden.

UND JETZT VERKAUFT PETRUS

Bei aktuellen Kursen von 13,34 EUR wird nun ein wesentliches Aktienpaket der comdirect an die Commerzbank verkauft - und dass bestimmt nicht zu den ursprünglich angebotenen 11,44 EUR. Man kann davon ausgehen, dass Petrus Advisers einen guten Schnitt gemacht hat und die Commerzbank nun doch eingeknockt ist - warum wird man wahrscheinlich nie erfahren. Zeitgewinn wichtiger als ein "paar" Millionen? Verschmelzung schwieriger und konfliktreicher als vermutet? Preiszugeständnisse von Petrus? Erfolgsdruck der Commerzbank-Vorstände möglichst schnell die versprochenen Vorteile einer Zusammenführung zu heben? Litt das operative Geschäft der comdirect unter dem drohenden, nicht berechenbaren "Verschwinden" in der Commerzbank?

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EGAL -GAME'S OVER for Comdirect

Wie es heute so schön heisst: "Die Commerzbank AG wird über ihre Tochtergesellschaft Commerzbank Inlandsbanken Holding GmbH ein Aktienpaket an der comdirect bank Aktiengesellschaft ("comdirect") vom institutionellen Investor Petrus Advisers Ltd. erwerben. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart."

Die Commerzbank hält damit nach Abschluss der Transaktion mehr als 90 Prozent der Aktien der comdirect. Damit hat die Commerzbank die erforderliche Beteiligungsschwelle für einen verschmelzungsrechtlichen Squeeze-out erreicht. Im Zuge des angestrebten Squeeze-Outs erhalten comdirect-Aktionäre eine Barabfindung für ihre Aktien. "Mit der Erhöhung unseres Anteils an der comdirect legen wir die Basis für eine zügige Verschmelzung der comdirect auf die Commerzbank. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Integration unserer erfolgreichen Direktbank-Tochter schnell und effizient umzusetzen und erhebliche Synergien zu erzielen - ein zentraler Baustein unserer Strategie "Commerzbank 5.0". Mit einer starken Multikanalbank bieten wir künftig allen Kunden der Commerzbank die herausragende Brokerage-Kompetenz der comdirect an", sagt Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank.

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Angeblich bleibt für die Comdirect-Kunden alls beim Alten plus Zusatzgimmick: "Für die Kunden der comdirect soll die gewohnte Produkt- und Servicequalität erhalten bleiben, während sie künftig zusätzlich von der Filialpräsenz der Commerzbank profitieren. Über die strategischen Vorteile einer Verschmelzung hinaus wird die Commerzbank infolge der Integration signifikante Synergiepotenziale realisieren."

Vorher wurde die Comdirect schon gleichgeschaltet

Bereits am 17.12.2019 machte die Commerzbank Nägel mit Köpfen - der Vorstandvorsitzende der Comdirect wurde "wegbefördert" und kommt bei der Commerzbank an - als Bereichsvorstand "Leitung Wealth Management & Unternehmerkunden der Commerzbank AG" und wird künftig zudem das Integrationsprojekt im Rahmen der beabsichtigten Übernahme der comdirect durch die Commerzbank leiten. Wer könnte besser als der alte Chef die Comdirect mitnehmen in die Struktur einer Grossbank - Clash der Kulturen sollte vermieden werden, ob das gelingt wird man sehen.

Fahrplan und neue Aufgabe standen bereits fest, jetzt geht es halt schneller

Beide Welten, also comdirect und Commerzbank, sollen mit Blick auf Innovation und Digitalisierung bestmöglich zusammengeführt werden - so lautet der Anspruch an den neuen Bereichsvorstand. "Arno Walter hat comdirect in den letzten fünf Jahren zu einem wachstumsstarken und innovativen Unternehmen gemacht und damit die Erfolgsgeschichte maßgeblich geprägt. Mit einer klaren Strategie hat comdirect innerhalb der letzten fünf Jahre mehr als 800 Tausend Netto-Neukunden hinzugewonnen, das betreute Kundenvermögen um rund 44 Milliarden Euro gesteigert und dabei kontinuierlich einen zweistelligen ROE erzielt. Für diese großartige Leistung danken wir ihm sehr", sagte am 17.12.2019 Dr. Jochen Sutor, Aufsichtsratsvorsitzender der comdirect bank AG. "Wir wünschen ihm für seine neue Aufgabe viel Erfolg und alles Gute."

Und die "Neue" - Frauke Hegemann - wurde als Leichengräberin gebraucht - eine Berufung auf Abruf. "Wir freuen uns sehr, mit Frauke Hegemann eine exzellente Nachfolge an der Spitze von comdirect zu haben, die mit ihrer Expertise und ihrem ganzheitlichen Blick auf den Kunden die Strategie in den letzten Jahren erfolgreich mitgestaltet und die weitere Digitalisierung und Skalierung des Kundenmanagements maßgeblich geprägt hat", so Sutor. "Gerade in der aktuellen Zeit setzen wir auf ihre Stärken, um gemeinsam mit ihren Vorstandskollegen die Zukunft zu gestalten."

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Aktuell (03.01.2020 / 10:53 Uhr) notieren die Aktien der Commerzbank AG im Xetra-Handel leicht im Minus bei 5,582EUR, die der comdirect Bank AG leicht im Plus bei 13,34 EUR.

Weitere Informationen

  • ISIN: DE000CBK1001

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