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Der Salzgitter-Konzern (ISIN: DE0006202005) hat bereits wegen einer drohenden Unterdeckung mit CO2-Emissionsrechten am Markt gekauft und meint so dieses Risiko zu minimieren.

Die mittelfristige Unterdeckung von CO2-Zertifikaten sei bei den Tochterunternehmen des Salzgitter-Konzerns überwiegend kompensiert; der aktuelle Marktwert der hierfür erworbenen CO2-Zertifikate übersteigt bilanzierten Wert um rund 300 Mio. EUR. Es sieht also nach einem potentiellen Gewinn aus diesem Geschäft aus. Oder umweltpolitische Entscheidungen oder Systemänderungen werfen die schönen Zahlen über den Haufen. Gerade in der Umweltpolitik ist wenig sicher oder absolut berechenbar. Also Chance und Risiko. Der Hintergrund:

Am 01.01.2021 beginnt die vierte Periode des Europäischen Treibhausgas-Emissionshandelssystems, die bis einschließlich 2030 dauert. Nach jetzt abschließend ermittelten und extern verifizierten Daten für Salzgitters bis Ende Juni einzureichenden Anträge auf kostenfreie Zuteilung von CO2-Zertifikaten geht man davon aus, dass die von vorsorglich erworbenenen Zertifkate die geschätzte Unterdeckung nach Zuteilung für die dem Emissionshandelssystem unterfallenden Tochterunternehmen der Salzgitter AG überwiegend kompensieren. Da nicht gesichert ist, ob und gegebenenfalls wann technische CO2-Minderungsoptionen zur Verfügung stehen, wurde dieser vom Emissionshandelssystem gleichrangig vorgesehene Weg beschritten. Der Marktwert aller vorsorglich erworbenen CO2-Zertifikate übersteigt zum heutigen Stichtag den bilanzierten Wert um rund 300 Mio. EUR. Damit stellen sie einen erheblichen, nicht aus der Bilanz abzulesenden Vermögenswert dar, sodass wir uns dazu entschlossen haben, diesen Sachverhalt per Ad-hoc-Mitteilung zu veröffentlichen.

Der Wert der erworbenen CO2-Zertifikate ist ein Börsenwert und deshalb Schwankungen unterliegt. Zum anderen ist die tatsächliche Höhe der Unterdeckung aus kostenfreier Zuteilung erst nach vollständigem Abschluss des Zuteilungsverfahrens bestimmbar. Außerdem richtet sie sich final nach dem realen, produktionsabhängigen Zertifikatebedarf im Verlauf der vierten Handelsperiode.

Und wie war 2018?

Hervorragend! Neben der Performance des Geschäftsbereiches Flachstahl sowie vorzeigbaren Beiträgen der Segmente Handel und Technologie trugen vor allem die rund 150 Mio. EUR erstmals realisiertes Ergebnisverbesserungspotenzial aus internen Maßnahmenprogrammen zu dieser Entwicklung bei. Die finanzielle und bilanzielle Basis des Konzerns bleibt mit 38,1 % Eigenkapitalquote sowie 191,6 Mio. EUR Nettofinanzposition solide.

Der Außenumsatz des Konzerns stieg im Geschäftsjahr 2018 vor allem erlösbedingt auf 9.278,2 Mio. EUR (2017: 8.990,2 Mio. EUR). Der Gewinn vor Steuern verbesserte sich gegenüber dem Wert des Vorjahres (2017: 238,0 Mio. EUR) auf 347,3 Mio. EUR. Darin sind per saldo -62,8 Mio. EUR Ergebnisbelastungen aus Sondereffekten (2017: -82,9 Mio. EUR) sowie 44,0 Mio. EUR Beitrag aus der nach der Equity-Methode bilanzierten Beteiligung an der Aurubis AG (2017: 79,3 Mio. EUR inklusive der Effekte aus der Umtauschanleihe) enthalten. Aus 277,7 Mio. EUR Nachsteuergewinn (2017: 193,6 Mio. EUR) errechnen sich 5,06 EUR Ergebnis je Aktie (2017: 3,52 EUR) sowie 10,3 % Verzinsung des eingesetzten Kapitals (ROCE; 2017: 8,6 %).

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Der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr.-Ing. Heinz Jörg Fuhrmann erklärte hierzu: "Im Jahr 2018 wurden von maßgeblichen politischen Kräften jahrzehntealte Freihandelsmaximen ohne Not infrage gestellt. In unserer Branche führte dies zu den befürchteten Verschiebungen von Handelsströmen und damit zu einem neuen Rekordniveau von Stahlimporten nach Europa. Vor diesem Hintergrund dürfen wir auf die Entwicklung unseres Konzerns im abgelaufenen Geschäftsjahr auch ein wenig stolz sein: 347,3 Mio. EUR Gewinn vor Steuern bedeuten das beste Resultat der vergangenen zehn Jahre. So etwas findet man nicht oft - zumal die Kraftquellen überwiegend unsere eigenen Anstrengungen waren, nicht die günstigeren Marktverhältnisse. Die rund 150 Mio. EUR erstmals realisiertes Ergebnisverbesserungspotenzial aus den seit 2013 umgesetzten Programmen belegen, dass wir auch in wirtschaftlich guten Jahren den Fokus darauf richten, den Konzern konsequent weiterzuentwickeln. Angesichts der im laufenden Jahr eher zunehmenden Herausforderungen gilt es, diesen Kurs konsequent beizubehalten."

Entwicklung der Geschäftsbereiche

Im Geschäftsbereich Flachstahl stieg der Außenumsatz vor allem preisbedingt auf 2.341,0 Mio. EUR (2017: 2.159,8 Mio. EUR). Die Versandmenge erhöhte sich ebenfalls. Mit 205,8 Mio. EUR Gewinn vor Steuern verzeichnete das Segment vor allem dank der gesteigerten Erlösqualität einen merklichen Zuwachs (2017: 182,0 Mio. EUR). Zudem schlugen sich Effekte der eingeleiteten Maßnahmenprogramme positiv nieder, während höhere Rohstoff- und Energiekosten gegenläufig wirkten.

In einem von anhaltend hohen Grobblechimporten geprägten Marktumfeld rangierte der Absatz des Geschäftsbereiches Grobblech / Profilstahl auf dem Level des Vergleichszeitraumes. Hierbei konnte der Profilstahlbereich die rückläufige Menge im Grobblechsegment nahezu ausgleichen. Der Außenumsatz stellte mit 1.026,4 Mio. EUR den Vergleichswert (2017: 1.024,3 Mio. EUR) ein. Der Geschäftsbereich erzielte 24,8 Mio. EUR Gewinn vor Steuern und verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr (2017: -57,7 Mio. EUR), das von einem Impairment bei der Salzgitter Mannesmann Grobblech GmbH geprägt war, erheblich.

Der Geschäftsbereich Mannesmann verzeichnete vor dem Hintergrund geringfügig gesunkener Versandmengen einen erlösbedingt stabilen Außenumsatz (1.118,6 Mio. EUR; 2017: 1.093,5 Mio. EUR). Das Segment verbuchte ein Vorsteuerergebnis auf Vorjahresniveau (- 5,4 Mio. EUR; 2017: -5,6 Mio. EUR). Dieses beinhaltet per saldo -24,0 Mio. EUR Sondereffekte (2017: -21,0 Mio. EUR Aufwand für strukturverbessernde Maßnahmen).

Der Absatz des Geschäftsbereiches Handel fiel aufgrund des geringeren Projektgeschäfts sowie des Ausbleibens großvolumiger Aufträge im internationalen Trading etwas hinter dem 2017er Wert zurück. Aufgrund des höheren Preisniveaus bewegte sich der Außenumsatz des Geschäftsbereiches auf Höhe des Vorjahres (3.267,7 Mio. EUR; 2017: 3.229,9 Mio. EUR). Der Geschäftsbereich Handel erwirtschaftete mit 50,5 Mio. EUR ein wiederum respektables Ergebnis vor Steuern (2017: 70,5 Mio.EUR).

Im Geschäftsbereich Technologie stieg der Außenumsatz als Folge von Zuwächsen aller Geschäftsfelder auf 1.338,2 Mio. EUR (2017: 1.284,7 Mio. EUR). Dank der vorzeigbaren Ergebnisentwicklung aller drei Gesellschaften wurden insgesamt 43,1 Mio. EUR Gewinn vor Steuern (2017: 6,6 Mio. EUR) und damit das beste Resultat seit Bestehen des Segments 2007 erwirtschaftet. Das umfassende Effizienz- und Wachstumsprogramm "KHS Future" mit den Schwerpunkten Kostensenkungen und Ausweitung des Servicegeschäfts trug wesentlich zur erzielten Ergebnissteigerung bei.

Der Außenumsatz des Bereiches Industrielle Beteiligungen / Konsolidierung kam mit 186,3 Mio. EUR unter dem Niveau des Vorjahres (2017: 198,0 Mio. EUR) aus. Das Ergebnis vor Steuern belief sich auf 28,4 Mio. EUR (2017: 42,2 Mio. EUR). Darin enthalten ist der Beitrag der nach der Equity-Methode bilanzierten Beteiligung an der Aurubis AG in Höhe von 44,0 Mio. EUR. Stichtagsbezogene Bewertungseffekte von Devisen- und Derivatepositionen lieferten ebenso ein positives Ergebnis. Das Resultat beinhaltet per saldo -38,8 Mio. EUR Belastungen aus Sondereffekten (2017: 0,0 Mio. EUR), unter anderem eine als Vorsichtsmaßnahme gebildete Rückstellung im Zusammenhang mit dem bereits seit 2017 bekannten, laufenden Verfahren des Bundeskartellamtes gegen Grobblech- und Flachstahlhersteller.

Ausblick

Die Geschäftsbereiche gehen verglichen mit dem Vorjahr von nachstehendem Verlauf des Geschäftsjahres 2019 aus:

Das Flachstahlsegment rechnet mit einem gegenüber dem überdurchschnittlich guten Vorjahr gedämpften Geschäftsverlauf und erwartet einen stabilen Umsatz sowie einen margenbedingt sichtbar reduzierten Vorsteuergewinn. Zum einen dürfte der Importdruck auf den europäischen Stahlmarkt hoch bleiben, zum anderen gehen wir - insbesondere für Eisenerz - von Rohstoffkosten aus, die merklich über dem Niveau von 2018 liegen.

Der Grobblechmarkt ist nach wie vor von besonders hohen Importvolumina aus Drittländern in die EU gekennzeichnet. Zudem verschärfen fehlende Anschlussaufträge zur Lieferung von Vormaterial für Rohrleitungen die Situation für die Mülheimer Gesellschaft. Im Profilstahlbereich werden nach einem sehr erfreulichen Vorjahr normalisierte Margen unterstellt. Insgesamt erwarten wir Umsatz und Ergebnis spürbar unter den Vorjahreswerten und gehen für den Geschäftsbereich Grobblech / Profilstahl von einem Vorsteuerverlust aus.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Geschäftsbereiches Mannesmann wird mindestens im ersten Halbjahr 2019 von der unbefriedigenden Auslastung der deutschen Großrohrgesellschaft der EUROPIPE-Gruppe gekennzeichnet sein. Die amerikanischen Europipe-Gesellschaften hingegen werden von Auftragszuläufen aus dem Vorjahr und zum Jahresbeginn profitieren und gehen, genauso wie die Mannesmann Grossrohr GmbH, von weiteren Projektbuchungen aus. Das Segment der mittleren Leitungsrohre erwartet nach zwei sehr guten Jahren eine Normalisierung der Nachfrage. Die Präzisrohrgesellschaften antizipieren eine insgesamt stabile, der Edelstahlbereich eine moderat verbesserte Marktsituation. Bei etwa gleichbleibenden Absatz- und Umsatzziffern prognostizieren wir für den Geschäftsbereich ein leicht positives Vorsteuerresultat.

Der Geschäftsbereich Handel rechnet für 2019 mit einem Absatzanstieg und somit einem erkennbaren Umsatzwachstum. Während die Margenerwirtschaftung im internationalen Trading aufgrund der anhaltenden Einflüsse allerorten restriktiver Handelspolitik unter Druck bleibt, sollten die prognostizierten Margenrückgänge im lagerhaltenden Handel zumindest teilweise durch Geschäfte mit zusätzlicher Wertschöpfung kompensiert werden. Wir erwarten für den Geschäftsbereich einen abermals erfreulichen, aber dennoch sichtbar unter dem Vorjahr rangierenden Gewinn vor Steuern.

Basierend auf einem hohen Auftragsbestand und guten Auftragseingängen avisiert der Geschäftsbereich Technologie ein leichtes Umsatzwachstum. Dabei setzt die KHS-Gruppe auf eine selektive Auftragsannahme, den weiteren Ausbau des Servicegeschäfts sowie zusätzliche positive Effekte aus den eingeleiteten Maßnahmen zur Effizienzsteigerung. Die beiden Spezialmaschinenbauer der DESMA-Gruppe antizipieren eine Normalisierung der Ertragslage, sodass insgesamt ein Vorsteuergewinn unterstellt wird, der über dem Durchschnitt der Vorjahre auskommt, aber merklich niedriger ausfällt als ein Jahr zuvor.

In Anbetracht eines sich eintrübenden Sentiments sowie zahlreicher wirtschaftlicher und politischer Unwägbarkeiten rechnet man für den Salzgitter-Konzern im Geschäftsjahr 2019 mit

  • einem geringfügig gesteigerten Umsatz oberhalb 9,5 Mrd. EUR,
  • einem Vorsteuergewinn (EBT) zwischen 125 Mio. EUR und 175 Mio. EUR sowie
  • einer sichtbar unter dem Vorjahreswert liegenden Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE).

Aktuell (14.06.2019 / 09.48Uhr) notieren die Aktien der Salzgitter AG im Xetra-Handel mit einem Minus von -0,23 EUR (-0,98 %) bei 23,30 EUR.


Chart: Salzgitter AG | Powered by GOYAX.de

Weitere Informationen

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