Klöckner & Co vor dem Börsenabschied: Milliardenumsatz, Millionenverlust – und ein Angebot über 11 Euro

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Klöckner & Co hat sein operatives Ergebnis im zweiten Quartal 2026 deutlich verbessert. Überschattet wird die Entwicklung jedoch von einer hohen Wertberichtigung auf die Becker Gruppe, einem Konzernverlust von 268 Millionen Euro und dem bevorstehenden Rückzug von der Börse.

Nach der Übernahme durch Worthington Steel läuft bereits das Delisting-Erwerbsangebot. Den verbliebenen Aktionären werden 11 Euro je Aktie geboten. Damit rückt für Anleger weniger die operative Entwicklung als vielmehr die Entscheidung in den Mittelpunkt, ob sie ihre Aktien noch vor dem erwarteten Börsenabschied verkaufen.

Operatives Ergebnis legt gegenüber dem Vorquartal deutlich zu

Klöckner & Co erzielte im zweiten Quartal ein EBITDA vor wesentlichen Sondereffekten von 63 Millionen Euro. Gegenüber dem ersten Quartal, in dem 46 Millionen Euro erreicht wurden, entspricht dies einer deutlichen Verbesserung.

Der Vorjahreswert von 65 Millionen Euro wurde allerdings knapp verfehlt. Im gesamten ersten Halbjahr summierte sich das bereinigte EBITDA auf 109 Millionen Euro nach 107 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Damit zeigt das operative Geschäft trotz des schwierigen Marktumfelds eine robuste Entwicklung. Das Unternehmen profitierte unter anderem von höheren Stahlpreisen und einem verbesserten Absatz auf vergleichbarer Basis.

CEO Guido Kerkhoff erklärt: „Im zweiten Quartal haben wir unser operatives Ergebnis vor wesentlichen Sondereffekten gegenüber dem Vorquartal deutlich gesteigert und damit gezeigt, dass unser Geschäft auch in einem schwierigen Marktumfeld trägt.“

Umsatz steigt – bereinigter Absatz entwickelt sich positiv

Der Absatz lag im zweiten Quartal bei 1,12 Millionen Tonnen und damit unter dem Vorjahreswert von 1,16 Millionen Tonnen.

Der Rückgang ist jedoch vor allem auf den Verkauf von acht US-Distributionsstandorten Ende 2025 zurückzuführen. Bereinigt um diese Veräußerung stieg der Absatz auf Gruppenebene um 3,2 Prozent.

Der Umsatz erhöhte sich gleichzeitig von 1,6 auf 1,7 Milliarden Euro. Auf vergleichbarer Basis, also ohne die verkauften US-Standorte, lag das Wachstum sogar bei 12,1 Prozent.

Die Entwicklung zeigt, dass das verbleibende Geschäft operativ gewachsen ist. Gleichzeitig profitierte Klöckner & Co von einem höheren durchschnittlichen Preisniveau.

Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern mittlerweile zwar einen leichten Absatzrückgang, beim Umsatz soll jedoch ein leichtes Plus erreicht werden.

Becker-Abschreibung sorgt für hohen Verlust

Das ausgewiesene Ergebnis fällt deutlich schwächer aus als die operative Entwicklung vermuten lässt.

Klöckner & Co musste im ersten Halbjahr eine Wertberichtigung von 151 Millionen Euro auf die Becker Gruppe verbuchen. Zusätzlich entstanden Transaktionskosten von 17 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem Zusammenschluss mit Worthington Steel.

Unter Einbeziehung dieser und weiterer Sondereffekte belief sich das EBITDA des ersten Halbjahres auf minus 67 Millionen Euro.

Im zweiten Quartal entstand ein Konzernverlust von 268 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen noch einen kleinen Gewinn von 2 Millionen Euro ausgewiesen.

Das Ergebnis je Aktie fiel entsprechend von plus 0,02 Euro auf minus 2,70 Euro.

Die hohen Verluste sind damit wesentlich bilanziell und transaktionsbedingt. Dennoch verdeutlicht die Abschreibung, dass die Becker Gruppe aus Sicht des Unternehmens deutlich weniger wert ist als bislang angenommen.

Verkauf der Becker Gruppe bleibt Teil der Strategie

Klöckner & Co arbeitet weiter am Verkauf der Becker Gruppe. Der Konzern hatte bereits im Januar angekündigt, sich von dem Unternehmen trennen zu wollen.

Mit dem Verkauf soll das Portfolio stärker auf höherwertige Produkte und Dienstleistungen ausgerichtet werden. Diese Bereiche versprechen im Vergleich zum klassischen Stahlhandel stabilere Margen und eine geringere Abhängigkeit von kurzfristigen Preisschwankungen.

Der Veräußerungsprozess schreitet laut Unternehmen planmäßig voran. Angaben zu möglichen Käufern, einem Verkaufspreis oder einem konkreten Abschlusszeitpunkt wurden jedoch nicht gemacht.

Für die künftige Ergebnisentwicklung dürfte entscheidend sein, ob der Verkauf ohne weitere größere Belastungen abgeschlossen werden kann.

Cashflow bricht deutlich ein

Der operative Cashflow lag im zweiten Quartal bei 10 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren noch 75 Millionen Euro erzielt worden.

Der Free Cashflow reduzierte sich von 44 Millionen Euro auf 7 Millionen Euro. Positiv wirkte sich aus, dass die Nettoinvestitionen mit 3 Millionen Euro deutlich niedriger ausfielen als im Vorjahr.

Für das Gesamtjahr erwartet Klöckner & Co weiterhin einen positiven operativen Cashflow. Dieser soll aufgrund einer höheren Mittelbindung im Working Capital jedoch unter dem Vorjahresniveau liegen.

Steigende Stahlpreise erhöhen häufig den Kapitalbedarf, da mehr liquide Mittel in den Lagerbeständen und Forderungen gebunden werden. Das kann den Cashflow selbst dann belasten, wenn Umsatz und operatives Ergebnis steigen.

Worthington Steel übernimmt die Kontrolle

Am 3. Juni 2026 wurde das öffentliche Übernahmeangebot von Worthington Steel vollzogen. Der US-Konzern hält seitdem rund 62 Prozent der ausstehenden Klöckner-&-Co-Aktien.

Gemeinsam wollen beide Unternehmen den Fokus auf höherwertige Produkte und Dienstleistungen in Nordamerika und Europa verstärken.

Im Zuge des Kontrollwechsels wurde der syndizierte Kredit von Klöckner & Co auf 150 Millionen Euro reduziert. Ergänzend stellte Worthington Steel ein revolvierendes Gesellschafterdarlehen von bis zu 200 Millionen Euro zur Verfügung.

Damit erhält Klöckner & Co zusätzliche Finanzierungssicherheit. Gleichzeitig wächst jedoch die Abhängigkeit vom neuen Mehrheitsaktionär.

Delisting rückt näher – 11 Euro je Aktie geboten

Für die verbliebenen Aktionäre ist vor allem das laufende Delisting-Erwerbsangebot entscheidend. Worthington Steel bietet 11 Euro je Klöckner-&-Co-Aktie.

Die Annahmefrist soll am 12. August 2026 um 24 Uhr enden. Das Angebot enthält keine Vollzugsbedingungen und kann daher unabhängig von der Zahl der eingereichten Aktien abgeschlossen werden.

Klöckner & Co hat bereits am 29. Juli den Widerruf der Börsenzulassung bei der Frankfurter Wertpapierbörse beantragt. Der Börsenrückzug soll voraussichtlich unmittelbar nach Ablauf der Annahmefrist wirksam werden.

Vorstand und Aufsichtsrat sprechen weder eine Empfehlung für noch gegen die Annahme des Angebots aus. Anleger müssen daher selbst entscheiden, ob sie ihre Aktien für 11 Euro verkaufen oder nach dem Delisting behalten.

Ein Delisting bedeutet nicht, dass die Aktien automatisch wertlos werden. Der Handel kann jedoch deutlich schwieriger werden. Die Liquidität nimmt üblicherweise ab, Kurse werden möglicherweise seltener gestellt und der spätere Verkauf kann mit größeren Preisabschlägen verbunden sein.

Prognose konkretisiert

Klöckner & Co erwartet für das Gesamtjahr 2026 nun ein EBITDA vor wesentlichen Sondereffekten zwischen 170 und 250 Millionen Euro.

Die breite Spanne verdeutlicht die weiterhin hohe Unsicherheit. Das Unternehmen verweist unter anderem auf geopolitische Risiken, das makroökonomische Umfeld und den Konflikt im Nahen Osten.

Beim Absatz wird mittlerweile mit einem leichten Rückgang gerechnet. Der Umsatz soll dagegen aufgrund des höheren durchschnittlichen Preisniveaus leicht steigen.

Nach einem bereinigten EBITDA von 109 Millionen Euro im ersten Halbjahr müsste Klöckner & Co in der zweiten Jahreshälfte noch zwischen 61 und 141 Millionen Euro erzielen, um die Prognosespanne zu erreichen.

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