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Der Oktober hat es in Sachen Börsengänge bisher mächtig in sich. Mit Scout24, Covestro und Chorus Clean Energy haben gleich drei Unternehmen bereits den Schritt an die Börse hinter sich gebracht.

Und auch der Automobilzulieferer Schaeffler will am morgigen Freitag den Gang an die Börse wagen. Aufgrund des zuletzt eingetrübten Börsenumfelds, vor allem wegen der VW Abgas-Affäre, musste man aber nicht nur bei Schaeffler die ursprünglich avisierten Ziele deutlich reduzieren, auch bei Scout24 und Covestro wurde kurzfristig nachjustiert. Ganz abgesagt hat hingegen Xella seinen geplanten Börsengang. Der Duisburger Baustoffhersteller wollte eigentlich auch in diesem Jahr noch den Schritt auf das Frankfurter Parkett wagen.  


IPO spült Scout24 228 Mio. EUR in die Kasse

Am ersten Handelstag (1. Oktober) notierte die Aktie der Scout24 AG (ISIN: DE000A12DM80) zum Start mit 30,75 EUR leicht über dem Emissionspreis von 30 EUR. Am Ende des ersten Tages musste sie jedoch mit 29,71 EUR knapp unter dem Ausgabepreis schließen. Am folgenden zweiten Handelstag ging es nochmals mit 29,10 EUR ein weiter abwärts. Dies markierte das bisherige "Allzeittief" der Aktie in der noch frischen Börsenhistorie. Aktuell notiert die Aktie wieder bei 29,71 EUR. Der Börsenwert von Scout 24 beträgt derzeit 3,22 Mrd. EUR.    

Ob man den Börsengang als gelungen oder holprig beurteilt, ihängt vor allem davon ab, aus welchem Blickwinkel man diesen betrachtet. In Anbetracht der Tatsache, dass die allgemeinen Voraussetzungen eher als ungünstig anzusehen sind, war das IPO von Scout24 durchaus als erfolgreich zu werten.

Im Vorfeld  hatte das Unternehmen wegen des schlechten Börsenumfelds bereits die Preisspanne von 26,50 EUR bis 33 EUR auf 29,50 EUR bis 31 EUR verengt. Am Ende platzierte man 38.64 Mio. Aktien zu einem Emissionspreis von 30 EUR, was bei vollständig ausgeübter Mehrzuteilung (Greenshoe Option) einem Gesamtvolumen von 1,16 Mrd. EUR entspricht.

 


Der Großteil der platzierten Aktien, nämlich rund 26 Mio., stammen aus dem Bestand der Altaktionäre Blackstone und Hellmann & Friedman, die vor dem IPO rund 70% der Anteile von Scout24 hielten, sowie von der Deutschen Telekom und dem Scout24-Management. So fließt lediglich der Erlös der 7,6 Mio. neuen Aktien aus der Kapitalerhöhung ins Unternehmen. Der Betreiber der Onlineplattformen Immobilienscout24 und Autoscout24 erzielte dabei eine Einnahme von 228 Mio. EUR, die nun für den Schuldenabbau und das weitere Wachstum verwendet werden soll.

Scout24 hatte im letzten Jahr einen Umsatz von 342 Mio. EUR erwirtschaftet und ein EBITDA von 149 Mio. EUR erzielt. In 2015 könnte eine weitere Steigerung drin sein. Darauf deuten die Halbjahreszahlen hin. In den ersten sechs Monaten legte man beim Umsatz um 13% auf 187,6 Mio. EUR zu und das EBITDA konnte mit 84,6 Mio. EUR gar um 36% verbessert werden.


Covestro nimmt statt geplanter 2,5 Mrd. EUR nur 1,5 Mrd. EUR ein

Mit vier Tagen Verspätung ging die Covestro AG (ISIN: DE0006062144) am Dienstag, den 6. Oktober, an die Börse. Der erste festgestellte Preis lag mit 26 EUR zwei Euro über dem Ausgabepreis von 24 EUR. Zeitweise ging es im gestrigen Handel gar auf 27 EUR rauf. Aktuell notiert die Aktie bei 25,85 EUR und somit immer noch 7,71% über dem Ausgabepreis. Der Börsenwert von Covestro liegt derzeit bei 5,23 Mrd. EUR.

Der Börsengang ist unter Berücksichtigung der jüngsten Ereignisse gut gelungen. Ausgehend von den ursprünglichen Erwartungen ist er jedoch deutlich kleiner ausgefallen. Die einstige Kunststoffsparte von Bayer firmierte Anfang September zur Covestro und kündigte den größten Börsengang seit dem Jahr 2000 an. 2,5 Mrd. EUR sollten insgesamt erlöst werden.

 


Wie so oft an der Börse, kam es anders, als gedacht oder geplant. Die ausufernde Abgas-Affäre von VW hatte die Börse seit Mitte September voll umfänglich im Griff und dem angehenden Börsenneuling einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Stimmung war zuletzt eher schlecht als recht. Und Covestro musste auf diese Situation reagieren. Heraus kam eine Verminderung der zu platzierenden Aktien von 70,4 Mio. bis 94,3 Mio. auf 61,2 Mio. bis 69,8 Mio. Aktien sowie die deutliche Reduzierung der Preisspanne von 26,50 EUR bis 35,50 EUR auf 21,50 EUR bis 24,50 EUR.

Durch diese Maßnahmen verminderte sich der Erlös des Börsengangs um satte 1 Mrd. EUR. Covestro platzierte am Ende 62,5 Mio. neue Aktien zu einem Emissionspreis von 24 EUR und nahm somit 1,5 Mrd. EUR ein. Damit ist es immerhin noch der größte Börsengang seit 2007.

(Früherer Artikel: Bayer-Tochter Covestro geht noch in2015 an die Börse-Tochter Covestro geht noch in2015 an die Börse)


Chorus Clean Energy erlöst 100 Mio. EUR für weiteres Wachstum

Gestern hat der Solar- und Windparkbetreiber Chorus Clean Energy AG (ISIN: DE000A12UL56) seinen ersten Handelstag hinter sich gebracht. Der erste Kurs wurde auf 9,75 EUR getaxt und entsprach damit dem Ausgabepreis der Aktie. Aktuell liegen die Anteilsscheine aber bereits nur noch bei 9,30 EUR und notieren damit 4,62% unter dem Ausgabepreis. Der Börsenwert von Chorus Clean Energy beträgt momentan 162,27 Mio. EUR.

Es war der zweite Anlauf für das Unternehmen. Eigentlich wollte man bereits im Juli an die Börse gehen, hatte den Börsengang dann aber wegen des damals schlechten Börsenumfelds aufgrund der Griechenland-Krise verschoben. Die Preisspanne wurde wie im ersten Versuch bei 9,75 EUR bis 12,50 EUR festgelegt. Ziel war es, mindestens 100 Mio. EUR mit dem IPO einzunehmen.

Und exakt das ist am Ende gelungen. Nicht mehr und nicht weniger. Der Ausgabepreis siedelte sich mit 9,75 EUR am untersten Ende der Spanne an. Insgesamt hat Chorus Clean Energy 10.256.411 Aktien aus der Kapitalerhöhung platziert, was einem Erlös von genau 100 Mio. EUR entspricht. Das eingenommene Kapital soll ins weitere Wachstum investiert werden. Neben den Aktien aus der Kapitalerhöhung wurden weitere Aktien aus dem Bestand von Altaktionären, zuzüglich einer Mehrzuteilung, ausgegeben, so dass der Gesamterlös aus dem Börsengang insgesamt 119 Mio. EUR beträgt.

Das Unternehmen aus Neubiberg bei München erwirtschaftete im letzten Jahr einen Umsatz von 55 Mio. EUR und erzielte dabei einen Gewinn von 4,9 Mio. EUR. Im ersten Halbjahr 2015 lagen der Umsatz bei 30,9 Mio. EUR und der Gewinn bei 7,3 Mio. EUR.


Schaeffler reduziert Angebot für Börsengang drastisch

Ebenfalls mit vier Tagen Verspätung wird am morgigen Freitag der Börsengang des Automobilzulieferers Schaeffler AG (ISIN: DE000SHA0159)  stattfinden. Allerdings hat der Hersteller von Wälz- und Kugellager das Angebot für sein IPO aufgrund der schwelenden VW-Abgas-Affäre deutlich begrenzt.

Zwar werden sämtliche 66 Mio. neuen Aktien aus der Kapitalerhöhung platziert werden, doch statt der zuvor geplanten 100 Mio. Aktien aus dem Bestand von Elisabeth Schaeffler-Thumann und ihrem Sohn Georg sollen nun nur noch 9 Mio. bzw. abhängig von der Nachfrage maximal 24,4 Mio. Aktien ausgegeben werden.

Die Preisspanne für die stimmrechtslosen Vorzugsaktien wurde am letzten Montag mit 12 EUR bis 14 EUR festgelegt und heute noch einmal auf 12,50 EUR bis 13 EUR eingeengt. Wie Covestro auch, sollte das IPO von Schaeffler einen Gesamterlös von 2,5 Mrd. EUR einbringen. Nun wird der Emissionserlös mit 937,5 Mio. EUR bis 975 Mio. EUR deutlich geringer ausfallen.

Der Plan, mit dem IPO die ausgegebenen Anleihen zurückzukaufen, ist damit erst einmal hinfällig. Dennoch heißt es aus Kreisen des Unternehmens, dass man an dem Grundkonzept festhalten will und die Umsetzung nun in mehreren Schritten abarbeiten wird.


Yton-Hersteller Xella sagt Börsengang ab

Anders als bei Covestro, Schaeffler, Chorus Clean Energy und Scout24 hat man bei Xella das Angebot nicht nur modifiziert und/oder das IPO verschoben, sondern den für den 20. Oktober avisierten Börsengang für dieses Jahr gleich ganz gecancelt.

Noch vor einigen Wochen hatte Xella-Chef Buck Emden das Umfeld grundsätzlich als positiv bezeichnet. Grund dafür war die Feststellung, dass sich die Baubranche in vielen europäischen Ländern gerade wieder erhole und Xella von dieser Entwicklung möglichst stark profitieren möchte. Die Groß-Investoren Goldman Sachs und PAI Partners waren jedoch anderer Meinung und haben den Zeitpunkt für ein IPO des Duisburger Bauunternehmens offensichtlich eher negativ eingeschätzt

Durch den Börsengang wollte Xella mittels Kapitalerhöhung über 200 Mio. EUR einnehmen. das Kapital sollte für den Schuldenabbau verwendet werden. Insgesamt, so munkelte man in Finanzkreisen, habe man mit einem Gesamterlös von 600 Mio. EUR gerechnet.

Xella hat im Geschäftsjahr 2014 mit seinen Marken Ytong (Gasbetonsteine) und Fermacell (Gipsfaserplatten) 1,27 Mrd. EUR an Umsatz generiert und dabei ein um Sondereffekte bereinigtes EBITDA von 215 Mio. EUR erzielt.

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