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In unserem heutigen Interview konnten wir unsere Fragen an Herrn Dr. Jens Gerhardt, Vorstandssprecher der HanseYachts AG (ISIN: DE000A0KF6M8), stellen.

Die Aktie von Deutschlands größtem Serienyachthersteller hat zuletzt überdurchschnittlich an Wert verloren. „Wir produzieren und liefern pünktlich aus derzeit. Und wir sind ausgebucht bis Juni“, erläutert Dr. Gerhardt. Die aktuelle Entwicklung begünstige die Nachfrage nach kleineren Segelyachten. „Wir haben auch nicht an unseren Innovationen gespart und werden im nächsten Fiskaljahr einer der wenigen sein, der neue Modelle präsentieren kann.“

Herr Dr. Gerhardt, die HanseYachts-Aktie hat mit Kursverlusten von über 60 % besonders stark auf die aktuelle Corona-Krise reagiert. Können Sie die Reaktion der Börse nachvollziehen?

Dr. Gerhardt: Wir produzieren und bekommen derzeit sogar ohne Messen neue Aufträge. Kritische Ware aus Italien haben wir eingelagert. Wir haben diese Woche sogar noch Ware aus Mailand erhalten. Selbst dort wird produziert. In der Produktion fehlen lediglich einige wenige Mitarbeiter, die in Polen wohnen und die nach dem Wochenende nicht zu uns zurückkehren konnten. Ich gehe jedoch davon aus, dass wir für deren Gehälter Hilfe erhalten werden. Vor diesem Hintergrund kann ich mir diesen extremen Kursverlust der HanseYachts-Aktie nicht erklären. Wir sind ausgebucht bis Juni und Stornierungen sind nicht möglich, daher sind wir krisenrobuster als andere produzierende Betriebe.

Was bedeutet COVID-19 für die Saison 2020?

Dr. Gerhardt: Häfen sind wie Sportvereine natürlich derzeit vielfach geschlossen. Das hängt auch von der Lage des jeweiligen Hafens ab. Sobald die Maßnahmen gelockert werden, wird das Boot aber eine sehr gute Möglichkeit sein, mit der Familie einen recht isolierten Urlaub zu machen. Isolierter, als es an Land möglich sein wird.

Wie reagieren Ihre Kunden auf die neue Situation? Sehen Sie aktuell einen Einbruch der Nachfrage?

Dr. Gerhardt: Es gibt Kunden, die gerade jetzt ein Boot bestellen, weil man eben mit einem eigenen Boot im Urlaub und am Wochenende den Massen ausweichen kann, ganz im Gegensatz zu einem Kreuzfahrtschiff oder einem großen Hotel. Es herrscht natürlich auch Verunsicherung und es fehlen uns derzeit die Messen als zusätzlicher Verkaufsmotor. Unser Auftragseingang lag im Zeitraum September bis Ende Februar über dem Vorjahr und ist im März nun auf normale Höhe zurückgegangen.

Sind Sie denn noch lieferfähig?

Dr. Gerhardt: Ja, wir produzieren und liefern pünktlich aus derzeit. Neubestellungen liefern wir noch bis zum Sommer. Es bleibt abzuwarten, ob die fehlenden Mitarbeiter in einigen Bändern zu leichten Verspätungen führen können, derzeit sieht es aber nicht danach aus.

Und wie gewährleisten Sie die Sicherheit Ihrer Belegschaft?

Dr. Gerhardt: Wir haben sehr früh reagiert und bisher ist bei uns kein einziger Mitarbeiter an Corona Covid-19 erkrankt. Wir haben Hygiene-Schulungen durchgeführt und bereits frühzeitig Kunden sowie dem Vertrieb ein Zutrittsverbot zur Produktion erteilt. – ebenso jedem Mitarbeiter, der von zuhause aus arbeiten kann. Wir haben fast 100 Mitarbeiter in Heimarbeit isoliert.

Wie sieht es mit Ihren Lieferketten aus? Sind diese stabil?

Dr. Gerhardt: Wir beziehen keine kritischen Teile aus China, wohl aber aus Italien. Diese Teile haben wir identifiziert und von Just-in-Time auf traditionelle Lagerhaltung umgestellt. Es wird aber derzeit noch produziert in Italien. Es gibt auch andere kleine Teile mit Engpässen durch die Corona-Krise, aber nichts, was uns an der Fertigstellung unserer Boote hindern könnte.

Erwarten Sie, dass die laufende Pandemie mittelfristig die Nachfrage nach Individualreisen mit der eigenen bzw. einer gecharterten Yacht eher noch stimuliert?

Dr. Gerhardt: Ja, das wird ganz sicher der Fall sein. Durch die vielen auch sehr luxuriösen Kreuzfahrten hatten wir doch zusätzliche Konkurrenz bekommen, das wird sich sicher zu einem gewissen Teil wieder zurückdrehen. Viele werden nun entdecken, wie schön ihr eigenes Land ist und wie schön ein Segel-Trip mit der Familie oder ein paar Freunden sein kann.

Im Falle einer neuen, weltweiten Finanzkrise dürfte jedoch auch der Yacht-Sektor zunächst einmal leiden. Wie wäre die HanseYachts AG für diesen Fall aufgestellt?

Dr. Gerhardt: Typischerweise macht unsere Branche eine Finanzkrise kaum etwas aus, denn unsere Kunden kaufen Schiffe nicht üblicherweise auf Kredit. Ich sehe eher Regionen unter Druck, zu denen man fliegen muss, im Gegenzug dazu sind die heimischen Gewässer überall im Aufwind. Daher werden bei uns die Boote eher wieder mehr werden, aber kleiner und mit Segeln statt Motoren. Das könnte für uns einen Rückgang im margenträchtigen Bereich der großen Boote bedeuten, aber darauf würden wir uns kurzfristig einstellen können.

Kommen wir abschließend zurück zur HanseYachts-Aktie: Mit welchen Argumenten können Sie Ihren Aktionären Hoffnung auf eine baldige Wende machen?

Dr. Gerhardt: Wir wollen durchproduzieren und da das nicht jeder unserer Wettbewerber bewerkstelligen kann, können wir daraus durchaus Wettbewerbsvorteile ziehen. Wir haben auch nicht an unseren Innovationen gespart und werden im nächsten Fiskaljahr einer der wenigen sein, der neue Modelle präsentieren kann. Das wird sich sicher auszahlen. Den aktuellen Kurssturz sehen wir als temporäre Übertreibung an und sind zuversichtlich, dass die Anleger unsere Fundamentaldaten bald wieder honorieren werden.

Herr Dr. Gerhardt, vielen Dank für das Interview.


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Dr. Jens Gerhardt | Vertriebsvorstand und Sprecher des Vorstandes der HanseYachts AG

HanseYachts DrJensGerhardt 2019

Dr. Gerhardt hat nach dem Studium der Physik in Hamburg und der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit anschließender Promotion zunächst als Berater für McKinsey gearbeitet. Eine langjährige Tätigkeit in der Kommunikationsbranche schloss sich an, zuletzt bis 2011 als COO in einem Schweizer Unternehmen. Dr. Jens Gerhardt, Jahrgang 1967, ist leidenschaftlicher Surfer und Fahrtensegler.


Kurzinfo zum Unternehmen

Die HanseYachts AG betreibt unter dem Dachnamen „HanseGroup“ die Segelyachtmarken Hanse, Dehler, Moody, Privilège, Varianta sowie die Motoryachtmarken Sealine und Fjord. Am Standort Greifswald werden in unmittelbarer Nähe zur Ostsee Premiumyachten – Made in Germany – hergestellt und in über 100 Länder exportiert. Seit 2007 ist die HanseYachts AG börsennotiert (General Standard).

Weitere Informationen

  • ISIN: DE000A0KF6M8

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