Hypoport kann für das Geschäftsjahr 2025 im Kerngeschäft Immobilien- und Finanzierungsplattformen wieder bessere Nachrichten vermelden. In einem sich zunehmend normalisierenden Marktumfeld der privaten Immobilienfinanzierung stieg das über die Plattform Europace vermittelte Volumen um 13 % gegenüber dem Vorjahr.
Nach dem Zins- und Nachfrage-Schock der vergangenen Jahre ist das ein deutliches Signal: Der Markt ist nicht zurück auf Boom-Niveau – aber er funktioniert wieder. Besonders wichtig: Das Wachstum kommt auf Plattformebene, also im eigentlichen Hypoport-Kernmodell, nicht nur aus Einzelinitiativen.
Genossen und Sparkassen bauen Marktanteile aus – private Banken treten auf der Stelle
Innerhalb des Europace-Kosmos zeigen sich klar unterschiedliche Dynamiken:
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Die genossenschaftliche Plattform Genopace und
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die Sparkassenplattform Finmas
konnten ihre Anteile am Gesamtmarktplatz leicht ausbauen. Auch freie Vertriebe gewannen Volumen.
Weniger erfreulich liest sich das Bild bei den privaten Banken: Hier gelang es nicht, das Vertriebsvolumen zu steigern. Für Hypoport als Plattformbetreiber ist das kein Drama – entscheidend ist, dass der Marktplatz insgesamt wächst und die wesentlichen Vertriebswege aktiv sind. Für die privaten Institute hingegen zeigt sich: Wer bei Prozessen, Konditionen oder digitaler Anbindung nicht nachzieht, verliert auch im Plattformgeschäft an Relevanz.
Getrieben wird der Volumenanstieg vor allem durch klassische Verwendungszwecke:
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Kauf von Bestandsimmobilien,
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Neubaufinanzierungen.
Refinanzierungen auslaufender Zinsbindungen erholen sich zwar „von sehr niedrigem Niveau“, bleiben aber noch deutlich hinter früheren Umschlagsraten zurück.
Richtig schwach bleibt ein Bereich, der politisch im Fokus steht, aber praktisch kaum traktion zeigt: Die Finanzierung energetischer Sanierungen von Bestandsimmobilien. Hier bleibt die Kreditaufnahme laut Hypoport „weiterhin gering“ – ein klares Indiz dafür, dass Förderlogik, Regulierung und Praxis noch weit auseinanderliegen.
Wohnungswirtschaft dreht auf – Wowi-Plattform wächst mit über 50 % Verwaltungen
Deutlich dynamischer wirkt das Bild in der Wohnungswirtschaft, einem wichtigen Standbein im Segment Financing Platforms.
Die Spezialtochter Dr. Klein Wowi Finanz konnte 2025 ein höheres Kreditvolumen für
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sozialen Mietwohnungsneubau und
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energetische Sanierungen
platzieren – wohlgemerkt im Vergleich zu einem „äußerst niedrigen Niveau“ im Vorjahr. Von einem Boom zu sprechen wäre übertrieben, aber: Die Richtung stimmt wieder.
Richtig beeindruckend ist die Entwicklung bei der verwalteten Wohnungszahl der Plattform Dr. Klein Wowi Digital: Hier liegt die Zuwachsrate bei über 50 %. Damit wächst Hypoport in einen Bereich hinein, der über reine Finanzierung hinausgeht: digitale Verwaltungs- und Plattformlösungen für die Wohnungswirtschaft. Das schafft nicht nur Cross-Selling-Potenzial, sondern auch wiederkehrende, plattformtypische Erlöse und eine hohe Kundendurchdringung.
REM Capital wächst trotz schwacher Förderkulisse – Ratenkredite bleiben Problemkind
Auch im Bereich Unternehmensfinanzierung meldet Hypoport eine deutliche Belebung. Die Tochter REM Capital verzeichnete 2025 einen klaren Anstieg des Geschäftsvolumens – und das, obwohl die Förderkulisse margenschwächer geworden ist. Sprich: Die Nachfrage nach strukturierter Unternehmensfinanzierung steigt, aber nicht unter idealen Margenbedingungen.
Ein anderes Bild im Konsumentengeschäft: Das über Europace vermittelte Volumen von Ratenkrediten stieg nur verhalten. Der Gesamtmarkt sei schwach und geprägt von einer restriktiveren Kreditvergabe der Banken. Für Hypoport heißt das: Während die Baufinanzierung klar von einer Bodenbildung in der Zinslandschaft profitiert, bleibt die Konsumentenkreditseite ein Feld, in dem eher Krisen- als Wachstumslogik dominiert.
Einordnung für Anleger: Plattform-Story wieder in Bewegung – aber kein Selbstläufer
Für die Hypoport-Aktie sind die genannten operativen Kennzahlen ein wichtiges Stimmungsbarometer:
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Europace wächst zweistellig,
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Genopace und Finmas gewinnen an Bedeutung,
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Wowi Digital zeigt mit über 50 % Zuwachs die typische Skalendynamik einer Plattform,
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REM Capital legt trotz schwieriger Förderlandschaft zu.
Auf der anderen Seite bleiben zwei Schwachstellen sichtbar:
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Energetische Sanierungsfinanzierungen kommen nicht aus dem Quark,
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Ratenkredite leiden unter Zurückhaltung der Banken und Konsumenten.
Unterm Strich lässt sich festhalten: Die Plattform-Story von Hypoport lebt, nachdem 2022/23 der Immobilienmarkt zeitweise fast eingefroren schien. Die jetzt sichtbare Normalisierung ist kein Feuerwerk, aber ein robuster Boden, auf dem die Gruppe wieder wachsen kann – vor allem dort, wo sie strukturell stark ist: bei digitalen Marktplätzen für Immobilien- und Wohnungswirtschaftsfinanzierung.
Ob daraus wieder eine echte Wachstumsfantasie wird, entscheidet sich in den kommenden Quartalen – wenn aus zweistelligem Plattformwachstum auch wieder klar sichtbare Ergebnisdynamik werden soll.













