Die HAMBORNER REIT AG kommt trotz des schwierigen Immobilienumfelds vergleichsweise solide durch das erste Halbjahr 2026. Die Mieteinnahmen und Funds from Operations gingen zwar leicht zurück, auf vergleichbarer Basis erzielte das Unternehmen jedoch weiterhin Wachstum. Zudem bleibt die Vermietungssituation stabil und die Bilanz solide.
Weniger erfreulich fallen die erneuten Wertanpassungen im Immobilienportfolio aus. Der Verkehrswert des Bestands sank um 20,7 Millionen Euro, während sich auch der Nettovermögenswert je Aktie reduzierte. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob die hohe Dividendenrendite die anhaltenden Belastungen durch Zinsen, Kosten und sinkende Immobilienwerte ausreichend kompensiert.
HAMBORNER REIT: Immobilienverkäufe drücken die Mieteinnahmen
Die Erlöse aus Mieten und Pachten lagen im ersten Halbjahr 2026 bei 45,1 Millionen Euro und damit 1,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Verantwortlich für den Rückgang waren vor allem Immobilienverkäufe im vergangenen und im laufenden Geschäftsjahr.
Das bestehende Portfolio entwickelte sich dagegen positiv. Auf vergleichbarer Basis stiegen die Mieterlöse um 1,7 Prozent beziehungsweise rund 0,7 Millionen Euro. Dazu trugen insbesondere vertraglich vereinbarte Indexmieten bei, durch die ein Teil der Inflation an die Mieter weitergegeben werden konnte.
Die Zahlen zeigen damit ein differenziertes Bild: Das kleinere Portfolio sorgt für geringere Gesamterlöse, innerhalb des verbliebenen Bestands erzielt HAMBORNER jedoch weiterhin moderate Mietsteigerungen.
FFO sinkt – höhere Kosten und Zinsen belasten
Die Funds from Operations, eine zentrale operative Kennzahl für Immobilienunternehmen, gingen um 4,4 Prozent auf 23,8 Millionen Euro zurück. Der FFO je Aktie sank von 0,31 Euro auf 0,29 Euro.
Neben den geringeren Mieterträgen belasteten höhere Aufwendungen für Instandhaltung, Verwaltung und Personal. Hinzu kamen gestiegene Finanzierungskosten infolge des veränderten Zinsumfelds.
Damit bekommt auch HAMBORNER die typischen Belastungen der Immobilienbranche zu spüren. Höhere Zinsen verteuern Refinanzierungen und drücken gleichzeitig auf die Bewertungen der Immobilien. Dass der FFO dennoch nur moderat zurückging, spricht für die grundsätzlich stabile operative Basis des Portfolios.
Immobilienwerte sinken um 20,7 Millionen Euro
Auf Portfolioebene musste HAMBORNER weitere Wertkorrekturen vornehmen. Nach einer Aufwertung einer Büroimmobilie in Köln um 4,4 Millionen Euro wurden zum Ende des ersten Halbjahres die Werte von insgesamt acht Büro- und Einzelhandelsobjekten angepasst.
Ausschlaggebend waren unter anderem veränderte Standort- und Vermietungsperspektiven sowie höhere erwartete Kosten bei künftigen Anschlussvermietungen.
Insgesamt führten die unterjährigen Auf- und Abwertungen zu einem Rückgang des Portfoliovolumens um 20,7 Millionen Euro beziehungsweise 1,5 Prozent. Der Verkehrswert des gesamten Immobilienbestands lag Ende Juni bei 1,316 Milliarden Euro.
Auch der Nettovermögenswert je Aktie gab nach. Der NAV sank gegenüber dem Jahresende 2025 von 9,07 Euro um 3,9 Prozent auf 8,72 Euro. Neben den Wertanpassungen wirkte sich hier auch die Dividendenausschüttung aus.
Für Anleger ist der NAV eine wichtige Kennzahl, da er einen Anhaltspunkt für den inneren Wert des Immobilienportfolios liefert. Ein anhaltend deutlicher Abschlag des Aktienkurses auf den NAV kann auf eine günstige Bewertung hindeuten, signalisiert häufig aber auch Zweifel des Marktes an den künftigen Immobilienwerten.
Vermietung bleibt ein Stabilitätsanker
Operativ präsentiert sich das Portfolio weiterhin robust. Seit Jahresbeginn schloss HAMBORNER Mietverträge über rund 23.700 Quadratmeter ab. Im Vorjahreszeitraum waren es lediglich 12.400 Quadratmeter.
Rund 66 Prozent der neu vermieteten Flächen entfielen auf Büroimmobilien. Besonders positiv fällt die Verbleibquote auf: Rund 88 Prozent der Mieter verlängerten ihre Verträge oder blieben in den Objekten.
Die durchschnittliche Restlaufzeit der Mietverträge reduzierte sich leicht auf 5,0 Jahre. Im Einzelhandelsportfolio lag sie bei 6,2 Jahren, im Bürobereich bei 3,6 Jahren.
Die EPRA-Leerstandsquote erhöhte sich zwar von 3,5 auf 4,1 Prozent, bewegt sich damit aber weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Die stabile Vermietung und die hohe Mieterbindung begrenzen aktuell das operative Risiko.
HAMBORNER REIT: Verkauf soll Portfolio strategisch neu ausrichten
Im Zuge der angekündigten Neuausrichtung des Portfolios hat HAMBORNER den Verkauf einer Büroimmobilie in Neu-Isenburg vereinbart. Der Verkaufspreis beträgt 13,5 Millionen Euro und liegt geringfügig unter dem zuletzt ermittelten Verkehrswert.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann sich der Erlös um bis zu 0,2 Millionen Euro erhöhen. Der Besitzübergang ist für das dritte Quartal 2026 vorgesehen.
Die frei werdenden Mittel sollen möglichst zeitnah in renditestärkere Immobilien investiert werden. Im Fokus stehen Nahversorgungsobjekte und Baumärkte.
Damit reduziert HAMBORNER schrittweise den Anteil klassischer Büroimmobilien und setzt stärker auf Einzelhandelsimmobilien mit weniger konjunkturabhängigen Mietern. Gerade Nahversorger gelten innerhalb des Gewerbeimmobilienmarktes als vergleichsweise defensive Anlageklasse.
Bilanz solide – Verschuldung steigt leicht
Die finanzielle Situation bezeichnet HAMBORNER weiterhin als komfortabel. Der EPRA-Loan-to-Value erhöhte sich allerdings von 44,3 auf 45,2 Prozent.
Die REIT-Eigenkapitalquote ging leicht von 54,7 auf 53,9 Prozent zurück. Verantwortlich waren insbesondere die Dividendenausschüttung und die Wertkorrekturen im Portfolio.
Damit bleibt die Bilanz grundsätzlich solide. Angesichts des weiterhin unsicheren Immobilienmarktes dürfte der Markt jedoch genau beobachten, ob weitere Abwertungen oder steigende Finanzierungskosten den Verschuldungsgrad künftig stärker belasten.
HAMBORNER REIT: Dividende bleibt ein zentrales Argument für die Aktie
Die Hauptversammlung beschloss für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von 0,39 Euro je Aktie. Damit bleibt HAMBORNER vor allem für Anleger interessant, die auf regelmäßige Ausschüttungen setzen.
Ob die Dividende langfristig auf diesem Niveau gehalten werden kann, hängt maßgeblich von der weiteren FFO-Entwicklung ab. Für 2026 erwartet das Unternehmen weiterhin Funds from Operations zwischen 38 und 42 Millionen Euro.
Die Mieterträge sollen im Gesamtjahr zwischen 87,5 und 89,5 Millionen Euro liegen. Damit bestätigt HAMBORNER seine bisherige Prognose.
Einordnung für Anleger
HAMBORNER REIT liefert keine spektakulären Wachstumszahlen, zeigt im schwierigen Marktumfeld aber operative Stabilität. Die Like-for-like-Mieten steigen, die Vermietungsleistung ist stark und die Leerstandsquote bleibt niedrig.
Dem stehen sinkende Immobilienwerte, ein rückläufiger FFO und höhere Finanzierungskosten gegenüber. Die strategische Umschichtung hin zu Nahversorgungsimmobilien und Baumärkten könnte das Portfolio künftig widerstandsfähiger machen, benötigt aber Zeit.
Für Anleger bleibt die Aktie damit vor allem eine Dividenden- und Substanzstory. Entscheidend wird sein, ob sich die Immobilienwerte stabilisieren und HAMBORNER den FFO trotz höherer Kosten und weiterer Verkäufe auf einem ausreichenden Niveau halten kann.














