Gerresheimer Aktie mit Befreiungsschlag. Was bleibt Operativ nach dem Verkauf? Short-Squeeze voraus?

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Was sich bei der Gerresheimer AG in den letzten Monaten abspielte, hat für Aktionäre alle Merkmale eines Albtraums. Der angesehene Pharma- und Kosmetikzulieferer, einst eine solide Größe im MDAX, steckt tief in einer Vertrauenskrise. Was sich in einer extrem Shortsellerquote – Stand gestern 7,68% meldepflichtige Shortpositionen – ausdrückt.

Dafür gab es natürlich gute Gründe: Eine Serie von teilweise bereits eingeräumten Bilanzierungsfehlern, gleich mehrere Untersuchungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), verfehlte Prognosen, eine abgesagte Übernahmeofferte, hoher Verschuldungsgrad und ein Kursverfall historischen Ausmaßes haben die Aktie in den Strudel gezogen. Und nachdem die Aktie sich in den letzten Wochen bereits etwas erholte, wenn auch von niedrigem Niveau, könnte jetzt der Befreiungsschlag gelungen sein – die Aktie springt teilweise über 32,00 EUR – seit ewig nicht mehr gesehenes Kursniveau. Bevor wir uns Gedanken über die Shortpositionen und deren „Risikomanagement“ machen, die heutige Entwicklung von Anfang an.

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Gerresheimer baut Schulden ab: Verkauf der Kunststoffsparte bringt 1,5 Milliarden Euro

Vorgeschichte: Die Aktie von Gerresheimer stand an der Börse lange unter Druck. Grund dafür waren nicht nur die hohen Verbindlichkeiten aus vergangenen Übernahmen und Werkserweiterungen, sondern vor allem wiederholte Prognosesenkungen. Das Management musste seine Ertrags- und Wachstumsziele im Zeitablauf mehrfach nach unten anpassen, was das Vertrauen der Marktteilnehmer spürbar belastete. Zusammen mit dem gestiegenen Zinsniveau führte die hohe Schuldenlast zu einer anhaltenden Abwertung des Düsseldorfer Verpackungsherstellers. Investoren forderten daher seit Längerem konkrete Schritte zur Entschuldung. Heute (29. Juli 2026) kündigte der Vorstand nun einen entsprechenden Verkauf an.

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Gerresheimer veräußert die US-Tochter Centor sowie das globale Geschäft für Kunststoff-Primärverpackungen (Primary Packaging Plastics) an den Finanzinvestor Apax Partners. Dabei basiert der vereinbarte Gesamtkaufpreis auf einem Unternehmenswert von rund 1,5 Milliarden Euro. Die veräußerten Einheiten umfassen 16 Produktionsstandorte in neun Ländern und beschäftigen etwa 2.400 Mitarbeiter. Der Vollzug der Transaktion erfolgt schrittweise: Der Verkauf von Centor soll bis Ende des Geschäftsjahres 2026 abgeschlossen sein, das übrige Kunststoffgeschäft folgt voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027.

Gerresheimer verliert ein Viertel des Umsatzes.

Mit dem Verkauf gibt Gerresheimer einen wesentlichen Teil seines bisherigen Geschäftsvolumens ab. Im Jahr 2025 erzielten die beiden veräußerten Bereiche zusammen einen Umsatz von rund 570 Millionen Euro. Das entspricht etwas mehr als einem Viertel des gesamten Konzernumsatzes. Der Erlös aus dem Deal soll vollständig genutzt werden, um die Verbindlichkeiten abzubauen und die Finanzstruktur zu stabilisieren.

CFO Wolf Lehmann erläutert die finanziellen Folgen der Transaktion: „Diese Transaktion ist ein wichtiger Meilenstein zur Optimierung unserer Kapital- und Finanzierungsstruktur mit einem signifikant geringerem Verschuldungsgrad. Wir werden mit den erwarteten Mittelzuflüssen unsere Entschuldung vorantreiben. Zusammen mit der geplanten umfassenden Refinanzierung wird das unsere Zinskosten deutlich senken und zu einer nachhaltigen Kapitalstruktur führen.“

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Fokussierung auf das Geschäft mit Injektionssystemen und Biopharma

Nach dem Vollzug der Transaktion richtet Gerresheimer seine Aktivitäten auf die verbleibenden Kernbereiche aus. Im Konzern verbleiben:

  • Drug Delivery Devices: Systeme zur Verabreichung von Medikamenten wie Autoinjektoren, Pen-Systeme und Mikropumpen.

  • Injektions-Primärverpackungen: Spezialgläser, Vials, Karpulen und vorgefüllte Spritzen für flüssige und biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe.

  • Medizintechnik: Maßgeschneiderte Kunststoffkomponenten für Diagnostik und medizinische Anwendungen.

CEO Uwe Röhrhoff ordnet die Neuausrichtung wie folgt ein: „Mit dieser Transaktion gewinnen wir unternehmerische Handlungsspielräume zurück. Gleichzeitig fokussieren wir unser Geschäft als einer der weltweit führenden Partner der Pharma- und Biotechbranche noch strammer auf hochwertige Drug Delivery Devices, Medizinprodukte und Primärverpackungen für injizierbare Arzneimittel.“ Durch die Veräußerung verkleinert Gerresheimer zwar das Gesamtspektrum seiner Produkte, senkt im Gegenzug jedoch die Zinsaufwendungen und konzentriert die Mittel künftig auf den Bereich der Injektions- und Biopharmaprodukte – das was die höheren Margen bringen sollte.

Und was machen jetzt die Shorties? Gerresheimer hat viele davon.

Schaut man in den Bundesanzeiger, der nur die Shortpositionen von 0,5% und mehr zeigt, sieht man eine illustre Zahl von Shortsellern. Und diese Positionen sind normalerweise nur die Spitze des Eisberges, so das man von einer durchaus wesentlich höheren Shortquote ausgehen könnte. Und diese Shorts werden antürlich nervös bei einer kräftigen gegenbewegung, die bereits egmachte Gewinne schmelzen lässt oder sogar die Position ins Minus jagt. Dazu die Risikoabteilungen der Hedgefonds, die genau darauf achten, das einzelne Postionen kein zu hohes Gesamtexposure für den Gesamtfonds bedeuten. – Also Schliessen von Shortpositionen könnten durchaus die Entwicklung der Kurserholung beschleunigen. Hier die aktuellen Shorts (mindestens 0,5%, Stand Meldungen bis Gestern Abend.):

Mirabella Financial Services LLP – Gerresheimer AG Historie – 1,20 %
WorldQuant, LLC – Gerresheimer AG Historie – 0,53 %
Arrowstreet Capital, Limited Partnership – Gerresheimer AG Historie – 0,88 %
Squarepoint Ops LLC – Gerresheimer AG Historie –0,51 %
D. E. Shaw & Co., L.P. – Gerresheimer AG Historie – 1,41 %
AQR Capital Management, LLC – Gerresheimer AG Historie – 0,59 %
Numeric Investors LLC – Gerresheimer AG Historie – 1,98 %
Lancaster Investment Management LLP – Gerresheimer AG Historie – 0,58 %

Mal schauen, wie lang die Liste Morgen ist – oder in den nächsten Tagen…

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