Exasol AG startet mit gemischten Zahlen ins Geschäftsjahr 2026. Umsatz und EBITDA liegen unter Vorjahr, doch unter der Oberfläche zeigen sich wichtige Fortschritte: Die wiederkehrenden Erlöse bleiben stabil, die Kündigungsquote sinkt deutlich und die Neugeschäfts-Pipeline gewinnt an Dynamik. Besonders die KI-Strategie könnte dabei zum entscheidenden Wachstumstreiber werden.
Umsatzrückgang mit Sondereffekten – Kerngeschäft bleibt stabil
Auf den ersten Blick wirken die Zahlen schwach: Der Umsatz sinkt im ersten Quartal 2026 auf 9,5 Mio. Euro, das EBITDA geht ebenfalls zurück.
Der Vergleich mit dem Vorjahr ist allerdings verzerrt. Im ersten Quartal 2025 hatte Exasol außergewöhnlich hohe Einmalumsätze aus Hardware- und Servicegeschäften verbucht. Zudem wurden Marketingaufwendungen in diesem Jahr bewusst stärker ins erste Quartal vorgezogen.
Entscheidend ist daher ein anderer Punkt: Die wiederkehrenden Erlöse bleiben mit 9,5 Mio. Euro stabil. Damit zeigt sich das eigentliche Kerngeschäft robust – trotz schwieriger Marktbedingungen.
ARR leicht rückläufig – Kündigungsquote verbessert sich deutlich
Der Annual Recurring Revenue (ARR) sinkt leicht auf 37,8 Mio. Euro. Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine entscheidende Verbesserung bei der Kundenbindung.
Die sogenannte „Churn Rate“, also die Kündigungsquote, ist in den vergangenen Quartalen deutlich gefallen. Nachdem sie Mitte 2025 noch bei 27 % lag, sinkt sie nun auf 20 %. Für das zweite Quartal erwartet Exasol sogar eine weitere Verbesserung in Richtung 10 bis 15 %.
Das ist ein wichtiger Punkt für Investoren: Sinkende Kündigungsraten gelten bei Softwareunternehmen oft als Frühindikator für eine spätere Rückkehr zu stabilem Wachstum.
KI und Datensouveränität treiben die Pipeline
Besonders positiv entwickelt sich die Neugeschäfts-Pipeline. Exasol berichtet von einer deutlich steigenden Zahl potenzieller Projekte mit internationalen Unternehmen.
Ein wesentlicher Treiber dabei sind KI-basierte Lösungen für schnelle Datenanalysen. Genau hier positioniert sich das Unternehmen zunehmend als Spezialist – insbesondere vor dem Hintergrund wachsender Anforderungen an Datensouveränität in Europa.
CEO Jörg Tewes sieht darin den Grundstein für eine Rückkehr zum ARR-Wachstum im zweiten Halbjahr.
Auch das Kunden- und Partnerevent „Xperience“ in Berlin wird als wichtiger Impulsgeber hervorgehoben und scheint für zusätzliche Aufmerksamkeit gesorgt zu haben.
Fokus-Branchen wachsen trotz schwierigem Umfeld
Während der Gesamt-ARR leicht sinkt, entwickeln sich die Fokus-Branchen deutlich besser. Dort steigt der ARR um 9 % auf 26 Mio. Euro.
Das zeigt: Exasol gewinnt vor allem in strategisch wichtigen Bereichen Marktanteile. Für kleinere Software- und Datenanalyseunternehmen ist diese Konzentration auf margenstarke und wachstumsstarke Segmente oft entscheidend.
Hohe Liquidität bleibt Pluspunkt
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die solide Bilanz. Die Nettoliquidität steigt auf 24,7 Mio. Euro und verschafft dem Unternehmen finanziellen Spielraum.
Gerade im aktuellen Marktumfeld ist das für Tech- und Softwareunternehmen ein entscheidender Vorteil, da Investoren zunehmend auf finanzielle Stabilität achten.
Prognose bestätigt – zweites Halbjahr im Fokus
Trotz des verhaltenen Starts hält Exasol an der Jahresprognose fest. Erwartet wird weiterhin ein ARR-Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich.
Beim Umsatz rechnet das Unternehmen zwar mit einem leichten Rückgang, dies hängt jedoch vor allem mit den außergewöhnlich hohen Einmalumsätzen des Vorjahres zusammen. Gleichzeitig investiert Exasol gezielt weiter in Innovation und Technologie – insbesondere im KI-Bereich.
Fazit: Übergangsphase mit Potenzial
Exasol befindet sich aktuell in einer Übergangsphase. Die Zahlen wirken kurzfristig schwächer, doch mehrere operative Kennzahlen zeigen klar nach oben: sinkende Kündigungsraten, stabile wiederkehrende Erlöse und eine wachsende KI-getriebene Pipeline.
Für Anleger bleibt die Aktie damit ein klassischer Small-Cap-Tech-Wert mit erhöhtem Risiko – aber auch mit erheblichen Chancen, falls die Rückkehr zum ARR-Wachstum im zweiten Halbjahr gelingt.













