Exasol hat 2025 einen spürbaren Schritt aus der Sanierungs- in die Aufbauphase gemacht: Der Datenbank-Spezialist steigert Profitabilität und Stabilität, während er gleichzeitig sein Geschäftsmodell klar auf definierte Fokusbranchen und KI-/Cloud-Use-Cases ausrichtet – allerdings um den Preis eines rückläufigen ARR im Altgeschäft.
Deutlich besseres Ergebnis – Bilanz entspannt sich
Beim Umsatz legte Exasol 2025 um 5,6 % auf 41,8 Mio. Euro zu. Darin enthalten sind allerdings einmalige Hardware- und Serviceerlöse von 4,1 Mio. Euro, die im Vorjahr praktisch keine Rolle spielten. Operativ zeigt sich die Neuausrichtung dennoch klar:
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Das EBITDA verdoppelte sich nahezu auf 4,1 Mio. Euro. Damit erreicht Exasol den oberen Rand der eigenen Prognose.
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Das Konzernergebnis sprang von 0,2 Mio. Euro auf 3,1 Mio. Euro – ein für ein Small Cap bemerkenswerter Sprung.
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Die Eigenkapitalquote stieg auf 34,2 %, die liquiden Mittel auf 18,7 Mio. Euro.
Unterm Strich: Die Gesellschaft hat das Ergebnisrisiko spürbar reduziert und sich finanzielle Luft für weitere Investitionen geschaffen.
ARR-Bild zweigeteilt: Fokusbranchen wachsen, Altgeschäft schrumpft
Strategisch setzt Exasol seit einiger Zeit auf klar definierte Fokusbranchen, in denen die eigene Analytics Engine besonderen Mehrwert bietet. Genau hier zeigt sich die Dynamik:
In diesen Fokussegmenten wuchs der wiederkehrende Umsatz (ARR) um 10,1 % auf 26,7 Mio. Euro. Der Anteil dieser Kunden am gesamten ARR stieg damit von 57 % auf 68 %.
Gleichzeitig schrumpfte der Konzern-ARR insgesamt um 8,0 % auf 39,1 Mio. Euro. Grund sind bewusst in Kauf genommene Kündigungen und Vertragsreduktionen im Nicht-Fokus-Geschäft – teilweise vorgezogen ins Jahr 2025, obwohl sie ursprünglich für 2026 erwartet wurden.
Die Logik dahinter: Lieber früh Altverträge mit schwacher Perspektive bereinigen und die Basis in den Kernbranchen stärken, statt das Portfolio künstlich aufzublähen. Für 2026 rechnet Exasol deshalb mit einem deutlich geringeren Churn.
Vertrieb nach Branchen organisiert – mehr Schlagkraft beim Kunden
Ein zentraler Baustein der Neuausrichtung war 2025 die Umstellung der europäischen Vertriebsstrukturen:
Statt industrieübergreifender Vertriebsgebiete arbeitet Exasol nun mit branchenspezifischen Teams. Die Idee dahinter:
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Mehr Tiefe im Branchen-Know-how
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Fokussierte Ansprache der spannendsten Use-Cases
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Engere, langfristige Beziehungen zu Bestandskunden
Gerade bei komplexen Analytics-Projekten, in denen Zeit- und Kostenersparnis sowie Performance entscheidend sind, kann ein vertikaler Branchenfokus im Vertrieb ein echter Hebel sein.
KI & Cloud: Exasol öffnet sich für Databricks und generative AI
Auch technologisch hat Exasol 2025 sichtbare Fortschritte gemacht – und sich klar an den großen Trends Cloud, Lakehouse und KI ausgerichtet.
Zum einen wurde der sogenannte Lakehouse-Turbo weiterentwickelt: Die Exasol-Engine lässt sich direkt an die Datenbanklösung von Databricks anbinden. Für Kunden bedeutet das:
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Schnellere Analysen, weil Exasol als Hochleistungsschicht über der bestehenden Databricks-Umgebung läuft
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Geringere Analyse-Kosten bei weiterlaufenden Databricks-Investments
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Kein Bruch in der Architektur, sondern eine gezielte Performance-Ergänzung
Parallel dazu hat Exasol seine Plattform für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz und des Machine Learning geöffnet. KI-Modelle können direkt in der Exasol Analytics Engine trainiert und betrieben werden; die daraus entstehenden strukturierten Daten landen im Data Warehouse. Einige Kunden – eine zweistellige Zahl – nutzen diese Funktionen bereits produktiv.
Damit positioniert sich Exasol nicht nur als klassische Analytics-Datenbank, sondern zunehmend als Enabler für KI-gestützte Datenprodukte.
2026: Fokus auf ARR – Umsatz kurzfristig rückläufig, Marge bleibt positiv
Für 2026 zeichnet das Management ein Bild, das kurzfristig nüchtern, strategisch aber konsistent ist:
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Der ARR soll im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen – getrieben von deutlich geringerem Churn und mehr Neukunden.
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Beim Umsatz erwartet Exasol dagegen einen Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich. Grund sind die Nachlauf-Effekte des 2025er-ARR-Rückgangs sowie voraussichtlich niedrigere Einmalerlöse aus Hardware und Services, die 2025 außergewöhnlich hoch waren.
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Das EBITDA soll trotz höherer Investitionen in Technologie und Produktentwicklung zwischen 3 und 4 Mio. Euro liegen – also weiterhin klar positiv.
Eine wichtige Rolle im Neukundengeschäft sollen dabei die 2025 geschlossenen Partnerschaften spielen – etwa mit MariaDB, Stackit und Exoscale. Über diese Partner kann Exasol seine Analytics Engine in bestehenden Daten- und Cloud-Ökosystemen andocken, ohne selbst den gesamten Go-to-Market stemmen zu müssen.
Einordnung: Aus „Turnaround-Story“ wird „Fokus-Story“
Aus Investorensicht wandelt sich Exasol von einer reinen Turnaround-Geschichte hin zu einer Fokus- und Qualitätsstory:
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Die Bilanz ist gestärkt, Verluste sind Vergangenheit.
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Der ARR-Mix dreht zunehmend in Richtung der attraktivsten, skalierbaren Fokusbranchen.
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Technologisch bindet sich Exasol an relevante Ökosysteme an – von Cloud-Lakehouses bis hin zu KI-Workloads.
Kurzfristig müssen Anleger mit einem rückläufigen Umsatz 2026 leben. Entscheidend wird sein, ob das angekündigte ARR-Wachstum tatsächlich greift und die Fokusstrategie im Neukundengeschäft sichtbar durchschlägt. Gelingt das, könnte Exasol sich mittelfristig zu einem profitablen, klar positionierten Nischenplayer im globalen Analytics-Markt entwickeln – mit KI- und Cloud-Anwendungen als zusätzlichem Wachstumsturbo.











