Evotec: Gates Foundation gibt grünes Licht – und Geld – für KI-gestützte Biologika-Plattform

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Evotec meldet sich mit einer Nachricht, die weit über klassische Biotech-Schlagzeilen hinausgeht: Die Bill & Melinda Gates Foundation unterstützt erneut die US-Tochter Just – Evotec Biologics in Seattle. Konkret fließt frisches Fördergeld in die Moleküldesign-Suite J.MD™, die auf computergestützten Technologien basiert und ein zentrales Element der J.DESIGN™-Plattform von Evotec ist.

Im Zentrum steht ein heikles Thema der globalen Gesundheit: Wie lassen sich hochwirksame Biotherapeutika – insbesondere monoklonale Antikörper – so entwickeln und produzieren, dass sie auch in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen bezahlbar und verfügbar werden? Genau hier setzt die neue Förderung an.

J.MD™: Biologika-Design aus dem Rechner statt Trial-and-Error

Was nach Buzzword-Bingo klingt, hat einen sehr handfesten wirtschaftlichen und medizinischen Effekt. Die J.MD™-Suite ist der digitale Maschinenraum von Just – Evotec Biologics. Hier werden künftige Antikörper und andere Biologika nicht mehr „nur“ im Labor optimiert, sondern bereits am Bildschirm: Algorithmen prüfen, wie gut sich ein Molekül später herstellen lässt, wie stabil es ist, wie es sich im Körper verhält – und ob Risiken wie Immunogenität oder Instabilität drohen.

Je mehr dieser Probleme man in den frühesten Entwicklungsphasen identifiziert und ausräumt, desto weniger teure Fehlschläge gibt es später in der Produktion. Und desto billiger wird am Ende die Therapie. Genau das ist das Ziel der Gates Foundation: Entwicklungsfähigkeit verbessern, Herstellungskosten senken, Zugang ausweiten.

Die aktuelle Investition soll in den kommenden drei Jahren zehn neue J.MD™-Projekte ermöglichen – alle mit Fokus auf Infektionskrankheiten, die weltweit relevant sind und insbesondere ärmere Länder treffen. Für Just – Evotec Biologics bedeutet das eine gut gefüllte Pipeline an geförderten Projekten, für Evotec eine zusätzliche Validierung der eigenen Technologieplattform.

Von RSV bis Malaria: Evotec liefert bereits in der Praxis

Dass die Stiftung nicht auf ein theoretisches Versprechen setzt, zeigt der Blick zurück. Die Zusammenarbeit zwischen Just – Evotec Biologics und der Gates Foundation läuft bereits seit 2014. In dieser Zeit wurden mehrere cGMP-Produktionskampagnen realisiert – unter anderem für Wirkstoffe gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV), Malaria und monoklonale Antikörper gegen HIV.

Mit der neuen Förderung wird diese Kooperation nicht nur verlängert, sondern inhaltlich vertieft: Die Plattform, die bisher schon bewiesen hat, dass sie Moleküle bis in die GMP-Produktion bringen kann, soll nun noch früher im Entwicklungszyklus ansetzen und das Design von Biologika systematisch auf Kosteneffizienz und Herstellbarkeit trimmen.

Dr. Linda Zuckerman, Global Head von Just – Evotec Biologics, betont genau diesen Punkt: Man wolle mit J.DESIGN™ und den molekularen Design-Tools dazu beitragen, Therapien „dort bereitzustellen, wo sie am dringendsten benötigt werden“ – und das bedeutet in der Gates-Logik: nicht nur in den Gesundheitssystemen der Industriestaaten.

Strategische Dimension: Mehr als nur Fördergeld für Evotec

Aus Anlegersicht ist die neue Gates-Investition weit mehr als ein netter Forschungsgrant. Sie ist ein Signal in drei Richtungen. Erstens: Die Plattform von Just – Evotec Biologics ist so überzeugend, dass eine der einflussreichsten Stiftungen der Welt sie erneut finanziell und inhaltlich einbindet. Zweitens: Evotec positioniert sich zunehmend als Infrastruktur-Anbieter für Biologika-Entwicklung – mit digitalen Werkzeugen, Hochdurchsatzverfahren und eigener Produktionskompetenz.

Drittens stärkt die Kooperation die Sichtbarkeit im globalen „Access to Medicines“-Umfeld. Wer zeigen kann, dass seine Technologie nicht nur High-End-Therapien ermöglicht, sondern auch zu kosteneffizienten Lösungen für Low- und Middle-Income-Countries führt, sammelt politisches und regulatorisches „Goodwill“ – ein nicht zu unterschätzender Faktor in einer Branche, in der Preis- und Erstattungsdebatten immer härter geführt werden.

Dr. Cord Dohrmann, Chief Scientific Officer von Evotec, spricht entsprechend von einem gemeinsamen Ziel: die Entwicklung von Biotherapeutika zu beschleunigen und medizinische Bedürfnisse zu adressieren, die bislang unzureichend gedeckt sind. Übersetzt: Evotec will zeigen, dass sich Spitzenforschung, Plattformgeschäft und globale Verantwortung nicht widersprechen, sondern sich gegenseitig verstärken können.

Fazit: Kleine Meldung, großer Hebel für die Plattform-Story

Auf den ersten Blick ist es „nur“ eine weitere Förderung der Gates Foundation. Auf den zweiten Blick passt sie perfekt in die strategische Erzählung von Evotec: weg vom reinen Projektgeschäft hin zu skalierbaren Plattformen, die sich in unterschiedlichste Kooperationen einbetten lassen – von Big Pharma bis zu Global-Health-Akteuren.

Ob sich das kurzfristig im Kurs widerspiegelt, ist eine andere Frage. Langfristig zählt, dass Evotec mit Just – Evotec Biologics und der J.DESIGN™-/J.MD™-Plattform an einer zentralen Stelle sitzt: dort, wo aus immer komplexeren Molekülen bezahlbare Medikamente werden sollen. Und genau das ist ein Thema, das weit über die nächsten Quartalszahlen hinausreicht.

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