ElringKlinger schafft die Basis für die nächste Phase: Marge besser, E-Mobility wächst – aber Verluste bleiben hoch

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ElringKlinger hat 2025 nach vorläufigen, ungeprüften Zahlen solide abgeliefert und die eigenen Zielgrößen erreicht. Der Umsatz lag bei 1.641 Mio. Euro (2024: 1.803 Mio. Euro), was auf den ersten Blick nach Rückgang aussieht. Allerdings stecken darin erhebliche M&A- und Währungseffekte: negative Wechselkurseffekte von 40,4 Mio. Euro sowie 159 Mio. Euro aus dem Verkauf von Gesellschaften in der Schweiz und den USA. Auf organischer Basis ergibt sich damit ein Wachstum von 2,1 % – leicht über der Zielsetzung.

Noch wichtiger: Die bereinigte EBIT-Marge steigt auf 5,4 % (2024: 4,9 %) und liegt damit im oberen Bereich des Zielniveaus. Für einen Transformationswert wie ElringKlinger ist das ein zentrales Signal: Das Kerngeschäft bleibt ertragsfähig, obwohl gleichzeitig in neue Technologien investiert wird.

Das eigentliche Spannungsfeld: E-Mobility wächst stark – verbrennt aber weiter Geld

Die große Story bei ElringKlinger ist weiterhin die Transformation Richtung E-Mobilität. Der Umsatz im Bereich E-Mobility (Batterie- und Brennstoffzellentechnologie) stieg 2025 deutlich auf 144 Mio. Euro (2024: 103 Mio. Euro). Das zeigt: Die Großserienaufträge kommen langsam in den Hochlauf.

Die Kehrseite ist allerdings deutlich: Das bereinigte EBIT des Bereichs lag bei -61,6 Mio. Euro (2024: -47,2 Mio. Euro). Die Verluste sind also sogar gestiegen – vor allem wegen hoher Anlaufkosten. Genau hier entscheidet sich in den kommenden Jahren, ob ElringKlinger vom Transformationskandidaten zur nachhaltigen E-Mobility-Ertragsstory wird.

CEO Thomas Jessulat ordnet das selbst klar ein: Das klassische Geschäft generiere verlässliche Cashflows und schaffe den finanziellen Spielraum für die strategischen Investitionen.

Cashflow niedriger, aber Ziel erfüllt – Investitionsphase läuft

Beim operativen Free Cashflow fiel das Ergebnis schwächer aus als 2024, blieb aber innerhalb der Guidance:

  • Operativer Free Cashflow: 32,6 Mio. Euro (2024: 58,4 Mio. Euro)

  • Umsatzquote: 2,0 % (2024: 3,2 %)

Das liegt im kommunizierten Zielkorridor von 1 bis 3 %. Wichtig für die Einordnung: ElringKlinger befindet sich in einer klaren Investitionsphase zur Vorbereitung volumenstarker Serienaufträge. Die Investitionsquote lag bei 8,7 % (2024: 6,0 %), gleichzeitig verbesserte sich die Net-Working-Capital-Quote deutlich auf 17,4 % (2024: 19,2 %).

Das zeigt ein typisches Bild bei industriellen Transformationsstories: mehr Investitionen drücken kurzfristig den Cashflow, während das Working Capital-Management stabilisierend wirkt.

Verschuldung steigt – bleibt laut Management aber unter Kontrolle

Die Nettofinanzverbindlichkeiten stiegen auf 288 Mio. Euro (2024: 246 Mio. Euro). Der Nettoverschuldungsgrad erhöhte sich auf 2,0x (31.12.2024: 1,7x) und liegt damit genau auf dem Niveau, das der Konzern selbst erwartet hatte. Bereinigt um Sondereffekte läge der Wert bei 1,5x.

Für Anleger ist das ein wichtiger Punkt: Die Verschuldung steigt zwar, aber in einem kontrollierten Rahmen – und nicht wegen operativer Schwäche, sondern vor allem wegen des Investitionshochlaufs.

SHAPE30 & STREAMLINE: ElringKlinger schärft das Profil – Fokus auf profitables Geschäft

Strategisch zieht ElringKlinger die Transformationslinie weiter durch. Mit SHAPE30 fokussiert sich der Konzern auf profitable Aktivitäten, erhöht die Ergebnisqualität und trennt sich von Bereichen, die nicht ins Zielbild passen. Ein Beispiel: Das Systemgeschäft bei elektrischen Antriebseinheiten wird nicht weiterverfolgt, stattdessen Fokus auf das profitablere Komponentengeschäft. In diesem Zuge wurde 2025 die hofer powertrain products UK Ltd. abgegeben.

Zusätzlich hat ElringKlinger mit STREAMLINE ein globales Programm zur Personalkostenreduzierung umgesetzt. Erste Effekte sollen bereits 2026 sichtbar werden, die volle Wirkung erwartet das Unternehmen ab 2027.

Das ist aus Börsensicht entscheidend: Die Equity-Story basiert nicht nur auf E-Mobility-Wachstum, sondern auch auf der Fähigkeit, die Kostenbasis parallel strukturell zu senken.

Was Anleger jetzt beobachten sollten

  1. E-Mobility-Hochlauf: Steigt der Umsatz weiter wie geplant – und wann drehen die Margen?

  2. SHAPE30-Umsetzung: Kommen weitere Portfoliomaßnahmen/Veräußerungen?

  3. Cashflow-Qualität: Hält ElringKlinger trotz hoher Investitionen den finanziellen Spielraum?

  4. 2026-Effekt von STREAMLINE: Werden die ersten Kosteneffekte sichtbar?

Unterm Strich wirkt die Meldung wie ein klassisches „Transformationsjahr mit Hausaufgaben erledigt“: Marge verbessert, Cashflow positiv, Investitionen hoch, E-Mobility wächst – aber der Konzern muss jetzt beweisen, dass aus Wachstum auch künftig Profitabilität wird.

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