ElringKlinger lässt den Automarkt hinter sich: E-Mobility-Umsatz explodiert um 114 Prozent

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ElringKlinger setzt seinen operativen Aufwärtstrend fort und wächst im zweiten Quartal 2026 deutlich schneller als der globale Automobilmarkt. Während die weltweite Fahrzeugproduktion leicht rückläufig war, steigerte der Zulieferer seinen Konzernumsatz kräftig und verbesserte gleichzeitig Ergebnis, Cashflow und Kapitalrendite.

Der wichtigste Wachstumstreiber ist inzwischen klar erkennbar: Das E-Mobility-Geschäft hat seinen Umsatz innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Gleichzeitig gelang es ElringKlinger, die hohen Anlaufverluste neuer Serienprojekte aufzufangen und die bereinigte EBIT-Marge weiter zu steigern.

Für Anleger ist das ein wichtiges Signal. Die Transformation weg vom klassischen Verbrennergeschäft hin zu Elektromobilität, Leichtbau und neuen Technologiefeldern gewinnt sichtbar an Dynamik.

Umsatz wächst deutlich schneller als der Markt

Der Konzernumsatz stieg im zweiten Quartal 2026 von 408,3 Millionen Euro auf 478,9 Millionen Euro. Das entspricht einem ausgewiesenen Wachstum von rund 17 Prozent.

Organisch, also bereinigt um Wechselkurs- und M&A-Effekte, legten die Erlöse sogar um 18,6 Prozent beziehungsweise 74,8 Millionen Euro zu. Demgegenüber sank die globale Fahrzeugproduktion nach Angaben des Branchendatenanbieters Mobility Global um 0,2 Prozent.

ElringKlinger entwickelte sich damit deutlich besser als der Gesamtmarkt.

Unterstützt wurde das Wachstum durch den Hochlauf neuer Serienprojekte im Bereich E-Mobility. Hinzu kamen hochlaufbezogene Einmaleffekte in Höhe von 28,1 Millionen Euro.

Auch im ersten Halbjahr fiel die Entwicklung stark aus. Das organische Umsatzwachstum erreichte 11,5 Prozent beziehungsweise 94,5 Millionen Euro.

E-Mobility wird zum zentralen Wachstumsmotor

Besonders dynamisch entwickelte sich das E-Mobility-Geschäft. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 114 Prozent auf 85,4 Millionen Euro.

Bereinigt um den Effekt aus dem Verkauf der britischen Tochtergesellschaft hofer powertrain products UK hätte das Wachstum sogar 153 Prozent betragen.

Der Anteil des E-Mobility-Geschäfts am gesamten Konzernumsatz liegt inzwischen bei 18 Prozent. Damit entwickelt sich der Bereich zunehmend von einem Zukunftsprojekt zu einer tragenden Umsatzsäule.

Treiber sind vor allem volumenstarke Serienprojekte, die aktuell hochgefahren werden. Genau diese Skalierung ist für die Investmentstory entscheidend: Steigende Stückzahlen sollen mittelfristig nicht nur für Wachstum sorgen, sondern auch die bislang hohen Anlaufverluste zurückführen.

Noch belastete E-Mobility das bereinigte EBIT im zweiten Quartal mit 8,1 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr beliefen sich die Anlaufverluste auf 24,1 Millionen Euro. Dass die Konzernmarge dennoch stieg, unterstreicht die operative Stärke der übrigen Geschäftsbereiche.

Alle Regionen tragen zum Wachstum bei

Das Wachstum war regional breit abgestützt. In der größten Vertriebsregion Übriges Europa stieg der Umsatz von 141,0 auf 170,9 Millionen Euro.

Auch Deutschland entwickelte sich stark. Die Erlöse erhöhten sich von 94,0 auf 118,9 Millionen Euro.

In Nordamerika stieg der Umsatz auf 86,2 Millionen Euro, während Asien-Pazifik 70,7 Millionen Euro erreichte. Die Region Südamerika und Übrige wuchs besonders deutlich von 24,7 auf 32,4 Millionen Euro.

Die Entwicklung zeigt, dass ElringKlinger aktuell nicht nur von einzelnen Märkten oder Kundenprojekten abhängig ist. Das Wachstum wird geografisch breit getragen, was die operative Widerstandsfähigkeit erhöht.

Ergebnis und Marge verbessern sich weiter

Das bereinigte EBITDA erhöhte sich im zweiten Quartal von 50,2 auf 53,5 Millionen Euro.

Das bereinigte EBIT stieg von 24,2 auf 28,9 Millionen Euro. Die bereinigte EBIT-Marge verbesserte sich leicht von 5,9 auf 6,0 Prozent.

Im ersten Halbjahr erreichte die bereinigte EBIT-Marge 6,4 Prozent nach 5,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Damit liegt ElringKlinger innerhalb der für das Gesamtjahr angepeilten Spanne von 6 bis 7 Prozent.

Noch deutlicher fiel die Verbesserung beim berichteten Ergebnis aus. Das EBIT sprang im zweiten Quartal von 6,3 auf 28,7 Millionen Euro.

Das den Aktionären zustehende Ergebnis drehte von einem Verlust von 9,2 Millionen Euro auf einen Gewinn von 11,2 Millionen Euro. Das berichtete Ergebnis je Aktie verbesserte sich von minus 0,15 Euro auf plus 0,18 Euro.

Die Zahlen zeigen, dass der Konzern nicht nur wächst, sondern zunehmend mehr Ergebnis aus dem höheren Umsatz herausholt.

Ersatzteilgeschäft bleibt die Margenperle

Neben E-Mobility liefert vor allem das Ersatzteilgeschäft weiterhin einen wichtigen Ergebnisbeitrag.

Der Umsatz des Segments stieg auf 102,3 Millionen Euro. Gleichzeitig verbesserte sich die bereinigte EBIT-Marge von 18,7 auf 19,8 Prozent.

Damit bleibt das Ersatzteilgeschäft die mit Abstand profitabelste Säule des Konzerns. Die hohen Margen und vergleichsweise stabilen Erlöse helfen ElringKlinger dabei, die Investitionen und Anlaufverluste im Zukunftsgeschäft zu finanzieren.

Auch die Kunststofftechnik entwickelte sich positiv. Der Umsatz erhöhte sich leicht auf 36,8 Millionen Euro, während die bereinigte EBIT-Marge von 8,8 auf 11,4 Prozent stieg.

Im Segment Erstausrüstung blieb die Profitabilität dagegen noch niedrig. Die bereinigte EBIT-Marge verbesserte sich lediglich von 1,0 auf 1,2 Prozent. Hier machen sich die hohen Kosten für die neuen Serienanläufe weiterhin bemerkbar.

Free Cashflow dreht im zweiten Quartal kräftig auf

Ein starkes Signal lieferte ElringKlinger beim operativen Free Cashflow. Dieser stieg im zweiten Quartal von 23,8 auf 51,9 Millionen Euro.

Treiber waren die höhere operative Ertragskraft und die Optimierung des Net Working Capitals.

Im ersten Halbjahr blieb der operative Free Cashflow mit minus 57,5 Millionen Euro zwar noch negativ. Gegenüber dem Vorjahreswert von minus 96,5 Millionen Euro bedeutete dies jedoch eine Verbesserung um 39 Millionen Euro.

Das Net Working Capital sank von 417,4 auf 346,6 Millionen Euro. Die entsprechende Quote fiel von 25,2 auf 20,2 Prozent des Konzernumsatzes.

Damit konnte ElringKlinger trotz des kapitalintensiven Hochlaufs neuer Serienprojekte die Mittelbindung deutlich reduzieren. Für Anleger ist das ein zentraler Fortschritt, da starkes Wachstum ohne ausreichenden Cashflow schnell zu zusätzlichem Finanzierungsbedarf führen kann.

Verschuldung bleibt erhöht, Kennzahlen verbessern sich aber

Die Nettofinanzverbindlichkeiten lagen Ende Juni bei 374,1 Millionen Euro. Gegenüber dem Jahresende 2025 entspricht das zwar einem deutlichen Anstieg, gegenüber dem ersten Quartal konnten die Schulden jedoch von 413,2 Millionen Euro sichtbar reduziert werden.

Auch die bereinigte Nettoverschuldungsquote verbesserte sich von 2,1 auf 1,9.

Der bereinigte ROCE stieg gleichzeitig von 6,7 auf 9,4 Prozent. ElringKlinger erzielt damit eine deutlich höhere Rendite auf das eingesetzte Kapital.

Die Entwicklung zeigt, dass die Transformation bislang zwar hohe Mittel bindet, die Kapitalproduktivität aber zunehmend steigt.

SHAPE30 soll den Konzern dauerhaft effizienter machen

ElringKlinger treibt neben dem operativen Wachstum auch den Umbau seiner Organisation voran.

Mit dem Programm SHAPE2EMPOWER will der Konzern Entscheidungswege verkürzen, die Kundennähe erhöhen und effizientere Strukturen schaffen. Ergänzt wird dies durch das bereits gestartete Effizienzprogramm STREAMLINE.

Beide Maßnahmen sind Teil der langfristigen Strategie SHAPE30. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und die Profitabilität trotz des tiefgreifenden Wandels in der Automobilindustrie zu stabilisieren.

Vorstandschef Thomas Jessulat sieht ElringKlinger auf Kurs und verweist auf die Skalierung des E-Mobility-Geschäfts sowie die Fortschritte bei Profitabilität und Cashflow.

Prognose bestätigt – jetzt muss der Cashflow liefern

ElringKlinger bestätigt die Prognose für das Gesamtjahr 2026. Erwartet wird weiterhin ein leichtes organisches Umsatzwachstum.

Die bereinigte EBIT-Marge soll bei 6 bis 7 Prozent liegen. Der operative Free Cashflow soll leicht positiv ausfallen, während beim bereinigten ROCE ein Wert von rund 8 bis 9 Prozent angepeilt wird.

Nach dem starken Umsatzwachstum im ersten Halbjahr wirkt die Formulierung eines lediglich leichten organischen Wachstums konservativ. Allerdings bleiben geopolitische Spannungen, handelspolitische Unsicherheiten und die hohe Volatilität in der Automobilindustrie wichtige Risikofaktoren.

Zudem hängt die weitere Entwicklung davon ab, ob die E-Mobility-Projekte planmäßig hochlaufen und die damit verbundenen Verluste schrittweise zurückgehen.

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