All for One: VINCI übernimmt 87 Prozent – jetzt folgt der Abschied von der Börse

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Die Übernahme der All for One Group SE durch VINCI Energies ist abgeschlossen. Seit dem 13. Oktober 2026 hält die deutsche Tochter des französischen VINCI-Konzerns rund 87,33 Prozent der Aktien des SAP- und IT-Dienstleisters. Damit beginnt für All for One ein neues Kapitel innerhalb des internationalen Axians-Netzwerks. Für die verbliebenen Aktionäre rückt unterdessen eine andere Frage in den Mittelpunkt: VINCI kündigt ein Delisting-Erwerbsangebot über 67,50 Euro je Aktie an und bereitet damit den Rückzug von All for One aus dem regulierten Börsenhandel vor.

Übernahme abgeschlossen: VINCI kontrolliert All for One

Mit dem erfolgreichen Vollzug des Übernahmeangebots sind die Eigentumsverhältnisse bei All for One weitgehend geklärt. Die VINCI Energies Deutschland Enterprise Solutions AcquiCo SE, eine indirekte hundertprozentige Tochtergesellschaft der VINCI S.A., hält nun rund 87,33 Prozent der All for One-Aktien. Bei dieser Berechnung bleiben die von All for One selbst gehaltenen eigenen Aktien unberücksichtigt.

Damit verfügt VINCI Energies über eine klare Mehrheitsposition und kann die strategische Entwicklung des Unternehmens künftig maßgeblich prägen. Gleichzeitig endet für All for One die bisherige Phase als weitgehend unabhängiges börsennotiertes Unternehmen.

Operativ soll All for One künftig in das Netzwerk von Axians, der Marke von VINCI Energies für Informations- und Kommunikationstechnologie, integriert werden. Die Zusammenarbeit soll insbesondere die internationale Präsenz stärken und zusätzliche Möglichkeiten bei der Betreuung europäischer Unternehmenskunden eröffnen.

Axians soll neue Wachstumschancen in Europa eröffnen

Für All for One steht bei dem Zusammenschluss vor allem die strategische Weiterentwicklung im Mittelpunkt. Das Unternehmen bringt seine Expertise bei SAP-Lösungen und digitalen Transformationsprojekten ein, während Axians mit einem breiten Portfolio an IT- und Kommunikationsdienstleistungen sowie einer internationalen Aufstellung zusätzliche Kompetenzen beisteuert.

Gemeinsam wollen beide Unternehmen Kunden künftig umfassender bei der digitalen Transformation begleiten. Dabei geht es insbesondere darum, unterschiedliche IT-Dienstleistungen stärker miteinander zu verbinden und Projekte über Ländergrenzen hinweg umzusetzen.

All for One-Chef Michael Zitz sieht in der Integration deshalb einen wichtigen Wachstumsschritt. Der Zusammenschluss ermögliche zusätzliche Umsetzungskapazitäten, ein breiteres Leistungsangebot und eine stärkere internationale Präsenz. Langfristig verfolgt das Management die Ambition, gemeinsam mit Axians zu einem führenden europäischen Partner für umfassende digitale Transformationsprojekte zu werden.

Ob und wie schnell sich diese strategischen Möglichkeiten in zusätzlichen Umsätzen und Erträgen niederschlagen, bleibt abzuwarten. Konkrete finanzielle Synergieziele oder Wachstumsprognosen werden in der aktuellen Mitteilung nicht genannt.

Delisting-Angebot über 67,50 Euro je Aktie angekündigt

Während die operative Integration vorbereitet wird, steht für die verbliebenen Aktionäre eine weitere wichtige Entscheidung an.

All for One und VINCI Energies haben am 13. Oktober eine Delisting-Vereinbarung abgeschlossen. Gleichzeitig kündigte VINCI Energies an, den Aktionären ein öffentliches Delisting-Erwerbsangebot zu unterbreiten.

Der vorgesehene Angebotspreis beträgt 67,50 Euro in bar je All for One-Aktie. Das Angebot richtet sich an sämtliche Aktien, die VINCI Energies noch nicht unmittelbar hält.

Damit erhalten die verbliebenen Anteilseigner erneut die Möglichkeit, ihre Aktien zu einem festgelegten Preis an den Mehrheitsaktionär zu verkaufen.

Vorstand und Aufsichtsrat von All for One unterstützen das geplante Angebot grundsätzlich. Vorbehaltlich der Prüfung der noch zu veröffentlichenden Angebotsunterlage und ihrer gesetzlichen Pflichten beabsichtigen beide Gremien, den Aktionären die Annahme zu empfehlen.

Eine endgültige Empfehlung soll im Rahmen der gemeinsamen begründeten Stellungnahme nach § 27 Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz erfolgen.

Streubesitz sinkt auf nur noch 12,67 Prozent

Der geplante Börsenrückzug ist eine unmittelbare Folge der veränderten Aktionärsstruktur.

Nach Abschluss des Übernahmeangebots befinden sich lediglich noch rund 12,67 Prozent der All for One-Aktien im Streubesitz, wobei auch hier die eigenen Aktien des Unternehmens nicht berücksichtigt werden.

Damit dürfte die Liquidität der Aktie künftig deutlich eingeschränkt bleiben. Wenn nur noch ein vergleichsweise kleiner Teil der Aktien frei handelbar ist, können bereits kleinere Kauf- oder Verkaufsaufträge stärkere Auswirkungen auf den Börsenkurs haben.

Vorstand und Aufsichtsrat gehen deshalb davon aus, dass die Bedeutung der Börsennotierung für All for One erheblich abgenommen hat. Gleichzeitig verursacht die Zulassung zum regulierten Markt weiterhin administrative Kosten und umfangreiche regulatorische Verpflichtungen.

Aus Sicht des Unternehmens steht dieser Aufwand angesichts des geringen Streubesitzes nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen der Börsennotierung.

Durch das Delisting sollen deshalb laufende Kosten und organisatorische Komplexität reduziert werden, damit sich das Management stärker auf das operative Geschäft und die Integration in die VINCI-Gruppe konzentrieren kann.

Was bedeutet das Delisting für Aktionäre?

Für Anleger, die ihre Aktien bislang nicht im Rahmen des Übernahmeangebots verkauft haben, wird das angekündigte Delisting-Erwerbsangebot zum entscheidenden nächsten Schritt.

Der Preis von 67,50 Euro je Aktie steht bereits fest. Offen sind dagegen noch die genauen Bedingungen und der zeitliche Ablauf des neuen Angebots, die erst mit der entsprechenden Angebotsunterlage vollständig bekannt werden.

Nach der Delisting-Vereinbarung soll All for One einen Antrag auf Widerruf der Zulassung ihrer Aktien zum regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse stellen. Das betrifft auch die Zugehörigkeit zum Prime Standard.

Wirksam werden kann das Delisting frühestens mit Ablauf der Annahmefrist des Delisting-Erwerbsangebots.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen einem Delisting und einem vollständigen Ausschluss der Minderheitsaktionäre. Ein Börsenrückzug bedeutet nicht automatisch, dass verbliebene Aktionäre ihre Aktien abgeben müssen. Sie können grundsätzlich weiterhin Anteilseigner bleiben, müssen dann allerdings mit einer deutlich eingeschränkten Handelbarkeit rechnen. Ein späterer Squeeze-out wäre ein gesonderter Vorgang und wird mit der aktuellen Ankündigung nicht beschlossen.

Für die verbliebenen Aktionäre dürfte deshalb vor allem entscheidend sein, wie sie den angebotenen Preis von 67,50 Euro im Verhältnis zum Wert des Unternehmens und zu den Folgen einer künftig möglicherweise nur schwer handelbaren Beteiligung beurteilen.

Einordnung für Anleger: Aus der Übernahmestory wird eine Delisting-Situation

Mit dem Vollzug der Übernahme verändert sich auch die Perspektive auf die All for One-Aktie.

Während zuvor insbesondere die Annahmequote und der erfolgreiche Abschluss der Transaktion im Mittelpunkt standen, konzentriert sich das Interesse nun auf das angekündigte Delisting-Angebot und die Zukunft der verbliebenen Minderheitsaktionäre.

Die strategischen Wachstumschancen durch die Zusammenarbeit mit Axians sind für die weitere Unternehmensentwicklung durchaus relevant. Für außenstehende Aktionäre könnten diese Perspektiven allerdings zunehmend in den Hintergrund treten, weil der Mehrheitsaktionär bereits mehr als 87 Prozent der Aktien kontrolliert und der Rückzug aus dem regulierten Börsenhandel vorbereitet wird.

Die entscheidenden Faktoren sind damit vor allem der angebotene Barpreis, die endgültigen Angebotsbedingungen und die eingeschränkte Handelbarkeit nach einem möglichen Delisting.

Fazit: All for One startet unter VINCI neu – für Aktionäre beginnt die letzte Börsenphase

Die Übernahme von All for One durch VINCI Energies ist abgeschlossen und schafft die Grundlage für eine engere Zusammenarbeit mit Axians. Strategisch soll der Zusammenschluss die internationale Reichweite vergrößern und das Angebot an digitalen Transformationslösungen erweitern.

Für die verbliebenen Aktionäre steht jedoch zunächst das geplante Delisting-Erwerbsangebot über 67,50 Euro je Aktie im Mittelpunkt.

Mit einem Anteil von 87,33 Prozent hat VINCI Energies bereits die klare Kontrolle übernommen. Der verbliebene Streubesitz von lediglich 12,67 Prozent macht eine Fortsetzung der bisherigen Börsennotierung aus Sicht des Unternehmens wirtschaftlich wenig sinnvoll.

Damit ist die Übernahmegeschichte weitgehend abgeschlossen, während für Minderheitsaktionäre die entscheidende Phase erst beginnt. Sie müssen nun abwägen, ob sie das angekündigte Barangebot nutzen oder auch nach dem geplanten Börsenrückzug an All for One beteiligt bleiben wollen.

Für All for One selbst beginnt unterdessen die Integration in einen internationalen Technologiekonzern, der dem Unternehmen neue Wachstumschancen in Europa eröffnen soll.

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