
Trotz ihrer starken Marktstellung als führender Beratungs- und Serviceanbieter rund um SAP konnte sich die All for One Group im Geschäftsjahr 2024/25 den schwierigen Marktbedingungen nicht vollständig entziehen. Einmaligen Ergebnisbelastungen standen ein starker Cashflow und ein dynamisch wachsendes Cloud-Geschäft gegenüber. Für das laufende Geschäftsjahr strebt das Unternehmen eine Rückkehr zu einer EBIT-Marge von 5,5 bis 6,5 Prozent an. Zusätzliche positive Impulse erwartet All for One von dem im Dezember vorgestellten neuen Serviceportfolio, das in enger Zusammenarbeit mit Kunden entwickelt wurde und einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum Ausbau der Position als innovatives Beratungs- und Servicehaus darstellt.
Das Nebenwerte-Magazin hat bei All for One-CEO Michael Zitz nachgefragt und ihn exklusiv interviewt. Dabei ging es um die Cloud-Migration als „Treiber und Türöffner“, die Bedeutung der neuen Services und die Dividende in Höhe von 1,20 Euro, die auf aktuellem Kursniveau einer Rendite von fast 3 Prozent entspricht. Für das Geschäftsjahr 2026/27 stellt der Konzernlenker „einen weiteren nachhaltigen Anstieg der EBIT-Marge vor M&A-Effekten“ in Aussicht.
nwm: Herr Zitz, die All for One Group hat das Geschäftsjahr 2024/25 mit einem leichten Umsatzminus und einem Rückgang der operativen Marge auf 5,2 Prozent abgeschlossen. Was waren die wesentlichen Gründe für diese Entwicklung?
Michael Zitz: Überlagert wurde das Geschäftsjahr 2024/25 von den herausfordernden Rahmenbedingungen, denen wir uns nicht entziehen konnten. Dass wir unsere im Sommer angepasste Prognose nur am unteren Rand erreicht haben, ist vor allem auf die anhaltend schwache Konjunktur und die spürbare Investitionszurückhaltung vieler Kunden zurückzuführen.
Gleichzeitig haben wir unsere strategische Ausrichtung konsequent fortgesetzt. Dazu gehörte auch eine Reduzierung der Mitarbeiterzahl um rund sechs Prozent auf 2.653 Mitarbeitende, was einmaligen Aufwendungen von 3,3 Millionen Euro verursachte. Zusätzlich beeinflusste ein Impairment im CX-Geschäft das Ergebnis, ausgelöst durch gezielte Strategie- und Produktanpassungen der SAP. Vor diesem Hintergrund lag das EBIT bei 18,9 Millionen Euro, nach 28,4 Millionen Euro im Vorjahr, was sich auch in der operativen Marge widerspiegelt.
nwm: Welche positiven Aspekte stehen dem gegenüber?
Michael Zitz: Besonders betonen möchte ich die Resilienz der All for One. Wir konnten Projekte aus einer gut gefüllten Pipeline in konkrete Aufträge überführen und damit unsere wiederkehrenden Erlöse über das Cloud-Geschäft weiter ausbauen. Damit haben wir den Rückgang an Einmalerlösen aus dem klassischen On-Premise-Geschäft zum großen Teil kompensiert. So hat sich trotz eines konstanten Gesamtniveaus die Qualität der Erlöse weiter verbessert. Zudem spiegelt ein starker Cashflow aus der betrieblichen Tätigkeit in Höhe von 39,7 Mio. Euro unser nachhaltiges Geschäftsmodell und ein effizientes Working Capital Management wider.
Entscheidend ist für uns der Blick nach vorn: Für das Geschäftsjahr 2025/26 erwarten wir eine spürbare und kontinuierliche Verbesserung der Profitabilität. Konkret rechnen wir bei der EBIT-Marge vor M&A-Effekten mit einer Spanne von 5,5 bis 6,5 Prozent. Damit sind wir strategisch gut positioniert, um von einer Belebung des Marktes überproportional zu profitieren.
nwm: Sie haben Ihre Pipeline angesprochen, wie hat sich diese im abgelaufenen Geschäftsjahr entwickelt? Und warum hat sich diese bisher nicht in einer deutlich steigenden Zahl von Projekten zur Migration auf SAP S/4HANA niedergeschlagen?
Michael Zitz: Unsere Pipeline ist so stark wie nie und wächst immer weiter. Dies unterstreicht die Positionierung der All for One Group als führender Beratungs- und Serviceanbieter rund um SAP eindrucksvoll. Obwohl der Support für ältere SAP-Software bald eingestellt wird, zeigen sich viele Unternehmen jedoch weiterhin zurückhaltend bei Investitionen oder verschieben geplante Projekte. Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft, sind aber von der Entscheidungs- und Investitionsfreude der CEOs und CIOs abhängig.
nwm: Sie bezeichnen die Cloud-Migration als „Treiber und Türöffner“ – haben Sie die Dynamik dieser Bewegung überschätzt? Oder kommt diese nur mit Verzögerung?
Michael Zitz: Wir haben die Bedeutung der Cloud-Migration keineswegs überschätzt – sie ist und bleibt der zentrale Treiber für die Modernisierung von Geschäftsprozessen. Das Interesse daran ist stark, zumal das Wartungsende für viele ältere SAP-Softwarelösungen naht und Innovationen wie Embedded AI nur noch in der Cloud verfügbar sind. Wir beobachten derzeit keine fehlende Dynamik, sondern eine Verzögerung bedingt durch konjunkturelle Unsicherheiten und eine erhöhte Investitionszurückhaltung vieler Unternehmen. Sobald sich das Umfeld stabilisiert, erwarten wir, dass auch die Entscheidungsfreude der Kunden steigt.
Für unsere Kunden ist die Cloud-Migration weniger ein isoliertes IT-Projekt als vielmehr ein strategischer Transformationsschritt. Entsprechend sorgfältig bereiten sie ihre Entscheidungen vor und priorisieren sorgfältig. Genau deshalb verstehen wir Cloud-Migration als Türöffner: Sie schafft die technologische Grundlage für Innovationen, neue Geschäftsmodelle und skalierbare Services – auch wenn die Umsetzung in vielen Fällen schrittweise erfolgt.
nwm: Sie betonen die steigende Qualität der Erlöse durch mehr wiederkehrende Umsätze. Warum hat sich diese Qualitätsverbesserung bei immerhin 52 % Cloud- und Serviceerlöse bislang nicht in einer stabileren oder höheren Marge niedergeschlagen?
Michael Zitz: Der steigende Anteil wiederkehrender Erlöse verbessert vor allem die Planbarkeit, wirkt sich aber nicht kurzfristig als Margentreiber aus. Die höhere Erlösqualität von aktuell rund 52 Prozent bei Cloud- und Serviceumsätzen zeigt sich aktuell noch nicht voll in der Marge. Das liegt – neben dem angesprochenen schwierigen Marktumfeld – daran, dass wir gleichzeitig bewusst in den Umbau unseres Geschäftsmodells investiert haben.
Wir haben uns strategisch zu einer skalierbaren End-to-End-Beratung weiterentwickelt. Zudem haben wir unsere Organisation mit einer Matrix-Struktur und einer stärkeren X-Shore-Einbindung neu aufgestellt. Dieser tiefgreifende Wandel hat sich kurzfristig auf die Marge ausgewirkt, schafft aber jetzt die Basis für mehr Effizienz, Cross- und Upselling und damit für ein profitables Wachstum.
nwm: Das heißt, Sie haben nun die strukturellen Voraussetzungen für zukünftig höhere Margen geschaffen? Ab welchem Anteil der wiederkehrenden Erlöse erwarten Sie eine strukturelle Margenwende?
Michael Zitz: Ja, wir können unsere Kapazitäten gezielt entlang der Strategie steuern. Dadurch können wir Cross- und Upselling-Potenziale besser heben und in Zukunftsbereichen effizient wachsen. Vor diesem Hintergrund erwarten wir wie angesprochen bereits für das laufende Geschäftsjahr eine kontinuierliche Verbesserung der EBIT-Marge vor M&A-Effekten auf 5,5 bis 6,5 Prozent.
Eine strukturelle Margenwende hängt aber nicht an einem festen Prozentwert der wiederkehrenden Erlöse. Vielmehr kommt es darauf an, dass unser End-to-End-Modell voll skaliert. Der steigende Anteil wiederkehrender Umsätze ist dafür ein wichtiges Fundament – doch die eigentliche Hebelwirkung entsteht aus Effizienz, Skalierung und Wertschöpfungstiefe. Genau hier sehen wir die All for One Group jetzt sehr gut positioniert.
nwm: Apropos Positionierung: All for One hat kürzlich ein neues Serviceportfolio für IT-Innovation und Cloud-Transformation vorgestellt. Könnten Sie dieses Angebot bitte unseren Lesern kurz erläutern?
Michael Zitz: Im Dezember 2025 haben wir das neue Serviceportfolio der All for One Group vorgestellt. Denn viele Unternehmen stehen heute vor derselben Herausforderung: Die IT-Welt verändert sich rasant, vor allem durch Cloud-Lösungen von Anbietern wie SAP oder Microsoft – aber im Alltag fehlt oft die Zeit, diese Neuerungen sinnvoll zu bewerten und nutzbar zu machen.
Genau hier setzen wir an. Mit vier klar strukturierten Service-Clustern begleiten wir Unternehmen kontinuierlich und vorausschauend. Ob Updates, Optimierungen oder Integrationen neuer Lösungen – wir sorgen dafür, dass die Systeme unserer Kunden technologisch, compliance- und securityseitig immer up-to-date sind, sie neue Technologien sinnvoll integrieren und diese gezielt Business-Mehrwerte generieren.
nwm: Was ist das Besondere daran?
Michael Zitz: Das Besondere unseres neuen Serviceportfolios ist, dass wir die Services gemeinsam mit unseren Kunden entwickelt haben und damit passgenau auf die realen Bedürfnisse unserer Kunden abgestimmt sind. Das Portfolio markiert für uns einen wichtigen Meilenstein, um unsere Rolle als innovativer Beratungs- und Servicepartner weiter zu stärken. Unser Ziel ist es, dass Unternehmen ihre IT nicht als Kostenfaktor betrachten, sondern als echten Mehrwert und Wachstumstreiber.
nwm: Wie trägt dieses neue Service-Portfolio zu zukünftigen Umsatz- und Ergebnisbeiträgen bei? Welche Nachfrage sehen Sie insbesondere bei mittelständischen Kunden?
Michael Zitz: Unsere neuen Services ergänzen unsere Cloud-Strategie optimal. Gerade mittelständischen Unternehmen brauchen einen verlässlichen Partner, der sie nicht nur bei der Cloud-Migration begleitet, sondern sie dabei unterstützt, die stetigen Innovationen, Updates und neuen Cloud-Funktionen sinnvoll in den laufenden Betrieb zu integrieren.
Unsere Smart Services befinden sich aktuell noch in der Einführungsphase, treffen aber bereits auf eine hohe Nachfrage bei unseren Kunden. Der Bedarf ist klar: Unternehmen wollen ihre gesamte IT-Landschaft – inklusive Applikationen und IT-Security – ganzheitlich gemanagt wissen.
Für uns sind das perspektivisch substanzielle Umsatz- und Ergebnisbeiträge aus wiederkehrenden Serviceerlösen. Gleichzeitig steigern diese Services die Kundenbindung im Cloud-Umfeld, weil wir dauerhaft Verantwortung für den stabilen, sicheren und effizienten IT-Betrieb übernehmen. Genau in dieser engen, kontinuierlichen Betreuung sehen wir einen wichtigen Wachstumstreiber für die All for One Group in den kommenden Jahren.
nwm: SAP wird den Verkauf seiner Mittelstandslösung SAP Business ByDesign zum 20. April 2026 einstellen. Was bedeutet das für Ihre mittelständischen Kunden und wie reagieren Sie auf diese Entwicklung?
Michael Zitz: Der Verkaufsstopp von SAP Business ByDesign zum April 2026 bedeutet für unsere mittelständischen Bestandskunden zunächst keinen akuten Handlungsdruck. SAP stellt den Weiterbetrieb sicher und liefert weiterhin Sicherheits-, Compliance- und gesetzliche Updates.
Während SAP den Schwerpunkt auf den Wartungsbetrieb verlagert, entwickeln wir als All for One Group SAP Business ByDesign funktional weiter – und versorgen unsere internationalen Stammkunden auch mittelfristig mit weiteren Innovationen. Gleichzeitig ist die Entscheidung ein klares Signal für Unternehmenskunden, die eigene ERP-Strategie frühzeitig zu überprüfen. Auch hier können wir unsere Kunden unterstützen: D. h. wir sorgen einerseits für einen stabilen Betrieb und planen gemeinsam mit unseren Kunden gleichzeitig strukturiert und ohne Zeitdruck die zukünftige ERP-Roadmap.
nwm: Sie schlagen der Hauptversammlung eine Dividende von 1,20 EUR je Aktie vor. Welche Strategie verfolgen Sie in Bezug auf die Ausschüttungspolitik, insbesondere im Hinblick auf Stabilität und Aktionärsnutzen?
Michael Zitz: Wir verfolgen eine klare und verlässliche Ausschüttungspolitik, die auf Kontinuität und Ausgewogenheit ausgerichtet ist. Mit der vorgeschlagenen Dividende von 1,20 Euro je Aktie und einer Ausschüttungsquote von rund 52 Prozent setzen wir unsere stabile Dividendenpolitik konsequent fort.
Unser Ziel ist es, unsere Aktionärinnen und Aktionäre regelmäßig und planbar am Unternehmenserfolg zu beteiligen. Gleichzeitig achten wir sehr bewusst darauf, unsere finanzielle Flexibilität zu erhalten. Wir verfügen über eine solide Liquiditätsbasis und ausreichend Spielraum, um sowohl organisches Wachstum als auch potenzielle Zukäufe gezielt zu finanzieren. So konnten wir im Oktober – nach Abzug von Schuldscheindarlehens-Tilgungen – netto 49 Millionen Euro durch zusätzliche Schuldscheindarlehen generieren.
nwm: War es ein Diskussionsthema die Mittel stattdessen für Zukäufe vorzuhalten?
Michael Zitz: Die Frage, Mittel vollständig zurückzuhalten, stand nicht im Vordergrund. Vielmehr wollen wir eine Balance schaffen: Wir möchten unseren Aktionären Verlässlichkeit bieten und zugleich handlungsfähig bleiben, um strategische Chancen wahrnehmen zu können, wenn sie sich ergeben.
nwm: Trotz schwieriger Rahmenbedingungen gehen Sie für das Geschäftsjahr 2026/27 von einem „weiteren nachhaltigen Anstieg der EBIT-Marge vor M&A-Effekten“ aus. Welche Kernhebel sehen Sie für diese Verbesserung?
Michael Zitz: Wir erwarten im Geschäftsjahr 2026/27 einen weiteren nachhaltigen Anstieg der EBIT-Marge vor M&A-Effekten. Dieser basiert auf mehreren klar definierten Hebeln: Einerseits gehen wir mittelfristig von einer Rückkehr zu organischem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich aus. Dieses wird ergänzt durch selektives anorganisches Wachstum, dem Eintritt in neue Märkte und zusätzliche Portfolio-Elemente. Andererseits verbessern wir konsequent unsere internen Prozesse. Dazu gehören eine höhere Auslastung im Consulting und End-to-End Services, die konsequente Nutzung von Skaleneffekten sowie die stärkere gruppenübergreifende Integration unserer Mitarbeitenden in die Delivery- und X-Shore-Standorte. Das erhöht Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit spürbar.
Darüber hinaus erwarten wir positive Margenimpulse aus dem weiteren Ausbau unseres Produktgeschäfts, das strukturell höhere Skalierungspotenziale bietet. Zusammen genommen schaffen diese Maßnahmen die Grundlage für eine nachhaltig steigende operative Profitabilität bei der All for One Group – auch in einem weiterhin anspruchsvollen Marktumfeld.
Herr Zitz, vielen Dank für das Interview!
Michael Zitz, Chief Executive Officer der All for One Group SE
Michael Zitz ist seit 1. Oktober 2024 alleiniger Vorstandssprecher und CEO der All for One Group. Er war von April 2021 bis Oktober 2022 Vertriebsvorstand der All for One Group und von November 2022 bis September 2024 Vorstandssprecher und Co-CEO. Er gilt als ausgewiesener Experte rund um Digitalisierung und Customer Centricity. Zitz ist zudem Mitgründer der B4B Solutions GmbH, Graz/Österreich, die seit 2016 zur All for One Group gehört.
Kurzinfo zum Unternehmen
Als weltweite Nummer 1 bei SAP-Transformationen und im SAP Cloud Business nutzen wir Technologie und Lösungen der SAP, um unsere Kunden voranzubringen. Mit RISE & GROW with SAP als digitale Plattform und integrierten Cloud-Lösungen für sämtliche Geschäftsbereiche transformieren wir Unternehmen ganzheitlich. Dass wir dabei technologisch neben SAP auch auf Microsoft setzen bedeutet: Wir verbinden das Beste aus beiden Welten.
Unsere Kunden vertrauen der Kombination aus langjähriger Mittelstandserfahrung, SAP-Expertise sowie Branchen- & Prozess-Know-how. Als Branchenspezialist konzentrieren wir uns auf die Kernbranchen Maschinen- und Anlagenbau, die Automobilzulieferindustrie, Life Sciences, der Großhandel sowie Professional Services. Dabei bringen wir die Anforderungen unserer Kunden mit aktuellen Branchentrends sowie technologische Neuerungen zusammen – für größtmöglichen Geschäftsnutzen.















