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In unserem heutigen Interview haben wir unsere Fragen an Herrn Oliver Schwegmann, Vorstand der Berentzen-Gruppe AG (ISIN: DE0005201602), gestellt.

Herr Schwegmann, die Berentzen-Aktie hat nach Veröffentlichung des Geschäftsberichts deutlich an Wert verloren. Können Sie die Reaktion der Anleger nachvollziehen?

Das Verhalten der Anleger war meines Erachtens weniger eine Reaktion auf das vergangene Geschäftsjahr 2017, sondern auf unsere Prognose für das Geschäftsjahr 2018. Sicher hat der ein oder andere gerade beim EBIT eine signifikantere Steigerung in diesem Jahr erwartet, auch wenn die Prognose für das EBIT im Mittel immerhin ein Plus von ca. 8% bedeutet. Wir rechnen zwar, beginnend mit dem zweiten Halbjahr, mit einem deutlicheren Umsatzwachstum für das Gesamtjahr, aber wir haben auch klar gemacht, dass wir durch erhöhten Mitteleinsatz Substanz aufbauen wollen, um nachhaltig und langfristig profitabel wirtschaften zu können. So steigern wir in diesem Jahr unter anderem unsere Vertriebs- und Marketingaktivitäten sowohl im Segment Spirituosen als auch im Segment Alkoholfreie Getränke und wir investieren in die Modernisierung und Effizienzsteigerung unserer Supply-Chain, was sich kurzfristig natürlich im Ergebnis widerspiegelt. Insgesamt glaube ich aber, dass die Aktie jetzt unterbewertet ist. Ähnlich sehen das ja zum Beispiel auch die Analysten von ODDO BHF, die jetzt eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen haben.

Wie waren die Rückmeldungen aus Ihrem Aktionärskreis, insbesondere auf die angekündigte Kürzung der Dividende von 0,25 Euro im Vorjahr auf nun 0,22 Euro?

Wir sind überzeugt, dass wir mit 0,22 Euro je Aktie das richtige Maß getroffen haben. Wir reflektieren damit einerseits das Geschäftsjahr 2017, welches mit einem schwächeren Ergebnis abgeschlossen hat als das Vorjahr. Andererseits entspricht die Dividendenausschüttung immerhin 80 Prozent unseres Konzernergebnisses. Für das Geschäftsjahr 2016 entsprach die Ausschüttung lediglich 50 Prozent des Konzernergebnisses. Mit dem Dividendenvorschlag haben wir meines Erachtens – zusammen mit dem Aufsichtsrat – den richtigen Mittelweg zwischen Unternehmens- und Aktionärsinteressen gefunden.

Über die Presseticker lief die Überschrift „Schlechte Orangenernte belastet Gewinn von Berentzen“. Wie wollen Sie sicherstellen, dass sich dies im laufenden Jahr nicht wiederholt?

Zunächst einmal: Eine Headline spitzt zu. Sicher war die schlechte Orangenernte sowohl in Südafrika als auch in Südspanien eine massive Belastung für uns. Aber es war am Ende ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren, die sich im Geschäftsergebnis niedergeschlagen haben. Natürlich haben wir auch auf die Herausforderungen, die sich bei der Orangenverfügbarkeit gezeigt haben, reagiert. Wir haben Vorkontrakte geschlossen, um ein Mindestbezugsvolumen abzusichern und wir haben unser Netzwerk von Plantagen und Packhäusern vergrößert, um nicht nur von einigen wenigen Lieferanten abhängig zu sein. Trotzdem sind wir uns bewusst, dass es sich bei Orangen um ein Naturprodukt handelt und damit auch immer eine gewisse Restunvorhersehbarkeit bestehen bleibt. In unserem Segment Frischsaftsysteme werden wir aber vor allem auch bei unseren Maschinen zulegen müssen. Auch durch unseren Erfolg in den vergangenen Jahren ist das Marktumfeld wachgerüttelt geworden. Der Wettbewerb hat sich intensiviert. Um darauf zu reagieren, müssen wir unsere Innovationszyklen verkürzen, um die Innovationsführerschaft nachhaltig zu behaupten.

Sie sind seit dem 1. Juni 2017 im Amt. Was konnten Sie in diesen fast zehn Monaten gemeinsam mit Ihrem Vorstandskollegen Ralf Brühöfner bewegen? Welche Strategieänderungen haben Sie angestoßen?

Grundsätzlich halten wir an der Strategie fest, ein breit aufgestelltes Getränkeunternehmen zu sein, das ein großes Spektrum an Produkten anbietet. Ich bin überzeugt, dass wir nur auf diese Weise zukunftssicher sind. Aber natürlich gibt es auch grundlegende Veränderungen und Weiterentwicklungen, die wir gemeinsam bereits angestoßen oder schon umgesetzt haben. Zu nennen ist hier vor allem der Transformationsprozess für die gesamte Unternehmensgruppe, den wir unter dem Motto „Durst auf Leben“ mit vielen verschiedenen Facetten initiiert haben, hin zu einem integrierten, schlagkräftigen Getränkeinkubator. Ich habe diese Worte bereits öfter verwendet, aber sie drücken genau unser Ziel aus.

Können Sie den Begriff „integrierter, schlagkräftiger Getränkeinkubator“ und die zugrunde liegende Strategie bitte noch etwas näher ausführen?

„Integriert“ bedeutet hier, dass wir statt eines recht losen Verbundes von Einzelunternehmen eine starke Vernetzung anstreben, um Synergieeffekte zu generieren und vorhandene Stärken gruppenweit zu nutzen. Dafür haben wir die Matrixstruktur in der Berentzen-Gruppe eingezogen. Unser Ziel ist eine viel agilere und vernetzte Organisationsstruktur, in der wir auch neue Formen des gemeinsamen Arbeitens etablieren wollen.
„Schlagkräftig“ zu sein, meint unter anderem eine kontinuierliche, effektive Marktbearbeitung und Konsumentenansprache. Dazu haben wir die Vertriebs- und Marketingaktivitäten massiv gesteigert und beispielsweise neue Kommunikationskampagnen für Berentzen – „Freude bekennen“ – und Mio Mio – #DuLebst – gestartet. Aber auch eine moderne Supply-Chain gehört zur Schlagkräftigkeit, um wettbewerbsfest zu sein. Dementsprechend haben wir hier ein Effizienzsteigerungsprogramm mit verschiedenen Bausteinen gestartet.
„Inkubator“ bedeutet für uns, auch immer wieder neue, außergewöhnliche Getränkekonzepte zu entwickeln und damit unsere Marktposition zu stärken und auszubauen. Darum haben wir für die Marke Berentzen einen völlig neuartigen Innovationsprozess aufgesetzt, bei dem wir internes und externes Know-how vereinen, um neue Produkte zu kreieren. Aber auch im Segment Alkoholfreie Getränke wollen wir uns weiterentwickeln. Wir sind hier historisch vor allem Konzessionär und Lohnabfüller gewesen. Mit unseren eigenen Wassermarken waren wir nur regional bekannt. Auch hier wollen wir eine Transformation schaffen: durch die Entwicklung neuer eigener Produkte hin zu einem selbstbewussten, nationalen Markenunternehmen.

Der Konzernumsatz soll im laufenden Jahr um 9,6 bis 18,8 Mio. Euro steigen. In welchen Segmenten erwarten Sie die größten Umsatzzuwächse?

Eine sehr dynamische Umsatzentwicklung erwarten wir insbesondere für das Segment Alkoholfreie Getränke. Zum einen rechnen wir mit einer weiterhin starken Entwicklung unserer Mio Mio-Produktreihe, zum anderen haben wir hier als Ausgangsniveau einen witterungsbedingt historisch schwachen Sommer im Jahr 2017 insbesondere in den Monaten Juli bis September.

Durch die erstmals verpflichtende Anwendung des neuen Rechnungslegungsstandards zur Umsatzrealisierung (IFRS 15) wird der ausgewiesene Umsatz im laufenden Geschäftsjahr 2018 rund 12 Mio. Euro niedriger ausfallen. Können Sie unseren Lesern bitte kurz die Hintergründe erläutern?

Aufwendungen in Höhe von ca. 12 Mio. Euro, die bisher bei betrieblichen Aufwendungen erfasst wurden und sich vor allem auf die sogenannten Werbekostenzuschüsse beziehen, sind künftig direkt erlösschmälernd, also im Nettoumsatz, zu erfassen. Diese Werbekostenzuschüsse sind gezielte Investitionen in den Handel, um insbesondere Zweitplatzierungen, Promotions oder sonstige Verkaufsförderungsmaßnahmen im Handel umzusetzen. Es ändert sich sozusagen lediglich etwas an dem Punkt in der Gewinn- und Verlustrechnung, an dem diese Aufwendungen berücksichtigt werden müssen. Daher ist diese Neuerung auch ergebnisneutral.

Sie haben die Prognose für 2018 bereits angesprochen. Sie stellen zwar steigende Gewinne in Aussicht, die Ergebnisprognose für 2018 lag jedoch unter den bisherigen Analystenerwartungen. Haben Sie bewusst konservativ geplant oder rechnen Sie im laufenden Jahr mit weiteren Belastungen?

Wie ich bereits ausgeführt habe, ist weder das eine noch das andere der Fall. Wir wollen nicht nur den kurzfristigen Erfolg sicherstellen, sondern auch nachhaltig und langfristig profitabel bleiben. Dafür müssen wir aber einiges tun. So investieren wir etwa in die Supply-Chain, beispielsweise durch die neue Glasanlage für Alkoholfreie Getränke. Aber wir haben auch die Marketing- und Mediabudgets deutlich erhöht – sowohl für unsere Spirituosendachmarken als auch für die alkoholfreie Mio Mio Produktgruppe. Für letztere weiten wir auch die Vertriebsaktivitäten in diesem Jahr deutlich aus. Wir sind aber überzeugt, dass die genannten Maßnahmen – auch wenn Sie kurzfristig ergebnisbelastend sind – wichtig sind, um uns dauerhaft in einem hochkompetitiven Marktumfeld behaupten zu können.

Sie erwarten, dass die angestoßenen Maßnahmen insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2018 ihre Wirkung entfalten werden. Heißt das im Umkehrschluss, dass Sie mit einem eher verhaltenen ersten Halbjahr rechnen?

Wir erwarten schon, dass die Entwicklung im zweiten Halbjahr dynamischer verläuft als im ersten. Das hat mehrere Gründe: Den Distributionsaufbau von Mio Mio haben wir Anfang Januar begonnen. Allerdings ist das ein Prozess, der auch seine Zeit braucht, denn wir fangen nicht heute an und morgen hat jeder Händler Mio Mio in seinen Regalen stehen. Und auch die effizienzsteigernden Maßnahmen in der Supply-Chain werden sich im zweiten Halbjahr deutlicher zeigen. Beispielsweise wurde die neue Glasabfüllanlage unserer AFG-Tochter Vivaris erst im März geliefert, installiert und sukzessive über mehrere Wochen in Betrieb genommen. Insofern ist es nachvollziehbar, dass der positive Effekt im zweiten Halbjahr größer sein wird als im ersten. Und auch die Synergieeffekte, die durch die neue Matrixstruktur zu erwarten sind, entfalten ihre volle Wirkung erst mit einer gewissen Vorlaufzeit.

Neben dem Wachstum der Kernmarken Berentzen und Puschkin hat insbesondere Mio Mio im Geschäftsjahr 2017 mit einem Absatzplus von rund 50 % die Erwartungen übertroffen. Welche Erwartungen haben Sie im laufenden Jahr an Mio Mio? Und mit welchen Maßnahmen wollen Sie die Marke weiter ausbauen?

Trotz unserer Erfolge mit Mio Mio ist die gewichtete Distribution deutschlandweit noch verhältnismäßig gering. Insbesondere in Süddeutschland fehlte unserem Tochterunternehmen Vivaris aufgrund der bisher überwiegend regionalen Marken im Portfolio eine vertriebliche Infrastruktur. Insofern sehen wir hier noch sehr viel Potenzial für weiteres deutliches Wachstum. Wie ich schon ausgeführt habe, gibt es eine Reihe von Maßnahmen zum weiteren Ausbau. Wir haben seit Januar dieses Jahres eine externe Vertriebsmannschaft aufgeschaltet, um gerade im süddeutschen Raum die Distribution aufzubauen. In den vergangenen Tagen haben wir zudem unsere neue Kommunikationskampagne „#DuLebst“ für Mio Mio gestartet. Und die bereits erwähnte effizientere Glasanlage von Vivaris kommt mit den erweiterten Produktionskapazitäten natürlich vor allem Mio Mio zugute. Aber es ist uns auch wichtig zu betonen, dass Mio Mio nur der Auftakt unserer Transformationsreise für Vivaris vom regionalen Konzessionär und Lohnabfüller hin zum nationalen Markenunternehmen ist. Wir wollen hier in Zukunft selbstverständlich weitere spannende Getränkekonzepte entwickeln.

Kommen wir abschließend zurück auf die Berentzen-Aktie zu sprechen: Warum sollten Anleger gerade jetzt in der Schwäche zugreifen?

Wie eingangs erwähnt, ist die Aktie meines Erachtens unterbewertet. Wir sind ein sehr solides Unternehmen, das auch im vergangenen Jahr trotz einiger Herausforderungen und der Gewinnwarnung profitabel gewirtschaftet hat. Wir haben für 2018 einen optimistischen und wachstumsorientierten Ausblick gegeben. Dabei haben wir auch gezeigt, dass wir auf langfristiges, nachhaltiges Wachstum setzen und für unsere Unternehmensgruppe zukunftssichere Konzepte haben.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Ihnen und wünschen Ihnen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg.


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Oliver Schwegmann, Vorstand Berentzen-Gruppe AG

berentzen gruppe oliver schwegmannOliver Schwegmann ist im Juni 2017 in den Vorstand der Berentzen-Gruppe Aktiengesellschaft eingetreten. Er verantwortet die Ressorts Marketing, Vertrieb, Produktion & Logistik, Einkauf sowie Forschung & Entwicklung. Oliver Schwegmann war zuvor als Country Managing Director für L'Oréal Suisse tätig und hatte Führungspositionen bei der Hero AG, der Mars GmbH und der August Storck KG inne.


Kurzinfo zum Unternehmen

Die Berentzen-Gruppe ist eine der führenden Getränkegruppen in Deutschland und mit einer Unternehmensgeschichte von über 250 Jahren zugleich einer der ältesten Hersteller von Spirituosen. Zusätzlich entwickeln wir die Unternehmensgruppe in Bereiche wie Mineralwasser und frische und gesunde Getränke weiter.

Mit ihren bekannten Spirituosenmarken ist die Berentzen-Gruppe in der Lage, kompetent, umfassend und schnell auf die Bedürfnisse der Konsumenten im Inland zu reagieren. Auch nutzt die Unternehmensgruppe mit international tragfähigen Spirituosenprodukten im Ausland konsequent Marktchancen, um in den jeweilig relevanten Produktsegmenten eine führende Rolle einzunehmen.

Als Herstellerin von Wellnessgetränken, Limonaden und Mineralwässern eigener Marken ist die Konzerngesellschaft Vivaris Getränke GmbH & Co. KG seit Jahrzehnten im deutschen Erfrischungsgetränkemarkt erfolgreich aktiv. Darüber hinaus verfügt die Gesellschaft über große Erfahrung im Konzessionsgeschäft und baut diese seit Januar 2015 mit der Marke "Sinalco" weiter aus.

Speziell die Konzerngesellschaft T M P Technic-Marketing-Products GmbH, ein etablierter Systemanbieter für frischgepressten Orangensaft, trägt dazu bei, Wachstumschancen zu nutzen und die Position der Berentzen-Gruppe im Bereich frischer und gesunder Getränke auszubauen.

Markenpflege und Innovationen sowie exzellente und motivierte Mitarbeiter bilden die Grundlage für profitables, nachhaltiges Wachstum der Berentzen-Gruppe.

 

 

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