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Die Aktie von AURELIUS Equity Opportunities SE & Co.KGaA (ISIN: DE000A0JK2A8) ist aktuell mächtig unter Beschuss.

In der Spitze verlor das Papier zuletzt über -46%. Am 27. März 2017 schloss der Kurs noch bei 65,10 EUR. Doch in den folgenden zwei Tagen schickte ein immenser Verkaufsdruck die Anteilsscheine der Münchener Beteiligungsgesellschaft drastisch auf Talfahrt: Gestern rutschte die Aktie bis zum Schlusskurs auf 35 EUR.

Hierbei muss man sich vergegenwärtigen, dass der Börsenwert von AURELIUS damit innerhalb von 48 Stunden von über 2 Mrd. EUR auf 1,1 Mrd. EUR fast halbiert wurde.


Report von Shortseller sorgt für Kurstrauma

Welche Hiobsbotschaft hatte das Unternehmen veröffentlicht, dass die Aktie so eingenickt ist? Die Antwort ist: Keine!

Der Grund für den enormen Kurseinbruch ist nicht das Ergebnis einer Gewinnwarnung oder einer anderen Negativ-Meldung seitens AURELIUS, sondern ein 68-seitiger Report von Gotham City Research LLC.

Der Shortseller (Leerverkäufer) mit Sitz in Delaware (USA), welcher von Daniel Yu im Jahr 2012 gegründet wurde, hatte AURELIUS ins Visier genommen. Angeblich hat man in den Bilanzen des Unternehmens Unstimmigkeiten, insbesondere bei den ausgewiesenen Gewinnen der Tochtergesellschaften, ausgemacht.

Die brisante Schlussfolgerung, zu der Gotham City kommt: Der wahre substantielle Wert von AURELIUS liegt maximal bei 8,56 EUR. Dies entspricht einem Abschlag von -86,85% auf den Schlusskurs von vor drei Tagen (65,10 EUR).


AURELIUS wehrt sich, zunächst aber ohne Wirkung

Bereits kurz nach Veröffentlichung des negativen Reports von Gotham City hatte AURELIUS zeitnah Stellung zu den erhobenen Vorwürfen des Leerverkäufers bezogen. Darin äußerte man, dass in dem Report keinerlei Fakten auf den Tisch gelegt wurden, die nicht ohnehin schon bekannt waren.

Wie es weiter heißt, habe Gotham City diese Fakten in dem veröffentlichten Report dann aber zum Schaden der Aktionäre von AURELIUS manipuliert: So habe man diese vorsätzlich in irreführender Weise interpretiert und daraus falsche Behauptungen abgeleitet. Die gezogenen Schlussfolgerungen seien mit der Absicht veröffentlicht worden, den Aktienkurs von AURELIUS negativ zu beeinflussen.

Nicht abwegig, denn Gotham City hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Reports eine Short-Position von 0,80% (laut Bundesanzeiger: 28. März 2017) inne und somit ein eindeutig wirtschaftliches Interesse am rasanten Fall der Aktie. Allerdings hatte man daraus auch kein Geheimnis gemacht: Gotham City hatte diesen Interessenkonflikt dem veröffentlichten Report vorangestellt.

AURELIUS entschloss sich außerdem, als Gegenmaßnahme umgehend einen Aktienrückkauf im Volumen von 50 Mio. EUR zu starten, um den Kurs zu stützen. Weiterhin kündigte man zudem an, sich auf der Hauptversammlung (HV) am 21. Juni 2017 die Genehmigung für den Erwerb von weiteren 10% des Grundkapitals im Volumen von rund 160 Mio. EUR einzuholen.

Doch weder der Aktienrückkauf noch die Gegendarstellung mit deutlichem Verweis auf den Interessenkonflikt von Gotham City hielten den akuten Fall der Aktie auf. Und auch die gestern veröffentlichten Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 und die Ankündigung eines Dividendenvorschlags von insgesamt 2 EUR je Aktie (reguläre Dividende: 1 EUR | Sonderdividende: 1 EUR) konnten dem massiven Verkaufsdruck in der Aktie kaum etwas entgegensetzen.


Liegen Shortseller immer falsch?

Bei der Beurteilung, ob Behauptungen – wie sie z.B. in dem Report zu AURELIUS gemacht wurden – an den Haaren herbeigezogen sind oder ob etwas Wahres dran ist, stößt man an Grenzen.

Die Tatsache, dass ein Shortseller ein wirtschaftliches Interesse an einen etwaigen Kurseinbruch hat, schwächt die aufgestellten Behauptungen in jedem Fall erheblich ab. Doch nicht immer kann man daraus schließen, dass die geäußerten Schlussfolgerungen automatisch falsch sind.
 
Ein Beispiel dafür, dass Leerverkäufer mit ihren Behauptungen auch einmal ins Schwarze treffen kommt dummerweise von Gotham City: So hat der Shortseller die Bilanzfälschungen beim spanischen WLAN-Anbieter Let’s Gowex SA ans Tageslicht gebracht, woraufhin das Unternehmen in der Folge Konkurs anmelden musste. Zuvor hatte Gründer und Chef Jenaro García Martín die Bilanzfälschung zugegeben.

In einem Artikel von brandeins.de aus dem letzten Jahr zum Thema „Shortseller“ wurde unter anderem auf die beiden Forscher Alexander Ljungquist (NYU Stern School of Business) und Wenlan Qian (NUS Business School) verwiesen, die in Untersuchungen zu einer überraschenden Erkenntnis kamen: „Sie kommen zu dem Schluss, Short Seller würden ‚faktisch‘ meist recht behalten. So würden 35 Prozent der angegriffenen Unternehmen von der Börse verschwinden, 38 Prozent würden ihre Wirtschaftsprüfer wechseln, und 23 Prozent würden ihre Umsatzzahlen korrigieren. In nur 19 Prozent aller Fälle würden Untersuchungen der Behörden oder der Börsen die Argumente der Angreifer widerlegen.

Das klingt nicht gut, aber der Vollständigkeit halber wollen wir auch erwähnen, dass es zwei Beispiele von Unternehmen aus Deutschland gibt, die sich von den Shortattacken weitestgehend erholt haben.


Jüngste Ziele von Shortattacken: Wirecard und Ströer

In Deutschland gab es vor der Attacke auf AURELIUS bereits zwei andere Ziele: Die betroffenen Werte waren Anfang letzten Jahres zum einen die Wirecard AG (ISIN: DE0007472060) und zum anderen die Ströer SE & Co. KGaA (ISIN: DE0007493991). Das TecDAX- und das MDAX-Unternehmen erlitten auf ganz ähnliche Art und Weise wie jetzt AURELIUS, massive Kursverluste.


Wirecard vs. Zatarra Research

Bei Wirecard passierte es im Februar 2016: Der Shortseller Zatarra Research hatte einen 106-seitigen Bericht veröffentlicht, der zur Folge hatte, dass die Aktie binnen weniger Stunden von 42,625 EUR (Schlusskurs 23. Februar 2016) um -21,64% auf bis zu 33,40 EUR einbrach.

Auch in den folgenden Wochen erholte sich das Papier des TecDAX-Unternehmens zunächst nicht von diesem Ereignis. Am 21. März 2016 erreichte der Kurs bei 31,15 EUR ein neues Tief. Doch seither geht es wieder aufwärts: Aktuell notiert die Aktie bei 50,91 EUR. Sie legte somit um +63,44% zu und steht jetzt sogar deutlich über dem Kurs vom 23. Februar.

Laut Bundesanzeiger halten derzeit aber noch neun Shortseller Leeverkaufspositionen von insgesamt 10,4%. Zatarra ist allerdings nicht mehr mit von der Partie.

 

Wirecard AG
Chart: Wirecard AG | Powered by GOYAX.de
 


Ströer vs. Muddy Waters

Nur wenige Wochen nach dem Shortangriff auf Wirecard traf es das MDAX-Unternehmen Ströer. Diesmal hieß der Gegenspieler Muddy Waters: Der Leerverkäufer hatte in einem 60-seitigen Bericht vor allem die von Ströer angegebenen Wachstumsaussichten in Frage gestellt.

Die Aktie fiel am 22. April 2016 von 55,25 EUR (Schlusskurs 19. April 2016) um -22,24% auf 42,96 EUR. Im Gegensatz zum Beispiel „Wirecard“ erholte sich die Aktie allerdings nicht so schnell von diesem Angriff.

Bis zum 1. Dezember 2016 lief der Kurs bis auf 35,14 EUR zurück und hatte somit seit der Attacke -36,40% verloren. Seither befindet sich das Papier jedoch wieder auf Erholungskurs. Bis auf aktuell 50,67 EUR stiegen die Anteilsscheine von Ströer und legten seit dem Tiefpunkt Anfang Dezember somit um +44,20% zu.

Laut Bundesanzeiger halten derzeit drei Shortseller Leerverkaufspositionen von zusammen 5,36%. Auch hier steht Muddy Waters nicht mehr auf der Liste der akteullen Shortseller von Ströer.

 

Ströer SE & Co. KGaA
Chart: Ströer SE & Co. KGaA | Powered by GOYAX.de


Starker Kursanstieg in den Jahren vor der Shortattacke

Grundsätzlich springt vor allem ins Auge, dass sowohl die Aktie von AURELIUS als auch die von Wirecard und Ströer im Vorfeld der Shortattacke jahrelang extrem positiv verlaufen sind.

Die Wirecard-Aktie stieg seit Anfang 2009 von 3,78 EUR um +1.027,65% bis Zatarra Research attackierte. Bei Ströer legte der Kurs von Ende 2012 bei 6,383 EUR um +765,58% zu, bis Muddy Waters im letzten Jahr auf den Plan trat.

Und bei AURELIUS stieg die Aktie seit August 2009 von 2,30 EUR um sogar 2.773.91% bis Gotham City mit seiner Shortattacke aufwartete. Parallelen, die sicherlich kein Zufall sind, sondern offenbar ein Kriterium für eine erfolgreiche Shortattacke sind.

 

AURELIUS Equity Opportunities SE & Co.KGaA
Chart: AURELIUS Equity Opportunities SE & Co.KGaA | Powered by GOYAX.de


AURELIUS-Aktie deutlich stärker gefallen

Auffällig im Vergleich zu den beiden anderen Angriffen von Leerverkäufern auf deutsche Unternehmen ist, dass das Papier von AURELIUS mit -46% unmittelbar nach der Shortattacke deutlich stärker gefallen ist, als das bei Wirecard (-21,64%) und Ströer (-22,24%) der Fall war.

Daraus dürfte sich im Weiteren ein stärkeres Erholungspotenzial für die Aktie ergeben. Vorausgesetzt, dass sich die Behauptungen von Gotham City als unhaltbar erweisen bzw. an der Börse in den nächsten Wochen und Monaten von Anlegern als unhaltbar angesehen werden.


Gotham City zieht sich aus Leerpositionen deutlich zurück

Interessantes lässt sich durchaus auch aus der Historie der Leerverkaufspositionen von Gotham City laut Bundesanzeiger ziehen: So hielt der Shortseller am 24. März 2017 0,61%, am 28. März, dem Tag der Shortattacke,  0,80% und gestern am 29. März nur noch 0,03%.

Das bedeutet, Gotham City hat seine Leerverkäufe vorerst nahezu komplett glattgestellt. Aktuell sind insgesamt noch vier Leerverkäufer mit einer Short-Position von insgesamt 2,79% ausgewiesen.


Wie geht es jetzt mit der AURELIUS-Aktie weiter?

Nachdem die Aktie wie eingangs erwähnt von 65,10 EUR (27. März) bis gestern auf 35 EUR gefallen ist, kam es heute zu einer technischen Gegenbewegung. Im Xetra-Handel eröffnete das Papier mit einem Gap von +8,60% bei 38,01 EUR.

Im Verlauf des frühen Vormittags stieg der Kurs zunächst weiter auf 41,29 EUR, womit er um +17,97% höher lag. Allerdings flachte die Dynamik zum Mittag hin wieder ab und die Aktie notierte zeitweise auf einem Kursniveau um 36,50 EUR. Aktuell ist das Papier wieder auf 42,50 EUR gestiegen und weist damit ein Tagesplus von bisher +21,43% auf.

Wir gehen davon aus, dass die aufgestellten Behauptungen von Gotham City künftig nicht weiter untermauert werden können, wodurch sich der Aktienkurs in den nächsten Monaten weiter erholen dürfte.

Sollte die HV im Juni zudem der Genehmigung eines weiteren Erwerbs von Aktien im Volumen von ca. 160 Mio. EUR zustimmen, so dürfte sich spätestens mit einem weiteren möglichen Aktienrückkaufprogramm die Erholung nochmals beschleunigen.

 

AURELIUS Equity Opportunities SE & Co.KGaA
Chart: AURELIUS Equity Opportunities SE & Co.KGaA | Powered by GOYAX.de
 

Anleger sollten bei einem möglichen Investment jedoch berücksichtigen, dass es kurzfristig noch zu weiteren Kursrückgängen und vor allem zu einer erhöhten Schwankung (Volatilität) in der Aktie kommen kann. Es ist zudem nicht auszuschließen, dass Gotham City weitere Versuche unternehmen könnte, um die Aktie neuerlich unter Beschuss zu nehmen.

 

Mit Material von AURELIUS Equity Opportunities SE & Co.KGaA und brandeins.de

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