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Die Paion AG (ISIN: DE000A0B65S3) hat ein turbulentes erstes halbes Jahr hinter sich gebracht. Eine Hiobsbotschaft und mehrere gute Nachrichten hielten das Unternehmen und die Aktionäre in Atem.

Nach einem Kurssturz im Februar von 2 EUR bis auf 1,00 EUR folgte unmittelbar danach ein Kursanstieg bis auf 2,70 EUR, d.h. binnen knapp drei Wochen legte die Aktie nach Halbierung dann wieder  +170% zu. Aktuell steht das Papier jedoch mit 2,14 EUR nur unwesentlich über dem Kursniveau von Anfang des Jahres. Also viel passiert und doch nichts geschehen. Jedenfalls, was den Aktienkurs betrifft.

Das Papier des Aachener BioTech-Unternehmens erfreute in der Vergangenheit vor allem die Trader-Gemeinschaft, während die Nerven der langfristig orientierten Anleger nach wie vor arg strapaziert werden.

Der Grund ist, dass die einst so blütenweiße Equity-Story von Paions Leitzsubstanz „Remimazolam“ inzwischen ein paar unschöne Flecken bekommen hat. Vor allem der unverständliche Ausstieg des einstigen Japanpartners ONO Pharmaceutical (ONO) im Herbst 2014 und der Abbruch der EU-Phase III-Studie im Februar dieses Jahres haben für jede Menge Unsicherheit und Misstrauen unter Anlegern gesorgt.

Dennoch: Paion hat zuletzt ganz wichtige Erfolge in den USA vermelden können, die dafür sorgen könnten, dass das Interesse und das Vertrauen von Anlegern nun wieder nachhaltig gestärkt werden.


COSMO erhält US-Lizenz und steigt bei Paion ein

Am 24. Juni schloss die Paion-Aktie mit 1,75 EUR im Xetra-Handel. Der Kurs war in den Wochen zwischen der Mitteilung über den erfolgreichen Abschluss der US-Phase III-Koloskopie-Studie am 11. April nach und nach von 2,16 EUR unter die 2,00 EUR-Marke gefallen.

Am Abend des 24. Juni, nach Xetra-Börsenschluss, verkündete das Aachener BioTech-Unternehmen dann die Nachricht, dass man mit COSMO Technologies Ltd., einer Tochter der COSMO Pharmaceuticals N.V., eine Lizenzvereinbarung abgeschlossen hat, welche die exklusiven Lizenzrechte für die Entwicklung und Vermarktung von Remimazolam in den USA beinhaltet.

Paion erhält gemäß dieser Vereinbarung eine Vorauszahlung von 10 Mio. EUR und hat zudem Anspruch auf Meilensteinzahlungen von bis zu 42,5 Mio. EUR bei Erreichung der vereinbarten Ziele im Zuge des US-Zulassungsprozesses bzw. nach Erhalt der US-Zulassung, für die Paion auch weiterhin verantwortlich sein wird.

Bei kommerzieller Vermarktung von Remimazolam in den USA wird Paion darüber hinaus voraussichtlich Lizenzgebühren in Höhe von 20% und 25% der Nettoerlöse erhalten. Es können unter „bestimmten Bedingungen“ auch weniger sein, hieß es in der Meldung, sie werde jedoch nicht unter 15% liegen.

Zudem hat eine weitere COSMO-Tochter, die Granell Strategic Investment Fund Limited, einen Investmentvertrag mit Paion abgeschlossen. Darin wurde vereinbart, dass Granell sich verpflichtet, 10 Mio. EUR in Aktien der Paion zu investieren.

5.064.194 neue Aktien wurden bereits Ende Juni zu einem volumengewichteten Durchschnittskurs von 1,90 EUR unter Ausschluss des Bezugsrechts an Granell abgegeben. Die restlichen 400.000 EUR sollen zu einem späteren Zeitpunkt investiert werden. Granell ist durch die Transaktion mit einem Anteil von 9,09% nunmehr größter Aktionär von Paion. Die Aktien wurden im Übrigen mit einer Sperrfrist von 12 Monaten versehen.


„Kursexplosion“ bleibt vorerst aus

Auf diese Art von Nachricht haben Aktionäre der Paion seit Jahren gewartet. Nach dem unerwarteten Ausstieg von ONO im November 2014 und der Ankündigung seitens Paion die EU- und US-Zulassung alleine stemmen zu wollen, drängte sich ganz unwillkürlich die Frage auf, ob Paion vielleicht keine geeigneten Partner für Remimazolam finden kann. CEO Dr. Wolfgang Söhngen sprach Remimazolam immerhin "Blockbuster-Potenzial" zu. Aber wieso will keiner diesen "Blockbuster" vermarkten, so die Frage?

Und genau diese Frage wurde nun vom Tisch gefegt. Doch anstatt zu „explodieren“, schaffte die Aktie in den Tagen danach gerade einmal einen nachhaltigen Anstieg von 1,75 EUR auf aktuell 2,14 EUR. Natürlich sind das +22,29%. Doch dafür, dass Paion in den USA mit der Lizenzvergabe nun gleich mehrere Probleme gelöst hat, ist die Reaktion am Markt doch sehr moderat ausgefallen.

1.     Paion hat  sich durch den COSMO-Deal dringend benötigte liquide Mittel gesichert. Zunächst 20 Mio. EUR, 10 Mio. EUR als Vorabzahlung und 10 Mio. EUR durch Ausgabe von neuen Aktien an Granell. Dies ist vor allem deswegen interessant, weil Paion im Jahresbericht aus März 2016 angegeben hat, bis zur Einreichung des Zulassungsantrags in den USA ca. 10 Mio. EUR mehr als den aktuellen Kassenbestand zu benötigen. Bis zur Zulassung, die frühestens Ende 2018 erwartet wird, kämen noch einmal ca. 10 Mio. EUR hinzu. Und genau diese hat man sich nun mit der Lizenzvereinbarung gesichert.  

2.    Hinzu kommen weitere Meilensteinzahlungen von bis zu 42,5 Mio. EUR in den kommenden zwei Jahren bis zur avisierten Zulassung von Remimazolam in den USA. Mit diesen Zahlungen ließe sich möglicherweise ohne eine weitere Kapitalerhöhung, die zuletzt immer wieder wie ein Damoklesschwert über dem Kurs schwang, die im Februar 2016 wegen unzureichender Patientenrekrutierung abgebrochene EU-Phase III-Studie neu designen und durchführen.

3.    Mit COSMO hat Paion einen US-Lizenzpartner gewonnen, der bereits auf Therapien für Magen-Darm-Erkrankungen spezialisiert ist und somit über eine geeignete Infrastruktur zum Vertrieb von Remimazolam verfügt. Ein nicht unerheblicher Aspekt, denn was nützt das beste Produkt, wenn man es nicht am Markt platzieren kann?! Weiterhin benötigt Paion kein zusätzliches Kapital für die US-Vermarktung, wie es im Falle der Eigenvermarktung nötig gewesen wäre.

4.    Die geschlossene Vereinbarung mit COSMO hat die potentiellen Interessenten in Japan sicherlich aufhorchen lassen. Es ist in diesem Fall nicht abwegig zu spekulieren, dass Paion hier in den kommenden Monaten ebenfalls einen Lizenzpartner vermelden kann. Zumal Paion im Februar gemeldet hat, dass das pre-NDA-Meeting mit der japanischen Zulassungsbehörde PMDA positiv verlaufen ist.  Diese hat das klinische und nicht-klinische Datenpaket als vollständig für die Einreichung des Zulassungsantrags in der Indikation „Einleitung und Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie“ erachtet. 


Nächste „Good-News“ könnte Aktie zum Ausbruch verhelfen

Warum steht die Aktie noch immer da, wo sie jetzt steht, obwohl diese letzte Nachricht und auch schon einige davor als positiv einzuordnen sind? Die Antwort darauf ist nicht einfach: Jedoch dürften die starken Kursschwankungen eine zentrale Rolle spielen, allen voran die Abstürze aufgrund des Ausstiegs des ehemaligen Japanpartners ONO im November 2014 und der Abbruch der EU-Phase III-Studie im Februar dieses Jahres.

Viele Anleger haben diese gewaltigen Kursrutsche misstrauisch gemacht. Kommt nach den jetzt guten Nachrichten vielleicht wieder so eine Hiobsbotschaft? Diese Befürchtung schlummert im Unterbewusstsein der Anleger. Darüber hinaus ist natürlich auch das aktuelle Börsenumfeld, das zuletzt durch den Brexit negativ geprägt wurde, nicht gerade ideal für einen größeren Kurssprung gewesen.

Dennoch, die Aktie könnte bald nach oben ausbrechen und wieder in Richtung der 3,00 EUR-Marke laufen. Denn in Kürze werden die Studienergebnisse für die Koloskopie-Studie erwartet. Paion hat sie im Jahresbericht aus März für Mitte des Jahres angekündigt. Vielleicht bringt dies dann die Aktie ins Rollen. Darüber hinaus könnten jederzeit auch Neuigkeiten aus Japan die Aktie in Bewegung versetzen. Bei allem Risiko, das man hier einkalkulieren muss, ist die Chance für einen Kursanstieg nach dem COSMO-Deal größer als noch zuvor. Oddo Seydler sieht das ähnlich, sie hoben das Papier nach der Lizenzvereinbarung mit COSMO von „Neutral“ auf „Buy“ mit einem Kursziel von 3,10 EUR an.

 


Chart: Paion AG | Powered by GOYAX.de

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