United Internet hat 2025 solide geliefert und setzt für 2026 ein auffällig starkes Signal: Der Internet- und Telekom-Konzern will Umsatz und EBITDA spürbar steigern, während die Investitionen zurückgehen sollen. Genau diese Kombination dürfte Anleger aufhorchen lassen. Denn wenn Wachstum, Ergebnisdynamik und sinkender Cash-Capex zusammenkommen, rückt die Frage in den Fokus, ob der Markt dem Titel künftig wieder mehr zutraut.
Mehr Verträge, mehr Stabilität: United Internet wächst weiter
United Internet hat im abgelaufenen Geschäftsjahr die Zahl der kostenpflichtigen Kundenverträge um 700.000 auf 29,72 Millionen gesteigert. Besonders stark entwickelten sich die Segmente Consumer Applications und Business Applications, die zusammen den Großteil des Vertragswachstums lieferten. Im Segment Consumer Access blieb das Bild gemischt: Während 40.000 Mobile-Internet-Verträge hinzukamen, sank die Zahl der Breitband-Verträge wie erwartet um 110.000.
Für Anleger ist das dennoch eine relevante Botschaft. Denn der Konzern zeigt, dass seine Plattformen und digitalen Geschäftsmodelle weiter Kunden anziehen. Gerade im Bereich wiederkehrender Erlöse ist das ein wichtiger Stabilitätsfaktor. In einem Börsenumfeld, in dem berechenbare Cashflows und belastbare Kundenbeziehungen hoch geschätzt werden, ist das ein Pluspunkt.
Umsatz und EBITDA legen zu – trotz Umbauten im Konzern
Bereinigt um den verkauften Energy-Bereich sowie um die geänderte Bilanzierung bei Sedo stieg der Umsatz 2025 um 1,9 Prozent auf 6,10 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich um 2,4 Prozent auf 1,282 Milliarden Euro. Damit hat United Internet trotz laufender Investitionen und struktureller Anpassungen ordentlich abgeliefert.
Besonders wichtig: Die Aufwendungen für den Ausbau des 1&1-Mobilfunknetzes lagen mit 265,3 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Das zeigt, dass der Konzern seine Ausbauoffensive fortsetzt, ohne dass die Belastung gegenüber 2024 weiter anzieht. Für Investoren ist genau das relevant, weil hohe Infrastrukturinvestitionen zwar kurzfristig drücken, mittelfristig aber die Grundlage für mehr Unabhängigkeit und bessere Margen schaffen können.
EBIT leicht schwächer – aber der Grund liegt auf der Hand
Beim bereinigten EBIT musste United Internet einen leichten Rückgang auf 585,3 Millionen Euro hinnehmen, nach 596,8 Millionen Euro im Vorjahr. Der Rückgang ist allerdings kein operatives Warnsignal, sondern vor allem eine Folge höherer Abschreibungen. Diese stiegen auf 696,7 Millionen Euro, insbesondere wegen der Investitionen in das Glasfasernetz von 1&1 Versatel und in das 1&1-Mobilfunknetz.
Für Anleger ist das ein klassischer Fall von Einordnung statt Alarmismus. Denn in kapitalintensiven Ausbauphasen drücken Abschreibungen naturgemäß auf das EBIT, ohne dass dies zwangsläufig die operative Qualität des Geschäfts verschlechtert. Noch interessanter ist deshalb der Blick auf das Ergebnis je Aktie: Das bereinigte EPS aus fortgeführten Geschäftsbereichen sprang von 0,86 Euro auf 1,23 Euro. Hier wirkten sich vor allem geringere Steueraufwendungen positiv aus.
Sedo-Verkauf und Fokus aufs Kerngeschäft: Management setzt klare Prioritäten
Spannend ist auch die strategische Stoßrichtung: Die Tochter IONOS will sich von Sedo trennen und das Management stärker auf die Kerngeschäftsfelder Web Presence & Productivity sowie Cloud Solutions fokussieren. Das ist ein Signal, das an der Börse in vielen Fällen gut ankommt. Schlankere Strukturen, klarere Schwerpunkte und der Fokus auf skalierbare Kernbereiche gelten oft als Voraussetzung für eine höhere Bewertung.
Vergleichbare Entwicklungen waren zuletzt auch bei anderen Technologie- und Internetwerten zu beobachten, bei denen Randaktivitäten abgestoßen wurden, um Profitabilität und strategische Klarheit zu erhöhen. United Internet geht damit einen Weg, den der Kapitalmarkt grundsätzlich honorieren könnte, wenn die frei werdenden Ressourcen in margenstärkere und wachstumsstärkere Bereiche fließen.
Dividende bleibt ein Argument für Anleger
Vorstand und Aufsichtsrat wollen der Hauptversammlung am 21. Mai 2026 eine Dividende von 0,50 Euro je Aktie vorschlagen. Das entspräche einer Ausschüttungssumme von 86,4 Millionen Euro und einer Ausschüttungsquote von 40,8 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses aus fortgeführten Geschäftsbereichen nach Minderheitenanteilen.
Damit bleibt United Internet nicht nur ein Wachstums- und Infrastrukturwert, sondern auch für Dividendenanleger relevant. Gerade bei etablierten deutschen Neben- und Mid-Caps ist diese Kombination gefragt: Investitionen in die Zukunft, aber gleichzeitig eine verlässliche Ausschüttungspolitik.
Ausblick 2026 hat es in sich
Richtig spannend wird es beim Blick nach vorn. Für 2026 stellt United Internet einen Umsatzanstieg auf rund 6,25 Milliarden Euro in Aussicht. Noch auffälliger ist der geplante EBITDA-Sprung auf rund 1,45 Milliarden Euro. Gleichzeitig soll der Cash-Capex auf 600 bis 650 Millionen Euro zurückgehen, nach 730,8 Millionen Euro im Jahr 2025.
Genau das ist der entscheidende Punkt für die Börse. Denn wenn ein Unternehmen das Ergebnis kräftig steigern will und parallel die Investitionsbelastung sinkt, verbessert sich das Chancen-Risiko-Profil deutlich. Anleger könnten dann verstärkt darauf setzen, dass künftig mehr operative Stärke auch in steigenden freien Mittelzuflüssen sichtbar wird.
Warum die Aktie jetzt wieder stärker in den Fokus rücken könnte
United Internet liefert keine spektakuläre Hype-Story, aber genau das könnte für viele Investoren attraktiv sein. Der Konzern wächst weiter, gewinnt Kunden hinzu, investiert in strategisch wichtige Infrastruktur, baut sein Portfolio um und kündigt für 2026 einen deutlichen Ergebnissprung bei sinkendem Investitionsniveau an.
Das ist die Art von Gemengelage, aus der an der Börse häufig Neubewertungen entstehen. Entscheidend wird nun sein, ob United Internet den starken Ausblick im laufenden Jahr tatsächlich erfüllt. Sollte das gelingen, dürfte die Aktie wieder deutlich stärker in den Fokus rücken.















