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Wirecard AG (ISIN: DE0007472060) stemmt sich zunehmend unbeholfen gegen den Sog des FT-Kampfes 2.0.

Bis freitags Nachmittag gegen 16:00 Uhr hielt sich die Wirecard Aktie noch so einigermaßen bei 116,00 EUR - im Minus, angeschlagen, aber dann versuchte Wirecard gegenzusteuern. Es wurde eine News um 16:04 veröffentlicht, die man sich besser gespart hätte. Inhalt: Wirecard startet Rückkaufprogramm über 200 Mio EURO, beginnend kurzfristig.Bevor wir zu den ungewollten Folgen kommen, der Wortlaut: "Der Vorstand der Wirecard AG (ISIN DE0007472060) ("Gesellschaft") hat heute mit Zustimmung des Aufsichtsrats der Gesellschaft beschlossen, unter Ausnutzung der von der Hauptversammlung der Gesellschaft am 20. Juni 2017 erteilten Ermächtigung, ein Aktienrückkaufprogramm aufzulegen ("Aktienrückkaufprogramm 2019/I"). Im Rahmen des Aktienrückkaufprogramms 2019/I sollen in einem Zeitraum von zwölf Monaten Aktien der Gesellschaft in einem Volumen von insgesamt bis zu 200 Mio. EUR (ohne Erwerbsnebenkosten) zurückgekauft werden. Der Beginn des Aktienrückkaufprogramms 2019/I ist für die nächsten Tage geplant."

Ungeeignet ist noch die beste Umschreibung

Von einem Rückkaufprogramm sprach man bei Wirecard erstmals, als sich Softbank mit einer Wandelanleihe an Wirecard beteiligte -900 Mio. EURO die Wirecard eigentlich nicht unbedingt brauchte, vielmehr interessierte Wirecard das Potential aus dem Softbankumfeld für weitere Expansion und neue Partnerschaften. Also wirklich überraschend ist das Rückkaufprogramm nicht, aber das Timing ist mehr als unpassend. Der Markt wartet auf eine Klärung der neuen FT-Vorwürfe, man will Fakten, man will eine "neutrale" Untersuchung oder -wie man hört - Sonderprüfung.

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Aber bestimmt kein Zückerchen!

Das wohl ein Zeichen gesetzt werden sollte durch dieses Rückkaufprogramm, mag ja sein. ABER WIE KANN MAN DENKEN, dass 200 Mio. EURO irgendetwas in den Köpfen der Anleger ändern könnten? Täglich verliert - in geringerem Umfang gewinnt - die Wirecard Aktie Milliarden, zumindest aber hundert oder mehr Millionen. Was soll da ein Betrag von 200 Mio. EURO ändern? Offensichtlich sahen viele dieses Programm eher als mißglückten Ablenkungsversuch vom Wesentlichen. Jedenfalls fiel Wirecard wieder in Richtung der Tiefs, die kurz nach Bekanntwerdern der neuen Vorwürfe bei 107,50 EUR getestet wurden.

Neben Wirecard gab es letzte Woche noch einiges anderes an der Börse - Corestate, BB BioTech oder Wacker...

Neues Tagestief bei 11,65 EUR bei XETRA-Schluß

Und nur leicht im späteren Handel aufgeholt. Ein klassisches Eigentor der wohl nervös werdenden Verantwortlichen von Wirecard. Die Entwicklung läßt für Montag viele Fragen offen. Vertrauen gibt es nur für Belege, Beweise und seriöse Aufarbeitung, nicht für -blind erscheinenden - Aktionismus. Und wie will man mit einer Schaufel Sand einen brechenden Damm stopfen? Hier ist anderes nötig.

die erfolgsgeheimnisse

Kurze Chronologie der Ereignisse

Dienstag, Tag 1: DER Angriff von FT: Umsätze Wirecards seien manipuliert, Dubai Gesellschaft sei einigen der angeblichen Kunden unbekannt, die Umsätze dieser Gesellschaft zweifelhaft, interne Wirecard-Papiere lägen vor, die WP-Täuschung und wesentliche Umsatzerfindungen in Dubai und Irland wahrscheinlich erscheinen ließen. UND hier spricht die FT von wesentlichen Umsatzanteilen der Wirecard (gesprochen wird von 2016er Manipulationen) die reine Luft seien! Und Wirecard sagt dazu am selben Tag: "Wirecard weist diese Anschuldigungen von Fehlverhalten kategorisch zurück. (...)" . Der Analyst der DZ Bank beließ am Tag 1- als ERSTER STELLUNG BEZIEHEND - seine Einschätzung von Wirecard bei einem Kursziel von 185,00 EUR und scheint die FT-Aussagen als falsch zu betrachten.Er ignoriert bewust die Umsatzmanipulationsvorwürfe und urteilt so eindeutig zu Gunsten Wirecards. Die anderen Analysten hielten sich noch zurück.

Der Kurs von Wirecard brach am Tag 1 des neuen FT Angriffs erst mal auf 107,00 EUR (von 140,10 EUR am Vortag) ein und erholte sich dann wieder auf 122,75 (18:47 Uhr, Frankfurter Handel).

Mittwoch Tag 2: Es kommen von Wirecard Argumente, die offensichtlich aufgrund der anschließenden Kursentwicklung als zu allgemein, zu wenig "belegt" eingestuft. Klare Botschaft für Wirecard: Man muss mehr liefern, was man dann ja auch zusagte, aber eben erst in einigen Tagen. Die Argumentation Wirecards bezieht sich oft auf unterschiedliche  Bezeichnungen, die für Außenstehende - FT - nicht nachvollziehbar sind und so auch zu den falschen Beschuldigungen geführt hätten, kurzes Beispiel: Der Kunde x, sei nicht der Kunde x, der später gar nichts mehr über Wirecard abgewickelt hätte, sondern sei Namensgeber für eine Kundengruppe gewesen, die immer noch über Wirecard abwickle. Wie gesagt als zu schwach eingeschätzt. Wirecard muss also nachlegen im Interesse der Aktionäre und im Interesse der eigenen zukünftigen Entwicklung. Von der Analystengilde meldeten sich weitere zu Wort: Bankhaus Metzler nimmt Wirecard von der Liste der 10 aussichtsreichsten Aktien, aber belässt die Einschätzung und das Kursziel der Aktie. Übersetzt könnte (!) man meinen: Zwar glaubt man eher Wirecard als der FT, aber die charttechnische Eintrübung durch diesen abermaligen Kurssturz aufgrund von Pressemeldungen und die möglicherweise weiteren FT-Attacken, stören einfach eine "unbeeinflusste" Kursentwicklung des DAX-Wertes. Warburg sieht - könnte man deuten - den Streit zwischen FT und Wirecard als eher sportlichen Wettkampf ohne Auswirkungen auf die Einschätzung und Bewertung der Wirecard-Aktie. Independent Research nimmt das Kursziel auf 140,00 EUR zurück - auch hier eher aufgrund des "zerstörten" Chartbildes und potentieller weiterer Attacken der FT. Beim Operativen scheint man weiterhin Wirecards Zahlen zu glauben. Interessant ist, dass eigentlich bisher keiner die FT-Veröffentlichung als "Wahrheit" nimmt und Wirecard entsprechend "zusammenstreicht". Bei "überführten" Bilanzbetrügern - und die FT spricht von bis zu einem Drittel der Umsätze - würde man doch eher einen Nullwert ansetzen?

Am Tag 2 blieb nun eine richtige Kurs-Erholung in Richtung "Vorveröffentlichungskursniveaus" aus. Zuviel Unsicherheit, zuviel Angst vor weiteren Enthüllungen, ob nun wahr oder nicht, hält die Anleger ab. Erholungsversuche Richtung 125,00 EUR gingen die Luft aus. Am Ende war man wieder bei 120,00 EUR

Donnerstag, Tag 3: Interview des CEO Braun, der natürlich alles bestreitet. Wilde Spekulationen greifen Raum, wieviel wahr ist von den FT-Vorwürfen und wie relevant die Vorwürfe sind. Intern wird wohl unter Hochtouren an einer Widerlegung der FT-Aussagen gearbeitet. Man bittet um etwa sGeduld - nachvollziehbar. Die Staatsanwaltschaft München läßt sich auf jeden Fall zitieren, dass man wegen Marktmanipulation ermittle - wohl nicht wegen Bilanzbetrug? Oder sind die Ermittlungen wegen Kursmanipulation nur die eine Seite der Medaillie? HSBC senkt das Kursziel von 225,00 EUR auf "nur" ncoh 190,00 EUR, bleibt aber bei BUY, Argumente analog Independent oder Warburg wahrscheinlich. Governance Day wird angemahnt. Weitere Analysten handeln ähnlich oder halten sich noch mit Wertungen zurück.

Der Kurs am Tag 3 hielt sich leicht unter 120,00 EUR- Ruhe eingekehrt auf niedrigem Niveau.

Freitag, Tag 4: Am Freitag schießt die Financial Times wieder. Diesmal könnte man sagen "unfair": Gebetsmühlenhaft die "unanswered questions" zu wiederholen mit dem klaren Stand der Dinge, dass Wirecard erklärt hat; aufgrund der Komplexität der Fragestellungen etwas Zeit für die Einzelheiten zu brauchen, ist einfach nur provokant. Trägt eigentlich nichts zur Aufklärung bei, außer vielleicht Aufmerksamkeit und Auflage. Und um 16:04 das wirkungslose Announcement des Aktienrückkaufs.

Kurs fällt nach dem angekündigtem Rückkauf wieder tief auf 111,65 EUR (XETRA- Schluß 17:36 Uhr)

Bei diesen vielen  Einzelheiten ist nun kein Zurück mehr möglich - ENDSPIEL. Wie bereits gestern bei dem pauschalen "NEIN WIR MACHEN DAS NICHT." kann man sich nun um so mehr fragen: Wird ein DAX-Unternehmen ein solches Statement veröffentlichen, wenn ein Drittel des Umsatzes Fake ist? Wird E&Y einen solchen Umsatz ungeprüft akzeptieren und sein Testat erteilen? Wäre Wahnsinn, aber es gab ja Beispiele: Enron, Madoff, Steinhoff, Flowtex...

Und nicht vergessen, dass..

.. Tagesgeschäft bei Wirecard muss weitergehen. Natürlich ist allein der Imageschaden geschäftsschädigend und -verhindernd für Wirecard. Die gebunden Managementkapazität ist "unproduktiv" und wird bestenfalls Querschüsse zuküntig vermeiden oder unglaubwürdiger machen können. Einziges Zeichen von Normalität bei Wirecard war die Mitteilung einer neuen Kooperation mit der Schweizer Post - untergegangen im Ft-Sturm.

 

HIER: Wirecard AG Richtung Allzeithoch trotz Kursen um die 111,00 EURO? Wird immer schwieriger, je länger die "Affäre" dauert. Kostenlose Analyse für den Anleger. Klappen die 200,00 EURO noch bis Weihnachten oder überhaupt noch auf absehbare Zeit?

 


Chart: Wirecard AG | Powered by GOYAX.de

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Das Nebenwerte Magazin richtet seinen Fokus auf die Welt der deutschen Nebenwerte und hat sich zum Ziel gesetzt, Mid-Caps und Small-Caps aus Deutschland mehr in den Blickpunkt zu rücken.

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