Steyr Motors meldet für 2025, was Anleger bei einem Defense-Nebenwert sehen wollen: kräftiges Wachstum, ordentliche Margen und volle Auftragsbücher bis weit in die nächste Dekade. Gleichzeitig öffnet der Spezialmotorenbauer mit neuen Anwendungen und Regionen gleich mehrere zusätzliche Wachstumsschienen.
2025: Deutliches Wachstum und zweistellige Marge
Operativ war 2025 für Steyr Motors ein klarer Schritt nach vorn. Der Umsatz legte um 16,4 % auf 48,5 Mio. Euro zu (Vorjahr: 41,7 Mio. Euro). Wachstumstreiber waren nicht nur höhere Motoren-Stückzahlen, sondern auch Zuwächse im margenstarken Geschäft mit Ersatzteilen und Engineering-Dienstleistungen.
Beide Segmente zogen mit:
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Civil kam auf 19,6 Mio. Euro Umsatz
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Defense lag mit 28,8 Mio. Euro darüber und bleibt damit Ertragsanker
Beim Ergebnis zeigt sich die neue Größenordnung: Das EBIT erreichte 5,8 Mio. Euro, was einer EBIT-Marge von 11,9 % entspricht. Bereinigt um einmalige M&A- und Kapitalmarktkosten lag das EBIT bei 7,0 Mio. Euro – eine bereinigte Marge von 14,5 %. Für einen vergleichsweise kleinen, aber hochspezialisierten Antriebshersteller ist das ein sehr respektabler Wert und ein klares Signal: Die Effizienzprogramme entlang der Supply Chain greifen, ohne das Wachstum abzuwürgen.
Asien-Offensive: Rahmenvertrag, Joint Venture und C2-Freigabe
Strategisch besonders spannend ist der Blick Richtung Asien. Mit dem Vertriebspartner Trysun hat Steyr Motors einen mehrjährigen Rahmenvertrag für den Marine-Markt abgeschlossen – ein garantiertes Mindestvolumen von 750 Motoren bis 2030. Produziert wird zunächst in Österreich, zusätzlich entsteht über ein Joint Venture in China eine Plattform für lokale Fertigung – ohne eigene Kapitalinvestitionen.
Damit schlägt Steyr Motors gleich zwei Fliegen mit einer Klappe:
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Gesichertes Exportgeschäft mit hoher Visibilität
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Optionalität auf zusätzliches lokales Volumen über das Joint Venture
Ein Game Changer ist zudem die 2025 gemeldete C2-Emissionszertifizierung in China. Sie eröffnet nach Unternehmensangaben ein zusätzliches Absatzpotenzial von mindestens 100 Mio. Euro im weltweit größten Schiffbaumarkt – über den bisherigen Auftragsbestand hinaus. Ergänzt wird das Ganze durch neue maritime Liefervereinbarungen in Europa und Asien sowie einen wichtigen Neukunden in Indien.
Kurz gesagt: Steyr Motors positioniert sich als verlässlicher Spezialist für robuste, emissionskonforme Antriebe in Märkten, in denen Auftragseingänge oft langfristig planbar sind – ein Pluspunkt in einem sonst häufig zyklischen Umfeld.
Neue Geschäftsfelder: Mobile Energie & unbemannte Systeme
Parallel zur geographischen Expansion treibt Steyr Motors seine technologische Diversifizierung voran. Ein komplett neues Standbein entsteht im Bereich mobile Energieerzeugung. Die dafür entwickelten Aggregate sind auf missionskritische Szenarien ausgelegt – etwa Anti-Drohnen-Systeme, mobile Energieversorgung für Militär und Spezialkräfte oder Basis-Camps.
Der Serienstart ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant. Bis 2030 erwartet das Unternehmen hier einen kumulierten Umsatz von deutlich über 100 Mio. Euro. Angesichts der steigenden Nachfrage nach autarker, redundanter Energieversorgung in Sicherheits- und Verteidigungsanwendungen ist dieses Feld nicht nur technologisch, sondern auch strategisch attraktiv.
Zusätzlich schiebt sich Steyr Motors in einen weiteren Zukunftsmarkt: Antriebslösungen für unbemannte Wasserfahrzeuge (Unmanned Surface Vehicles, USV). Diese werden ohne Besatzung betrieben, teils ferngesteuert, teils autonom – und kommen bei Aufklärung, Überwachung, Patrouillen, Minenjagd und -räumung zum Einsatz. Motoren für USV sind ein klarer Spezialmarkt, in dem Zuverlässigkeit und Leistungsdichte über Vertragschancen entscheiden. Genau dort liegen traditionell die Stärken der Steyr-Technologie.
Auftragsbestand, Pipeline und M&A: Steyr denkt größer
Finanziell verschafft sich Steyr Motors zunehmend Luft für den nächsten Wachstumssprung. Der CEO spricht von einem Auftragsbestand von über 300 Mio. Euro bis Ende 2030 – bei 2025er-Umsätzen von 48,5 Mio. Euro eine beeindruckende Relation. Darüber hinaus gibt es laut Management zusätzliche, noch nicht budgetierte Opportunitäten über 500 Mio. Euro.
Heißt übersetzt:
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Das aktuelle Geschäft sichert schon heute Jahre an Auslastung.
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Gleichzeitig liegt eine beachtliche Option auf weitere Plattformen und Programme im Markt.
Neben organischem Wachstum rückt auch anorganisches Wachstum stärker in den Fokus. Steyr Motors prüft gezielt Targets mit strategischem Fit und befindet sich teils bereits in fortgeschrittenen M&A-Gesprächen. Gelingende Zukäufe in angrenzenden Technologien oder Regionen könnten die aktuelle Wachstumsstory nochmals hebeln – allerdings natürlich auch Integrationsrisiken mit sich bringen.
Ausblick 2026: Wachstumssprung mit höherer Profitabilität
Für 2026 zeichnet das Management ein ambitioniertes, aber auf Basis des Auftragsbestands durchaus realistisches Bild:
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Umsatz: geplant 75–95 Mio. Euro (nach 48,5 Mio. Euro in 2025)
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EBIT-Marge: mindestens 15 %
Treiber sollen vor allem sein:
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Intensivierte Vertriebs- und Projekttätigkeit in Asien, MENA und Nordamerika
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Die schrittweise Skalierung des neuen Geschäfts mit mobilen Energieaggregaten
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Die Erweiterung der Aktivitäten im Bereich unbemannter Wasserfahrzeuge
Hinzu kommt der geplante Rückenwind aus M&A-Transaktionen, die bereits 2026 vollzogen werden sollen. Die Mittelfristprognose für 2027 bleibt unverändert – ein Hinweis darauf, dass die aktuelle Planung nicht auf kurzfristige Sondereffekte, sondern auf einem belastbaren, mehrjährigen Wachstumspfad basiert.
Einordnung für Anleger
Steyr Motors liefert aktuell vieles, was Investoren in einem Defense-orientierten Nebenwert suchen:
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Klares Wachstum mit zweistelligen Raten
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Anständig zweistellige Margen, mit Potenzial für mehr
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Hohe Visibilität dank langfristiger Verträge und Rahmenvereinbarungen
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Strategische Hebel über neue Geschäftsfelder und mögliche Akquisitionen
Auf der anderen Seite bleibt das übliche Risikoprofil: Abhängigkeit von Verteidigungsbudgets, Projektverzögerungen (wie bereits erlebt), mögliche Anlaufkurven bei neuen Produkten sowie Integrationsrisiken bei M&A.
Wer jedoch auf einen wachstumsstarken Spezialwert im Schnittfeld von Defense, Marine-Antrieben, mobiler Energie und unbemannten Systemen setzt, dürfte Steyr Motors zunehmend auf dem Radar haben – zumal sich die Story mehr und mehr von der reinen Motorenlieferung hin zu einem breiteren Technologie- und Plattformanbieter entwickelt.














