Stabilus ist mit Gegenwind ins Geschäftsjahr 2026 gestartet. Im ersten Quartal (bis 31. Dezember 2025) sank der Konzernumsatz von 326,0 Mio. € auf 291,1 Mio. € – ein Rückgang um 10,7 %.
Rund 3,7 Prozentpunkte davon sind auf negative Währungseffekte zurückzuführen, insbesondere den schwächeren US-Dollar. Organisch lag das Minus bei 7,0 %, vor allem wegen eines deutlich schwächeren Geschäfts in China und der anhaltenden Schwäche im Automotive-Bereich.
Das operative Ergebnis bekam die Marktlage ebenfalls zu spüren: Das bereinigte EBIT fiel auf 29,3 Mio. € (Vorjahr: 37,8 Mio. €), die bereinigte EBIT-Marge von 11,6 % auf 10,1 %. Der Gewinn halbierte sich nahezu auf 8,1 Mio. € (Vorjahr: 14,3 Mio. €).
CEO Dr. Michael Büchsner betont dennoch den Kurs: Trotz schwierigem Umfeld, insbesondere im chinesischen Automobilmarkt, halte man das 2023 gestartete Transformationsprogramm konsequent auf Spur – und kürze bewusst nicht bei Zukunftsprojekten. Neue Produkte mit hohem Marktpotenzial sollen die Basis für den nächsten Aufschwung legen.
Regionen im Fokus: EMEA stabil, APAC schwach, Americas unter Dollar-Druck
Regional zeigt sich ein deutlich differenziertes Bild:
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In EMEA blieb der Umsatz mit 123,6 Mio. € praktisch stabil (Vorjahr: 125,4 Mio. €). Gleichzeitig kletterte die bereinigte EBIT-Marge von 8,9 % auf 10,8 % – ein sichtbarer Erfolg der Kosten- und Effizienzprogramme.
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In der Region Americas ging der Umsatz auf 107,2 Mio. € zurück (Vorjahr: 113,7 Mio. €). Die Marge brach allerdings auf 4,7 % ein (Vorjahr: 8,5 %). Hauptgründe: Währungseffekte und höhere Personalkosten.
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Am schwierigsten bleibt die Lage in APAC: Der Umsatz sackte von 86,9 Mio. € auf 60,3 Mio. € weg, belastet vor allem durch das schwache China-Geschäft im Automotive-Bereich. Die Marge blieb mit 18,1 % zwar hoch, lag aber unter dem Vorjahreswert von 19,4 %.
CFO Andreas Jaeger verweist darauf, dass Stabilus in EMEA die Profitabilität steigern konnte und in APAC trotz deutlichem Umsatzrückgang noch immer zweistellige Margen erzielt. Gleichzeitig sei es gelungen, den bereinigten Free Cashflow deutlich zu verbessern – ein wichtiges Signal für einen zyklischen Wert.
Branchenmix: Aerospace als Lichtblick, Auto segelt weiter im Gegenwind
Nach Marktsegmenten zeigt sich klar, wo es läuft – und wo nicht:
Aerospace, Marine & Rail (AMR) legte im Quartal beim Umsatz um 16 % zu und wurde zum Lichtblick im Portfolio. In allen anderen Segmenten dagegen mussten Rückgänge hingenommen werden:
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Energy & Construction (EC): Umsatzrückgang um 30 %,
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Automotive (AGS und APR): Minus von 14 %,
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Industrial Machinery (IMA): Rückgang um 10 %.
Die Rückgänge wurden teils durch Währungseffekte verschärft. Organisch war das Industriegeschäft insgesamt deutlich robuster als Automotive – ein Hinweis darauf, dass Stabilus mit seiner Diversifikation in Non-Auto-Anwendungen richtig liegt, aktuell aber noch stark an der Fahrzeugkonjunktur hängt.
Auf Ebene der Geschäftseinheiten zeigt sich dasselbe Bild:
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Automotive Powerise: Umsatz -14,8 % auf 85,6 Mio. €,
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Automotive Gas Spring: -12,7 % auf 73,6 Mio. €,
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Industrial Components: moderater Rückgang um 4,1 % auf 92,3 Mio. €,
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Industrial Automation (u. a. Destaco): -12,0 % auf 39,6 Mio. €.
Gerade im Automotive-Bereich spürt Stabilus die Kombination aus schwächerer Nachfrage, Preisdruck und regionalen Einbrüchen – allen voran in China.
Margendruck, aber Cashflow stark – Transformation zeigt Wirkung
Trotz rückläufiger Umsätze und sinkender Marge liefert Stabilus eine Zahl, die Investoren aufhorchen lässt: Der bereinigte Free Cashflow sprang im ersten Quartal von 8,9 Mio. € auf 23,9 Mio. €.
Das zeigt:
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Working-Capital-Management und
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Kostendisziplin
greifen – und die Gruppe ist klar auf Ergebnisqualität und Cashflow ausgerichtet, nicht nur auf Umsatzvolumen.
Die bereinigte EBIT-Marge von 10,1 % liegt zwar unter Vorjahr, aber weiterhin im zweistelligen Bereich – im Rahmen dessen, was Stabilus als Zielkorridor für das Gesamtjahr ausgibt.
Das im September gestartete Transformationsprogramm soll die Resilienz weiter erhöhen: Straffere Strukturen, Effizienzsteigerungen und Portfolio-Arbeit sollen Stabilus unabhängiger vom volatilen Automotive-Zyklus machen, ohne die Entwicklungs-Pipeline auszutrocknen.
Prognose bestätigt: Kann Stabilus die Kurve kriegen?
Trotz des schwachen Starts hält das Management an der Jahresprognose für 2026 fest:
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Umsatz: weiterhin 1,1 bis 1,3 Mrd. €,
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bereinigte EBIT-Marge: 10 % bis 12 %,
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bereinigter Free Cashflow: 80 bis 110 Mio. €.
Damit setzt Stabilus ein bewusstes Zeichen: Das erste Quartal war schwierig, aber aus Sicht des Vorstands kein Grund, die Jahresziele einzukassieren. Entscheidend wird sein, ob sich die Automotive-Nachfrage im Laufe des Jahres stabilisiert und ob das Industriebusiness – insbesondere AMR und ausgewählte Industriekunden – die Schwäche im Autogeschäft ausreichend kompensieren können.
Für Anleger bleibt Stabilus ein klassischer Zykliker mit Qualitätsanspruch:
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Der Start ins Jahr 2026 ist ernüchternd,
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die Margenbasis und der Cashflow sind jedoch intakt,
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das Transformationsprogramm und der Fokus auf Non-Auto-Anwendungen bieten mittelfristig Chancen.
Kurzfristig dürfte die Aktie stark von jeder neuen Indikation zur Auto- und China-Nachfrage abhängen. Wer an einen zyklischen Rebound glaubt und auf Unternehmen mit solider Cashflow-Steuerung setzt, behält Stabilus auf der Watchlist – mit der klaren Erkenntnis, dass der Weg durch das Jahr 2026 holprig, aber planbar bleiben könnte.














