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Die vergangene Saison war für Borussia Dortmund sportlich gesehen eine mit mehr Tiefen als mit Höhen. Zwar konnte das Team von Ex-Trainer Jürgen Klopp am Ende mit dem Erreichen des Pokalfinales und dem siebten Platz in der Bundesliga noch einen einigermaßen versöhnlichen Abschluss finden, doch wird sich die verkorkste Saison vor allem auf das laufende Geschäftsjahr belastend auswirken.

Die jetzt vorgelegten vorläufigen Zahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr und das negative Gesamtumfeld an den Börsen drückten die Aktie zuletzt von 4,05 EUR wieder auf aktuell 3,86 EUR (-4,69%). Der gelungene Start in die neue Saison gibt den schwarzgelben Aktionären dennoch wieder Hoffnung auf bessere Zeiten.


Umsatz und EBITDA steigen, Gewinn schmilzt

Die vorläufigen Zahlen, die der BVB am vergangenen Freitag veröffentlicht hat, sind weniger schlimm, als das der sportliche Verlauf der vergangenen Saison hätte annehmen lassen können. Der Grund dafür ist in erster Linie darin zu finden, dass sich das Verpassen der Qualifikation für die Champions League (CL) erst in der laufenden Saison negativ auf der Einnahmeseite auswirken wird.

So hat der BVB den Umsatz von 260,7 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2013/2014 auf nunmehr 276 Mio. EUR gesteigert. Ein Plus von 5,87%. Und auch das EBITDA erhöhte sich um 13,24% auf 55,6 Mio. EUR (2013/2014: 49,1 Mio. EUR). Der Umsatz aus dem Spielbetrieb war dabei mit 39,9 Mio. EUR nur leicht rückläufig. Zuwächse gab es hingegen bei der TV-Vermarktung, der Werbung, dem Transfer, Catering und vor allem beim Merchandising.

Hinzu kam ein deutlicher Zugewinn bei den Sonstigen Erträgen: Um 11,8 Mio. EUR stiegen sie auf insgesamt 17 Mio. EUR (Vorjahr: 5,2 Mio. EUR). Hier schlugen vor allem die Entschädigungen aus der Versicherungspolice wegen der verpassten CL-Qualifikation zu Buche.

Trotz dieser positiven Zahlen musste Borussia Dortmund für das letzte Geschäftsjahr dennoch einen Gewinnrückgang von 6,5 Mio. EUR auf 5,5 Mio. EUR (Vorjahr: 12 Mio. EUR) vermelden. Allerdings ist der um über 51% geschrumpfte Gewinn zu einem großen Teil (4,3 Mio. EUR) mit den einmaligen Sondereffekten zu erklären, die durch die Ablösung sämtlicher Kreditverpflichtungen entstanden sind. Weiterhin ergebnisbelastend hat sich aber auch das relativ frühe Ausscheiden im Achtelfinale der CL gegen Juventus Turin ausgewirkt. Ein Jahr zuvor hatte es der BVB noch bis ins Viertelfinale geschafft.  

 


Kann die Europa League den Wegfall der CL-Einnahmen kompensieren?

Noch hat der BVB die Gruppenphase für die Europa League (EL) nicht erreicht, aber es sieht nach der 4-3 Aufholjagd gegen Odds BK aus Norwegen ganz gut aus. Vor allem weil die Mannschaft mit ihrem neuen Trainer Thomas Tuchel sehr gut in die Bundesligasaison gestartet ist. Mit zwei 4-0 Siegen stehen die Schwarz-Gelben seit langer Zeit mal wieder auf Platz 1 der Liga.

Keine Frage, die Teilnahme an der EL ist für den BVB sportlich wie auch finanziell absolut wichtig. Fraglich hingegen bleibt jedoch, inwieweit die EL die entgangenen Einnahmen aus der verpassten CL-Qualifikation kompensieren kann. Denn die finanziellen Anreize in der EL sind bei weitem nicht so, wie im höchsten europäischen Wettbewerb.

Dazu reicht ein Blick auf die Einnahmen des BVB aus der vergangenen CL-Spielzeit. Trotz des vorzeitigen Ausscheidens im Achtelfinale kassierte Dortmund insgesamt 44,65 Mio. EUR. Darin enthalten sind sämtliche Prämien, Gelder aus der TV-Vermarktung und Zuschauereinnahmen. Im Vergleich dazu nahm der VFL Wolfsburg letztes Jahr in der EL gerade einmal rund 12,5 Mio. EUR ein, wobei die Wölfe bis ins Viertelfinale des Wettbewerbs kamen. Dies macht die finanziellen Unterschiede in den beiden Wettbewerben ziemlich deutlich.


Es liegen Welten zwischen CL und EL

Und dieses Jahr wiegt das Scheitern der CL-Qualifikation noch schwerer, denn die UEFA hat die Prämien für die CL noch einmal drastisch erhöht. Allein die Startprämie beträgt statt der bisher gezahlten 8,6 Mio. EUR nun 12 Mio. EUR. Für jeden Sieg in der Gruppenphase winken darüber hinaus weitere 1,5 Mio. EUR (bisher: 1 Mio. EUR), für ein Unentschieden gibt es nach wie vor 500.000 EUR.

Wer es, wie der BVB im letzten Jahr, bis ins Achtelfinale schafft, erhält dafür nun 5,5 Mio. EUR, 2 Mio. mehr als noch in der Saison 2014/2015. Im Viertelfinale bekommt jeder Verein noch einmal 6 Mio. EUR (bisher: 3,9 Mio. EUR). Die vier Halbfinalisten können sich eine Prämie von je 7 Mio. EUR (bisher: 4,9 Mio. EUR) einstreichen und der Sieger des Finales nimmt neben dem Pokal auch noch mal eben 15 Mio. EUR (bisher: 10,5 Mio. EUR) mit nach Hause. Auch der Verlierer muss sich nicht ärgern, er erhält statt der bisher 6,5 Mio. EUR satte 10 Mio. EUR.

Damit ist die CL im wahrsten Sinne des Wortes finanziell ganz unbestritten die Königsklasse. Im Vergleich dazu wirken die ebenfalls angehobenen Prämien der EL recht niedrig. Sollte der BVB die Qualifikation überstehen und in die Gruppenphase einziehen, winken zunächst einmal 2,4 Mio. EUR als Startprämie, fast 10 Mio. EUR weniger als es in der CL gewesen wären.

Für jeden Sieg würde der BVB 360.000 EUR und für jedes Unentschieden 120.000 EUR erhalten. Sollten die Borussen die Zwischenrunde erreichen, bekommen sie noch einmal 500.000 EUR. Für das Erreichen des Achtelfinales gibt es 750.000 EUR. Schafft es der BVB bis ins Viertelfinale, so winken 1 Mio. EUR und im Halbfinale 1,5 Mio. EUR. Gewinnt Dortmund die EL dann würde man 6,5 Mio. EUR kassieren. Als Verlierer des Finales würde man immerhin 3,5 Mio. EUR einfahren.


Tuchel-Faktor hat Aktie angeschoben

Anfang Juli 2014 notierte die Aktie des BVB bei 5,10 EUR. Im Verlauf der völlig verpatzten Saison 2014/2015 rutschte der Kurs bis Mitte Juni 2015 auf 3,21 EUR und verlor somit binnen knapp eines Jahres 37% ihres Börsenwerts.

Die erfolgreiche Ära Klopp ging in der letzten Saison zu Ende und der Kulttrainer machte Platz, damit ein anderer kommen konnte, um den sportlichen Erfolg zurück in den Signal-Iduna-Park zu holen. Thomas Tuchel, so scheint es, hat bereits etwas bewegt. Zumindest an der Börse. Die BVB-Aktie stieg seit seinem Amtsantritt bis auf 4,11 EUR und legt somit innerhalb von sechs Wochen 28% zu. Die ersten sportlichen Erfolge bestätigen die zum Amtsantritt geschürte Hoffnung, dass er den BVB wieder zu einem Top-Team der Liga machen könnte.

Auch wenn der Kurs in den letzten Tagen vom negativen Börsenumfeld auf aktuell 3,86 EUR mit runtergezogen wurde und die mit den vorläufigen Zahlen veröffentlichte Ankündigung einer Halbierung der Dividende auf 0,05 EUR je Aktie nicht unbedingt auf allgemeine Begeisterung traf, so könnte sich die Aktie im Falle einer weiterhin positiven sportlichen Entwicklung unter Tuchels Führung mittelfristig doch wieder oberhalb der 4 EUR-Marke etablieren.

Was es für den BVB finanziell bedeutet, die CL-Qualifikation nicht erreicht zu haben, wird sich erst am Ende der Saison aufrechnen lassen. Schließlich ist der daraus resultierende Fehlbetrag abhängig davon, ob der BVB die Qualifikation für die EL gegen Odds BK schafft und wie weit die Mannschaft in der EL kommt. Allerdings bleibt es hypotethisch, wie weit das Team in der CL gekommen wäre. Alles in allem ist es jedoch unwahrscheinlich, dass die Einnahmen aus der EL und die ausgezahlte Entschädigung aus der Versicherung die verpassten Einnahmen aus der CL annähernd kompensieren können.

Umso wichtiger ist es, dass der BVB in der laufenden Saison wieder einen CL-Qualifikationsplatz erreicht. Wenn das gelingt, dürfte auch die Aktie in andere Gefilde steigen.

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