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Steinhoff International Holdings NV (ISIN: NL0011375019) hält sich brav an seine Verpflichtungen, die Öffentlichkeit über den Stand auf den – weniger gewordenen – Baustellen des Konzerns zu informieren.

Die Stillhalteabkommen zwischen den diversen Steinhoff Entities aus Europa (und nur aus Europa) und den Kreditgebern oder besser gesagt Forderungsinhabern zwingen zur monatlichen Updateberichterstattung seit dem 11. Juli 2018. „In accordance with the Company's reporting obligations under paragraph (e) of clause 20 of the lock-up agreement between, among others, the Company, (…) and certain creditors, dated 11 July 2018 (the "LUA"), please see below the monthly update on progress in connection with the corporate and capital restructuring of the Group's European business.“

Umschuldung der Anleihen


Nachdem bereits im letzten Jahr eine breite Zustimmung zu den Umschuldungsplänen bei den Anleihegläubigern erzielt werden konnte, werden nun die von LSW erreichten weiteren Zugeständnisse der Steinhoffden Gläubigern zur endgültigen Entscheidung vorgelegt. Hoffentlich zum letzten Mal mit einer entsprechend breiten Zustimmung, um diese Baustelle endgültig zu beseitigen. Als (Zwischen-)Frist ist der 31. Mai genannt. Reicht.„Whilst a number of the Omnibus Proposed Amendments are minor, technical or administrative in nature, certain of them will require the approval of the certain majorities of relevant creditors. SEAG and SFHG are in the process of finalising the Omnibus Proposed Amendments and it is anticipated that SEAG and SFHG will request the relevant consents by way of a separate CVA consent request in due course.“

Belohnungen – aber wie

Steinhoff hat klargestellt im letzten Monat unter welchen Bedingungen und in welchen Fristen zugesagte Stillhalteprämien und Unterstützungs-„belohnungen“ an die Forderungsinhaber ausgezahlt werden. Insbesondere wurden die Compliance relevanten KYC-formulare benannt und den entsprechnden Agenturen uberstellt. KYC-Formulare enthalten die relevanten Angaben eines Kunden respektive Anspruchsberechtigten. Dh. Die Ansprüche der Kreditgeber, die der Gesellschaft die Luft zum Atmen gelassen haben durch entsprechende freiwillige Stillhalteabkommen, erhalten ihre Belohnungen erst nach einer Überprüfung. Lästig aber professionell und üblich. Auch wenn der fade Beigeschmack des Spielens auf Zeit entstehen könnte.

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Liquidität auf Holdingebene

Die Gesellschaft ist sich hier bewust, dass die Kapitalflüsse und die zukünftigen Entwicklungen genau betrachtet und antizipiert werden müssen, um potentielle Liquiditätsengpässe zu vermeiden. „The Company continues to actively monitor cash flows and manage other liabilities (including contingent claims, tax and bilateral facilities) as well as funding needs that may arise at the subsidiary level.“

Conforama -  wieder liquide

Am 15. April konnte die Steinhoff Gruppe die Liquidität der Conforama Gruppe zumindest mittelfristig sichern.

Rechtsstreitigkeiten

Hier wird nochmals auf das Stillhalteabkommen mit den Klageführern in den Niederlanden bis zum 15. Mai verwiesen: „As announced on 2 April 2019, the Company and investment group VEB/European Investors have agreed to extend the suspension of the collective action between them in The Netherlands until 15 May 2019.“

Weiterhin relevant ist der Antrag, der Handelskammer Amsterdam gestellt wurde, der die Ernennung eines Ermittlers und weiterhin eines neutralen Boardmitglieds fordert. Zweiteres um die aktuelle Informationspolitik des Unternehmens auf Korrektheit zu überprüfen. Dieser Wunsch wurde von einer Aktionärsgruppe gestellt und wird am 23. Mai im Rahmen einer Anhörung bei der Handelskammer wohl entschieden werden. „Separately, as announced on 21 February 2019, the Company has received a petition by a group of shareholders for inquiry proceedings before the Enterprise Chamber of the Amsterdam Court of Appeal (the "Enterprise Chamber"). The petition includes a request to appoint an Investigator as well as an additional member of the Supervisory Board of the Company whose role will include oversight that information is provided to shareholders adequately and in the context of any inquiry to be ordered by the Enterprise Chamber. A hearing is scheduled to take place on 23 May 2019.“

Ausstehende Bilanzen

Hier steht man bei Steinhoff immer noch nicht zu 100% zu den bereits mehrfach korrigierten Terminen. Man verweist auf die Schwere und Komplexität der Materie und kommt immer noch nur zu einer GESCHÄTZTEN Terminnennung, also niemand sollte sich über eine weitere Verschiebung wundern. Genannt werden der 7. Mai für die 2017er Bilanz, der 18. Juni für die 2018er Bilanz und vorläufig der 28. Juni für die untestierten Zwischenergebnisse 2019, die natürlich von der Terminierung der Vorjahresbilanzen abhängen und – zu erwarten – verschoben werden. Unken sei hier erlaubt. „As announced on 5 April 2019, whilst substantial progress has been made towards finalising the Company's financial statements for financial years 2017 and 2018, incorporating the outputs from the PwC forensic investigation have proved to be exceptionally complex and time consuming from both an accounting and audit perspective. In light of this, and despite significant efforts being exerted by all parties, the Company now estimates that it will publish its consolidated financial statements on the following dates(…).“

Corporate Governance

Um zukünftig dem Kapitalmarkt als glaubwürdiger Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen, wurde im Rahmen der Neuaufstellung der Managementstruktur der Steinhoff Gruppe die neue Funktion des „Chief Compliance and Risk Officers“ geschaffen. Ernannt wurde Louis Strydom für diese Position mit Wirkung zum 1. Juli 2019. Spät aber immerhin.

Weiterhin trennte man sich Knall auf Fall von Alexandre Nodale. Fast wie im Krimi. Seine Position  als „Deputy CEO“ auf Konzernebene, bei Ausbruch der Bilanzkrise geschaffen, wird jedenfalls nicht mehr neu besetzt. Überflüssig durch den neuen CEO Louis du Preez, der am 1. Januar 2019 seine Position antrat.“The post of Deputy CEO was created in the aftermath of the discovery of accounting irregularities at the Group in late 2017. With the financial restructuring of the Group entering its final stages, and with Louis du Preez in post as permanent CEO with effect from 1 January 2019, the Group does not expect to appoint a new Deputy CEO to its Management Board.“

Auch sind in naher Zukunft weitere neue Namen zu erwarten, um vakante Positionen in der Holding und in Zwischenholdinggesellschaften neu zu besetzen. Hier scheint man schon in fortgeschrittenen Verhandlungen zu sein. Wobei es bestimmt nicht leicht sein wird hierfür die erste Garde zu akquirieren. Bis jetzt kennt man ja nicht einmal die wirklichen Geschäftszahlen der Jahre 2017 oder 2018 – fast ein Vabanque Spiel.

Managementschwerpunkte

Steinhoff definiert selber die Hauptaufgaben für das Management wie folgt. Endgültiger Abschluss der Umschuldungsabkommen der Anleihengläubiger und Umsetzung. Nach Klärung der letzten Widerstände (Stichwort LSW) dürfte dieses möglich und kurzfristig umsetzbar sein. Insbesondere gab es ja bereits Mehrheitsvoten für die Vorschläge der Steinhoff, die nun sogar zu Gunsten der Gläubiger verändert wurden. „Obtaining consent to the amendments and modifications to the SEAG CVA and the SFHG CVA ahead of launch of the implementation process and otherwise planning for the implementation of the Restructuring.“
Weiter geht es darum die neuen Mitglieder des Managements in den Restrukturierungsprozess einzubinden und mit ihm vertraut zu machen.

Aufrechterhaltung und Steuerung der begonnen Stabilisierung der Gruppe inclusive Controlling und Früherkennung möglicher Liquiditätslücken aus dem fortgeführten operativen Geschäft. „Maintaining stability across the Group and managing the ongoing operations of the Group, including actively monitoring cash flows, supporting operating performance, managing other liabilities and funding needs that arise at the operating company level.“

Abliefern der - von PWC verantworteten - revidierten und neu-testierten Jahresabschlüsse 2017 und 2018. Inclusive der Auswertung der Ergebnisse, um für die Steinhoff Gelder zurück zu fordern, die entzogen wurden.

Enger Austausch mit allen Anspruchsgruppen, insbesondere Schadensersatzforderungen betreffend, und Aufsichtsbehörden sei essentiell für die Zukunft der Gesellschaft.

Der Bericht schließt, wie immer in den letzten Monaten mit dem wohl für viele zu spät kommenden Rat: „Shareholders and other investors in the Company are advised to exercise caution when dealing in the securities of the Group.“

In diesem Sinne: Es bleibt weiter spannend. Insbesondere darf man gespannt sein, ob es dem Management gelingt, die Gläubiger und die -mit großer Wahrscheinlichkeit siegenden – Kläger aus dem Kreis der Aktionäre und Anleihegläubiger, davon zu überzeugen, dass ein Komplettkonzern Steinhoff International Holding NV mehr Wert für die Anspruchsgruppen liefert, als eine weitere Filetierung des Konzerns und – unter weniger Druck als bisher – Veräußerung der Einzelteile. Nur wenn dieses gelingt könnte die Wette der derzeitigen Aktionäre auf eine operative Besserung und Sanierung der Steinhoff International Holding NV mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit aufgehen. Selbst für diesen Fall ist aber immer noch eine Verwässerung durch Aktienausgabe an Anspruchsinhaber zu fürchten, vergleiche Modell der Mattres.

Gestern (29.04.2019 / Handelsende Uhr) notierten die Aktien der Steinhoff International Holdings AG im Xetra-Handel bei 0,1240 EUR.


Chart: Steinhoff International Holdings NV | Powered by GOYAX.de

Weitere Informationen

  • ISIN: NL0011375019

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