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Steinhoff International Holdings NV (ISIN: NL0011375019) hat nicht nur das Problem gefälschter Bilanzzahlen, sondern auch operative Defizite. Oder vielleicht weil operativ einiges im Argen lag, kam es zu Bilanzfälschungen? Deshalb wurde die Aktie zum Pennystock.

Symptomatisch für Steinhoff International Holdings NV ist die Geschichte der amerikanischen Tochtergesellschaft Mattres Firm Inc.: Wir haben uns einmal die Umstände angesehen, die dazu führten, dass die amerikanische Beteiligung Mattres Firm Inc., 100%ige Tochter der Steinhoff International Holdings NV im "Chapter Eleven Verfahren"  ist. Das Chapter Eleven ist am ehesten vergleichbar mit einem Insolvenzverfahren in Eigenregie.

Gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass Steinhoff am 14. September 2016 meldete: "Steinhoff (FRANKFURT: SNH) today announced the successful consummation of its previously announced $64.00 per share cash tender offer for all of the outstanding shares of common stock of Mattress Firm Holding Corp. (...)" Hiermit war das spätere Delisting und die vollständige Verschmelzung der Mattres Firm Holding Corp. auf eine Steinhoff Tochter für rund 3,8 Milliarden USD besiegelt.

Zweifellos verursachte das damalige Rebranding der Stores immense einmalige Kosten nach der Übernahme durch Steinhoff.  Und Mattres musste gleichzeitig eine gewaltige Übernahme selbst noch stemmen. Man hatte nämlich vor Steinhoffs Kauf selber noch rund 1000 Filialen von Sleepy's zu integrieren. Jedenfalls verbrannte Mattres seit der Übernahme rund weitere 500 Millionen USD an Cash, die an anderer Stelle der Steinhoff International Holdings NV dann fehlten.

War es absehbar?

Heute steht fest, dass Mattres mit seinen am Ende 3230 Filialen stellenweise eigene Stores kannibalisierte und ein zu dichtes Netz an Geschäften führte. Als erster Schritt sollen nun mindestens 20% der Stores geschlossen werden, dank Chapter Eleven relativ günstig.

Mattres war bei Übernahme durch Steinhoff eine gehebelte Gesellschaft mit 1,3 Mrd. USD Nettoschulden, Mietverpflichtungen von 2,7 Mrd. USD und 60% der Assets in der Bilanz bestanden aus Good Will - resultierend aus dem wilden Einkaufsrausch des Mattres Managements vor der Übernahme durch Steinhoff. Ob diese Bilanz eine Übernahmeofferte mit einer Prämie von 115% rechtfertigte könnte man hinterfragen,

Intern wurde festgestellt, dass im großen Umfang Mitarbeiter der Mattres Firm Inc. in einem quasi verstetigtem jahrelang fortgeführten Betrugssystem die Firma geschädigt haben. Die laufende rechtliche Verfolgung wird wohl nicht zu nennenswerten Rückflüssen führen. Hier haben offensichtlich Kontrollen oder die Revision über einen langen Zeitraum nicht funktioniert.

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Das von Steinhoff eingesetzte Management, welches den Firmengründer und CEO Steve Stagner nach der Übernahme ablöste, soll einen Großteil der Verluste zu verantworten haben. Jedenfalls besserten sich die Zahlen der Mattres Firm Inc. nach Rückkehr des CEO's Stagner im Januar 2018 erkennbar.

Was wird draus?

Bisher musste Steinhoff bereits 1,9 Mrd. USD auf die Beteiligung abschreiben. Weitere Abschreibungen sind mehr als wahrscheinlich. Gründe, neben dem möglichen Scheitern der Sanierung: Steinhoff verzichtet zukünftig auf 49,9% der Beteiligung einer (überlebenden) Mattres Firm Inc., um eine Finanzierungslinie der Gläubiger zum Fortbestehen der Gesellschaft zu erhalten:  "On emergence from Chapter 11, the Exit Term Loan lenders (the “ETL Lenders”) will receive 49.9% of the equity in Stripes US Holding, Inc. (“SUSHI”) or  Mattress Firm Holdco, Inc. (the “Issuing MF Company”) at no cost (with the Group retaining a 50.1% equity interest (held by the “Group Shareholder”), together with  related shareholder rights including governance rights (see below) and, subject to customary terms and conditions, sale rights with the ability to bring-along a pro rata portion of the Group’s retained equity interest." Zusätzlich erhält 10% einer (überlebenden) Mattres Firm Inc. das neue Management als Erfolgsprämie, sollte die Mattres Firm Inc. erfolgreich das Insolvenzverfahren verlassen.

Zusammengefasst: Unserer Meinung nach bleiben bestenfalls vielleicht 10% von 3,8 Mrd. Dollar übrig für die Steinhoff International Holdings NV oder deren Gläubiger. Die Misere der Steinhoff hat offensichtlich viele Gründe, nicht nur Bilanzfälschungen, sondern auch Missmanagement. wir werden weitere Beteiligungen der Steinhoff International Holdings NV in der nächsten Zeit näher betrachten.


Chart: Steinhoff International Holding N.V. | Powered by GOYAX.de

Weitere Informationen

  • ISIN: NL0011375019

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