Mutares setzt seine Exit-Strategie konsequent fort. Die Beteiligungsgesellschaft verkauft die NEM Energy Group an die südkoreanische Hyundai Heavy Industries Power Systems. Finanzielle Details bleiben zwar unter Verschluss, doch eine Aussage des Managements lässt aufhorchen: Der Verkauf soll einen bedeutenden Beitrag zur Guidance für das laufende Geschäftsjahr leisten.
Damit liefert Mutares einen weiteren Beleg für das eigene Geschäftsmodell: Unternehmen übernehmen, operativ transformieren, strategisch neu positionieren – und anschließend möglichst gewinnbringend veräußern.
NEM Energy geht an südkoreanischen Käufer
Mutares hat die NEM Energy B.V. sowie deren Tochtergesellschaft NEM Balcke-Dürr GmbH an Hyundai Heavy Industries Power Systems verkauft.
Der Käufer gehört zur börsennotierten südkoreanischen MiCo Ltd. Über den Kaufpreis und weitere finanzielle Details haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.
Damit fehlt Anlegern zwar die wichtigste Kennzahl zur unmittelbaren Bewertung des Exits. Die Aussagen von Mutares zum Ergebnisbeitrag sind dennoch bemerkenswert.
CIO Johannes Laumann bezeichnet die Transaktion als wichtigen Meilenstein und stellt ausdrücklich einen bedeutenden Beitrag zur Guidance des laufenden Geschäftsjahres in Aussicht.
Von Siemens Energy übernommen – jetzt folgt der Exit
Interessant wird die Transaktion vor allem mit Blick auf die Historie.
Mutares hatte NEM Energy erst im Dezember 2022 im Rahmen eines Carve-outs von Siemens Energy übernommen.
Das Unternehmen musste anschließend aus dem ehemaligen Konzernverbund herausgelöst und als eigenständige Plattform positioniert werden – genau jene Art von Transaktion, auf die Mutares spezialisiert ist.
In weniger als vier Jahren wurde NEM laut Mutares operativ gestärkt, strategisch neu ausgerichtet und nachhaltig profitabel aufgestellt.
Nun folgt die Veräußerung an einen strategischen Käufer.
Damit entspricht NEM nahezu idealtypisch dem Mutares-Modell.
Transformation scheint aufgegangen zu sein
Während der Beteiligungsphase wurde nicht nur die operative Struktur verbessert.
Mutares investierte nach eigenen Angaben auch in einen neuen Go-to-Market-Ansatz. Das Resultat ist eine starke Projektpipeline und eine international diversifizierte Kundenbasis.
NEM Energy beschäftigt rund 470 Mitarbeiter in den Niederlanden, Deutschland und Indien.
Das Unternehmen ist auf Wärmeübertragungstechnologien spezialisiert und besitzt starke Marktpositionen bei Abhitzedampferzeugern, Abgas- und Umlenksystemen sowie Wärmetauscherlösungen.
Zu den Kunden gehören Unternehmen aus Energieerzeugung, Öl & Gas, Industrie und Kernenergie sowie aus verschiedenen Bereichen der Energiewende.
Damit befindet sich NEM in Märkten, die von steigender Energienachfrage, Versorgungssicherheit und dem Umbau der weltweiten Energieinfrastruktur profitieren.
Strategischer Käufer dürfte kein Zufall sein
Mit Hyundai Heavy Industries Power Systems übernimmt kein klassischer Finanzinvestor, sondern ein strategischer Käufer die NEM Energy Group.
Das ist für Mutares grundsätzlich interessant.
Strategische Käufer können bei einer Beteiligung andere Synergiepotenziale realisieren als Finanzinvestoren und deshalb unter Umständen bereit sein, entsprechende strategische Bewertungen zu bezahlen.
Ob dies auch beim NEM-Verkauf der Fall ist, lässt sich allerdings nicht beurteilen, da Mutares keinerlei Angaben zum Kaufpreis macht.
Die industrielle Logik der Transaktion erscheint dennoch nachvollziehbar: NEM verfügt über Technologien und Kundenbeziehungen in einem Energiemarkt, in dem weltweit hohe Investitionen in Erzeugungskapazitäten, Effizienz und Versorgungssicherheit notwendig sind.
Entscheidende Zahl bleibt geheim
Für Aktionäre gibt es bei der Meldung allerdings einen wesentlichen Haken: Der Verkaufspreis wurde nicht veröffentlicht.
Damit lässt sich weder der erzielte Multiple noch der konkrete Veräußerungsgewinn aus den veröffentlichten Angaben ableiten.
Gerade bei einer Beteiligungsgesellschaft wie Mutares wäre diese Information besonders interessant. Schließlich entsteht ein wesentlicher Teil des Aktionärswerts erst beim erfolgreichen Verkauf einer zuvor restrukturierten Beteiligung.
Umso wichtiger ist deshalb die Formulierung des Managements, wonach die Transaktion einen bedeutenden Beitrag zur Jahres-Guidance leisten soll.
Das deutet zumindest darauf hin, dass NEM für Mutares kein unbedeutender Portfolioverkauf ist.
Exit beweist erneut das Mutares-Modell
Der Verkauf ist auch strategisch wichtig.
Mutares kauft typischerweise Unternehmen oder Unternehmensteile in Sondersituationen, häufig im Rahmen komplexer Carve-outs. Anschließend sollen diese Beteiligungen restrukturiert, verselbstständigt und operativ verbessert werden.
Der eigentliche Wertbeweis erfolgt beim Exit.
Bei NEM lässt sich dieser Prozess nun gut nachvollziehen:
Übernahme aus dem Siemens-Energy-Konzern Ende 2022, Aufbau einer eigenständigen Plattform, operative Verbesserung, strategische Neupositionierung und schließlich Verkauf an einen industriellen Käufer.
Damit liefert die Beteiligung ein weiteres Referenzprojekt für die Investmentstrategie von Mutares.
Energiesektor bleibt attraktives Jagdrevier
Interessant ist zudem, dass Mutares ausdrücklich die strukturellen Wachstumstreiber im Energiesektor hervorhebt.
Weltweit steigt der Bedarf an zuverlässiger und effizienter Energieerzeugung. Gleichzeitig gewinnen Energiesicherheit, Dekarbonisierung und der Umbau der Energieinfrastruktur an Bedeutung.
NEM konnte sich genau an dieser Schnittstelle positionieren.
Für Mutares zeigt der Exit deshalb nicht nur die erfolgreiche Transformation eines einzelnen Unternehmens. Er bestätigt auch den Ansatz, gezielt Beteiligungen in Branchen zu erwerben, bei denen strukturelle Wachstumstrends die operative Restrukturierung zusätzlich unterstützen können.
Was bedeutet der Verkauf für die Mutares-Aktie?
Für Mutares-Aktionäre ist die Nachricht grundsätzlich positiv.
Bei Beteiligungsgesellschaften sind erfolgreiche Exits entscheidend, weil sie die zuvor häufig nur bilanziell oder operativ sichtbare Wertsteigerung einer Beteiligung tatsächlich realisieren.
Der NEM-Verkauf zeigt zudem, dass Mutares in der Lage ist, einen aus einem Großkonzern herausgelösten Geschäftsbereich innerhalb weniger Jahre in eine eigenständige und verkaufsfähige Plattform zu verwandeln.
Besonders relevant ist die Aussage, dass die Transaktion einen bedeutenden Beitrag zur Guidance 2026 leisten soll.
Was Anleger allerdings weiterhin nicht wissen, ist die Höhe dieses Beitrags. Ohne Kaufpreis und weitere Transaktionsdetails bleibt eine genaue finanzielle Bewertung des Exits unmöglich.
Fazit: Ein Exit ganz nach dem Mutares-Drehbuch
NEM Energy könnte sich zu einem Musterbeispiel für das Geschäftsmodell von Mutares entwickeln.
Ende 2022 von Siemens Energy übernommen, anschließend verselbstständigt und operativ verbessert – und nun an einen strategischen Käufer aus Südkorea verkauft.
Dass der Exit laut Management einen bedeutenden Beitrag zur Jahres-Guidance leisten soll, macht die Transaktion für Aktionäre besonders interessant.
Die entscheidende Frage bleibt allerdings unbeantwortet: Wie viel verdient Mutares tatsächlich mit dem Verkauf?
Sollte sich der Exit finanziell als ebenso erfolgreich erweisen, wie es die Aussagen des Managements nahelegen, wäre NEM ein weiterer starker Beleg dafür, dass Mutares sein Versprechen der Wertschöpfung durch Kaufen, Transformieren und Verkaufen erfolgreich umsetzen kann.













