KATEK Aktie im Schatten. CFO Dr. Fues liefert im Gespräch Gründe, die für die Zukunft hoffen lassen.

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KATEK SE (ISIN:DE000A2TSQH7) ist nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2021 mit dem operativ stärksten Quartal ihrer Unternehmensgeschichte ins Geschäftsjahr 2022 gestartet und setzte das im Q2 überaus erfolgreich fort. Reichte sogar für eine Prognoseerhöhung. Und dann gibt es noch die KATEK-Aktie.

Deren Entwicklung scheint mit der operativen Entwicklung wenig zu tun zu haben. Die Frage nach dem „Warum“ drängt sich auf. Erstmal: Ein Growth Wert. Dazu ist die „Marke“ KATEK kaum bekannt, die wneigsten können sich unter dem Unternehemen überhaupt etwas vorstellen. Wäre Schade, wenn deshalb die „Aktienstory“ der KATEK unter Ausschluss vieler Anleger „vor sich hindümpeln“ sollte – beim  Kurs wohlgemerkt, nicht operativ. Da ist durchaus Leben in der KATEK. Und dazu haben wir unter anderem den CFO Dr. Johannes Fues befragt. Zeit sich Zeit für die KATEK zu nehmen, man könnte sonst durchaus etwas verpassen.

Zur Einordnung: Zuletzt wurde die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2022 von bisher 583,3 Mio auf mehr als 615,0 Mio EUR unter Beibehaltung der Ergebnisprognose (EBITDA adjusted: größer 33,4 Mio EUR) erhöht. Die KATEK-Gruppe ist ein führendes europäisches Elektronikunternehmen, das Hardware- und Software-Entwicklung, Prototyping und Fertigung sowie damit verbundene Dienstleistungen im Markt für hochwertige Elektronik bzw. Elektronikdienstleistungen anbietet – beispielsweise entwickelt man Ladestationen „white Label“und baut diese auch, oder Lösungen für die Vernetzung von „erneuerbaren Energieanlagen mit häuslichen Verbrauchsstellen und Speichermedien“. Die KATEK-Gruppe beschäftigt derzeit über 2.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland und Osteuropa. Und jetzt das Wesentliche – die Zukunft.

KATEK – CFO zeigt, worum es geht!

nwm: Seit Mai letzten Jahres ist KATEK an der Börse. Bisher können Sie mit der Kursentwicklung nicht zufrieden sein. Seit Mitte Juli pendelt die Aktie auf niedrigem Niveau. Wo sehen Sie die Hauptgründe für den Kursverfall der letzten Monate?

Dr. Johannes Fues: KATEK kann sich dem allgemeinen Börsenumfeld nicht entziehen. Aktuell hat man das Gefühl, dass die Welt von Krise zu Krise schlittert – angefangen von Corona über Lieferkettenprobleme bis hin zum Ukraine-Krieg und den damit verbundenen steigenden Rohstoffpreisen. Fakt ist, KATEK hat bisher alle Aussagen an seine Investoren erfüllt. Aus diesem Grund gehe ich davon aus, dass sich die operativen Ergebnisse zukünftig wieder in einem höheren Aktienkurs widerspiegeln werden.

nwm: KATEK ist wahrscheinlich für viele Anleger wenig greifbar. “Powerhouse for High Value Electronics” sagt nicht jedem etwas. Wofür steht KATEK? Welche Geschäftsfelder decken Sie ab? Wo kann man auf “KATEK” treffen, ohne dass “KATEK” draufsteht?

Dr. Johannes Fues: Da haben Sie Recht, Elektronik ist heute oft unsichtbar – und dennoch sehr präsent: Wahrscheinlich ist jeder Mensch in Deutschland zu jeder Zeit des Tages von einer Vielzahl elektronischer Komponenten umgeben. KATEK beliefert die europäische Industrie und viele namhafte Mittelständler mit der hochwertigen Elektronik, die für die jeweiligen Anwendungen bzw. Maschinen „mission critical“ ist. Beispielsweise Ladeinfrastruktur für Elektroautos, Elektronik für Wechselrichter, Drohnensteuerung oder auch für den einen oder anderen Roboter. Aber auch in gewöhnlichen Haushaltsgeräten namhafter Hersteller befindet sich viel KATEK-Elektronik.

nwm:Die letzten Zahlen zum Halbjahr zeigten ein kräftiges Wachstum. Sie konnten das stärkste Halbjahr der Firmengeschichte melden. Wie lang ist eigentlich die “Firmengeschichte”?

Dr. Johannes Fues: Die Geschichte der KATEK Group in der heutigen Form startet 2017. Wir sind in der Sprache des Finanzmarktes ein „Wachstums Case“. Wir verfolgen durch gezielte Zukäufe eine „buy-and-built-Strategie“. Natürlich sind die einzelnen Gesellschaften, die wir unter der KATEK vereinen schon deutlich älter.

nwm:Welche operativen Einheiten waren die Hauptwachstumstreiber im letzten Halbjahr?

Dr. Johannes Fues: In der jüngeren Vergangenheit sind die Geschäftsbereiche Solar & Energie / Wechselrichter sowie TeleCare überproportional gewachsen. Man kann jetzt schon sagen, dass sich dieser Trend auch in der nächsten Zukunft fortsetzen wird.

nwm: In dem Geschäftsbereich E-Mobilität hakte es bei den Ladegeräten. Woran lag das?

Dr. Johannes Fues: Sie meinen unser Geschäft mit einem deutschen Premium OEM. Unser Kunde konnte aufgrund von Engpässen in seiner Supply Chain (unabhängig von KATEK) seine Ziele nicht wie gewünscht umsetzen.

nwm:Wie sehen Sie die Perspektiven der einzelnen Geschäftsfelder?

Dr. Johannes Fues: KATEK unterscheidet keine formalen Bereiche. Nichts destotrotz suchen wir unsere Projekte sehr sorgfältig nach Zielmärkten aus. Hier sehen wir im Bereich der E-Mobilität sowie im Bereich der erneuerbaren Energien wesentliche Wachstumsfelder.

nwm: Zuletzt erhöhten Sie ihre Umsatz-Prognose für 2022 auf über 615 Mio. EUR (plus pot.20 Mio. aus Sigma-Konsolidierung), für das EBITDA blieb es bei den “mehr als 33,4 Mio. EUR”. Was stört die Gewinnentwicklung? Denken sie, dass diese Kostenentwicklungen sich im Laufe der Zeit “beruhigen” oder weitergegeben werden können?

Dr. Johannes Fues: Wie alle Unternehmen mussten auch wir damit zurechtkommen, dass viele Einkaufspreise regelrecht explodiert sind. Mittlerweile haben wir aber durch Preiserhöhungen bei unseren Kunden diesen Effekt abfedern können. Durch unsere Unternehmensgröße waren wir in der Lage, für unsere Kunden immer lieferfähig zu bleiben. Das unterscheidet uns von vielen Wettbewerbern. Insofern konnten wir die Krise sogar für Wachstum und Gewinn von Marktanteilen nutzen. Mittelfristig wird sich dieser Effekt positiv auf die Gewinnsituation auswirken. Zum Zeitpunkt der Umsatzprognose, die Sie ansprechen, haben wir die Aussage zur Gewinnsituation bewusst nicht geändert. Mit der Aussage „mehr als 33,4 Mio.“ EUR haben wir uns Spielraum gelassen.

nwm: Zuletzt meldeten Sie einen Zukauf: SigmaPoint. Was erwarten Sie von dieser Beteiligung?

Dr. Johannes Fues: Für den Kauf von SigmaPoint gab es viele Gründe. Wir kommen damit der Forderung unserer Kunden nach einer Produktionsstätte in Amerika nach. Durch unsere Unternehmensgröße profitiert auch SigmaPoint zukünftig von deutlich besseren Einkaufskonditionen. Das alles sind sehr gute Rahmenbedingungen. Das Wichtigste ist aber, dass die Kollegen von SigmaPoint eine sehr gute Technologie-Kompetenz haben. Mit ihnen werden wir auch unsere Kunden in Nordamerika in gewohnter KATEK-Qualität beliefern können.

nwm: Wie haben Sie den Zukauf finanziert? Hat die Börsennotiz der KATEK dabei geholfen?

Dr. Johannes Fues: Die Börsennotiz hat natürlich geholfen. Durch das IPO haben wir uns eine gute Cashposition geschaffen, die wir nun für Zukäufe nutzen können.

nwm: Kann man in Zukunft mit weiteren Zukäufen rechnen? Im Halbjahresbericht wird von 2 Übernahme-Kandidaten “in der heißen Phase” berichtet. Können Sie etwas konkreter werden zu Größenordnung und Geschäftsfeld?

Dr. Johannes Fues: Unsere Strategie ist auf externes Wachstum – sprich durch Zukäufe – ausgelegt. Wir haben immer gesagt, dass wir neben dem organischen Wachstum auch anorganisch wachsen möchten. Deshalb schauen wir uns immer am Markt nach Kandidaten um. Wir sind an einigen Themen dran. Darüber kann ich allerdings nicht sprechen. Sie können davon ausgehen, dass wir früher oder später weitere Zukäufe tätigen werden. Wichtig ist, dass wir nicht blind zukaufen, nur um Wachstum darzustellen. Die Strategie und der Preis der Zielgesellschaft muss zu KATEK passen.

nwm: Welches ist für Sie persönlich derzeit das spannendste Projekt oder Produkt der KATEK?

Dr. Johannes Fues: Es gibt sehr viele spannende Projekte bei KATEK. Wir arbeiten schon während der Entwicklung der Produkte eng mit den großen OEMs zusammen. Hier unterliegen wir verständlicherweise einer extrem strengen Geheimhaltung.

nwm: Wo sehen Sie KATEK in 5 Jahren?

Dr. Johannes Fues: Der Blick in die Glaskugel ist immer sehr schwer. Wir werden unsere Stellung am Markt deutlich verbessern. Mittelfristig streben wir einen jährlichen Umsatz von über einer Milliarde Euro an.

nwm: Wichtig für die Kursentwicklung einer Aktie ist – auch – die Höhe des Streubesitzes und natürlich die Strategie der Hauptaktionäre. Hat die KATEK Haupt- oder Ankeraktionäre und wie ist deren Anlagehorizont?

Dr. Johannes Fues: Haupt- und Ankeraktionär ist mit knapp 60 Prozent die PRIMEPULSE. Hinter der PRIMEPULSE stehen die Gründer der Cancom. Sie haben einen Wertsteigerungsplan der langfristig ausgerichtet ist. Auch sonst haben wir, wenn Sie auf unsere Webseite schauen, größere namhafte Aktionäre.

nwm:Gibt es Pläne für Kapitalmaßnahmen oder “etwas” – Übernahmeziel, Ereignis oder Gelegenheit -, dass eine Kapitalerhöhung sinnvoll/nötig machen könnte?

Dr. Johannes Fues: Zu diesem Zweck sind wir an die Börse gegangen. Der Kapitalmarkt bietet uns zusätzliche Möglichkeiten der Finanzierung. Schaut man aber aktuell auf unseren Aktienkurs, drängt sich eine Maßnahme nicht unbedingt auf. Stand heute ist keine Maßnahme geplant.

nwm: In Zeiten der Zinswende eine relevante Frage: Wie hoch ist der Fremdkapitalanteil in der KATEK-Bilanz? Stehen größere Fälligkeiten an? Wie ist die Finanzierung strukturiert?

Dr. Johannes Fues: Wir bilanzieren zum Halbjahr ein Net Bank debt von rund 38 Mio. EUR. Dabei achten wir auf eine angemessen langfristige Strukturierung. Es gibt keine kurzfristigen Fälligkeiten.

nwm: Wären auch Unternehmensanleihen oder Wandelanleihen denkbare Möglichkeiten zur Refinanzierung/Finanzierung des Unternehmens?

Dr. Johannes Fues: Ich denke, das macht in der aktuellen Situation für uns keinen Sinn. Die eher traditionellen Finanzierungsquellen im Fremd- und Eigenkapital reichen für uns vollkommen aus.

nwm: Zum Abschluss würden wir Ihnen gerne einige Stichworte zur kurzen Kommentierung “zuwerfen”:
Dividende:

Eine Ausschüttung ist nicht vorgesehen. Unsere Mittel fließen ins Wachstum.

Katek als Übernahmeziel:

Durch wen?

Konkurrenz:

Gigantisch. Der Markt, in dem wir uns bewegen ist riesig.

Standort Deutschland:

Hier leben wir.

Energiewende:

Finden wir gut. Wir unterstützen sie und profitieren davon.

Chipmangel.

Gibt es. Allerdings nutzt uns unsere Einkaufsgröße, für unsere Kunden lieferfähig zu bleiben.

Logistikkosten:

Haben enorm an Bedeutung gewonnen. Deshalb streben wir Produktionsstätten auf verschiedenen Kontinenten an.

China:

All jenen, denen nun klar wird, dass Wege weit und riskant sein können, bieten wir Alternativen an.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Dr. Johannes Fues | CFO KATEK AG

Dr. Johannes Fues (Jahrgang 1976, Nationalität deutsch) war für verschiedene namhafte Unternehmensberatungen in Reorganisations- und Transformationsprojekten tätig. Zuletzt war er Teil des Management Teams von PRIMEPULSE und verantwortete den Bereich Asset Management & Operations. Als Vorstandsmitglied der KATEK SE ist er verantwortlich für Themen aus den Bereichen Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung – Environment, Social, Governance (ESG). Weitere Mandate: keine

 

Über die KATEK:

 Die KATEK-Gruppe ist ein führendes europäisches Elektronikunternehmen, das Hardware- und Software-Entwicklung, Prototyping und Fertigung sowie damit verbundene Dienstleistungen im Markt für hochwertige Elektronik bzw. Elektronikdienstleistungen anbietet. Die KATEK-Gruppe beschäftigt derzeit über 2800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland und Osteuropa. CEO & Co-Founder ist Rainer Koppitz und CFO ist Dr. Johannes Fues. Weitere Informationen über KATEK finden Sie auf https://katek-group.com .


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