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In unserem heutigen Interview konnten wir unsere Fragen an Dr. Thomas Gutschlag, CEO der Deutschen Rohstoff AG (ISIN: DE000A0XYG76), stellen.

Herr Dr. Gutschlag, das Umfeld für Produzenten von Öl und Gas, wie die Deutsche Rohstoff AG, ist derzeit ja nicht gerade optimal. Der Mai-Future für WTI hatte Ende April sogar einen negativen Preis…

Dr. Thomas Gutschlag: Es stimmt, der Ölpreis ist massiv eingebrochen. Da spielten gleich mehrere Faktoren eine Rolle: Zum einen ist die Nachfrage natürlich durch den Corona bedingten Stillstand in vielen Wirtschaftszweigen und die konjunkturelle Abkühlung zurück gegangen. Auf der anderen Seite blieb das Angebot durch die Uneinigkeit innerhalb der OPEC und vor allem mit Russland auf hohem Niveau. Diese Kombination von hohem Angebot und schwächelnder Nachfrage war der Preiskiller beim Öl. Allerdings zeigt der Blick in die Vergangenheit, dass solche Phasen nie von langer Dauer waren und die Preise sich dann wieder merklich erholt haben. Denken wir zurück an die Finanzkrise – erst stürzte der Ölpreis da ab, um sich danach zu verdreifachen. Die Erholung wird kommen, denn die Welt braucht weiter Öl. Entscheidend ist in der aktuellen Phase aber, welche Ölproduzenten bis zum nächsten Anstieg gut überwintern können. Und da gehören wir sicher dazu.

Woher nehmen sie die Zuversicht?

Dr. Thomas Gutschlag: Wir sind finanzstark und gut durchfinanziert. Unsere liquiden Mittel lagen Ende März bei gut 70 Millionen Euro. Gleichzeitig ist unsere Fixkostenbasis gering und wir können unsere laufenden Kosten mit der Produktion sehr schnell herunterfahren. Das haben wir auch schon getan. Man sollte in diesem Zusammenhang auch noch wissen, dass wir unsere gedrosselte Produktion des laufenden Jahres vollständig gehedgt haben. Jedes Barrel Öl, das wir 2020 gemäß unserer aktuellen Prognose aus dem Boden holen wollen, ist bereits für 58 US-Dollar verkauft. Aufgrund dieser Gesamtsituation können wir eine Durststrecke sehr gut überstehen. Wir behalten im Niedrigpreisumfeld unsere Öl- und Gasreserven schlichtweg im Boden. Das ist sozusagen unsere Spardose. Und in dieser Spardose lagern derzeit gesichert rund 29 Millionen Barrel Öläquivalent. Krise hin oder her, das sind Sachwerte, die natürlich in der Bewertung schwanken, aber ein reales Fundament haben. Das ist vielleicht zu vergleichen mit dem Immobilienbereich während der Finanzkrise, da fielen die Bewertungen auch, das war aber nur von kurzer Dauer, denn Wohnraum braucht eine Volkswirtschaft langfristig ebenso wie Öl. In den vergangenen Tagen haben wir ja bereits spürbare Erholungstendenzen beim Ölpreis beobachten können.

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Sie haben die Förderung reduziert – kann man das so einfach machen?

Dr. Thomas Gutschlag: Bei der Schieferölproduktion lässt sich das ohne Probleme machen – und vor allem können wir mit gleicher Geschwindigkeit auch die Produktion wieder hochfahren. Diese Flexibilität bezieht sich natürlich auf die Ölfelder, bei denen wir als größter Anteilseigner am Projekt die operative Verantwortung haben. Bei Cub Creek beispielsweise produzieren wir aktuell nur rund 20 Prozent der ursprünglich geplanten Menge, der Rest bleibt im Boden – Stichwort wie gesagt „Spardose“.

Sie haben kürzlich Quartalszahlen vorgelegt.

Dr. Thomas Gutschlag: …mit denen wir vor dem Hintergrund der aktuellen Situation zufrieden sind. Der Umsatz lag mit 16,5 Millionen Euro im Quartal sogar merklich über der Vorjahresperiode, wobei ich fairerweise aber hinzufügen muss, dass darin auch Erlöse aus unseren Absicherungsgeschäften in Höhe von 4,5 Millionen Euro enthalten sind. Das EBITDA war mit 9,5 Millionen Euro nach 12,8 Millionen Euro sehr ordentlich und auch beim Nettoergebnis sind wir mit plus 0,9 Millionen Euro positiv geblieben.

Was Sie für das Gesamtjahr nun aber nicht mehr erwarten.

Dr. Thomas Gutschlag: Nein, aber es hat wahrscheinlich auch fast jeder damit gerechnet, dass wir wegen Corona-Krise und Ölpreisentwicklung unsere Prognose anpassen würden. Das haben wir nun getan. Wir erwarten für 2020 einen Umsatz zwischen 33 und 37 Millionen Euro, ein EBITDA von 15 Millionen Euro und einen Fehlbetrag nach Steuern im mittleren einstelligen Millionen Eurobereich. Diese Prognose basiert natürlich auf gewissen Annahmen: Einerseits ist das ein Euro/ Dollarkurs von 1,10. Auf der anderen Seite kalkulieren wir mit einen WTI Ölpreis von durchschnittlich 20 US-Dollar pro Barrel im laufenden Quartal und 30 US-Dollar im zweiten Halbjahr 2020. Aktuell liegen wir nach der jüngsten Preiserholung mit rund 33 US-Dollar beispielsweise merklich darüber. Es handelt sich also um eine Annahme unter Unsicherheit, die in beide Preisrichtungen wirken kann.

Ihr Unternehmen gilt am Kapitalmarkt als stabiler Dividendenzahler. Worauf können sich Aktionäre angesichts des schwierigen Jahres 2020 für das vergangene Geschäftsjahr einstellen?

Dr. Thomas Gutschlag: Dividende ist uns wichtig. Aber natürlich wird 2020 ein besonderes Jahr, in dem wir mit unserer Liquidität haushalten wollen. Deshalb haben wir einen Mittelweg gewählt und schlagen der Hauptversammlung eine Dividende von 0,10 Euro je Aktie für das abgelaufene Geschäftsjahr vor. Das ist eine Reduktion gegenüber dem Vorjahr, aber die Aktionäre bekämen trotzdem wieder eine laufende Ausschüttung.

Sie sprachen die aktuelle Liquidität von 70 Millionen Euro bereits an. Damit will die Deutsche Rohstoff AG auch investieren. Worin genau?

Dr. Thomas Gutschlag: Einen Teil unserer Finanzmittel halten wir natürlich als Reserve und Puffer für die Krise. Zum Glück sind unsere liquiden Mittel groß genug, dass wir darüber hinaus umfangreich investieren können. Als Hintergrund muss man verstehen, wie die US-Schieferölindustrie aufgebaut und finanziert ist. Neben einigen Megakonzernen setzt sich der Markt aus ganz vielen mittelständischen Playern zusammen. Sehr viele davon verfügen über eine sehr schwache Eigenkapitalbasis und eher geringe Finanzmittel. In Boomphasen mit hohen Preisen und Produktionsmengen ist das kein gravierendes Problem. Aktuell sieht das anders aus. Vielen Produzenten in den USA steht das Wasser bis zum Hals und der Pegel sinkt auch nicht wirklich. Diese Unternehmen besitzen neben der aktuellen Produktion teilweise trotzdem sehr attraktive Flächen und Ölvorkommen. Diese zu sehr guten Preisen zu erwerben wird umso wahrscheinlicher, je länger die Krise noch dauert. Noch halten die angeschlagenen Unternehmen durch. Aber in einigen Monaten werden sich sehr gute Chance ergeben. Dann stehen wir parat, als ein Käufer und Gewinner der Marktkonsolidierung. Denn wir verfügen über die notwendigen Finanzmittel.

Sie haben aber zunächst Investments in Aktien und Anleihen von Rohstoffunternehmen angekündigt?

Dr. Thomas Gutschlag: Das ist ein Zwischenschritt. Bis die Kaufgelegenheiten für Projekte und Flächen auf den Markt kommen, kann es noch einige Monate dauern. Währenddessen wollen wir aber auch Mehrwert für unsere Aktionäre mit der Liquidität schaffen, indem wir auf das tiefgehende Know-how unseres Teams im Rohstoffsektor zurückgreifen, um Chancen bei Aktien und Anleihen als Renditekicker zu nutzen. Wir gehen dabei mit großer Vorsicht und Augenmaß vor, aber es hat in den vergangenen Wochen sowohl bei Öl- und Gasaktien vor allem in den USA aber auch bei Goldproduzenten sehr attraktive Einstiegsgelegenheiten durch irrationale Marktübertreibungen gegeben. Diese haben wir genutzt und wollen sie auch weiter nutzen. Insgesamt wollen wir so bis zu 25 Millionen Euro parken, bis sich Investmentchancen in Projekten auftun. Die Ergebnisse aus diesen Wertpapiergeschäften sind übrigens nicht Teil unserer Prognose.

Dennoch, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Deutsche Rohstoff das laufende Jahr nicht mit Gewinn abschließt. Was bedeutet das aus Ihrer Sicht für die Bewertung der Aktie?

Dr. Thomas Gutschlag: Ich persönlich würde die Deutsche Rohstoff nicht auf Basis ihres Gewinns oder Verlusts in einem Jahr – erst recht, wenn es ein Ausnahmejahr ist – bewerten. Vielmehr würde ich die nachhaltige Substanz zur Bewertung heranziehen und das sind bei uns unsere Öl- und Gasreserven, die wir mit großer Flexibilität dann fördern können, wenn das Marktumfeld günstig ist.

Ihre Konzernbeteiligung Rhein Petroleum hat im badischen Weingarten einen bedeutenden Ölfund gemacht. Erste Schätzungen belaufen sich auf 114 Mio. Barrel. Lässt sich bereits sagen, wie viel davon tatsächlich förderbar ist?

Dr. Thomas Gutschlag: Der Fund bei Karlsruhe ist tatsächlich sehr erfreulich, denn die Deutsche Rohstoff hält bekanntlich 10 Prozent der Anteile an Rhein Petroleum. Genauere Details zum Vorkommen und den Produktionsmöglichkeiten werden hoffentlich in wenigen Monaten bekannt gegeben. Die Planungen zur weiteren Erschließung des Ölfelds laufen bereits. Es zeichnet sich aber ab, dass Rhein Petroleum hier einer der größten Ölfunde der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland gelungen ist. Zum Vergleich, umgerechnet werden in Deutschland On- und Offshore jährlich insgesamt rund 20 Millionen Barrel gefördert.

Sie halten zudem Anteile an Almonty Industries, einem Wolframproduzenten, der unter anderem in Südkorea tätig ist. Welche Hoffnungen setzen Sie in das Schwermetall? Sehen Sie hier weitere Investitionsmöglichkeiten über Almonty Industries hinaus?

Dr. Thomas Gutschlag: Wolfram gehört zu den strategischen Metallen, die Grundlage für die Produktion vieler wichtiger Industriegüter sind. Die verarbeitenden Unternehmen im Westen werden derzeit schmerzlich daran erinnert, dass der Großteil des Wolframs aus China kommt. Almonty besitzt mit der Mine Sangdong in Südkorea über Wolfram-Reserven, die sehr kostengünstig abgebaut werden können und viele Jahrzehnte reichen. Eine vergleichbare Mine gibt es nicht und wird in den kommenden Jahren auch nicht entwickelt werden. Insofern handelt es sich um einen echten Schatz. Wir werden ihn in den kommenden Jahren heben. Die Finanzierung der Mine erfolgt übrigens über die deutsche KfW, die über sehr viel Erfahrung in der Bergbaufinanzierung verfügt.

Und zum Abschluss bitten wir Sie um kurze Statements zu einigen Stichworten:

Erneuerbare Energien?
Sind wichtig und werden an Bedeutung gewinnen. Das heißt aber nur, dass ihr Einsatz noch schneller wächst als der Ölverbrauch. Öl werden wir noch viele Jahrzehnte brauchen, da sind sich internationale Experten einig.

Fracking?
Eine effiziente Art der Ölförderung. Leider wird in der öffentlichen Diskussion dazu viel durcheinandergebracht und die regionalen Unterschiede in der Geologie werden nicht berücksichtigt. Diese sind aber entscheidend für eine ökologische Einordnung.

Ölförderung in Deutschland?
Spannend und vielfach unterschätzt, aber im globalen Kontext nur eine Randnotiz. Politisch und gesellschaftlich zumindest Onshore manchmal mit erheblichem Widerstand verbunden. Dennoch sind wir froh, dass wir über unsere Beteiligung Rhein Petroleum hier vertreten sind.

Wolfram?
Es ist das chemische Element mit dem höchsten Schmelz- und Siedepunkt. Zudem hat es eine hohe Korrosionsbeständigkeit. Hierdurch ergeben sich viele Anwendungsmöglichkeiten, von der Leuchtmittelindustrie, über Hartmetall-Werkzeuge bis zu Turbinenschaufeln. Eine Spezialität, aber extrem bedeutsam.

Wichtigster Termin in 2020?
Weihnachten ? Ansonsten der Termin, an dem eine finale Lösung der Corona-Krise in Reichweite rückt – zum Beispiel durch einen Impfstoff. Das ist natürlich perspektivisch auch für die Ölnachfrage wichtig.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Ihnen und wünschen Ihnen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg.

 


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Dr. Thomas Gutschlag | CEO Deutsche Rohstoff AG

dr thomas gutschlag deutsche rohstoffDr. Thomas Gutschlag war 2006 Mitgründer der Deutsche Rohstoff AG. Seit Mai 2007 ist er Vorstand der Gesellschaft. Er ist verantwortlich für die Leitung des Konzerns und die Steuerung der Tochtergesellschaften und Beteiligungen. Daneben ist er für Kommunikation und Investor Relations zuständig.


Kurzinfo zum Unternehmen

Die Deutsche Rohstoff identifiziert, entwickelt und veräußert attraktive Rohstoffvorkommen vorrangig in Nordamerika, Australien und Europa. Unser Schwerpunkt liegt in der Erschließung von Öl- und Gaslagerstätten in den USA. Metalle wie Gold, Kupfer, Seltene Erden oder Wolfram runden unser Portfolio ab. Wir nutzen die Chancen des Rohstoffmarktes und die Erfahrung und Stärken unserer Teams vor Ort, um nachhaltig hohe Renditen für unsere Aktionäre zu erzielen.
 

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