grenke: Solides Wachstum im Leasing

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grenke meldet für 2025 ein Jahr, das man in Baden-Baden wohl als „unspektakulär solide“ verbuchen wird – und genau das ist in einem nervösen Marktumfeld keine schlechte Nachricht. Das Leasingneugeschäft legte um 7,8 Prozent auf gut 3,29 Milliarden Euro zu und landete damit sauber in der zuvor ausgegebenen Spanne von 3,2 bis 3,4 Milliarden.

Noch wichtiger als die schiere Größe ist bei grenke traditionell der Blick auf den Deckungsbeitrag 2, also den DB2. Diese Profitabilitätskennziffer stieg auf 550,2 Millionen Euro, ein Plus von gut sechs Prozent. Die DB2-Marge lag mit 16,7 Prozent etwas unter Vorjahr, aber über dem eigenen Zielwert von „über 16,5 Prozent“. Mit anderen Worten: Wachstum ja – aber nicht um jeden Preis.

CEO Sebastian Hirsch betont genau diesen Punkt: In einem von großer makroökonomischer Unsicherheit geprägten Jahr habe sich die „risikoselektive Steuerung mit Fokus auf robuste Kernmärkte“ ausgezahlt. Der Konzern sieht das Jahr 2025 damit als Fundament für künftiges Gewinnwachstum – nicht als Höhepunkt eines Zyklus.

IT-Leasing bleibt Zugpferd – und der direkte Draht zum Kunden wird wichtiger

Inhaltlich bleibt grenke bei dem, was man am besten kann: kleinteiliges Leasing für kleine und mittlere Unternehmen. Im vierten Quartal war die größte Objektkategorie erneut der Bereich IT – fast ein Drittel aller Verträge entfiel auf Laptops, EDV-Ausstattung und Software. Gerade in Zeiten, in denen viele Mittelständler ihre Digitalisierung eher in Etappen finanzieren als mit einem großen Wurf, spielt dieses Segment seine Stärken aus.

Auffällig ist zudem der wachsende Anteil des Direktkundengeschäfts. Fast 19 Prozent des Leasingneugeschäfts im Schlussquartal kamen bereits ohne Zwischenhändler zustande – nach gut 17 Prozent im Vorjahr. Für grenke bedeutet das: mehr Kontrolle über die Kundenbeziehung, mehr Einblick in deren Bonität, mittelfristig auch mehr Cross-Selling-Potenzial.

Die Nachfrage ist da: Rund 169.000 Leasinganfragen im vierten Quartal führten zu gut 82.000 neuen Verträgen. Die Umwandlungsquote lag mit knapp 49 Prozent im üblichen Rahmen, die durchschnittliche Ticketgröße kletterte leicht auf gut 10.800 Euro. Kein Sprung nach oben, aber ein stiller Hinweis darauf, dass Kunden nicht kleiner werden – trotz Zinsen, Kosten und Konjunktursorgen.

Deutschland und Frankreich geben den Takt vor

Beim Blick auf die Regionen zeigt sich ein vertrautes Bild mit einigen Akzenten. Westeuropa ohne DACH war im vierten Quartal die stärkste Region und wuchs auf rund 237 Millionen Euro Neugeschäft. Innerhalb dieser Region spielt Frankreich die erste Geige und steuerte gut ein Fünftel des gesamten Konzernneugeschäfts bei.

Die DACH-Region kam knapp dahinter, wuchs dafür aber prozentual stärker und legte auf rund 218 Millionen Euro zu. Deutschland ist hier die Lokomotive und stellt fast 20 Prozent des gesamten Leasingneugeschäfts. Südeuropa – allen voran Italien – verzeichnete moderates Wachstum, während Nord- und Osteuropa nach einem sehr starken Vorjahr etwas Luft herausließen.

Spannend sind die „Rest der Welt“-Märkte: Außerhalb Europas wuchs grenke im vierten Quartal um mehr als 15 Prozent auf über 65 Millionen Euro Neugeschäft – getrieben auch von einem deutlichen Plus in den USA. Für einen Konzern, der traditionell stark europäisch geprägt ist, sind das wichtige Trittsteine in eine breitere Aufstellung.

grenke Bank: Stabile Einlagen, ruhiges Mikrokreditgeschäft – Factoring im Rückzug

Auch die Banktochter bleibt ein stabilisierender Faktor. Die Einlagen lagen zum Jahresende bei gut 2,3 Milliarden Euro, leicht über dem Vorjahreswert. Das Kreditneugeschäft der grenke Bank – im Wesentlichen Mikrokredite – blieb mit gut 10 Millionen Euro im Quartal auf nahezu unverändertem Niveau.

Anders das Bild beim Factoring: Das verkaufte Geschäft summierte sich im vierten Quartal auf 189,1 Millionen Euro nach 234,6 Millionen im Vorjahr. Der Rückgang ist gewollt und spiegelt die laufende Übertragung des Factoringgeschäfts an die Teylor AG wider. Für grenke bedeutet das mittelfristig mehr Fokus auf das Kernthema Leasing und weniger Kapitalbindung in einem Geschäft, das nicht mehr zur strategischen Speerspitze gehört.

Einordnung: Kein Feuerwerk – aber ein verlässlicher Taktgeber für den Mittelstand

Was bleibt unterm Strich? 2025 war für grenke kein Jahr der großen Überraschungen – und genau das könnte der eigentliche Charme sein. Das Unternehmen wächst trotz volatiler Rahmenbedingungen, hält seine Profitabilitätsziele ein, baut Direktkundengeschäft und internationale Präsenz aus und sortiert gleichzeitig das Portfolio, indem Factoring schrittweise aus dem Konzern herauswandert.

Für Anleger, die in einem Finanzdienstleister nicht den nächsten Highflyer, sondern einen verlässlichen Taktgeber für die Finanzierung des Mittelstands suchen, liefert grenke damit ein durchaus stimmiges Bild. Die entscheidende Frage der kommenden Jahre wird sein, ob sich aus dem soliden Neugeschäft von heute tatsächlich das Gewinnwachstum von morgen entwickelt – und ob die risikoselektive Steuerung auch dann hält, wenn die Konjunktur länger holpert als derzeit erhofft.

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