Die Drägerwerk AG & Co. KGaA hat im ersten Halbjahr 2026 einen deutlichen Ergebnissprung erzielt und ihre Profitabilität spürbar verbessert. Während der Umsatz in beiden Geschäftsbereichen kräftig zulegte, stieg das operative Ergebnis mehr als dreimal so stark wie im Vorjahr. Neben der positiven Geschäftsentwicklung profitierte der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern von Rückerstattungen zuvor gezahlter US-Zölle.
Aufgrund der robusten operativen Dynamik und weiterer bereits eingegangener Zollerstattungen hat Dräger die Prognose für die EBIT-Marge angehoben. Das Unternehmen erwartet nun für das Gesamtjahr eine Marge zwischen 6,0 und 8,0 Prozent. Zuvor hatte die Zielspanne bei 5,0 bis 7,5 Prozent gelegen.
Drägerwerk: Umsatz steigt um mehr als 90 Millionen Euro
Der Konzernumsatz erhöhte sich im ersten Halbjahr 2026 auf 1,603 Mrd. Euro, nach 1,510 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Währungsbereinigt entspricht dies einem Wachstum von 7,7 Prozent.
Damit entwickelte sich Dräger deutlich stärker als die weiterhin gültige Jahresprognose, die einen währungsbereinigten Umsatzanstieg zwischen 2,0 und 6,0 Prozent vorsieht.
Regional kamen die stärksten Impulse aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika sowie aus Amerika. Auch das Deutschlandgeschäft entwickelte sich positiv. In der Region Asien-Pazifik gingen die Erlöse dagegen zurück.
Die Entwicklung zeigt, dass die Nachfrage nach Drägers Medizin- und Sicherheitstechnik trotz eines anspruchsvollen konjunkturellen Umfelds stabil bleibt. Gleichzeitig profitierte der Konzern von der Abarbeitung seines bestehenden Auftragsbestands.
Sicherheitstechnik überzeugt mit starkem Auftragseingang
Der Auftragseingang des Konzerns erhöhte sich währungsbereinigt um 1,8 Prozent auf 1,747 Mrd. Euro. Damit lagen die Bestellungen erneut über dem erzielten Umsatz.
Besonders stark entwickelte sich die Sicherheitstechnik. In diesem Segment stieg der Auftragseingang währungsbereinigt um 9,5 Prozent auf 790,9 Mio. Euro. Die Nachfrage legte nach Angaben des Unternehmens in sämtlichen Produktbereichen und Regionen zu.
Zum Angebot gehören unter anderem Atemschutzgeräte, Gasmesstechnik, Schutzsysteme und Lösungen für Feuerwehren, Industrieunternehmen, Bergbau und Behörden. Die breite Aufstellung sorgt dafür, dass Dräger von verschiedenen strukturellen Trends wie höheren Sicherheitsanforderungen, strengeren Arbeitsschutzvorgaben und Investitionen in kritische Infrastruktur profitieren kann.
Im zweiten Quartal beschleunigte sich die Nachfrage nochmals. Der Auftragseingang der Sicherheitstechnik sprang währungsbereinigt um 19,0 Prozent auf 406,1 Mio. Euro.
Medizintechnik durch hohen Vorjahreswert verzerrt
Im Segment Medizintechnik sank der Auftragseingang im ersten Halbjahr währungsbereinigt um 3,7 Prozent auf 956,5 Mio. Euro.
Der Rückgang ist allerdings wesentlich auf einen Großauftrag für Krankenhausinfrastruktursysteme aus Mexiko zurückzuführen, den Dräger im zweiten Quartal 2025 erhalten hatte. Ohne diesen Sondereffekt wäre der Auftragseingang nach Unternehmensangaben ungefähr stabil geblieben.
Im zweiten Quartal ging das Ordervolumen in der Medizintechnik entsprechend um 11,5 Prozent zurück. Die Entwicklung sollte daher nicht als allgemeine Nachfrageschwäche interpretiert werden, sondern vor allem als Folge der anspruchsvollen Vergleichsbasis.
Dräger bleibt in der Medizintechnik mit Beatmungsgeräten, Patientenmonitoring, Anästhesietechnik und Krankenhausinfrastruktursystemen in Märkten aktiv, die langfristig von steigenden Gesundheitsausgaben und einer wachsenden Nachfrage nach moderner klinischer Ausstattung profitieren.
Drägerwerk: Beide Segmente liefern kräftiges Umsatzwachstum
Beim Umsatz entwickelten sich Medizintechnik und Sicherheitstechnik nahezu gleich stark.
Der Umsatz der Medizintechnik erhöhte sich währungsbereinigt um 7,6 Prozent auf 897,5 Mio. Euro. Größter Wachstumstreiber war die Region Amerika, gefolgt von Europa, dem Nahen Osten und Afrika sowie Deutschland.
Die Sicherheitstechnik steigerte ihren Umsatz währungsbereinigt um 7,8 Prozent auf 705,6 Mio. Euro. Auch hier kamen die wichtigsten Impulse aus Amerika und EMEA.
Damit basiert das Konzernwachstum nicht auf einem einzelnen Geschäftsbereich. Beide Segmente leisteten einen substanziellen Beitrag und unterstreichen die operative Breite des Geschäftsmodells.
EBIT steigt von 20 auf fast 64 Millionen Euro
Besonders deutlich fiel die Verbesserung auf der Ergebnisseite aus. Das EBIT stieg von 20,4 Mio. Euro auf 63,8 Mio. Euro und hat sich damit mehr als verdreifacht.
Die EBIT-Marge erhöhte sich von 1,3 Prozent auf 4,0 Prozent. Wesentliche Gründe waren das kräftige Umsatzwachstum, die höhere Bruttomarge und eine im Verhältnis zum Umsatz deutlich langsamere Kostenentwicklung.
Die Bruttomarge verbesserte sich um 1,7 Prozentpunkte auf 46,5 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Funktionskosten lediglich um 3,6 Prozent auf 680,8 Mio. Euro. Da das Umsatzwachstum deutlich höher ausfiel, konnte Dräger operative Skaleneffekte realisieren.
Die Zahlen zeigen, dass der Konzern höhere Erlöse zunehmend wirksam in zusätzliches Ergebnis umwandelt. Für Anleger ist diese Entwicklung besonders relevant, da Dräger in der Vergangenheit häufig mit vergleichsweise niedrigen und schwankenden Margen zu kämpfen hatte.
Zweites Quartal zeigt beschleunigte Margenwende
Im zweiten Quartal fiel die operative Verbesserung noch deutlicher aus.
Der Umsatz stieg währungsbereinigt um 8,5 Prozent auf 847,3 Mio. Euro. Die Bruttomarge verbesserte sich von 43,8 Prozent auf 46,6 Prozent.
Das EBIT erhöhte sich von 20,0 Mio. Euro auf 45,9 Mio. Euro und hat sich damit mehr als verdoppelt. Die EBIT-Marge stieg innerhalb eines Jahres von 2,6 Prozent auf 5,4 Prozent.
Damit näherte sich die Profitabilität bereits im zweiten Quartal der neu angehobenen Jahreszielspanne. Da das Schlussquartal bei Dräger traditionell eine hohe Bedeutung besitzt, besteht bei anhaltend stabiler Nachfrage grundsätzlich weiteres Ergebnispotenzial.
Drägerwerk: US-Zollerstattungen liefern zusätzlichen Gewinnbeitrag
Unterstützt wurde das Halbjahresergebnis durch einen positiven Einmaleffekt von 7,8 Mio. Euro aus der Erstattung von US-Zahlungen im zweiten Quartal.
Nach dem Bilanzstichtag erhielt Dräger im Juli weitere Zollerstattungen einschließlich Zinsen in Höhe von rund 14,2 Mio. Euro. Dieser Betrag wird im dritten Quartal ergebniswirksam verbucht.
Zusätzlich hält das Unternehmen weitere Rückzahlungen von etwa 7 bis 9 Mio. Euro für möglich. Ob und wann diese tatsächlich eingehen, ist derzeit allerdings noch offen.
Die Zollerstattungen stärken kurzfristig das Ergebnis. Für die Beurteilung der nachhaltigen Geschäftsentwicklung ist jedoch entscheidend, dass sich die Profitabilität auch ohne diese Sondereffekte deutlich verbessert hat.
Bereinigt um den im ersten Halbjahr verbuchten Einmaleffekt hätte das EBIT bei rund 56 Mio. Euro gelegen und damit weiterhin erheblich über dem Vorjahreswert.
Prognose für EBIT-Marge wird angehoben
Dräger hält an seiner Umsatzprognose fest und erwartet für das Gesamtjahr weiterhin ein währungsbereinigtes Wachstum von 2,0 bis 6,0 Prozent.
Die Prognose für die EBIT-Marge wurde dagegen auf 6,0 bis 8,0 Prozent angehoben. Ursprünglich war eine Bandbreite von 5,0 bis 7,5 Prozent vorgesehen.
Grund für die Anpassung sind die starke operative Entwicklung sowie die im zweiten und zu Beginn des dritten Quartals eingegangenen Zollerstattungen.
Die neue Prognose signalisiert, dass das Management auch für die zweite Jahreshälfte mit einer soliden Geschäftsentwicklung rechnet. Gleichzeitig dürfte das dritte Quartal durch die bereits erhaltene Rückzahlung von 14,2 Mio. Euro einen zusätzlichen Ergebnisimpuls erhalten.
Operative Hebelwirkung wird sichtbar
Die Halbjahreszahlen zeigen eine deutliche Verbesserung der operativen Qualität. Der Umsatz wächst, die Bruttomarge steigt und die Kosten entwickeln sich deutlich langsamer als die Erlöse.
Dadurch entsteht eine operative Hebelwirkung: Zusätzlicher Umsatz führt überproportional zu höheren Ergebnissen. Genau diese Entwicklung war für Dräger in den vergangenen Jahren nicht immer selbstverständlich.
Positiv ist außerdem, dass die Nachfrage in der Sicherheitstechnik breit abgestützt ist und der Rückgang beim Auftragseingang der Medizintechnik im Wesentlichen auf einen außergewöhnlich hohen Vorjahreswert zurückzuführen ist.
Dräger-Aktie: Margenentwicklung rückt in den Mittelpunkt
Für Anleger dürfte weniger das moderate Wachstum des Auftragseingangs als vielmehr der deutliche Profitabilitätssprung entscheidend sein.
Dräger zeigt, dass das Unternehmen auch ohne außergewöhnliche Pandemieeffekte wachsen und seine Marge verbessern kann. Die höheren Zollerstattungen liefern zwar einen zusätzlichen Schub, die operative Entwicklung bleibt jedoch auch bereinigt klar positiv.
Entscheidend wird nun sein, ob Dräger die verbesserte Bruttomarge halten, die Kosten diszipliniert steuern und die hohe Nachfrage in der Sicherheitstechnik in weiteres Umsatzwachstum umwandeln kann.
Gelingt dies, könnte die angehobene Margenprognose den Beginn einer nachhaltig profitableren Phase markieren. Nach Jahren mit teilweise schwankenden Ergebnissen wäre dies ein wichtiges Signal für die weitere Bewertung der Drägerwerk-Aktie.














