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Steinhoff International Holdings NV (ISIN: NL0011375019) startete heute eine Charmeoffensive für Aktionäre, und alle anderen Stakeholder der Gesellschaft.

Mit Spannung haben wir die für 10 Uhr Südafrikazeit avisierte Investorenkonferenz in Kapstadt verfolgt. Veranstaltungsort: CTICC am Convention Square, Lower Long Street. Teilnahme per Internet oder persönlich für alle möglich. Die Präsentation wurde vom Topteam der Steinhoff Gruppe durchgeführt:

Louis du Preez, CEO, seinerzeit (19.12.2017) eingesetzt durch den Aufsichtsrat, um Steinhoff wieder in normale Bahnen zu lenken.

Philipp Dieperink, CFO, seit dem 4.01.2018 an Bord.

Heather Sonn, bereits seit dem 30.11.2015 im Supervisory Board, jetzt Vorsitzende des Boards.

Alex Watson seit dem 20.04.2018 im Supervisory Board, zuständig für Audit und Risiken. Plangemäss soll sie 2022 mit der Hauptversammlung ausscheiden.

Ablauf

Nach einer Präsentation, die für eine Dauer von gut einer Stunde angesetzt ist, erhalten die Anwesenden oder die Teilnehmer des Webchatts die Möglichkeit Fragen zu stellen. Man versucht die Lücke der Transparenz zu schliessen. Ein guter Anfang. Vor Ort waren circa 300 Teilnehmer, wesentlich mehr per Web.

Nach der Begrüßung durch Du Preez stellte Sonn die Bedeutung der Einigung mit den teils widerstreitenden Anspruchsgruppen als wichtig für die Weiterentwicklung der Steinhoff Gruppe klar. Anschliessend beschrieb sie ausführlich den Auditprozess, der schließlich zu den vorliegenden Bilanzen für 2017 und 2018 führte. Schwerpunkt für sie sind: Rechtsstreitigkeiten lösen.

Im Endeffekt versucht Sonn nochmals die Vergangenheit aufzufangen und die Governance Aänderungen aufgrund der Betrügereien herauszustreichen.Es gilt für sie offensichtlich Vertrauen in die Fähigkeiten des neuen Managements herzustellen. Frau Sonn spricht akzenturiert und macht einen konzentrierten, sachlichen Eindruck. Sie hält sich scheinbar buchstabengetreu an ihren Text.Ein charismatischer Redner sieht anders aus, aber gerade die Showmaster und Selbstdarsteller führten ja in die Katastrophe.

Du Preez vergleicht seinen Job mit dem Strecken von Spaghettis ohne dass sie reißen, so beschreibe er seine tägliche Arbeit bei Steinhoff seinen Kindern. Insgesamt 8,8 Milliarden Debt in der gesamten Gruppe mussten/müssen restrukturiert und "bezahlbar" gemacht werden. Ziel ist es 2022 die teuren Finanzierungen auf eine günstigere Basis zu stellen, bis 2021 galt es überhaupt eine Struktur tragfähiger Schulden zu erhalten. Neben den 8,8 Milliarden kommen noch Kreditgarantien von 300 Millionen hinzu, die die Gesellschaft eingegangen ist.

Er stellt klar, dass immer noch Ermittlungen laufen (innerhalb und auserhalb desr Unternehmensgruppe), um vollumfänglich die Vergangenheit aufzuarbeiten.Er beschreibt die Rechtsstreitigkeiten in Südafrika, Deutschland und den Niederlanden und gleichzeitig die Bemühungen der Gesellschaft gegenüber Dritten eine Kompensation für deren Fehlverhalten zu erhalten. Fraglich ob hier genug Masse zu holen ist und wie schnellhier wirklich nennenswerte Beträge fliessen können.

Alex Watson stellt klar, dass die Komplexität der Bilanzierungs- und Auditmaßnahmen extrem war. Stichworte: Währungswechsel, Reverse Takeover im Rahmen des Frankfurter Listings, unübersichtliche Firmenstruktur, diverse Verrechnungen und Luftbuchungen, Scheinfirmen, fehlende Kooperation des alten Managements. Hiermit erklärt sie die oft erlebten Terminverschiebungen bei der Vorlage der korrigierten Bilanzen 2017, 2018.

Alex Watson hinterließ bei uns einen absolut professionellen, engagierten und kompetenten Eindruck.

Philip Dieperink beschrieb nochmals die Probleme der bilanziellen Vergangenheitsbewältigung - Schwerpunkt waren für ihn insbesondere die Bewertung von Assets, Transaktionen und Verifizierung von vorgefunden Belegen. Ausführlich ging er auch auf den Desinvestionsprozess zur Stabilisierung der Gruppe ein.

Den Reigen der Vorträge schloss Du Preez ab, indem er die operativen Ziele der Gruppe pointiert und plakativ vorstellte: Neben einigen erfolgreich laufenden Geschäften gälte es die "lahmen" Enten innnerhalb der Gruppe wieder zu operativen Erfolgen zu bringen. Und dieses unter der Prämisse, dass Steinhoff als reine Investment-Holding fungiert und die einzelnen Beteiligungen selbstverantwortlich ihr operatives Geschäft zum Erfolg führen. Er erwartet und will eine andere Steinhoffstruktur, wenn man dauerhaft überleben möchte! Schwerpunkte der nächsten Zeit sind für Du Preez: Stabilisierung der einzelnen Beteiligungen und Zusammenarbeit mit den Ermittlern.

Die erste Publikumsfrage bezog sich auf die Warrants der Conforama Schuldner. Es wurde klargestellt, dass analog zur Mattres Firm Lösung bei Ausübung aller Warrants 50% der Conforama Gruppe den Schuldnern gehören werden - Fremdkapital zu Eigenkapital, bei Mattres Firm hat diese Lösung aus einer Chapter 11 Firma eine konkurrenzfähige Einheit gefiormt. Prämisse: Besser 50% von einer funktionierenden Firma, als Zerschlagung zur Schuldentilgung.

Dann wurde über die Schuldentragfähigkeit mit den derzeit hohen Fremdkapitalkosten gefragt; erwartungsgemäß wurde auf die Notwendigkeit der Profitabilitätssteigerung, der Schuldenumstrukturierung und Darlehenskostenreduktion gesprochen. Ein Weg wird auch hier in einer Fremd- zu Eigenkapitallösung gesehen.

Fragen kamen über die Bereicherung der ehemaligen Manager zu Lasten der Steinhoff; hier wurde auf die laufenden staatlichen Ermittlungen verwiesen, die von Steinhoff vollumfänglich erfüllt werden Ein Verfahren in Österreich gegen ehemalige Verantwortliche wurde erwähnt, um finanziellen Schaden zu kompensieren. Der Schaden für Steinhoff Europa wird allein auf 300 Millionen beziffert.

Auf entsprechende Fragen der Perspektiven ab 20121 im Rahmen der Debtumfinanzierungen wurde eine potentielle Kapitalerhöhung nicht ausgeschlossen, sofern man dann an eine Überlebensfähigkeit der Gruppe glauben könnte.

Gefragt nach der Dauer der Ermittlungen, sagte Du Preez dass innerhalb der Bilanzfragen wohl alles aufgedeckt wäre, bezüglich des Aktionariats kann er noch kein Ende der Ermittlungen absehen. Insbesondere bezüglich potentieller Schadensersatzklagen.

Bezüglich der Fragen nach Verkaufserlösen von Beteiligungen, verwies man teilweise auf Vertraulichkeitsvereinbarungen und nannte hier keine Zahlen.

Wir klinken uns um 11:56 aus der Diskussion aus. Keine 10 Minuten später endete die Veranstaltung ohne große weitere Neuigkeiten.

 

Ergebnis

Errkennbar bemüht sich das Management um Vertrauen und Transparenz, um der Steinhoff eine Zukunft zu eröfffnen. Mehr ist wohl nicht zu erwarten gewesen. Ein guter Anfang und ein weiterer Schritt von noch vielen notwendigen zur Normalität. Mutig ist die gewählte Form der Veranstaltung definitiv.

Und wie gehts weiter mit Steinhoff? DIE Analyse vom 13.08.2019 hier.

Und der Ablauf der Veranstaltung? Man lernte das Management kennen, bekam einen Eindruck von der Herangehensweise, Arbeitsweise der Neuen. Eindruck? Subjektiv: Der Lage angemessen, transparent und engagiert. Man stellte sich - wenn auch spät - dem öffentlichen Pranger.Wenn man diesen begonnen Prozess fortsetzt, könnte es etwas werden.

Du Preez Strategie einer reinen Investmentholding mit der operativen Verantwortung in den einzelnen Tochtergesellschaften sollte die Gruppe wieder näher zum Markt und Kunden führen. Er hat eines der Probleme der alten Steinhoff identifiziert und hierfür sein Gegenmittel gefunden. Könnte klappen.

 

Gestern (13.08.2019 / 09:44) notierten die Aktien der Steinhoff International Holdings AG im Xetra-Handel nahezu unverändert bei 0,076 EUR.


Chart: Steinhoff International Holdings NV | Powered by GOYAX.de

Weitere Informationen

  • ISIN: NL0011375019

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