
Rheinmetall – Diese Woche wieder mal im Fokus. Nach einer fast beispiellosen Rekordrallye in den letzten Jahren ging es diese Woche am Donnerstag kräftig nach unten – im Tief Minus 9%. Aber was ist passiert? Und wichtiger: Ändert das was an den mittel- und langfristigen Aussichten der Aktie?
Ist die Aktie jetzt ein Kauf, wie es zumindest Insider diese Woche sahen? Rheinmetall im Fokus: Kursrutsch, Analysten-Frust und ein deutliches Signal aus der Chefetage – so könnte man diese Woche in Schlagworten zusammenfassen. Also eine Woche der Widersprüche? Oder nur ein Kratzer auf der Story, die sich fortsetzt? Und während Rheinmetall in dieser Woche einen prestigeträchtigen Großauftrag in den Fokus rückt, stürzt die Aktie nach einer enttäuschenden „Pre-Call“-Prognose ab. Analysten streichen ihre Kursziele zusammen, bleiben aber langfristig bullish. Und das Top-Management sendet ein eindeutiges Bekenntnis.
Rheinmetall Drama in drei Akten – Auslöser.
Ein Prognose-Schock belastet die Stimmung – Die Rheinmetall-Aktie erlebte am Donnerstag eine deutliche Korrektur und gehörte zu den schwächsten Titeln im DAX. Der Grund war ein sogenannter „Pre-Close-Call“ am Mittwochabend, bei dem der Rüstungskonzern erste finanzielle Indikatoren für das laufende Jahr 2026 vorstellte. Und die für viele enttäuschende Botschaft:
Der erwartete Konzernumsatz von 13,2 bis 14,1 Mrd EUR liegt mit seinem Mittelwert rund 12 % unter dem Analystenkonsens. Als Gründe nannte das Unternehmen ein geringeres als erwartetes Wachstum im Verteidigungsgeschäft, auch beeinflusst durch die laufende Integration der Marine-Tochter NVL. Hier scheint es etwas zu haken. Und auch wenn das Orderbuch ein absolutes Rekrodniveau erreicht, scheinen einige Abrufe oder Aufträge durch die „öffentliche“ Strukturierung der meissten Auftraggeber verzögert.
Reaktion der Analystenwelt war am Donnerstag prompt und deutlich.
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Jefferies senkte prompt das Kursziel von 2.170,00 auf 2.060,00 EUR, behielt aber die „Buy“-Empfehlung bei. Und Analystin Chloe Lemarie begründete dies mit den schwächeren Umsatz- und Margenaussichten, die das Marktvertrauen belasten könnten.
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JPMorgan-Analyst David Perry korrigierte ebenfalls seine langfristigen Gewinnschätzungen. Konkret bis 2030 um bis zu 14 % nach unten, spricht aber weiterhin von „außergewöhnlich starkem Wachstum“.
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Berenberg bezeichnete den Ausblick als „schwach“ und eine „Überraschung“.
Zweiter Akt: Blick auf die langfristige Story. Und Dänemark bestellt…
Trotz der kurzfristigen Enttäuschung betonen viele Beobachter die ungebrochene Langfristig-Perspektive. So sieht die Investmentbank Barclays in der Kursbewegung sogar eine Überreaktion und belässt ihre „Overweight“-Einstufung mit einem Kursziel von 2.175,00 EUR. Dabei beite die Korrektur eine gute Kaufgelegenheit. Denn die fundamentalen Treiber scheinen intakt:
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Der Auftragsbestand könnte bis Ende 2026 auf etwa 135 Mrd EUR anschwellen.
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Der Free Cash Flow soll in diesem Jahr „sehr stark“ ausfallen, getrieben durch hohe Anzahlungen.
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Zudem meldete das Unternehmen diese Woche am Dienstag eine weitere Bestätigung für die positiven operativen Aussichten: Dänemark lieferte innerhalb seines siebenjährigen Rahmenvertrags zur Munitionsversorgung, mit ersten Abrufen im dreistelligen Millionenbereich einen Vorgeschmack auf die kommenden rosigen Zeiten der Düsseldorfer. Ein klares Signal der Nachfrage im NATO-Umfeld.
Passende Worte fand man am 2.02.2026 in Düsseldorf zum Dänischen Auftrag. „Wir sind dankbar für das Vertrauen, das Dänemark in uns bei der Munitionsversorgung hat“, so Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG. „Rheinmetall sieht sich darin in seiner Rolle als einer der führenden Munitionshersteller weltweit bestätigt.“
Dritter Akt: Top-Management kauft Rheinmetall Aktie im Dipp.
In dieser volatilen Lage sendete die Unternehmensführung ein nicht zu unterschätzendes Zeichen des Vertrauens. So nutzte CEO Armin Papperger nutzte den Kursrücksetzer für einen Aktienkauf im Volumen von knapp 300.000 ,00 EUR zu einem Kurs von 1.572,50 EUR. Und hiermit setzt Papperger wie bereits in der Vergangenheit mit Käufen ein klares Zeichen für seine Zuversicht, seine Visionen für Rheinmetall zu erreichen. Und seinem Beispiel tat es Aufsichtsrat Marc Tüngler gleich. In zwei Tranchen Aktien für insgesamt über 57.000,00 EUR erwarb er Rheinmetall-Aktien. Solche Insiderkäufe in einer Phase des Marktzweifels werden von der Finanzgemeinschaft oft als vetrauensbildende Massnahme gesehen. Denn sie deuten darauf hin, dass die interne Einschätzung der Zukunftserwartungen positiver sein könnte als die aktuelle Marktstimmung vermuten lässt.
Rheinmetall mit Blick nach vorn: Wachstumstreiber und wichtige Praxis-Tests.
Rheinmetall expandiert weiter in Zukunftsfelder wie Drohnen, Marine und Luftverteidigung. Ein unmittelbarer Test steht mit dem Luftverteidigungssystem „Skyranger“ bevor. Die ersten Einsatzerfahrungen in der Ukraine werden im Q1 2026 erwartet. Analysten betonen, dass diese „entscheidend“ für die weitere Bewertung der Equity-Story sein könnten. Denn Rheinmetall nutzt die Gunst der Stunde – und ist aktiver Player in der immer wieder geforderten Konsoliiderung der europäischen Rüstungsindustrie. Düsseldorfer als Gestalter – und ein Nukleus für einen europäischen Rüstungskonzern, der sich gegen die amerikanischen Riesen behaupten kann.
Fazit – Rheinmetall bleibt Top-Pick für Rüstungsaktien.
Die Rheinmetall-Story steht an einem Kreuzungspunkt. Kurzfristig dominieren die Ernüchterung über die Prognose für 2026 und die Sorge vor Margendruck. Langfristig sprechen das rekordhohe Auftragsbuch, die expansive NATO-Rüstungspolitik , Emanzipation der Europäer von amerikanischen Rüstungskonzernen und die Expansion in neue Technologiefelder weiter klar für das Unternehmen.
Spannend: EXCLUSIVINTERVIEW: All for One Group: „Unsere Pipeline ist so stark wie nie“. CEO Michael Zitz im Interview.
Und die jüngsten Insiderkäufe von Papperger und Tüngler sind dabei ein nicht zu übersehendes Element in der Gleichung. Sie setzen ein persönliches finanzielles Bekenntnis gegen den aktuellen Marktpessimismus. So sollten die kommenden Quartale zeigen, ob der Produktionshochlauf Fahrt aufnimmt und ob der Konzern die hohen Erwartungen an sein Wachstum und Margenwachstum wieder einholen kann. Für Investoren stellt sich die Frage, ob der aktuelle Rücksetzer eine temporäre Schwächephase oder den Beginn einer Neubewertung markiert. Die Analystenmeinungen sind gespalten, aber die Aktion der Chefetage spricht eine eigene, klare Sprache. Und so scheint die Story Rheinmetall noch lange nicht vorbei…













