wrapper

Das Börsenjahr 2017 endete für die Steinhoff International Holdings N.V. (ISIN: NL0011375019) wohl nicht so, wie es sich die Verantwortlichen gewünscht haben.

Im Dezember 2016 hat man die Erstnotierung von der Börse Johannesburg nach Frankfurt verlegt. Das damals erklärte Ziel des Börsenwechsels war es, dem Steinhoff-Konzern bei Investoren mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Und dies ist dem Konzern nach etwas mehr als einem Jahr auch gelungen.

Erste Gerüchte machen ihre Runde

Denn Anfang Dezember 2017 machten erste Gerüchte um mutmaßliche Bilanzfälschungen ihre Runde.

Am Montag, den 04. Dezember 2017 eröffnete man den Xetra-Handel noch mit einem Kurs von 3,375 EUR, doch schon am Folgetag brach der Aktienkurs komplett ein und die Aktie eröffnete am Freitag, den 08. Dezember den Xetra-Handel mit einem Kurs von 0,355 EUR. Ein Wertverlust von knapp 90% in nur einer Woche stand somit zu buche. Auch die Anleihe von Steinhoff ist zu diesem Zeitpunkt bereits eingebrochen.

Der Poco-Mutterkonzern trennt sich in dieser Woche dann auch überraschend und mit sofortiger Wirkung von seinem langjährigen Chef Markus Jooste, der über die zwei Jahrzehnte die Geschicke des Unternehmens leitete. Er muss sich den Vorwurf von Unregelmäßigkeiten in den Bilanz-Büchern gefallen lassen.

Der Aufsichtsrat hat dem entsprechend die geplante Veröffentlichung der Jahresbilanz verschoben und die Wirtschaftsprüfer von PwC beauftragt, eine unabhängige Untersuchung durchzuführen. Und zwar nicht nur für die aktuelle Jahresbilanz, sondern auch für zurückliegende Jahre. Somit zieht der Aufsichtsrat die Sprichwörtliche Notbremse und bringt den Steinhoff-Zug wohl erstmal abrupt und komplett zum Stillstand. 

Gerade im Bereich der Konzernführung gehen die durchgeführten Änderungen vielen nicht weit genug. Nach der überraschenden und sofortigen Trennung vom langjährigen Chef Markus Jooste, der über die zwei Jahrzehnte die Geschicke des Unternehmens leitete und dem Rücktritt von Ben La Grange, CEO der Afrika-Tochter Star kam der Skandal ja erst richtig ins Rollen. Letztgenannter La Grange, der von all dem nichts gewusst haben will, befindet sich nach wie vor im Management. Erst viel später wurden weitere personelle Konsequenzen gezogen. So trennt man sich mit sofortiger Wirkung vom Hauptaktionär Dr. Christo Wiese, der durch verschiedenste Beteiligungen noch Einfluss auf den Konzern nehmen konnte und vielleicht noch nehmen kann. Diese Einflussnahme könnte schon über den neuen CEO, Danie van der Merwe geschehen, denn dieser gilt als Vertrauter von Ex-Chef Markus Jooste. Auch hier laufen die internen Aufarbeitungen des Skandals und die Forderungen nach weiteren Personellen Konsequenzen im Steinhoff-Management werden immer lauter.

Kreditgeber wollen mehr wissen

Am 19. Dezember 2017 traf sich die aktuelle Führungsebene des angeschlagenen Konzerns mit Vertretern von Banken und Kreditgebern treffen. Dies war wohl nicht wie in den Jahren zuvor ein gemütliches Treffen vor Jahresschluss. Ganz im Gegenteil, dies war wohl vielmehr ein Werben um Unterstützung und „Verständnis“ in der aktuellen Krise. Denn hier ging und geht es um das Überleben des Konzerns.

Durch das Einfrieren von Krediten durch die Banken bleibt die finanzielle Lage mehr als angespannt und es bleibt somit nur noch das operative Geschäft, um stetig weitere Einnahmen zu erzielen. Doch selbst hier, beim Liquiditätsmanagement, wurde dem Management durch PwC eine inkompetente Führung attestiert, was bestimmt nicht gerade positiv von Banken und Investoren aufgenommen wurde.

Zwischenzeitlich wurde nämlich auch bekannt, dass der Konzernabschluss 2016 von Steinhoff Europe unter die Lupe genommen werden muss. Hier sind wohl Unregelmäßigkeiten und Fragen zur Gültigkeit und Werthaltigkeit bestimmter bilanzwirksamer Vermögenswerte aufgetaucht, die im Rahmen der Prüfungsarbeiten 2017 auch für den Konzernabschluss 2016 relevant sind.

Doch was ist beim Gläubigertreffen am 19.12.2017 heraus gekommen? Nichts wurde von Steinhoff darüber kommuniziert.

Steinhoff gab in diesem Zusammenhang lediglich bekannt, dass in einem Rechtstreit vor dem Amsterdamer Berufungsgericht spätestens am 22. Januar 2018 mit einer Entscheidung zu rechnen sei. In diesem Rechtsstreit geht es unter anderem um die deutsche Poco-Einrichtungshaus Kette, die ja bekanntlich zum Steinhoff-Konzern gehört. Wenigstens in dieser Angelegenheit konnte sich Steinhoff etwas Luft verschaffen.

Wenn die Steinhoff-Verantwortlichen den Konzern schnell wieder in ruhiges Fahrwasser bringen wollen, dann müssen diese sich beeilen, denn der aufgekommene Sturm wird so wie aktuell gehandelt wird, nicht abflauen.

Liquidität erhöhen trotz schlechten Rankings

Der Konzern musste auf Grund der jüngsten Ereignisse auch seine Liquidität verbessern und bietet Randgeschäfte zum Verkauf an. In diesem Zusammenhang hat das Unternehmen auch Interessenbekundungen für bestimmte nicht zum Kerngeschäft gehörende Vermögenswerte erhalten, die mindestens 1 Mrd. EUR an Liquidität freisetzen. Darüber hinaus wird sich die Tochtergesellschaft Steinhoff Africa Retail Limited (STAR) formell zur Refinanzierung ihrer langfristigen Verbindlichkeiten gegenüber der Gesellschaft verpflichten. Es wird erwartet, dass die STAR-Refinanzierung zu günstigeren Konditionen abgeschlossen wird als die kurzfristigen Verbindlichkeiten von STAR aufgrund von Steinhoff, da der Cashflow stark ist. Die zusätzliche Liquidität von rund 2 Mrd. EUR, die voraussichtlich durch diese Maßnahmen erreicht wird, wird die Bilanz des Unternehmens stärken und Stakeholdern zusätzlichen Komfort bei der Fähigkeit des Unternehmens bieten, seine bestehenden Geschäfte zu finanzieren und Schulden zu reduzieren.

Der Steinhof-Konzern ist zudem von Moody´s herabgestuft worden. Der Steinhoff International Holdings NV sowie der Steinhoff Investment Holdings Ltd. wurde das Emittentenrating B1 entzogen und stattdessen wird nun ein Konzernrating von Caa1 vergeben.

Daher bleibt die Steinhoff-Aktie weiterhin eine sehr hochspekulative Angelegenheit. Den hohen Chancen die diese Situation bietet, stehen hohe Risiken, bis hin zum Totalverlust entgegen, sollte der Steinhoff-Konzern in die Insolvenz rutschen. Doch ob es soweit kommen wird, bleibt abzuwarten. Die vorhandenen operativen Geschäfte sowie ein Sanierungsplan dem die Gläubiger zustimmen müssten, könnte den Konzern wieder in die Spur bringen. Es bleibt also weiterhin spannend und wir erwarten weitere interessante Nachtichten.

Aktuell (02.01.2018 / 13:38 Uhr) notieren die Aktien Steinhoff International Holdings N.V. im Xetra-Handel mit einem Plus von +0,02 EUR (+5,14 %) bei 0,333 EUR.


Chart: Steinhoff International Holdings N.V. | Powered by GOYAX.de

ANZEIGE

Weitere Informationen

  • ISIN: NL0011375019

Über uns

Das Nebenwerte Magazin richtet seinen Fokus auf die Welt der deutschen Nebenwerte und hat sich zum Ziel gesetzt, Mid-Caps und Small-Caps aus Deutschland mehr in den Blickpunkt zu rücken.

Noch immer stehen deutsche Nebenwerte weitestgehend im Schatten der sogenannten 30 Blue Chips aus dem DAX, dem deutschen Leitindex. Doch so mancher Wert aus dem DAX kam ja einst aus der zweiten und dritten Reihe und war somit selbst einmal ein Mid-cap oder Small-Cap. SDAX, TECDAX und MDAX sind daher sozusagen die Wiege des DAX.

weiterlesen...

Partner

goyax logo 600x128 weiss

finanzrichten 600x114

wo logo partner

 Partner ARIVA.DE

Partner Boersennews.de

valora effekten partner