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Der deutsch-südafrikanische Möbelkonzern Steinhoff International Holdings N.V. (ISIN: NL0011375019) hat gestern seinen Börseneinstand in Frankfurt gegeben.

Es war kein echtes IPO, sondern ein strategischer Börsenwechsel des Unternehmens von der südafrikanischen Börse in Johannesburg nach Frankfurt. Hier verspricht sich der zweitgrößte Möbelkonzern in Europa schlicht und einfach mehr Aufmerksamkeit seitens Investoren.

Mehr Aufmerksamkeit als lieb bekam Steinhoff, zu dem unter anderem der deutsche Möbeldiscounter Poco gehört, Ende November von der deutschen Steuerfahndung. Eine von der Staatsanwaltschaft Oldenburg angeordnete Razzia am europäischen Hauptstandort in Westerstede (Niedersachsen), wo Bruno Steinhoff das Unternehmen vor 51 Jahren gründete, sorgte im Vorfeld des Börsenumzugs für negative Schlagzeilen.

Dennoch ist der Möbelhersteller bereits jetzt schon ein aussichtsreicher Kandidat für die Aufnahme in den DAX. Denn mit der Sitzverlegung in die EU (Amsterdam), der Erstnotierung in Frankfurt im Prime Standard und einer Marktkapitalisierung auf Basis des Streubesitzes von rund 13,5 Mrd. EUR erfüllt das Unternehmen beinahe alle notwendigen Voraussetzungen. Nur eine fehlt noch, aber die könnte in den kommenden Monaten ebenfalls erfüllt werden.


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Steinhoff, der unbekannte Möbelriese hinter bekannten Marken

Der Name „Steinhoff“ dürfte den meisten Anlegern nicht viel sagen und die Frage, wer denn dieses Unternehmen ist und was es macht, drängt sich unmittelbar auf. Dabei ist der Konzern ein echter Koloss der Möbelbranche.

Hinter IKEA ist Steinhoff mit seinen Tochtergesellschaften auf dem europäischen Markt immerhin die Nr.2. Weltweit 90.000 Mitarbeiter in 30 Ländern haben im Geschäftsjahr 2014/2015  für das Unternehmen 134,87 Mrd. südafrikanische Rand (ZAR) umgesetzt. Das sind zum heutigen Wechselkurs umgerechnet 8,52 Mrd. EUR. Dabei blieb ein Gewinn von 13,16 Mrd. ZAR, d.h. 830 Mio. EUR hängen. Die Zahlen zeigen, dass Steinhoff operativ ein echtes Schwergewicht ist.

Und trotzdem ist Steinhoff hierzulande noch ziemlich unbekannt. Die Tochtergesellschaften erfreuen sich im Gegensatz zur Muttergesellschaft zum Glück einer größeren Bekanntheit. Ansonsten hätte der Konzern zuletzt wohl kaum eine Umsatzsteigerung von 14,92% erzielen können.

Steinhoff trat in Europa durch die 1,2 Mrd. EUR teure Übernahme der rund 236 Möbelgeschäfte von Conforama aus Frankreich im Jahr 2011 weiter auf den Plan. Infolgedessen stieg man in Europa zum zweitgrößten Möbelhersteller auf. In Deutschland ist der Konzern mit dem bekannten Discounter Poco auf dem Möbelmarkt tätig. In Österreich und in Zentral- und Osteuropa ist man mit den Möbelhäusern Leiner und kika vertreten. Insgesamt verfügt Steinhoff über 40 Einzelhandelsmarken und 6.500 Geschäfte.


Razzia im Vorfeld des Börsengangs

Die fundamentalen Daten und Zahlen von Steinhoff gaben selbstverständlich Anlass zur Hoffnung, dass der Börsenwechsel bei den internationalen Kapitalmarktteilnehmern jede Menge Interesse wecken würde.

Bedauerlicherweise konterkarierte jedoch ein überaus negatives Ereignis ein paar Tage vor dem Gang an die Börse die Chance, auf einen rundum positiven und erfolgreichen ersten Börsentag. In der Europazentrale in Westerstede wurde nämlich auf Geheiß der Staatsanwaltschaft Oldenburg am 26. November eine Razzia in den Büroräumen und in diversen Privatwohnungen von Managern des Unternehmens durchgeführt.

Bei den Ermittlungen geht es um den Verdacht der Bilanzfälschung. Mehrere Manager sollen überhöhte Umsätze in den Bilanzen zweier Gesellschaften angegeben haben, unter anderem bei der Bewertung von Anteilsverkäufen der Steinhoff Group Services GmbH. Die Staatsanwaltschaft gab bekannt, dass es dabei um mehrere hundert Millionen Euro gehen soll.

Steinhoff selbst teilte in einer Meldung daraufhin mit, dass man vollumfänglich mit den ermittelnden Behörden zusammenarbeiten werde. Weiterhin vertrete man allerdings den Standpunkt, dass die konsolidierten Abschlüsse der Gruppe nach IFRS bezüglich der zum Gegenstand der Ermittlungen gemachten Sachverhalte korrekt sind.

Die Ermittlungen führten zu einem deutlichen Kursrückgang der Aktie an der Börse in Johannesburg. Zwischenzeitlich gab das Papier dort um mehr als 10% nach. Unterm Strich kam dies alles zum schlechtesten Moment, denn natürlich trübte dies auch die Erwartungen und Freude auf den anstehenden Börsenumzug.


Börsenwechsel mit viel Tamtam und ohne CEO Jooste

Trotz dieser Vorkommnisse und des dadurch eher negativ herrschenden Klimas entschied sich Steinhoff, den im September von den Aktionären abgenickten Börsenwechsel nach Frankfurt durchzuziehen.

Die 3,66 Mrd. Aktien der Steinhoff International Holdings Ltd. (ISIN: ZAE000016176) wurden dabei im Verhältnis 1:1 gegen die nun im Prime Standard notierten Aktien der Steinhoff International Holdings N.V. umgetauscht. Eine Kapitalerhöhung war hingegen mit dem Neustart an der Börse nicht geplant.

CEO Markus Jooste ließ weiterhin verlautbaren, dass der Umzug an die Börse in Frankfurt ein wichtiger Schritt sei, um das „internationale Profil der Gruppe“ zu stärken und für Investoren sichtbarer zu werden. Er selbst war aber nicht auf dem Parkett, als die Börsenglocke gestern Morgen erschallte. Er ließ sich mit Nackenschmerzen entschuldigen. Allerdings ist hierbei anzunehmen, dass dem CEO in diesen Tagen sicher ganz andere Dinge Schmerzen bereiten.

Wenngleich also Chef Jooste selbst nicht vor Ort sein konnte, wollte man dem Kapitalmarkt dennoch ein bisschen Tamtam bieten. Dem Anlass und dem Kerngeschäft gebührend baute man daher vor dem Handelssaal in Frankfurt symbolträchtig die aktuelle Möbelkollektion aus den Bereichen Küche sowie Kinder-, Wohn- und Schlafzimmer auf.

Der Börsenwechsel selbst verlief am Ende reibungslos und ohne Zwischenfälle, aber eben auch unspektakulär und wenig euphorisch. Mit einer Erstnotiz von 5 EUR wurde Steinhoff an der Börse dennoch mit 19,31 Mrd. EUR bewertet. Ein Schwergewicht nicht nur beim Umsatz und operativen Ergebnis, sondern auch an der Börse.

Der Streubesitz liegt laut eigenen Angaben bei etwa 70%, was einer Marktkapitalisierung auf Streubesitzbasis von 13,5 Mrd. EUR entspricht. Damit erfüllt Steinhoff – wie eingangs bereits gesagt – nahezu alle Voraussetzungen, um die Aufnahme in den DAX zu schaffen. Aktuell fehlt dem Möbelriesen nur noch das notwendige Handelsvolumen. Dieses könnte aber bald schon höher ausfallen. So hat die Deutsche Bank gestern in einer ersten Kommentierung der Aktie ein Kursziel von 6 EUR ausgegeben und sie zum „Kauf“ empfohlen.

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