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In unserem heutigen Interview konnten wir unsere Fragen an Herrn Thomas Stümmler, Vorstandsvorsitzender der Vectron Systems AG (ISIN: DE000A0KEXC7), stellen.

Herr Stümmler, wir sind letzte Woche bei einer IR-Veranstaltung auf Ihr Unternehmen aufmerksam geworden. Wir nannten Vectron etwas despektierlich "König in der Nische". Vielleicht sagen Sie kurz etwas über die Vectron Systems AG wie sie sich im Moment darstellt? Wie hat sich das Unternehmen zum jetzigen Punkt entwickelt und seit wann sind Sie an Bord?

Ich bin einer der Gründer der Gesellschaft und damit seit 1990 an Bord. Seitdem hat sich Vectron zum Marktführer für Gastronomiekassensysteme entwickelt. Wir schätzen, dass unser Marktanteil bei Bäckerei- und Gastronomiebetrieben in Deutschland bei rund 25 Prozent liegt.

Und dann sprachen Sie von den neuen Märkten mit ganz anderem Potential, die Sie bedienen wollen oder könnten?

Seit einigen Jahren verschiebt sich der Fokus stark in den Bereich digitaler Dienstleistungen. Wir verbinden Online-Lösungen wie Tischreservierungssysteme, Punktesammelkarten, Online-Bestellfunktionen, Payments und viele mehr mit den Kassensystemen vor Ort. Wir bieten seit Jahren unser bonVito-System für Großkunden an, dass inzwischen erfolgreich etabliert ist und aktuell von mehr als 5000 Geschäften mit über 4 Millionen aktiven Kundenkarten genutzt wird. Hier haben wir inzwischen die Gewinnschwelle erreicht. Aktuell starten wir zusätzlich die Vermarktung eines ganz neuen Systems unter dem Namen „Duratec digital world“ (Ddw). Es ist für die breite Masse der kleineren Gastronomen konzipiert. Mit Ddw wollen wir den Großteil unserer Kunden und den Rest des Marktes zum Abschluss digitaler Dienstleistungsverträge bewegen.

Und wie spielt da die sogenannte Registrierkassenrichtlinie ins Konzept? Was ist das überhaupt?

Es handelt sich um ein Gesetz, das vorschreibt, dass alle Kassensysteme in Deutschland ab dem 01.01.2020 mit einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) ausgestattet sein müssen. Dies bedeutet, alle Kassen müssen entweder neu gekauft oder zumindest nachgerüstet werden.

Man könnte also sagen, Sie sehen hier eine Riesenchance?

Natürlich schafft dieses Gesetz eine enorme Nachfrage, von der wir als Marktführer besonders profitieren werden. In Österreich haben wir nach Einführung eines ähnlichen Gesetzes über einen Zeitraum von 2,5 bis 3 Jahren eine Erhöhung der Nachfrage von 400 % erlebt.

Aber sind nicht neue Kassensysteme gerade für Ihre Zielgruppe sehr teuer in der Anschaffung? Weshalb sollten also Gastronomiebetriebe oder Bäckereien ihre alten Kassensysteme nicht umrüsten, sondern neue ausgerechnet bei Vectron ordern?

Unsere Erfahrungen zeigen, dass ca. 50 Prozent eine neue Kasse kaufen und 50 Prozent nur ein Update vornehmen. Es gibt sehr viele ältere Systeme im Markt, die nicht nachgerüstet werden können.

Denken Sie, dass Ihre Lösung für die Registrierkassenrichtlinie den Marktanteil von Vectron steigern kann?

Wir sehen nach den ersten Vermarktungsschritten bei „Duratec digital world“ ein gutes Feedback der Kunden und sind sicher, im Rahmen der Fiskalisierung einen spürbaren Teil des restlichen Marktes mit unserem revolutionären Angebot erreichen zu können.

Wie sieht ihre Lösung rein technisch eigentlich aus? Und was kommt als "Besonderheit" hinzu?

Die All-inclusive-Lösung kombiniert ein komplettes Kassensystem unserer Zweitmarke Duratec mit diversen digitalen Services zu einem innovativen Bundle nach dem Motto „Alles aus einer Hand“. Der Clou ist, dass wir durch das Bündeln mehrerer Angebote unser Kassensystem praktisch kostenlos zur Verfügung stellen können, wenn der Kunden die Services bei uns bucht. Auch die Services werden ohne Grundgebühren nur auf Basis der Transaktionen abgerechnet. Der Gastronom zahlt also nur, wenn es ihm auch etwas bringt. Das gab es in unserer Branche so noch nie.

Welche Partner haben Sie mit an Bord geholt? Wie sehen Ihre Einnahmemöglichkeiten hierbei aus?

Wir haben für „Duratec digital world“ bisher folgende Partner gefunden:

  • DeutschlandCard: Deutschlands zweitgrößtes Multipartner Bonusprogramm mit mehr als 20 Mio. Teilnehmern. Diese können nun auch in der Gastronomie Punkte sammeln und einlösen. Damit ist die DeutschlandCard das einzige große Punktesammelsystem, welches sich auch Kleinbetrieben öffnet, die damit die gleichen Vorteile haben, die bisher nur Konzernen vorbehalten waren.
  • Epay: Vectron ist kaufmännischer Netzbetreiber für die Zahlungsdienstleistungen von Epay. Damit verdienen wir an allen Kartenzahlungen in den Betrieben und sind auch offen für neue Zahlungswege wie Alipay, Googlepay etc. Weiterhin ist Epay sehr stark involviert den Markt für Gutscheine von z.B. Amazon oder iTunes und das Aufladen von Prepaid-Handykarten und -Kreditkarten. Auch diese Geschäftsfelder werden wir in einem zweiten Schritt hinzufügen.
  • Restablo: Betreibt als Startup eine Online-Bestellplattform, die mit dem Quasimonopolisten Lieferando vergleichbar ist, die aber wesentlich günstigere Konditionen anbietet.
  • Resmio: Nach eigenen Angaben die aktuell größte Plattform für Tischreservierungen in Deutschland. Wer den Service nutzt, der wird gleichzeitig auf über 150 Plattformen wie Google, Yelp und Tripadvisor gelistet. Dies können kleine Gastronomen alleine gar nicht leisten und sie profitieren von Neukunden, die über dieses Netzwerk kommen.
  • Weiterhin bieten wir eine von Vectron entwickelte Gutscheinkartenlösung an. 80 % der Gastronomen verkaufen heute Gutscheine – gerade in der Weihnachtszeit. Leider sind dies zumeist Papiergutscheine, die von Hand ausgefüllt und bearbeitet werden. Hier gibt es ein großes Problem mit Abrechnungsfehlern und Betrug, welches wir durch die Ausgabe elektronischer Gutscheinkarten lösen können.

Wir haben mit den Partnern für alle anfallenden Gebühren einen fairen Anteil an den Einnahmen vereinbart.

Wie hoch sollte der Anteil der monatlich-wiederkehrenden Einnahmen am Gesamtumsatz idealerweise sein? Und was denken Sie, wie sieht es nach September 2020 aus (Zeitpunkt ab dem die "Nichtumsetzung der Richtlinie" wahrscheinlich geahndet werden wird)?

Wir gehen davon aus, dass auf Dauer pro Kunde die Einnahmen aus den digitalen Services weit höher sein werden als die potentiellen Erträge des reinen Kassenverkaufs. Wenn es nach uns geht, bewegen wir uns vollständig weg vom Einmalgeschäft hin zu laufenden monatlichen Gebühren. Dies wird aber sicher einige Zeit dauern, weshalb wir in den nächsten Jahren von einem Mix ausgehen, der langsam aber sicher in Richtung Serviceeinnahmen kippen sollte.

Was macht ihr Wettbewerb mit dieser Chance? Gibt es ähnliche Angebote?

Bisher ist uns nichts Vergleichbares bekannt.

So wie sich das Ganze anhört, wird die Vectron Systems AG in 2021 eine andere sein, als heute. Was denken Sie?

Unser Ziel ist, die Gesellschaft in den nächsten Jahren zur größten Online-Plattform in der Gastronomie auszubauen, die ausgewählten Partnern einen kostenpflichtigen Zugang zur größten Flotte von online verbundenen Kassensystemen bietet. Wir möchten für den Gastronomen ein Komplettanbieter für alle seine digitalen Dienste werden.

Können Sie uns noch sagen, wie derzeit Ihr KGV aussieht? Denken Sie ein solches KGV passt zu der Wachstumsstory, die wir gerade gehört haben?

Aktuell ist unser KGV negativ, weil wir derzeit noch Anlaufverluste für die neuen Geschäftsfelder verbuchen. Diese Investitionen bewegen sich aber im Vergleich zu anderen Plattformen wie in einem homöopathischen Bereich.

Und wie sieht eigentlich die Aktionärsstruktur der Vectron System AG aus? Gibt es Ankeraktionäre?

Die Gründervorstände stellen nach wie vor mit rund 46 Prozent die größte Aktionärsgruppe.

Wir haben ja am Anfang der Woche erfahren, dass Sie einen neuen Ankeraktionär haben. Gratuliere. Wie kamen Sie denn zusammen und was heisst das für die zukünftige Strategie?

Primepulse ist der ideale Partner für Vectron. Primepulse fokussiert sich bei der Auswahl seine Beteiligungen auf das Thema Digitalisierung. Auch das Cloudgeschäft ist Primepulse beispielsweise über die Beteiligung an Cancom nicht unbekannt. Die Cloud ist auch zukünftig bei uns ein zentrales Thema. Sie sehen, dass es viele Überschneidungen der Themen gibt. Der Austausch mit dem Management kann für uns sehr hilfreich sein. Unsere Strategie wird sich dadurch aber nicht ändern.

Und am Ende noch etwas persönliches: Warum führen Sie aktive Investor Relations Arbeit durch, reicht es nicht irgendwann mit guten Zahlen zu überzeugen? Haben sie nichts Besseres zu tun?

Ich glaube, dass Transparenz ganz wichtig ist. Wir wollen unsere Aktionäre im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten informieren – egal ob die Zahlen gut oder schlecht sind. Gerade in Zeiten des Umbruchs muss der Vorstand dem Kapitalmarkt die Story vermitteln. Ob diese überzeugend ist, kann man oft alleine an den Zahlen nicht ablesen. Dies gilt insbesondere für Situationen, in denen massiv in neue Geschäftsfelder investiert wird. Ich sehe es als meine Verpflichtung und Dienst an unseren Aktionären an, gerade in erklärungsbedürftigen Situationen das Unternehmen aktiv zu repräsentieren und mich nicht zu verstecken.

Danke für das Gespräch. Wir hoffen, dass Sie nächstes Jahr die Erfolge sehen, die möglich scheinen.

 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Thomas Stümmler | Vorstandsvorsitzender der Vectron Systems AG

foto thomas stuemmler 300

Thomas Stümmler ist einer der Gründer und somit seit 1990 bei Vectron Systems AG.

Kurzinfo zum Unternehmen
 
Die Vectron Systems AG ist ein full-size Systemlösungsanbieter, der aus eigener Engineering-Leistung heraus Hardware, Software und cloudbasierte Services im internationalen Markt anbietet. Neben Entwicklung, Vertrieb und entgeltlicher Überlassung von integrierten Lösungen für Kasseninstallationen, gehören Software- und cloudbasierte Datenanalyse-, Datenmanagement-, Warenwirtschafts-, CRM- und Service-Module sowie Schnittstellen für Drittanbieter zum Leistungsspektrum. Die Vectron Cloud-Services umfassen digitale Dienste, die sich neben dem B2B- auch an den B2C-Bereich richten. Sie beinhalten die Analyse, das Verarbeiten und das Reporting von produktbezogenen Transaktionsdaten.
 
Des Weiteren werden Kundenbindungs-Tools wie digitale Stempelkarten, Coupons und Deals sowie Effizienzwerkzeuge, beispielsweise Tischreservierung und Lieferservice, angeboten. Alle Dienste sind direkt mit dem Kassensystem verbunden, wodurch dieses zum zentralen Data Center wird.

Weitere Informationen

  • ISIN: DE000A0KEXC7

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