wrapper

Breaking News

Die Turbulenzen um PNE Wind AG (ISIN: DE000A0JBPG2) reißen nicht ab und gehen mit einem weiteren Eklat in die nächste Runde. So berichtet das Unternehmen, dass die Polizei nach der HV Räume versiegelt und Unterlagen beschlagnahmt hat.

Was ist da los?! Das fragen sich nicht nur Aktionäre der PNE Wind. Der Kleinkrieg zwischen Großaktionär und Management schlägt neue Wellen. Gestern hat der Windanlagen-Projektierer in einer Unternehmensmitteilung Stellung zu dem Polizei-Einsatz auf der Hauptversammlung (HV) am 16. Juni in Cuxhaven bezogen.

HV-Marathon endet mit Überraschung

Die HV dauerte aufgrund einer ausgiebigen Diskussion mit zahlreichen Wortmeldungen und umfangreichen Geschäftsordnungsanträgen rund 14 Stunden und damit bis weit in die späten Abendstunden. Im Anschluss an den HV-Marathon kam es dann jedoch noch zu einem überraschenden Besuch der Polizei.

Wie PNE Wind gestern in einer Meldung mitteilte, erschienen nach Beendigung der HV zwei Polizeibeamte, welche die Abstimmungsräume versiegelten und einzelne Unterlagen beschlagnahmten. Medien berichten, dass der Grund für den Einsatz im Verdacht begründet liegt, dass Verantwortliche des Windanlagen-Projektierers die Abstimmungsergebnisse mit Absicht zurückgehalten haben. Laut Medienberichten ermittelt die Staatsanwaltschaft Stade diesbezüglich. Es wird offensichtlich geprüft, ob der Straftatbestand der Urkundenunterdrückung vorliegt.

PNE Wind erklärte hingegen in seiner gestrigen Stellungnahme, dass trotz Bemühen der Versammlungsleitung, die Ergebnisse vor Mitternacht mitzuteilen, die HV ohne Bekanntgabe der Abstimmungsergebnisse beendet werden musste. PNE Wind teilte zudem mit, dass man keinerlei Kenntnis darüber hat, ob Ermittlungen gegen das Unternehmen, Vorstand oder Aufsichtsrat bzw. Mitarbeiter geführt werden.

Das Vorspiel: Großaktionär vs. Management

Welch eine Dramaturgie der Ereignisse. Besser hätte es selbst der Altmeister des Thrillers Alfred Hitchcock nicht inszenieren können. Was im Vorfeld der HV in den Medien bereits als Showdown angekündigt wurde, bot am Ende fast alles, außer einer endgültigen Lösung für den ausufernden Streit zwischen dem Großaktionär Volker Friedrichsen und dem Management sowie Teilen des Aufsichtsrats.

Friedrichsen kam vor zwei Jahren im Zuge der Akquisition der WKN AG, einem damals etwa gleich großen Windanlagen-Projektierer, zu PNE Wind ins Boot. Er war über die Volker Friedrichsen Beteiligungs-GmbH Eigentümer der WKN AG und erhielt im Gegenzug rund 20% der Anteile von PNE Wind, was umgerechnet 93 Mio. EUR entsprach.

Zuviel, wie der Vorstand um Chef Martin Billhard im Zuge der eskalierenden Auseinandersetzung feststellte. Aus diesem Grund teilte PNE Wind im Dezember 2014 mit, dass man Schadenersatzansprüche in Höhe von 6,2 Mio. EUR gegen die Beteiligungsgesellschaft von Friedrichsen geltend machen werde. Die in diesem Zusammenhang im Raum stehende Anschuldigung ist, dass einzelne Projekte der WKN AG überbewertet waren.

Friedrichsen, der seit letztem Jahr selbst im Aufsichtsrat sitzt, streitet dies ab und warf dem Management und Teilen des Aufsichtsrats seinerseits vor, sich durch viel zu hohe Bezüge und Vergütungen am Unternehmen zu bereichern.

So soll der Vorstandsvorsitzende Martin Billhardt eine Gesamtvergütung von 1,36 Mio. EUR beziehen, was laut Friedrichsen eher dem Niveau eines ausgewachsenen MDAX-Konzerns entsprechen würde und nicht einem Unternehmen mit 211 Mio. EUR Marktkapitalisierung.

Auch die stattlichen Bezüge von Dieter Kuprian, der als PNE-Aufsichtsrat 229.000 EUR und darüber hinaus bis dato zusätzlich als Aufsichtsrat der WKN AG 112.000 EUR erhielt, sind laut aktuellen Medienberichten zufolge eher obere Dax-Liga.


Ene, mene, muh und raus bist du …

Unterm Strich geht es in dem Streit letztendlich aber nur noch darum, wer am Ende wen ausstechen kann. Denn sowohl Friedrichsen und seine Fraktion, die Aufsichtsratsmitglieder Astrid Zielke und Peter Baron von le Fort, als auch die Gegenseite in Person des Managements und der Aufsichtratsmitgliedern Dieter Kuprian, Peter Fischer und Reza Abhari haben im Vorfeld der HV das klare Ziel formuliert, die jeweils andere Partei aus dem Boot zu schmeißen.

So wurden in den letzten Monaten ordentlich die Messer gewetzt und entsprechende Vorbereitungen getroffen. Friedrichsen hatte in den letzten Wochen z.B. mit Insiderkäufen seinen Anteil an der PNE Wind wieder auf über 15% aufgestockt, um – so die Vermutung – auf der HV die Abberufung der drei ungeliebten Aufsichtsratsmitglieder zu erwirken.

Auf der anderen Seite verwies der Vorstand darauf, dass sich Friedrichsen aufgrund eines anstehenden Schiedsgerichtsverfahrens wegen der Schadenersatzansprüche in einem permanenten Interessenskonflikt befinde und daher seinen Hut nehmen solle.

Wer nun gehen muss, bleibt erst einmal weiterhin unklar. Während Friedrichsen sicher ist, dass die Ergebnisse der Abstimmung vorlagen und willentlich zurückgehalten wurden, hat der Vorstand dies mit der gestrigen Erklärung dementiert.

Es bleibt also spannend. Dies gilt auch für die Aktie der Cuxhavener.


Aktie rutscht trotz erfolgreichem Verkaufs des britischen Geschäfts ins Minus

Obwohl PNE Wind am 12. Juni, also nur ein paar Tage vor der HV, mit dem Verkauf des britischen Geschäfts einen Big-Deal meldete, konnte sich die Aktie nicht nachhaltig nach oben bewegen. Warum, ist natürlich klar. Die Ereignisse auf der HV haben maximale Unruhe und Unsicherheit hereingebracht.

Diesem gewaltigen Gegenwind konnte die Nachricht vom Verkauf der britischen Projektpipeline für rund 141 Mio. EUR dann auch nicht standhalten. Die Aktie von PNE Wind reagierte zwar zunächst positiv und stieg Freitagnachmittag im Xetra-Handel von 2,14 EUR bis Montagmorgen zum Handelsstart auf 2,35 EUR. Ein Plus von 9,8%. In den beiden Tagen nach der HV erhielt sie jedoch einen fetten Dämpfer. Bis auf 1,96 EUR stürzte die Aktie zeitweise ab und lag somit 16,6% unter dem Wochenhoch von Montag. Aktuell notiert sie bei 2,05 EUR und die offenen Fragen machen eine kurzfristige Prognose schwierig. Mittel- bis langfristig dürfte sich die Aktie aber wieder deutlich erholen.

Anzeige

Über uns

Das Nebenwerte Magazin richtet seinen Fokus auf die Welt der deutschen Nebenwerte und hat sich zum Ziel gesetzt, Mid-Caps und Small-Caps aus Deutschland mehr in den Blickpunkt zu rücken.

Noch immer stehen deutsche Nebenwerte weitestgehend im Schatten der sogenannten 30 Blue Chips aus dem DAX, dem deutschen Leitindex. Doch so mancher Wert aus dem DAX kam ja einst aus der zweiten und dritten Reihe und war somit selbst einmal ein Mid-cap oder Small-Cap. SDAX, TECDAX und MDAX sind daher sozusagen die Wiege des DAX.

weiterlesen...

Partner

goyax logo 600x128 weiss

finanzrichten 600x114

wo logo partner

 Partner ARIVA.DE

Partner Boersennews.de