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In unserem heutigen Interview konnten wir unsere Fragen an Herrn Dr. Jens Gerhardt, Vertriebsvorstand und Sprecher des Vorstandes der HanseYachts AG (ISIN: DE000A0KF6M8), stellen.

Deutschlands größter Serienyachthersteller hat vor wenigen Tagen die vorzeitige Rückzahlung der Unternehmensanleihe 2014/2019 angekündigt, nachdem sich die Greifswalder eine neue Bankenfinanzierung über 15 Mio. Euro gesichert haben. Den positiven Ergebniseffekt ab dem Geschäftsjahr 2018/2019 (01.07.) beziffert HanseYachts auf mindestens 0,7 Mio. Euro p.a. Mittelfristig peilt das Management um Dr. Gerhardt eine Steigerung der EBITDA-Marge auf 10 bis 12 Prozent bei einem Konzernumsatz von 200 Mio. Euro an.

Herr Dr. Gerhardt, HanseYachts hat bekannt gegeben, dass es die bis 2019 laufende Mittelstandsanleihe vorzeitig zurückzahlen will. Die Refinanzierung dafür erhalten Sie durch ein Bankenkonsortium. Warum haben Sie sich für die vorgezogene Tilgung entschieden?

Dr. Jens Gerhardt: Das wichtigste Argument: Wir sparen mit dieser Maßnahme Geld. Die Anleihe ist inzwischen in die Jahre gekommen, so wären die Zinszahlung für die restliche Laufzeit größer gewesen, als Vorfälligkeit plus heutiger Bankenzins. Darüber hinaus sind Mittelstandsanleihen nicht mehr wirklich gefragt, insbesondere im aktuellen Niedrigzinsumfeld. Unsere Anleihe hat zwar recht gut notiert, aber im Allgemeinen sind sie erklärungsbedürftig. Obendrein wirkte das generelle Laufzeitende auf Außenstehende wie ein unnötiges Risiko, dass wir mit der erfolgreichen Refinanzierung nun aus der Welt geschafft haben. Ein Bankenkredit, in einem für ein Unternehmen unserer Größe vernünftigen Rahmen, ist für Kunden und Aktionäre akzeptabler und für uns auch deutlich günstiger. So erzielen wir dadurch ab dem kommenden Geschäftsjahr eine jährliche Ergebnisverbesserung in Summe von mindestens 0,7 Mio. Euro.

Die vorzeitige Tilgung belastet jedoch das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr in einer Größenordnung von 0,3 Mio. Euro. Warum ist dies so?

Dr. Jens Gerhardt: Das ist eine Entschädigung für die Inhaber des Bonds dafür, dass wir früher als geplant den Anlegern ihr Geld zurückgeben. Diese Vorfälligkeitszinsen sind fester Bestandteil des Instrumentes und wurden vor Zeichnung bekannt gegeben bzw. wurden so vorher verhandelt. Wenn man diese einmalige Belastung jedoch mit den bereits angesprochenen Einsparungen in Höhe von 0,7 Mio. Euro ab 2018/2019 vergleicht, wird deutlich, dass sich dies für uns rechnet.

Wie ordnet sich die genannte Einsparung auf der Zinsseite ab dem kommenden Geschäftsjahr in Ihre mittelfristige Planung für die Profitabilität ein?

Dr. Jens Gerhardt: Wir sind traditionell ein Eigenkapital getriebenes Unternehmen mit einer verhältnismäßig geringen Verschuldung. Durch den hohen Kupon des Bonds hatten wir für 4 Jahre ein für uns vergleichsweise hohes Delta zwischen operativem Gewinn (EBITDA) und dem Vorsteuerergebnis (EBT). Die jetzige Refinanzierung über Banken bringt das wieder ins Reine.

Sie verweisen immer wieder darauf, dass das Geschäft mit Yachten sehr saisonal geprägt ist. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2017/2018 mussten Sie trotz einer Umsatzsteigerung um 6 % einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen. Was waren die wesentlichen Gründe hierfür?

Dr. Jens Gerhardt: Wir haben in den ersten neun Monaten 2017/2018 nicht nur ein Umsatzplus von 6 % erzielt, sondern zugleich auch den höchsten Auftragseingang der Firmengeschichte verzeichnet. So lag unser Auftragsbestand Ende März bei 69,4 Mio. Euro und damit 12,7 % über dem Vorjahr. Aber wir bauen Produkte, die mehrere Monate Fertigung benötigen. Unser Geschäftsjahr endet am 30. Juni. In diesem Jahr werden wir zu diesem Stichtag nicht alle Schiffe bereits auslieferungsfertig haben. Mitverantwortlich dafür war die teilweise extreme Witterung in den Wintermonaten, die zu witterungsbedingten Lieferschwierigkeiten bei Zulieferern und in der Folge zu Produktionsverzögerungen und Verschiebungen führte, sowie ein ungewohnt hoher grippewellenbedingter Personalausfall in den Monaten Februar bis März 2018. Ein Teil des ursprünglich für 2017/2018 erwarteten Umsatzes und Gewinns fallen durch diese Verschiebungen buchhalterisch in das nächste Geschäftsjahr. Dazu kommen in diesem Jahr noch Kosten für die Aufnahme einer neuen Marke, die Ablösung der Mittelstandsanleihe sowie erhöhte Aufwendungen für den Start der Serienfertigung von gleich vier neuen Hanse-Modellen im letzten Sommer.

Bedeuten die genannten Verschiebungen, dass Sie mit einem höheren Auftragsbestand ins nächste Geschäftsjahr starten werden?

Dr. Jens Gerhardt: Ja. Hinter jeder Bestellung steht ein Kunde, der mindestens angezahlt und präzise spezifiziert hat. Jedes einzelne Boot hat keine für den Bootsbau unübliche Verspätung, so dass wir nicht davon ausgehen, dass diese Aufträge Probleme bereiten. Es ist nur die Summe, die uns als Firma ausgerechnet zum Stichtag Ende des laufenden Geschäftsjahres ein wenig ärgert. Im Gegenzug gehen wir aber mit einem hohen Auftragsbestand gestärkt ins neue Geschäftsjahr 2018/2019.

Sie mussten die Prognose für das laufende Geschäftsjahr nach unten korrigieren. Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, dass sich eine ähnliche Entwicklung im kommenden Jahr nicht wiederholt?

Dr. Jens Gerhardt: Am einfachsten wäre es Aufträge noch früher zu bekommen, um besser planen zu können. Damit machen wir uns unabhängiger von Schnee und Grippe. Um dies zu erreichen, haben wir unsere Rabattstrategie überarbeitet: Ähnlich wie bei Fernreisen geben wir den Kunden Anreize für frühe Buchungen.
Zudem integrieren wir durchschnittlich alle 3 bis 4 Jahre eine neue Marke ins Konzernportfolio, begleitet von den damit verbundenen Anlaufkosten. Diese neuen Marken haben uns geholfen, noch schneller eine bedeutende Wettbewerbsposition zu erlangen. Man könnte in Zukunft alternativ Targets kaufen, die bereits vom Start weg einen positiven Ergebnisbeitrag liefern und stattdessen mit dem Kaufpreis leben. Dies müsste von Fall zu Fall entschieden werden.
Wir werden zudem zukünftig nicht mehr so viele Innovationen an einem Ort gleichzeitig platzieren. Das hat zwar am Markt den größten positiven Effekt, belastet aber die Produktion. Wir werden künftig neue Modelle besser über unsere Fabriken verteilen. In Summe gehen wir davon aus, dass wir im Geschäftsjahr 2018/2019 wieder ein positives Konzernergebnis ausweisen werden.

Der Schiffsbau hat in Deutschland eine lange Tradition. Allerdings bestimmten in den vergangenen Jahren eher Schlagzeilen vom Werftensterben die Berichterstattung, zuletzt geriet Ihr Konkurrent Bavaria in Liquiditätsnot. Spielt Ihnen diese Entwicklung in die Karten oder ist es eher ein Zeichen, dass sich auch HanseYachts nach wie vor in einem sehr herausfordernden Markt bewegt?

Dr. Jens Gerhardt: Der Markt ist derzeit ausgesprochen gut und stabil. Zwar verschwinden einzelne Marken oder Werften vom Markt, im Gegenzug entstehen aber auch viele neue Marken, Innovationen und Produkte. Die Industrie ist gerade 50 Jahre alt geworden. Bootsbau gibt es schon lange, aber nicht industriell in GFK. Daher ist es vollkommen normal, dass hier und da eine Marke aufgibt, weil die nächste Generation in der Familie nicht übernehmen will oder bei größeren Firmen, weil Fehler gemacht wurden. Den Platz nehmen dann junge Marken oder innovativere Produkte ein, welche den Kundenwünschen der Zielsegmente besser entsprechen. Unser Ziel ist es, uns von diesen Kuchenstücken, die neu verteilt werden, die lukrativsten zu sichern.

Mehr als zwei Drittel Ihres Umsatzes erwirtschaften Sie derzeit mit Segelbooten, den Rest mit Motorbooten. Sehen Sie hier in der Zukunft eine Veränderung des Kräfteverhältnisses zugunsten der Motorboot-Bereiches und wenn ja, wie wollen Sie entsprechende Marktchancen nutzen?

Dr. Jens Gerhardt: Das stimmt, am Markt sind die Kräfteverhältnisse genau umgekehrt. Wir haben allerdings Gewinn- und Umsatzziele, nicht feste Motorbootquoten. Segel vs. Motor hängt bei uns hausintern davon ab, was wir in den vergangenen zwei Jahren an Innovationen gebracht haben. Für mich ist es wichtig, dass wir in beiden Segmenten stark genug vertreten sind, denn auch in einem insgesamt stabilen Markt bewegen sich die Untersegmente von Jahr zu Jahr: klein, groß, Segel, Motor, offen, Fly, Cruising oder Performance. Diese Entwicklungen in den Untersegmenten sind nicht immer exakt vorhersehbar. Als große Gruppe mit 7 Marken und 35 Modellen können wir das flexibler ausgleichen.

Mittelfristig wollen Sie die EBITDA-Marge auf 10 bis 12 % steigern. Welche Anstrengungen sind notwendig, um diese Ergebnispotenziale heben?

Dr. Jens Gerhardt: Drei Dinge: wachsen, wachsen und gewachsen sein. Wer groß ist, kauft anders ein und kann wirklich global vermarkten. Hier sind wir in den letzten Jahren schon entscheidende Schritte vorangekommen. Nur große Schiffsbauer können Bandfertigungen aufbauen und haben kaum Leerlauf. Und gewachsen sein: Wer wächst, schleppt natürlich Wachstumskosten mit, die, wenn das relative Wachstum abnimmt, automatisch aus der Firma laufen werden. Wir sind zuversichtlich, dass wir die richtige Strategie gewählt haben, die vorhandenen Ergebnispotenziale schrittweise zu heben.

Herr Dr. Gerhardt, besten Dank für das Interview.


Chart: HanseYachts AG | Powered by GOYAX.de

Dr. Jens Gerhardt Vertriebsvorstand und Sprecher des Vorstandes der HanseYachts AG

Dr. Jens Gerhardt

Dr. Gerhardt hat nach dem Studium der Physik in Hamburg und der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit anschließender Promotion zunächst als Berater für McKinsey gearbeitet. Eine langjährige Tätigkeit in der Kommunikationsbranche schloss sich an, zuletzt bis 2011 als COO in einem Schweizer Unternehmen. Dr. Jens Gerhardt, Jahrgang 1967, ist leidenschaftlicher Surfer und Fahrtensegler.


Kurzinfo zum Unternehmen

Die HanseYachts AG ist gemessen an der Zahl weltweit verkaufter Yachten einer der zwei größten Hersteller hochseetüchtiger Segelyachten. Im Bereich Segel- und Motoryachten ist die HanseYachts AG ein weltweit operierendes Unternehmen.

In eine so herausragende Marktposition gelangt man in der globalen Wassersportindustrie nach der Gründung im Jahr 1990 mit unternehmerischen Qualitäten und Visionen, klarer Zielgruppenorientierung, effizienten Produktionsprozessen - aber vor allem mit hervorragenden Mitarbeitern. Alle Mitarbeiter der HanseYachts AG, vom Vorstand über Yachtdesigner, Ingenieure bis zu den Monteuren am Produktionsband, verbindet deshalb eine gelebte Gemeinsamkeit: Die Leidenschaft für die See.

Mittlerweile beschäftigt die HanseYachts AG im Firmenverbund mehr als 1.050 Mitarbeiter und zählt in der Region Greifswald zu den größten Arbeitgebern. Seit 2007 ist die HanseYachts AG börsennotiert (General Standard) mit aktuell ca. 26% frei gehandelten Aktien. Größter Aktionär ist seit 2011 die Münchener Aurelius AG, mit ca. 74% der ausgegebenen Aktien.

Zur HanseYachts AG gehören die Segelyachtmarken Hanse, Dehler, Moody und Varianta sowie die Motoryachtmarken Fjord und Sealine. Auf der folgenden Grafik wird ersichtlich, wie sich der Zukauf der Marken gestaltet hat. Angefangen mit der Hausmarke „Hanse“ im Jahr 1990, bis zur letzten Akquisition der Marke „Sealine“ im Jahr 2013, ist Wachstum das klare Ziel.

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