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Für die Aktionäre der Rocket Internet SE (ISIN: DE000A12UKK6) war 2015 insgesamt betrachtet ein echtes Leidensjahr. Die Aktie der Berliner Start-up-Schmiede stürzte seit dem Hoch im Februar bis aktuell um über knapp 51% in den Keller.

Zwischenzeitlich standen gar Kursverluste von über 60% zu Buche. Damit dürften auch die Samwer-Brüder alles andere als zufrieden gewesen sein. Und auch in anderer Hinsicht lief bei Rocket Internet nicht alles rund. So verwarf das Unternehmen kurz nachdem man Ende Oktober vollmundig den Börsengang von HelloFresh angekündigt hat, das IPO des Kochbox-Lieferanten mit schwammiger Begründung wieder.

Börsengänge sind der notwendige Treibstoff für die Aktie

Der Aktienkurs von Rocket Internet orientiert sich vor allen Dingen daran, ob und wie viele der Beteiligungen erfolgreich an die Börse gebracht werden können. Schließlich wirft derzeit noch keiner der im Portfolio befindlichen Start-ups Gewinne ab. Ganz im Gegenteil, sie kosten erst einmal viel Geld. Davon hat Rocket Internet derzeit zwar noch reichlich, die liquiden Mittel werden auf 1,7 Mrd. EUR taxiert, dennoch muss erkennbar sein, dass das Geschäftsmodell funktioniert. Diesen Beweis muss Rocket Internet allerdings noch erbringen.

Dass also der Kurs vom Hoch bei 57,08 EUR Anfang des Jahres peu à peu abbröckelte, überrascht daher nicht. Überraschend war indes aber schon, mit welcher Wucht das Papier ab Mitte Juli bis zum Jahrestief am 24. September bei 21,03 EUR fiel. Dazu beigetragen hat sicherlich der zu diesem Zeitpunkt allgemein eingetrübte Kapitalmarkt, aber auch die Platzierung einer Wandelschuldverschreibung im Volumen von 550 Mio. EUR. Diese hat eine Laufzeit bis Juli 2022 und kann dann in rund 11,57 Mio. neue und/ oder bestehende Aktien gewandelt werden. Diese bevorstehende Verwässerung kam bei Anlegern offensichtlich nicht gut an.

Es waren die Halbjahreszahlen am 30. September und die Ankündigung, dass man innerhalb der kommenden 18 Monate einer seiner Proven Winners an die Börse bringen will, der die Aktie kurzfristig anschob. Bis auf knapp 33 EUR ging es bis Mitte Oktober wieder rauf. Und diese sich anbahnende Trendwende wollte man weiter befeuern. So kam Ende Oktober dann die Meldung, dass man HelloFresh in absehbarer Zeit an die Börse bringen will.    


Undurchsichtiges „Hin und Her“ um das IPO von HelloFresh

Und der Börsengang von HelloFresh sollte auch ein lohnenswertes IPO für Rocket Internet werden. Erst im September wurde der Unternehmenswert der Beteiligung durch eine neue Finanzierungsrunde in Höhe von 75 Mio. EUR auf 2,6 Mrd. EUR hochgeschraubt. Zuvor war das Unternehmen gerade einmal 623,8 Mio. EUR wert.
 
Allerdings wurde der Plan – wie es ausschaut – aus den eigenen Reihen torpediert. Nur zwei Wochen nach der Ankündigung kam bereits das Dementi für den Börsengang. In der offiziellen Version begründete man die Absage des IPO mit den volatilen Märkten. Nicht sehr schlüssig, da zum einen die Märkte zwei Wochen zuvor auch nicht anders aussahen, und zum anderen die Märkte sich seit Anfang Oktober wieder deutlich positiver darstellten.

Wahrscheinlicher scheint da die Erklärung, welche das Manager Magazin in einem Artikel in der letzten Woche aufzeigte. So soll es beim Börsengang von HelloFresh „Uneinigkeit“ zwischen dem schwedischen Investor Kinnevik und CEO Oliver Samwer gegeben haben. Demnach blockierte Kinnevik mittels Anwälte das geplante IPO. Möglicher Grund war, dass Oliver Samwer angeblich einen Börsengang mit einem Unternehmenswert von über 3,3 Mrd. EUR anstrebte. Dies berichtete ein Insider, der Zugang zum unveröffentlichten Prospekt hatte, gegenüber der WirtschaftsWoche. Kinnevik war das wohl etwas zu ambitioniert.

Für einen etwaigen Streit spricht zudem die in der vorletzten Woche mitgeteilte Veränderung im Aufsichtsrat. War bislang Lorenzo Grabau (CEO Kinnevik) Vorsitzender des Aufsichtsrats, so wurde er nun zu einem einfachen Mitglied „degradiert“ und seiner statt der bisherige Stellvertreter und Samwer-Vertraute Prof. Dr. Marcus Englert in das Amt des Vorsitzenden gehoben. 


9-Monatszahlen von Proven Winners überzeugen Anleger nicht

Das als positiver Blockbuster geplante HelloFresh-IPO wurde durch die schnelle Absage zu einem Desaster. Die Aktie wurde aufgrund des abgeblasenen Börsengangs erneut in die Knie gezwungen. Von über 30 EUR ging es bis Anfang November auf 23,36 EUR wieder abwärts.

Zwar erholte das Papier sich ab Mitte November wieder ein wenig, blieb jedoch weiter deutlich unter der 30 EUR-Marke. Auch die in der letzten Woche veröffentlichten 9-Monatszahlen der 13 Proven Winners, sprich der wichtigsten Unternehmen im Portfolio, fielen insgesamt nicht so überzeugend aus, als dass sie den Kurs der Aktie hätten antreiben können.

Laut dem veröffentlichten Bericht ist der Wert des Portfolios unverändert bei 6,1 Mrd. EUR geblieben. Das durchschnittlich gewichtete Umsatzwachstum betrug allerdings auf die ersten neun Monate gesehen, nur noch +120%. Nach sechs Monaten lag es noch bei +142% und im ersten Quartal gar bei +217%.

Positiv entwickelte sich ohne Zweifel HelloFresh. Das Unternehmen steigerte die Umsätze von Januar bis September um 384% auf 198 Mio. EUR. Unterm Strich erzielte man aber noch immer ein Verlust von 52 Mio. EUR.

Enttäuschend war demgegenüber das Wachstum des Möbelversenders Westwing. Es betrug in den ersten neun Monaten nur noch +27%. Westwing kam auf einen Umsatz von 154 Mio. EUR und fuhr einen operativen Verlust von rund 46 Mio. EUR ein. Etwas besser lief es in punkto Wachstum für den zweiten Möbelversender Home24. Das Unternehmen setzte immerhin +63% mehr um und kam auf einen Umsatz von 172 Mio. EUR, bei einem operativen Verlust von 56 Mio. EUR.

Dreistellige Wachstumsraten wiesen ansonsten nur noch die Online-Handelsplattformen in den Emerging Markets-Regionen auf. Namshi, eine Plattform im Stile von Zalando für die Region Middle East, steigerte die Umsätze um +176%. Lazada kam in Südostasien auf ein Umsatzwachstum von +225% und Jumia in Afrika setze sogar +265% mehr um.


Aktie deutlich unter dem Ausgabepreis

Wie es derzeit um die Aktie von Rocket Internet bestellt ist, wird klar, wenn man sich in Erinnerung ruft, für welchen Preis die Aktien vor 14 Monaten im Zuge des Börsengangs ausgegeben wurden. Er betrug 42,50 EUR. Davon ist man aktuell recht weit entfernt. Vor allen Dingen, weil die Fantasie fehlt, wie es wieder in diese Gefilde laufen könnte.

Zwar hat Rocket Internet bekräftigt, dass man binnen der nächsten 18 Monate einer seiner Proven Winner an die Börse bringen will, aber weil es sich um eine doch recht unkonkrete Aussage handelt, ist der Markt erst einmal skeptisch.

Hinzu kommen die ambitionierten Bewertungen der Beteiligungen: HelloFresh mit 2,6 Mrd. EUR bewertet, sollte mit einer Bewertung von über 3,3 Mrd. EUR an die Börse gebracht werden, glaubt man den Aussagen eines Insiders nach dem abgesagten IPO. Rocket Internet selbst hat derzeit gerade einmal selbst eine Marktkapitalisierung von 4,62 Mrd. EUR.

Kann das gut gehen? Beim eigenen Börsengang im Oktober letzten Jahres verlief der erste Handelstag jedenfalls ernüchternd, wenn nicht enttäuschend. Damals schloss das Papier im Tageshandel gleich mit einem Minus von etwa -13% bei 37 EUR deutlich unter dem Ausgabepreis.

Allerdings wurden die Zweifel in den darauffolgenden Monaten zunächst durch einen steilen Anstieg der Aktie bis zum Allzeithoch im Februar bei 57,08 EUR zerstreut. Im Rückblick erscheint diese Phase jedoch nur als eine kurze Eskapade. Die Realität hat den Kurs eingeholt und nun muss Rocket Internet Zählbares auf den Tisch legen.

Ansonsten wird es wohl eher schwer, die Börse wieder zu überzeugen und auf das Niveau des Ausgabepreises zurückzukehren.    

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