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Für die Aktionäre der Tom Tailor Holding AG (ISIN: DE000A0STST2) und der Gerry Weber International AG (ISIN: DE0003304101) ist 2015 bisher ganz ohne Frage ein rabenschwarzes Jahr gewesen. Beide Unternehmen mussten nicht zuletzt wegen des hartumkämpften Bekleidungsmarkts die zu Jahresbeginn gesteckten Ziele deutlich zurücknehmen.

Die Aktienkurse der beiden deutschen Modekonzerne purzelten in den letzten sieben Monaten drastisch: Gerry Weber verlor an der Börse seit Ende Februar über 59% seines Wertes und Tom Tailor seit Anfang März sogar mehr als 63%.


Tom Tailor rutscht nach Gewinnwarnung um über 16 Prozent

Der bisherige Jahresverlauf konnte bereits als nicht gerade optimal bezeichnet werden. So verzeichnete Tom Tailor einen Kursrückgang von 13,97 EUR (09. März) auf 9,05 EUR bis Mitte Juni. Mehr als 35% büßte das Hamburger Modehaus in dieser Zeitspanne an der Börse ein.

Doch noch mit Veröffentlichung der Halbjahreszahlen am 11. August bestätigte man die Jahresprognosen. In den ersten sechs Monaten konnte man den Konzernumsatz um 3,8% auf 441,5 Mio. EUR steigern, wobei sowohl die Dachmarke Bonita (+3,4%), als auch Tom Tailor Retail (+1,9%) und Tom Tailor Wholesale (+5,9%) allesamt Wachstum aufwiesen.

Ein Blick auf die bereinigte EBITDA-Marge offenbarte allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits negative Tendenzen bei der Profitabilität. Diese fiel nämlich von 7,2% im ersten Halbjahr 2014 auf nunmehr 6% und schmälerte dementsprechend das EBTIDA von 30,5 Mio. EUR auf 26,3 Mio. EUR.

Etwas zeitverzögert, ab dem 17. August, setzte an der Börse dann auch eine weitere Korrektur ein, die den Kurs bis auf 6,97 EUR herunterführte. Aufgrund  der heute gemeldeten Gewinnwarnung kam es jetzt zu einem kräftigen Absturz der Aktie auf 5,16 EUR (21. September, 16.50 Uhr).

Tom Tailor bestätigte zwar die Umsatzprognose für das laufende Jahr von 945 Mio. EUR bis 955 Mio. EUR, senkte aber die Erwartungen für das bereinigte EBITDA. Dies soll mit 75 Mio. EUR bis 80 Mio. EUR unter der bisher angestrebten bereinigten EBITDA-Marge von 9,4%, welche im Vorjahr erzielt worden war, liegen.

Als Gründe nannte das Unternehmen Anlaufschwierigkeiten bei der Inbetriebnahme eines neuen Logistiklagers, das im Weiteren zu verzögerten Warenauslieferungen geführt habe. Darüber hinaus konnte man sich dem außerordentlich schlechten Marktumfeld im August nicht entziehen.

Ob die eingeleitete Umstrukturierung wie z.B. die Erweiterung des Vertriebsnetzes für die Dachmarke Bonita um den vertikalen Wholesale tatsächlich zur gewünschten Erhöhung der Flächenproduktivität und einer Steigerung der Profitabilität führt, wird die Zukunft zeigen.  Ein richtiger und unumgänglicher Schritt bei dieser Strategie ist aber sicherlich die Stärkung des eigenen Online-Auftritts, den Tom Tailor sich auf die Fahne geschrieben hat. Weiterhin dürfte eine baldige Lösung der bestehenden Probleme beim neuen Logistiklager ebenfalls für eine langfristige Verbesserung sorgen.


Gerry Weber’s operative Misere führt zum Abstieg aus dem MDAX    

Was bei Tom Tailor erst jetzt zur Gewissheit wurde, nämlich das Verfehlen der Prognose, musste der Konkurrent Gerry Weber im Juni bereits zum wiederholten Male in diesem Jahr verkünden.

 

 

Das am 12. Juni veröffentlichte Halbjahresergebnis fiel trotz der Miteinbeziehung der Akquisition von Hallhuber insgesamt schlechter aus, als man es erwartet hatte. Bereits einige Tage vor der Veröffentlichung der Zahlen verkündete der Modekonzern aus Halle per Adhoc, dass man die Umsatz- und Ergebnisziele für das laufende Geschäftsjahr 2014/2015 nicht erreichen wird.

Die Erwartungen bezüglich des EBIT wurden auf eine Verschlechterung von 20-25% gegenüber dem Vorjahr korrigiert. Zuvor war man noch von einem deutlich verbesserten EBIT zwischen 118 Mio. EUR und 126 Mio. EUR (2013/2014: 108,9 Mio. EUR) ausgegangen.

Der Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres trotz Hallhuber dabei lediglich um 4,8%. Das EBITDA hingegen ging deutlich um 14,9% auf 52,5 Mio. zurück. Als Gründe für die schlechten Zahlen nannte das Unternehmen insbesondere das negative Geschäftsumfeld inklusive der anhaltenden Rabattschlachten sowie die expansionsbedingten höheren Fixkosten.

Die Aktie brach mit Meldung der erneuten Gewinnwarnung am 9. Juni um über 30% ein, konnte sich aber bis Anfang August wenigstens wieder von 20,53 EUR auf 23,19 EUR erholen und stabilisieren.

Wer allerdings darauf spekulierte, dass Gerry Weber sich aufgrund eines gut laufenden zweiten Halbjahres vielleicht doch noch positiv aus der Affäre wird ziehen können, wurde mit den 9-Monatszahlen endgültig auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Die am 11. September veröffentlichten Zahlen der ersten drei Quartale fielen dermaßen schlecht aus, dass das Unternehmen die gerade erst im Juni angepasste Prognose nur erreichen kann, wenn die in der Vergangenheit erfahrungsgemäß verkaufsstarken Monate September und Oktober wie erwartet sehr gut verlaufen. Genau das bleibt eben auch noch abzuwarten.

Zwar konnte Gerry Weber den Umsatz –inklusive Hallhuber – in den ersten neun Monaten von 600 Mio. EUR auf 630,5 Mio. EUR steigern, doch das EBIT fiel von 65,5 Mio. EUR auf 38 Mio. EUR ab. Die EBIT-Marge verringerte sich dabei um 4,9% auf nunmehr 6%.  Will Gerry Weber also das EBIT-Ziel erreichen, so müsste das Unternehmen im letzten Quartal ein EBIT zwischen 43,68 Mio. EUR bis 49,12 Mio. EUR einnehmen.

Dass aufgrund des bisherigen Verlaufs des Geschäftsjahres Skepsis bei den Anlegern herrscht, ist daher mehr als nachvollziehbar. Exakt das spiegelt sich gerade auch im aktuellen Kurs von 14,94 EUR wider. Weitere Konsequenz der Talfahrt ist, dass Gerry Weber aus dem MDAX geflogen ist und seit heute damit nur noch im SDAX notiert.